Category Archives: Nicht kaufen!

Samsung Galaxy Nexus im Praxistest: Am Ende bleibt die Begeisterung aus!

Seit einer Woche steht mir das Samsung Galaxy Nexus zum Testen zur Verfügung. Ich habe mich in dieser Zeit bemüht, das Gerät zu meinem Haupt-Smartphone zu machen, wobei ich einleitend gleich sagen muss, dass ich froh bin, das Galaxy Nexus nach Veröffentlichung dieses Tests wieder abgeben zu können.

Nicht, dass es sich um ein schlechtes Smartphone handelte, es ist lediglich zum Arbeiten nicht sonderlich geeignet…

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T-Mobile G1 – Gutes Konzept schlecht umgesetzt

Google Android: T-Mobile G1
Image by marketingfacts via Flickr

Aus Sicht der Industrie bin ich Mitglied der Traumzielgruppe “Early Adopters”. Sehe ich in einem technischen Gerät ein hinreichendes Versprechen, das geeignete Werkzeug für meine beruflichen Bedürfnisse zu sein, kann ich mein Portemonnaie nur mit Mühe in der Jackentasche lassen.

Als langjähriger überzeugter Nutzer der meisten Google-Dienste war ich natürlich bereits seit den ersten Meldungen zu Android mehr als nur vage interessiert. Und so konnte ich nicht verneinen, als Amazon mir die freie Verfügbarkeit des T-Mobile G1 für recht schmerzlose 380 Euro vermeldete. Per Overnight-Express sicherte ich mir eines der ersten Exemplare.

Was danach passierte, steht bei Dr. Web. Soviel sage ich: Schauderhaftes Handy, das…

MultiSIM – Nutzloses von T-Mobile

Eine MultiSIM benötigt derjenige am ehesten, der häufig mobilen Internetzugang mit einem Laptop benötigt, denn nur dieser Nutzer muss seine SIM-Karte überhaupt umstecken. Wer aber häufig mobilen Internetzugang per Laptop nutzt, hat sinnvollerweise eine Daten-Flatrate gebucht, die im Falle von “web´n´walk L” mit 35 Euro nicht einmal als günstig zu bezeichnen ist.

Truth about T-Mobile at Dr. Web’s Place>>

Simon Kernick > Gnadenlos


Ein ganz gewöhnlicher Samstagnachmittag. Deine Kinder spielen im Garten. Im Fernseher läuft Fußball. Da klingelt das Telefon. Es ist dein bester Freund aus der Schulzeit. Er fleht um Hilfe. Jemand fügt ihm schreckliche Schmerzen zu. Dein Freund stößt sechs Wörter hervor, die ersten zwei Zeilen deiner Adresse. Dann herrscht Stille. Was wirst du tun? Eine gnadenlose Hetzjagd, ein mörderischer Wettlauf gegen die Zeit, ein atemberaubender Thriller der Extraklasse.

Aufgrund dieses Klappentextes kaufte ich das Buch. Und tatsächlich beginnt es auch recht spektakulär. Richtig ist auch, dass die Story gnadenlos nach vorn getrieben wird. Das ganze Buch besteht aus einer einzigen schnellen Hetzjagd. Ab der Hälfte etwa wird das Tempo zum Selbstzweck. Dann merkt der Leser, dass Geschwindigkeit an sich noch kein Qualitätsmerkmal ist.

Gegen Ende wird dann immer deutlicher, dass die Lücken im Plot nicht mehr logisch zufriedenstellend geschlossen werden können. Aber wenigstens versuchen hätte es der Autor wohl können. Und so endet das Buch, wie es begann: unvermittelt.

NOKIA – Recht und Gesetz vs. Anstand und Moral

Nun schließt also Nokia das Bochumer Werk. Die Rede ist mal von bis zu 2.300, manchmal gar von 2.500 Mitarbeitern, die ihre Jobs verlieren werden. Es scheint schwierig zu sein, die genauen Mitarbeiterzahlen zu ermitteln. Sollte so etwas nicht mindestens der Betriebsrat wissen? Es ist zwar nicht so, dass sich an der Frage der genauen Mitarbeiterzahl irgendetwas entscheiden würde, aber es kennzeichnet für mich recht gut das Niveau, auf dem die Debatte geführt wird. Versuchen wir doch einfach mal die bekannten Fakten, wenn man sie denn so nennen will, zusammen zu tragen.

Nokia hat in den Neunzigern, meist wird vom Zeitraum 1995 bis 1999 gesprochen, Subventionsgelder zum Umbau der ehemaligen TV-Fabrik Bochum zum Handy-Werk erhalten. Die Angaben über die Höhe der insgesamt erhaltenen Fördermittel schwanken zwischen 55 (sagt Nokia) und 85 (sagt Rüttgers) Millionen Euro und setzen sich angeblich aus EU-Strukturförderung, Landes- und Bundesmitteln, wie auch Fördermitteln der Stadt Bochum zusammen. 1999 sollen 17 Millionen Euro aus der Landeskasse an Nokia überwiesen worden sein. Daran soll die Verpflichtung geknüpft gewesen sein, mindestens 2.856 Arbeitsplätze (erstaunlich, dass es dazu eine sehr exakte Zahl gibt) zu schaffen und zu erhalten. Allerdings sei die Verpflichtung am 15. September 2006 ausgelaufen. Die Haltefristen aus den übrigen Fördergeldern konnte ich nirgends finden, es ist aber als sicher zu betrachten, dass auch diese Fristen abgelaufen sind.

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Nicht kaufen: “Kalte Asche” von Simon Beckett

Nanu? Erst empfiehlt er “Die Chemie des Todes” vom gleichen Autor aufgrund dessen überragender sprachlicher Gestaltung und dann rät er von der Fortsetzung ab? Exakt! “Kalte Asche” ist allerdings auch nicht wirklich eine Fortsetzung. Außerhalb der Tatsache, dass es wieder um Dr. David Hunter geht, wird keiner der Handlungsstränge des ersten Bandes aufgenommen.

“Kalte Asche” ist schon ein solider Thriller, handwerklich okay. Er hat jedoch nichts von dem, was den Erstling so überragend machte. Der Verlag scheint gesagt zu haben: “Simon schreib eine Fortsetzung.” Und Simon quälte sich eine Geschichte raus.

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Nicht kaufen: “Blut und Lüge” von Andrew Gross

Kann das sein? Je aufwändiger das Cover, in diesem Fall mit Prägedruck und schicker Optik, und je aufwändiger die Werbekampagne, mit Anzeigen in allen nennenswerten Periodika, desto beschissener das Buch? Ja, das kann sein und im Falle des Titels “Blut und Lüge”, eines New York Times Bestsellers ist es auch so.

Andrew Gross hat bislang mit James Patterson kooperiert. Wenig erstaunlich also ist es, dass Mr. Patterson dem Soloerstling des Herrn Gross attestiert, er sei “Spannend und rasant”. So steht es auf der Rückseite des Covers und der unbedarfte Otto Normalleser dürfte diesem Testat Empfehlungscharakter beimessen. Ich jedenfalls tat es, ich Idiot.

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Jedermann von Philip Roth

Ich hatte mir das Buch zu Weihnachten gekauft, weil mich die geringe Seitenzahl und die famosen Ankündigungen auf dem Umschlag irgendwie lockten. “Das ganze Leben” würde hier “erschöpfend beschrieben”, hieß es. Dies sei einmalig in der Literatur und gegen jedes Gesetz. Außerdem beginne ich – mit jetzt 40 – auch so langsam über Vergänglichkeit nachzudenken. Und genau darum sollte es in dem gepriesenen Werk ja auch gehen.

Ich habe es durchgelesen. Geht schnell, weil wenig Seiten. Hängen bleibt nichts. Erkenntnis stiftet nichts. Mann wird alt und stirbt. Nichts besonderes, keine tieferen Sinnbilder auffindbar. Vielleicht noch etwas untypisch, dass der Titelheld sein Leben lang rumhurt. Vielleicht bin ich aber auch zu konservativ.

Ich habe jedenfalls nach der Lektüre dieses Buches keine tiefergehenden Empfindungen als Ärger über den zu hohen Kaufpreis dieses Machwerks in mir erfühlen können.

Die Schülerhasserin

“Die Schülerhasserin”, “Die Abrechnung eines Vaters”, “Verletzte Kinderseelen in der Grundschule”. Ziemlich viele Titel für ein relativ dünnes Büchlein. Voraussichtlich im Dezember wird der Schweitzerhaus-Verlag das 150-Seiten-Büchlein des Autors Klaus Brodersen mit einer Startauflage von 5.000 Exemplaren veröffentlichen. Brodersen liegt thematisch zweifellos im Trend.

Wer kennt nicht das Lehrerhasserbuch von Lotte Kühn aka Gerlinde Unverzagt? Brodersens Titel lehnt sich schon begrifflich an Kühn an und muss sich daher auch an der Vorlage messen lassen. Unter diesem Aspekt würde man Herrn Brodersen allerdings wünschen, er hätte einen anderen Titel gewählt, denn der Wortgewalt, sowie der Breite und Tiefe der Bearbeitung des Themas durch Lotte Kühn hat Herr Brodersen nichts Adäquates entgegen zu setzen.

Worum geht es in Brodersens Story? Familie Brodersen adoptiert einen Jungen im Säuglingsalter. Sie nennen ihn aus Liebe zur Türkei Sinan, obwohl weder er, noch Familie Brodersen türkischer Herkunft sind. Mit Ausnahme einer allerdings recht schweren Erkrankung im Säuglingsalter entwickelt sich Sinan ganz normal, so dass bis zur Seite 20 des Büchleins im Grunde wenig Themenrelevantes passiert.

Der eigentliche Inhalt der Geschichte entspinnt sich mit dem Beginn der Schulzeit Sinans. Noch im Kindergarten als aufgewecktes, lebhaftes, aber durchaus normal entwickeltes Kind wahrgenommen, wandelt sich Sinan in der Schule offenbar drastisch. Dabei nehmen die Eltern die Verhaltensänderungen des eigenen Sohnes zunächst gar nicht wahr.

Erst mit dem durch die Klassenlehrerin initiierten Gespräch wird der Familie Brodersen deutlich gemacht, dass ihr Sohn angeblich stark verhaltensauffällig sei. Er störe massiv den Unterricht und zeige aggressives Verhalten anderen Kindern gegenüber.

Im nachschulischen Bereich können Brodersens jedoch keine Auffälligkeiten im Umgang mit anderen Kindern erkennen. Es wächst der Verdacht, es könne wohl im schulischen Bereich etwas faul sein. Damit hat er zunächst die Lesersympathien auf seiner Seite…

Schnell hat die Familie Brodersen die Klassenlehrerin als Ursache allen Übels ausgemacht. Die Klassenlehrerin, Frau Döselig genannt, ist die Schülerhasserin. Frau Döselig treibt Sinan quasi in den Wahnsinn. Auch andere Kinder soll Frau Döselig schon in den Wahnsinn getrieben haben. Spätestens ab dem Zeitpunkt der sehr eindeutigen und teils am Rande des Erträglichen liegenden Charakterisierungen der Klassenlehrerin verliert die Geschichte alles, was eine gute Erzählung ausmachen würde. In der Sache muss sich Herr Brodersen daher einiges an Kritik gefallen lassen.

Im Verlaufe der Geschichte akzeptieren Brodersens irgendwann den besonderen Förderbedarf (Sonderschule) des eigenen Kindes. Es wird nicht deutlich warum. Ist Sinan vielleicht tatsächlich doch aus sich selbst heraus verhaltensauffällig, wie es ihm mehrere Lehrerinnen bescheinigen? Eine andere Begründung kann es kaum geben, wenn man nicht davon ausgehen soll, dass sich Brodersens komplett wider eigener Überzeugung verhalten wollen.

Immer wieder zitiert Herr Brodersen die Gutachten über seinen Sohn im Wortlaut und wiederholt sich dabei einige Male wörtlich. Im weiteren Verlauf des Buches findet sich plötzlich eine seitenlange Abhandlung über das Medikament Ritalin, mit dem Kinder mit AD(H)S-Syndrom behandelt werden können, ohne dass klar wird, warum an dieser Stelle und warum überhaupt Ritalin thematisiert werden muss. Zudem liest sich die Passage wie aus dem Beipackzettel abgeschrieben. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine bestimmte Seitenanzahl erreicht werden sollte, ohne dass die Geschichte voranbringender Content in ausreichender Menge vorhanden war.

Zaghaft, zu zaghaft versuchen Brodersens Unterstützung bei anderen Familien zu erhalten. Die Überlegung ist naheliegend: Was so eine richtige Schülerhasserin ist, die wird wohl auch anderen Kindern das Leben zur Hölle machen. Mit Ausnahme einer einzigen Mutter, die noch dazu quasi unerkannt bleiben will, sich also nicht beteiligt, findet der Autor keine Verifikationsmöglichkeit für seine Behauptungen. Vage berichtet er aus zweiter Hand von Kindern, die aus der Klasse bereits in Richtung Sonderschule verschwunden sein sollen, konkret wird er jedoch auch dabei nicht.

So dümpelt die Erzählung vor sich hin. Bis zum unspektakulären Ende und darüber hinaus klärt sich der Fall im Grunde nicht auf. Hat jetzt Frau Döselig Sinan verhaltensauffällig gemacht? Wer weiß.. Bleibt Sinan auf der Schule? Nein, aber wohin geht er und warum? Ist er nicht doch der aufgeweckte kleine Junge, der er anscheinend bis zur Einschulung war? Möglicherweise, vielleicht aber auch nicht …

Ich tue mich schwer, ein abschließendes Urteil über Brodersens Büchlein zu fällen. Sicher ist, dass es aus seiner Sicht zu unglaublichen und inakzeptablen Vorgängen gekommen ist. Diese Sache ist schlimm für die Familie und hinterlässt sicher Spuren.

Für den Leser indes ist es einfach eine wirre Geschichte mit vielen Behauptungen, aber wenigen Beweisen, vielen Beleidigungen, aber wenig Nachvollziehbarem. Soll man es lesen? Wer auf Tagebücher und deren assoziativen, keinen Handlungssträngen folgenden Erzählverläufen steht, wird möglicherweise seine Freude daran haben. Alle anderen lesen lieber noch einmal das Lehrerhasserbuch von Lotte Kühn.