Kategorie-Archiv: Politik/Wirtschaft

Facebook: Keine Timeline für Fanpages – noch nicht

Nun hat Facebook sie doch gestartet, die Timeline, in deutscher Übersetzung “Chronik” genannt. Endlich können 800 Millionen Nutzer noch weit detailliertere Informationen über sich selbst preisgeben. Schön von der Geburt bis zum aktuellen Datum angeordnet, werden Lebensläufe transparent.

Ob viele Nutzer daran Interesse haben, ist unklar. Diejenigen, die in jedem Falle Interesse daran haben, die Unternehmen nämlich, bleiben vorerst außen vor. Facebook erklärte heute, man arbeite zwar an einer Timelinefunktionalität für Unternehmensseiten, könne jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nichts konkretes ankündigen.

Das wird den Marketern nicht gefallen…

Der Verfall der Groupon-Aktie verständlich erläutert

Als Groupon am 4. November 2011 an die Börse ging und damit doch noch realisierte, wovon manch einer, einschließlich meiner Wenigkeit nicht mehr ausgegangen was, sah es nach einem erfolgreichen IPO aus. Kurz vor der Ausgabe wurde der Preis pro Anteilsschein noch schnell von 16 bis 18 auf 20 Dollar angehoben.Insgesamt 35 Millionen Aktien wurden verkauft und erlösten beim gegebenen IPO-Preis von 20 Dollar entsprechend 700 Millionen US Dollar insgesamt. Genau darum ging es Groupon. Das Unternehmen wollte möglichst hohe Liquidität einfahren, um ein bisschen Luft für die Herausforderungen der jüngeren Zukunft zu erhalten. Mission Accomplished.

Anleger sollten auf das Papier jedoch nicht reinfallen…
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Foxconn-Chinesen dürfen sich nicht mehr selbst umbringen

Es machte die Runde und macht sie noch. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken der Foxconn-Großstadt in China sind unfassbar schlecht. 13 Tage durcharbeiten, 12 -Stunden-Schichten, Sprechverbot.

Von den 500.000 Arbeitern haben sich innerhalb der letzten 16 Monate mindestens 14 umgebracht. Grund sollen die genannten Bedingungen sein. Um der Situation Herr zu werden, müssen die Arbeiter nun Verpflichtungserklärungen abgeben, die es ihnen unter Strafe verbieten, sich umzubringen.

Klingt witzig? Ist es aber nur auf den ersten Blick, denn die Auswirkungen würden die Hinterbliebenen treffen. Im Falle eines Selbstmordes würden diese nur das absolute Minimum an Unterstützung erhalten. Ja, in China gilt die Sippenhaft noch…

(Bild via The Next Web | Bildquelle: Financial Post)

Wer bezahlt am Ende für die Operation Payback?

Die Operation Payback ist in aller Munde. Auf den ersten Blick ringt es einem Respekt ab. Eine sich schnell organisierende anonyme Organisation attackiert die Websites der großen Wirtschaftsunternehmen, um Rache für das Abschalten und Isolieren von Wikileaks zu nehmen. Das hat was von Robin Hood und Tron. Einmal ein Hacker sein, einer der für die richtige Seite kämpft und den Marktradikalen zeigt, wo der Hammer hängt. Schaut man jedoch hinter die Kulissen, offenbart sich ein ganz anderes Bild.

Da werden Leute im Sinne einer ja im Grunde guten Sache  instrumentalisiert und in den Kampf gescheucht, ohne ihnen zu sagen, dass praktisch ihre Wohnadresse auf dem Schild, mit dem sie in die Schlacht rennen, geschrieben steht. Quasi eine Rücksendeadresse mit angegeben ist, für den Fall, dass der Erpresserbrief nicht zustellbar sein sollte.

Dass ich das ziemlich bescheiden finde, habe ich drüben bei t3n ausführlicher dargestellt >>

Und prompt kommen die Scriptkiddies, die sich soviel Boshaftigkeit einer guten Sache wohl nicht vorstellen können, aus ihren Löchern gekrochen und schreien “Du hast ja keine Ahnung!” oder “Du bist wohl ein Ami!” und was da sonst noch kommen mag…

Bildnachweis: Foto von sombrerero_loko auf Flickr. Lizenz: CC BY

Wikileaks: Viel Geräusch um wenig Substanz

Was für ein Wochenende. Am Samstag sendet mir der Spiegel folgende Info zu meinem Abonnement:

Schnell verbreiten sich Gerüchte, dass diese Ankündigung mit den geplanten Wikileaks-Enthüllungen zu tun haben wird. Meine Güte, denke ich. Da muss aber richtig was im Busch sein! Am Sonntag wird immer klarer, dass tatsächlich Wikileaks der Grund für das späte Erscheinen des Spiegel ist. Man will eine weltweit koordinierte Aktion der beteiligten Redaktionen, u.a. Guardian, El Pais sicherstellen.

Am Nachmittag dann verkauft ein offenbar uninformierter Kioskbetreiber bereits die ersten Exemplare der Druckversion. Schnell macht das Titelblatt als TwitPic die Runde. Und gegen 19.30 Uhr lässt sich der avisierte Startzeitpunkt 22.30 Uhr nicht mehr halten. Die digitalen Versionen des Spiegel gehen an den Start.

Ich lade mir die iPad-Version herunter und erwarte katastrophales. Allein, dem ist nicht so. Harmloses Geplänkel zu Einschätzungen amerikanischer Botschaftsmitarbeiter zu deutschen Politikern wird mir da als Knüller serviert. So ist Westerwelle “agressiv” und Merkel “selten kreativ”. Wusste ich schon. Auch Guttenbergs Charakterisierung als “echter und bekennender Freund der USA” überrascht mich nicht. Immerhin ist er ja  Mitglied der Atlantik-Brücke, die sich die Förderung des deutsch-amerikanischen Verständnisses auf die Fahnen geschrieben hat. Da wäre jede andere Art von Charakterisierung interessanter gewesen.

Ich kämpfe mich also durch die 18 iPad-Seiten und erfahre summa summarum nichts neues. Lediglich erhalte ich die Bestätigung, dass das amerikanische Botschaftspersonal offensichtlich über gesunden Menschenverstand verfügt. Erst die Berichte über die Kabel aus der Türkei und dem Iran, sowie dessen Anrainerstaaten lassen ein gewissen Gefühl von Neuigkeit aufflammen. So hätte ich beispielsweise nicht gedacht, dass die USA Erdogan für einen “ignoranten Islamisten mit korrupter Regierung” halten. Immerhin wollen Sie die Türkei in die EU hieven. Ahmadinedschad wiederum als “Hitler” zu bezeichnen ist fast schon zu selbstverständlich für eine so sensationelle Wikileaks-Enthüllung. Interessant fand ich dann aber doch die Berichte aus den Anrainerstaaten, in denen man so gar nicht auf Irans Linie zu sein scheint und sogar militärischen Massnahmen nicht ablehnend gegenüber stehen soll.

An dieser Stelle stellt sich jedoch die Frage nach der Zielsetzung der Depeschen. Stehen die Anrainer tatsächlich eher an der Seite der USA oder wollen die Diplomaten bloß diesen Eindruck in ihrem Heimatland erwecken. Ich erinnere mich da an Fotos von Massenvernichtungswaffen…

Brav schaute ich dann zu vorgerückter Stunde noch Anne Wills Diskutandenstadel. Lobo und Kocks sorgten für einen akzeptablen Unterhaltungswert, wenn auch inhaltlich nichts über die Spiegel-Berichterstattung hinaus ging. Im Gegenteil hatte ich den Eindruck, dass die Diskutanden nicht einmal den Spiegel gelesen hatten. Aber, was soll das verwundern? Seit wann diskutieren nur Leute mit Fach- und Sachkenntnis bei Anne Will?

Im Ergebnis ist die aktuelle Wikileaks-Veröffentlichung kein Skandal, keine Enthüllung und auch keine Sensation. Jemand hat sich über das Briefgeheimnis hinweg gesetzt und Dinge an die Öffentlichkeit gebracht, die für sie nicht bestimmt waren, die sie aber auch nicht verändern werden. Man hätte es auch lassen können…

Stop die Migration aus Kulturkreisen, die nahtlos in den Hartz4-Bezug einwandern

Seehofer sagt die Wahrheit. Es ist kein Zuzug aus den Kulturkreisen des Islam mehr erforderlich. Er meint damit natürlich den Standardzuzug. Nämlich den Zuzug derer, die nicht mal die Türken selber noch haben wollen: Die Minderleister, die Ungelernten, die Inzestuösen und die, die gerade, wenn auch mit Mühe aufrecht gehen können. Diejenigen, die Mädchen die Klitoris im Alter von drei Jahren abschneiden, um sie ab dem Alter von 12 Jahren zwangszuverheiraten.

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HARTZ4 aka ALG 2 – 10 Euro für fünf Personen

Kommentator Hansi Rohrstock bringt zu meinem älteren Beitrag “Die sozialromantische ALG-1-Lüge” etwas auf den Punkt, das man bei flüchtiger Betrachtung sicherlich übersieht. Zwar ist die Rede davon, dass der Regelsatz um 5 Euro angehoben wird. Und es ist auch die Rede davon, dass diese Erhöhung nur die Erwachsenenregelsätze betrifft. Die Fakten liegen also klar.

Bei meiner Beispielfamilie aus dem oben verlinkten Beitrag führt das aber ganz konkret dazu, dass sich die ALG-2-Leistung für die Familie um monatlich 10 Euro erhöht. Gerecht?

Die Sache mit der Zensursula

senza titoloSeit Tagen gibt es in Blogdorf landauf landab kaum ein anderes Thema als die Internetsperren der Zensursula. Fast minütlich wird der Wasserstand aufgerufen, mittlerweile hat die erfolgreichste Petition seit Einführung des Petitionssystems runde 80.000 Mitzeichner (and counting).

Die Frage, die sich allerdings keiner stellt, ist die nach dem tatsächlichen Erfolg der erfolgreichsten Petition seit Einführung des Petitionssystems. Ich würde diese Frage für die entscheidende halten und die Antwort ist gar nicht so eindeutig positiv.

Die Argumente sind ausgetauscht. Ich will hier auch keinen erneuten Abriss liefern. Wer wirklich die Hintergründe noch nicht kennt, sollte hier, hier oder hier nachlesen. Gegner des Gesetzentwurfes werfen den Initiatoren im Wesentlichen vor, die Problematik zu überspitzen, daraus die falschen Schlüsse und Maßnahmen zu folgern, sowie untaugliche Instrumente zu implementieren. Vordergründig. Eigentlich werfen sie den Initiatoren vor, es gar nicht auf das Thema Kinderpornografie abgesehen zu haben, sondern lediglich die Implementation eines ausbaufähigen Zensursystems vorantreiben zu wollen.

Interessanterweise werden dann nicht unbedingt unumstrittene Beispiele gebracht. So könnte es nach Befürchtung der Gegner schon bald auch um die Sperrung weiterer Seiten gehen. Betroffen sein könnten rechts- und linksradikale Inhalte, Glücksspielseiten, Tauschbörsen. Um es auf den Punkt zu bringen: andere illegale Inhalte! Daraus wird dann der Bogen gespannt zu allgemein “unliebsamem” Content. So wird dem Netzbürger suggeriert, auch er könnte sich in Bälde auf einer Sperrliste wiederfinden, weil er die Politik der Regierung kritisiert.

Einen größeren Blödsinn kann ich mir in meinen kühnsten Träumen, und ich bin ein fantasievolles Kerlchen, nicht ausmalen. Gestützt wird die hanebüchene Argumentation durch Hinweise darauf, dass die Sperrlisten keiner richterlichen Überprüfung unterliegen. Ein echtes Verschwörungsszenario a la Orwell entsteht. Dabei wird vielerlei vergessen. So hat ein Seitenbetreiber, dessen Inhalte unberechtigt gesperrt wurden, selbstverständlich einen Rechtsschutz und kann richterliche Entscheidungen anstreben.

Auch dem Besucher würde auffallen, dass eine bislang freie Site plötzlich gesperrt wurde, denn derzeit gilt ja noch die Stoppschild-Benachrichtigung. Wie lange würde es dauern, bis eine Diskussion im Gange wäre, ob die Seite X oder Y zum Zielkreis der Maßnahmen gehört haben kann. Man darf nicht so tun, als wäre eine Sperrung das Ende der Geschichte. Und so betrachtet wäre eine Behörde mit dem Klammersack gepudert, würde sie quasi prophylaktisch flächig sperren. Immerhin hat sie nicht die Möglichkeit, die “Mitwisser” zum Schweigen zu bringen, wie das etwa weiter östlich immer wieder gern praktiziert wird.

Natürlich ist die ganze Gesetzgebungsinitiative eine hanebüchene. Aber. Auch das kann doch nicht wirklich überraschen. Wir befinden uns in der Politik und wann wäre Politik jemals etwas anderes als purer Populismus gewesen? Wir befinden uns zusätzlich im Wahljahr und die Parteien befinden sich im Wahlkampf. Es geht um plakative Maßnahmen und nicht um inhaltliche Substanz. Besser es passiert etwas als es passiert nichts. So wird es Politik sehen und so sehen es sicherlich auch die meisten Bürgerinnen und Bürger. Jedenfalls diejenigen, die sich nicht informieren aka interessieren, mithin mindestens 98 % der Bevölkerung.

Was diese Menschen aber auch sehen, ist, dass es da diese merkwürdigen Internetmenschen gibt, die sich gegen das Eindämmen der Kinderpornografie wenden. Damit spielen die Unterstützer der Petition den Initiatoren in die Hände. Das Internet ist in weiten Teilen der Bevölkerung ohnehin als Sündenpfuhl verschrien und jetzt wehrt sich dieser Sündenpfuhl auch noch gegen seine Austrocknung. Ekelhaft. Insoweit schadet die Petition dem Internet mehr als sie jemals nützen könnte.

Nun könnte man diesen potentiellen Schaden in Kauf nehmen, wenn die Maßnahme an sich auf einen konkreten, greifbaren, dabei auch nennenswerten Erfolg gerichtet sein würde. Wer aber das Wesen der Petition kennt, der weiß, dass eine noch so unterstützte Petition nichts weiter bringt, als dass der Petent Gelegenheit bekommt, sein Anliegen vor dem Parlament vorzutragen. Nichts weiter. Man könnte es auch noch verkürzen und sagen: Nichts. Gar nichts bringt es, dass Frau Heine als Initiatorin im Bundestag 15 Minuten Redezeit erhält. Denn es ist ja nicht so, dass nicht bislang schon, vielleicht sogar größeres, Expertenwissen im Prozess beteiligt war. Man wollte dessen Argumentation wohl nicht folgen. Warum also jetzt? Dieses Faktum müsste eigentlich jeder verständige Mensch mit voll ausgebildetem Frontallappen erkennen.

Und so kommt es, dass die Initiatoren der Gesetzesinitiative gleich zwei Gruppen für sich instrumentalisieren konnten. Die hoffentlich recht kleine Gruppe missbrauchter Kinder und die sicherlich viel größere Gruppe der wohlmeinenden Netzbürger mit Bloghintergrund. Der Schaden für das freie Internet wird immens sein…

Creative Commons License photo credit: u-JU

Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen verständlich erklärt


… Wir hatten alles so satt, uns ging es so gut: wir waren so nah dran und wollten um Weihnachten herum sogar mal was spenden! WIR WAREN SO NAH DRAN! Doch nun? Alles im Arsch. Die Arbeit. Der Urlaub. Das Auto. Der Kredit. Nur die Zinsen dafür sind geblieben….

Das Kolumnistenschwein verdeutlicht´s mit einfachen Worten >>

Putinkinsche Spiegelfechtereien in Blogdorf

Nein, ich habe nicht jeden Beitrag gelesen, den sich Deutschlands selbsternannte Politblogger rausgeschraubt haben. Allerdings haben mir die paar, die ich zur Kenntnis nahm, auch vollkommen gereicht. Allen voran fühlte sich wieder der mutmaßliche Wasserversorgerflyerersteller Berger bemüßigt, auf die deutschen Medien, diesmal in Gestalt des ARD einzudreschen.

Manipuliert habe man. Propaganda sei das, faselte er und massenweise Mist hintendrein. Ganz investigativ stellte er dann ein Transskript, sowie die vollständige Fassung aus dem Russen-TV in seinen Beitrag (Ich schreibe extra “in seinen Beitrag”, weil es doch tatsächlich Leute gab, die behaupteten, er habe das Video online gestellt. Was natürlich Unfug ist.) Und wie es in Blogdorf üblich ist, schlugen sich Blogger bestimmter Couleur, von denen es eine Überzahl in Blogdorf zu geben scheint, direkt auf Bergers Seite. Selbst die sonst ernster zu nehmenden Nachdenkseiten überschlugen sich in propagandistischer Rhethorik, dass man hätte meinen können, unser alter Goebbels wäre höchstselbst dem Grabe entstiegen, um das ARD-Video einzukürzen.

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Der Spiegelfechter

Ein Teil der Kritik an der deutschen Blogosphäre ist sicherlich gerechtfertigt. Es gibt ihn nämlich, den Selbstüberschätzer par excellence. Den Blogger, der sich für omnikompetent hält und glaubt, über alles und jedes Thema eine qualifizierte Meinung, wie auch eine pseudoobjektiv wirkende Bewertung zum Besten geben zu können.

Es gibt einige dieser Spezies, aber heute möchte ich eigentlich nur auf den Spiegelfechter Jens Berger hinaus. Im richtigen Leben, dem Vernehmen nach, Öffentlichkeitsarbeiter (Was auch immer das konkret bedeuten mag. Vom Flyerverteiler an der U-Bahn bis zum PR-Strategen ist alles denkbar.) für einen kommunalen (Energie-)Versorger, mutiert er in den Stunden seines Feierabends zu einem Experten der Welt-, der Innen-, der Außen-, der Gesundheitspolitik. Sogar zum Experten für inneramerikanische Angelegenheiten ist er schon geworden, vom Nahost-Konflikt natürlich auch nicht zu schweigen. Scholl-Latour ist ein Niemand gegen Berger.

Auch die anderen als Experten renommierten ständigen Entäußerer, meist beschäftigt bei irgendwelchen einschlägigen Stiftungen, (Nicht-)Regierungsorganisationen oder Redaktionen können Berger in seiner umfassenden publizistischen Vielfalt nichts adäquates entgegensetzen. Berger ist der Mastermind des politischen Themas.

Ich räume ein, dass ich zu Beginn auch gern den ein oder anderen Beitrag des Spiegelfechters gelesen habe. Da schien mir noch eine gewisse thematische Homogenität gegeben.  Allerdings klingelte irgendwann überlaut die Alarmglocke in meinem Oberstübchen. In etwa so, wie sie klingeln würde, wenn mir mein Internist anböte, zusätzlich mein Firmennetzwerk zu betreuen, meine Steuererklärungen zu optimieren und mich in Rechtsfragen zu beraten. Selbstverständlich könnte ich bei ihm auch stets frisches Fleisch zu günstigen Konditionen kaufen und wenn ich mal in den Urlaub wollte, hätte er da noch seine Reiseagentur.

Allein in den letzten zwei Wochen ging es bei Berger um China, Iran, Kuba, Glos Konjunkturprogramm, den Nichtraucherschutz, Medwedew, Condoleeza Rice, sowie die Krise der US-Finanz- und Immobilienmärkte. Und das alles in einer Schreibe und einer Lengthiness, wie man sie nur von ausgewiesenen Experten zum jeweiligen Thema erwarten würde.

Mich stört das deshalb, weil sämtliche Berger-Texte den Eindruck vermitteln und sicherlich vermitteln wollen, da schriebe ein Experte nicht nur seine Meinung, sondern eine objektive Wahrheit hin. Und spätestens an diesem Punkt sind wir nicht mehr bloß beim Thema Meinungsäußerung, sondern da beginnt eine Form politischer Propaganda.

Insofern ist es interessant, dass Berger selber in seinem About behauptet, er sei sozusagen der Counterpart der an allen Orten anzutreffenden Spiegelfechter aus der öffentlichen Politiklandschaft. Zitat:

Mittlerweile wird es immer schwerer in den Medien Wahrheit von Spin oder vorsätzlicher Lüge zu unterscheiden.Spiegelfechtereien sind es mit denen die Medien uns beschäftigen.

Auch wenn man diese Aussagen nicht falsch finden wird, ist sein Blog dennoch nicht Teil der Lösung. Der Spiegelfechter fügt den Spiegelfechtereien nämlich lediglich eine weitere hinzu und steht nicht einmal dazu, sondern gibt sich “neutral”. Zitat:

Ich versuche parteipolitisch neutral zu bleiben, was meist heißt, dass alle Parteien ihr Fett wegkriegen.

Wieso aber wird Berger in Blogdorf dennoch als einer der Top-Politikblogger gehandelt? Das hat sicher mit Blogdorf mehr zu tun als mit Berger. Guck mal, die Bloggerei ist doch was großes. Da haben wir einen in unseren Reihen, der hochtrabendes Zeug schreibt und der wird damit auch von den größeren Medien wahrgenommen. Dass gerade die Darstellung Bergers im seinerzeitigen Spiegel-Artikel mehr eine (berechtigte) Verhohnepipelung als alles andere war, nimmt der durchschnittlich intelligente Blogger vermutlich dabei gar nicht wahr.

Ich jedenfalls werde auch in Zukunft nicht meinen Steuerberater konsultieren, wenn ich Oberbauchbeschwerden habe. Und das empfehle ich den geneigten LeserInnen ebenfalls…

Widerspruch zwecklos?

So nannte das nicht unumstrittene ZDF-Magazin Frontal21 einen Beitrag über die Abschaffung des Widerspruchsverfahrens im Rahmen der Bürokratieabbaugesetze verschiedener Bundesländer.

Jeder kennt das. Man erhält einen Bescheid über Abfall-, Wasser-, Studien- oder sonstige Gebühren. Darunter befindet sich eine Rechtsbehelfsbelehrung, die darüber informiert, dass man innerhalb einer bestimmten Frist, in der Regel vier Wochen nach Erhalt des Bescheides bei der erlassenden Behörde Widerspruch einlegen kann. Erst wenn dieser Widerspruch erfolglos bleibt, erhält man mit dem neuen, dem sog. Widerspruchsbescheid eine neuerliche Rechtsbehelfsbelehrung, die einen wiederum darüber unterrichtet, dass man nun Klage erheben kann, sollte man weiterhin der Auffassung sein, in seinen Rechten unzumutbar beeinträchtigt zu werden. Dabei ist das Verwaltungsgerichtsverfahren für den Bürger kostenlos.

Geschichte!

Heutzutage ist es so, dass – am weitesten gehend in NRW – nahezu sämtliche Widerspruchsmöglichkeiten abgeschafft wurden. Ausnahmen stellen Verfahren im Schulrecht und in Ordnungswidrigkeitenverfahren dar. Ist der Bürger in einem vom Bürokratieabbaugesetz betroffenen Rechtsgebiet mit einem Bescheid konfrontiert, findet er nicht mehr die gewohnte Möglichkeit, Widerspruch einzulegen vor,  sondern wird mit einer Rechtsbehelfsbelehrung ausgestattet, die ihm freundlich mitteilt, er habe nun die Möglichkeit gegen diese Entscheidung unmittelbar Klage zu erheben. Und das auch nicht mehr kostenfrei, sondern auf der Basis einer Kostenordnung im Verwaltungsgerichtsverfahren.

Soweit gibt Frontal21 den Sachverhalt richtig wieder. Da es aber dabei bleibt, ist auch diese Sendung am Ende wieder nur als abenteuerlich zu bezeichnen. Denn die Sicht der Verwaltungsmitarbeiter bleibt völlig außen vor.

Tatsächlich kenne ich keinen Verwaltungsmitarbeiter auf der ausführenden Ebene, der die Abschaffung des Widerspruchsverfahrens begrüßt. Tatsächlich ist es auch so, dass die allermeisten Behörden ihre Rechtsbehelfsbelehrungen ohne Rechtspflicht dahingehend erweitert haben, dass sie den Bürger auffordern, nicht sofort Klage zu erheben, sondern sich zeitnah mit der Behörde in Verbindung zu setzen, sollte der Bürger sich ungerecht, will heißen außerhalb des geltenden Rechts, behandelt fühlen. Denn klar ist doch, dass eine Verwaltung, schon unter dem Gesichtspunkt des Kostenrisikos, kein Interesse daran haben kann, mit schlechten Chancen vor das Verwaltungsgericht zu ziehen. Außerdem steht der Verwaltungsmitarbeiter, der vor dem Gericht unterliegt, auch verwaltungsintern nicht besonders strahlend dar…

Die Abschaffung der Widerspruchsverfahrens erschwert der Verwaltung zusätzlich das Tagesgeschäft. Es muss weit mehr Aufwand als bislang in die Sachverhaltsermittlung gesteckt werden. Mag man noch die Auffassung vertreten, dass dies ein positiver Effekt sei, so muss man diese Auffassung doch relativieren, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass jedwede Sachverhaltsermittlung der Mitarbeit des Betroffenen bedarf. Sperrte dieser sich bisher, haute man den belastenden Bescheid raus, in der sicheren Gewissheit, dass der Bürger im Widerspruchsverfahren schon seinen Mitwirkungspflichten nachkommen würde. (So macht es das Finanzamt übrigens seit jeher mit seinen Schätzbescheiden. Die natürlich auch nicht vom Bürokratieabbaugesetz betroffen sind…) Und das klappte auch stets. Nach der Änderung muss der Verwaltungsmann weit vorsichtiger sein. Immerhin ist es jederzeit möglich, dass ein substantieller Einwand erfolgen könnte. Erfolgt dieser erst vor Gericht, wurden unwiderruflich Kosten und Aufwand generiert, die vermeidbar gewesen wären.

Im Fokus der medialen Berichterstattung steht allerdings nicht diese Seite der Medaille, sondern lediglich die vermeintlich verschlechterte Rechtsposition der Bürger. Die, nach der Formulierung des Gesetzgebers, tatsächlich verschlechtert, weil mit einer Kostenhürde ausgestattet, wurde. Allerdings, und das muss man fairerweise auch in die Diskussion geben, bemühen sich die zur Ausführung dieser Gesetze verdammten Verwaltungen redlich, diese Benachteiligung im Rahmen ihrer Möglichkeiten, dabei durchaus auch im eigenen Interesse, wieder auszubügeln. Übrigens kann dabei von Bürokratieabbau keine Rede sein. Eher das Gegenteil ist der Fall…

Das hat Frontal21 selbstverständlich nicht erwähnt…

Stora Enso – Gejammer auf hohem Niveau

Die Stora Enso Kabel GmbH & Co. Kg ist ein Papierhersteller. Und dem geht es nicht gut, wie wir gleich sehen werden, und deshalb sind Maßnahmen erforderlich, wie wir auch gleich sehen werden.

Im abgelaufenen Jahr nahm der Umsatz lediglich um 4,5 Prozent zu, obwohl die Versandmenge um 7,6 Prozent gesteigert werden konnte. Die Nachfrage ist gestiegen, aber die Preise sind gesunken. Erst in 2008 zeichnet sich durch weiter steigende Nachfrage eine Erhöhung der Preise ab. Das Werk ist ausgelastet und eine Änderung dieses Zustandes ist derzeit nicht absehbar.

Nanu? Wieso also bezeichnet der Geschäftsführer die Situation dann als schwierig? Weil nicht Jahr für Jahr zweistellige Zuwachsraten realisiert werden können? Wann wird sich in der deutschen Unternehmensführerschaft endlich mal die Erkenntnis durchsetzen, dass dieser stete Steigerungsdruck, respektive auch nur die Erwartung selbigens Blödsinn ist?

Nach den Vorstellungen deutscher Manager müsste sich der Umsatz eines jeden Unternehmens alle zehn Jahre mindestens verdoppeln, um noch von einem profitablen Geschäftsverlauf sprechen zu können. Ja, Himmelherrgott, wer soll denn den ganzen Kram kaufen? Kein Wunder, dass diese Hoffnungen stetig enttäuscht werden. Nüchtern betrachtet, müsste man also schlicht die Erwartungen anpassen und alles wäre bueno. Macht man aber nicht, sondern was tut auch Stora Enso?

Man senkt Personalkosten. Wohlgemerkt bei positiver Auslastung des Werkes. Stora Enso dazu: Bis Mitte 2009 wird die Zahl der Mitarbeiter von etwa 950 auf rund 800 Beschäftigte sinken, ohne dass Anlagen stillgelegt werden.

Ohne, dass Anlagen stillgelegt werden, dürfte der magische Satz sein. Ab Mitte nächsten Jahres muss also eine um rund zwanzig Prozent verkleinerte Belegschaft einen um mindestens zehn Prozent erhöhten Umsatz fahren. Wie konnte es dazu kommen?

Entweder wurde in den vergangenen Jahren zuviel Personal eingestellt. Dann müsste sich der Geschäftsführer ein deutliches Anzweifeln seiner unternehmerischen Kompetenz gefallen lassen, denn die Kalkulation des Einsatzes der Produktionsfaktoren gehört zum Kerngeschäft der Unternehmensführung. Oder dem ist nicht so. Dann muss sich der Geschäftsführer fehlendes soziales Verantwortungsbewusstsein vorwerfen lassen. Ein Dilemma, wenn man mich fragt…

[Quelle: SIHK-Magazin 5/2008, Seite 54]

Wowereit knickt vor der Linken ein

Lese ich eben in meinem heißgeliebten Lokalblättchen, für das ich mittlerweile über 200 Euronen pro Jahr berappen muss, was aber jetzt nicht Thema sein soll. Wowereit knickt also angeblich vor der LInken ein. Warum denn das?

Berlin hat bekanntlich just als einziges Bundesland dem EU-Reformvertrag nicht zugestimmt. Nicht zugestimmt suggeriert Ablehnung, was aber in diesem Falle nicht stimmt. Berlin hat sich lediglich enthalten.

Berlins Enthaltung entspricht also einem Einknicken gegenüber der Linken? Abgesehen davon, dass man Wowereit neigungsbedingt alles bis hin zum Bücken zutrauen muss, sollte man dennoch genau schauen, bevor man Urteile fällt.

Schaut man demgemäß genau, stellt man fest, dass die Koalitionsvereinbarung bei unterschiedlichen Meinungen zum Abstimmungsverhalten die Enthaltung als Mittel der Wahl vorsieht. Von einem Einknicken kann daher wohl keine Rede sein und sollte es fairerweise auch nicht.  Aber welchen Stellenwert hat heutzutage schon Fairness??

Bekenntnis zum Standort

So titelt heute das örtliche Lokalblättchen, weil irgendein Unternehmer neben seinem Firmengebäude eine Lagerhalle baut. Salbungsvolle  Huldigungen entsprangen der Feder des Redakteurs.

Oh, Dank sei dem großen Unternehmer, der seine Lagerhalle neben seinem Firmengebäude und nicht in Rumänien baut. Dank sei ihm für die Investition von angeblichen drei Millionen für eine Bude, in der er keinen einzigen zusätzlichen Mitarbeiter beschäftigen wird, weil es eben eine Lagerhalle ist. Ommmmhh.

Bekenntnis zum Standort? Lobens-, respektive huldigenswürdig? Bullshit! Wo soll der am Ort wohnende Unternehmer seine Lagerhalle wohl sonst bauen? Und wieso verlagert der am Ort wohnende Unternehmer sein Unternehmen wohl nicht nach Rumänien? Vielleicht etwa weil er am Ort wohnt und noch nie im Leben in Rumänien war? Was würde ihm eine Lagerhalle in Rumänien nützen, wenn er hier am Ort produziert? Nichts? Genau. Und deshalb baut er sie logischerweise auch hier.

Was die drei Millionen Investitionssumme betrifft. Erstens ist das eine ziemlich erstaunliche Summe für eine Stützkonstruktion aus Pfählen, die mit Fertigbetonplatten ausgefacht wird. Und zweitens, selbst wenn er diese Summe tatsächlich dareinstecken täte, würde man erst in 10 bis 30 Jahren sehen, ob er sie tatsächlich selber investiert hat oder ob der Steuerzahler dafür im Zuge der nächsten Bankenkrise gerade zu stehen haben wird.

Natürlich gibt es Unternehmen, die anders agieren, bloß handelt es sich dabei in der Führung nicht um Unternehmer, sondern lediglich um Manager. So hat beispielsweise der Manager des im Nachbarort tätigen Armaturenherstellers Grohe den Sitz der Geschäftsführung kürzlich kurzerhand nach Düsseldorf, 100 Kilometer von der Produktion entfernt, verlegt. Angeblich, um attraktiver zu werden für Managementnachwuchs. Interessant dabei: Der Manager wohnt in Düsseldorf…