Der Mord, der keiner ist
6. Januar 2008 von D. Petereit | 5 Kommentare
Da hat im Ort eben einer seine Frau erschossen. DerWesten berichtet. Das Sonntagsblättchen berichtet auch, aber etwas ausführlicher. Angeblich aus einer finanziellen Notlage heraus, habe Wilfried P. erst seine Frau und dann sich selbst erschießen wollen. Als ehemaliger Jäger verfügte er über Waffenschein und Waffen. Die finanzielle Notlage bestand lediglich darin, dass womöglich das Reihenhaus der kinderlosen Renterfamilie (58 und 57 Jahre) nicht mehr zu halten gewesen sei, dessen Verkauf aber einen Überschuss erwirtschaftet hätte. Seine Frau hatte bereits signalisiert, dass sie es nicht schlimm fände, in einer Mietwohnung zu leben.
Wilfried P. sah das aber wohl anders. Über ein paar Wochen plante er den Mord an seiner Frau. Er informierte sich, mit welcher Waffe und Munition man das wohl am sichersten hinbekäme. Angeblich plante er, sich danach auch selbst zu erschießen. Die zunächst für die Silvesternacht geplante Tat verschob er aus mir nicht bekannten Gründen auf dieses Wochenende. Er wartete bis seine Frau schlief, setzt ihr die Waffe direkt über das Ohr und drückte ab. Nach seinen Angaben soll seine Frau noch „Ooohh“ gesagt, sowie ein Blubbern von sich gegeben haben. Dann war sie tot. Der Anblick seiner toten Frau hat den Wilfried dann davon überzeugt, dass er sich wohl doch besser nicht erschießen sollte. Stattdessen ging er zur Polizei und stellte sich.
„Nanu? Verdammt hell. Das wird doch wohl kein Blitz gewesen sein?“ Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen verregneten Morgen vor zwei Wochen. Ich befahre eine 30-Zone steil bergab auf dem Weg zum ersten Termin. „Die können Dich doch unmöglich geblitzt haben. Du warst doch nicht zu schnell.“ Nach weiteren 10 Sekunden Grübelns vergesse ich den Vorfall.