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Hohe finanzielle Verluste durch Alterungsrückstellung für 75% der Zusatzversicherten?

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DSC00016.JPGWelcher regelmäßige Leser dieses Blogs wird sich über diesen Titel nicht gewundert haben? Wobei ich bereits jetzt anmerken möchte, dass der wesentliche Teil dieser Headline das Satzzeichen ist. Unverständlich?  Lasst es mich erläutern.

In diesem Beitrag hier geht es um ein Zusatzversicherungsangebot eines uralten schweizerischen Versicherungsunternehmens, der CSS, das in Konkurrenz zu den Zusatzversicherungstarifen in der “etablierten” privaten Krankenversicherung treten will. Eine private Krankenzusatzversicherung empfiehlt zwischenzeitlich jeder Hans und Franz, was auch richtig ist, da die gesetzlichen Kassen ihre Leistungen immer stärker zurückfahren. Wer also heute eine ordentliche Versorgung im Krankheitsfall sicherstellen möchte, muss zusätzlich in die Privatschatulle greifen und eines der verfügbaren Angebote annehmen.

Die private Krankenversicherung ist insgesamt so organisiert, dass der jüngere Mensch im Vergleich zu seinem tatsächlichen Krankheitsrisiko quasi zuviel bezahlt. Wohingegen der ältere Mensch entsprechend zu geringere Beiträge erbringt. Dieses System nennt sich Altersrückstellung. Der Jüngere spart also prinzipiell früh Beiträge an, die dann im Alter seinen Beitrag bezahlbar halten. Natürlich, wie in Solidargemeinschaften üblich, spart er nicht tatsächlich seine eigenen Beiträge für sich selber an, sondern diese kommen der Versichertengemeinschaft seiner gewählten Versicherungsgesellschaft zugute. Was manch einer für problematisch hält…

Das Prinzip der Altersrückstellungen ist eine der zentralen Funktionssäulen der PKV. Es dürfte unstreitig sein, dass ohne dieses Instrument die PKV keine sozial verträglichen Beiträge für ältere Versicherte anbieten könnte. Allerdings ist vielfach kritisiert worden, dass die Altersrückstellungen gesellschaftsgebunden sind und entsprechend bei einem Wechsel der Versicherung für den bisherigen Versicherten verfallen. Diese Kritik hat indes dazu geführt, dass sich die Spitzen der Koalition im Rahmen der Gesundheitsreform darauf geeinigt haben, künftig die Portabilität der Altersrückstellungen für Privatversicherte gesetzlich vorzuschreiben. Mit anderen Worten: Ab 1. Januar 2009 sollte es gesetzlich garantiert sein, dass Altersrückstellungen bei Versicherungswechseln nicht mehr verfallen.

Vor diesem Hintergrund darf es durchaus verwundern, wenn eine Versicherung wie die CSS daher kommt und ausgerechnet das Thema Altersrückstellungen zum Hauptthema ihrer Kundenwerbung macht. Und dies auch noch bei einem reinen Zusatzversicherungsangebot. Wir erinnern uns: Altersrückstellungen sind eine tragende Säule der PKV als Vollversicherung. Bei der Zusatzversicherung sprechen wir ohnehin nur noch über ein stark reduziertes Risiko, so dass Werbung mit diesem Fokus nicht unbedingt unseriös, aber doch übertrieben “panisch” anmutet.

Die CSS bietet Tarife in der Zusatzversicherung, die unter Verzicht auf das Einrechnen der genannten Rückstellungen um bis zu 50 % unter denen der Versicherer liegen können, die nicht auf diese Einrechnung, die bislang gesetzlich vorgeschrieben war, verzichten. Hauptvorteil soll es sein, dass man bei einem Wechsel der Gesellschaft nicht, wie bisher, seine Altersrückstellungen verliert. Was allerdings, so die Gesundheitsreform wie geplant eintritt, ohnehin ab demnächst nicht mehr der Fall sein wird.

Als weiteren Vorteil verkauft die CSS ihren Leistungsfreiheitsrabatt, analog dem Schadensfreiheitsrabatt in der KFZ-Versicherung als das Beste seit Bier in Dosen. Prinzipiell funktioniert dieser Rabatt auch genauso. Ich nehme in einem Jahr keine Leistungen in Anspruch, verursache quasi “keinen Schaden”, und werde dementsprechend heruntergestuft in eine niedrigere Beitragsklasse. Ich will nicht so direkt sagen, dass dies alter Wein in neuen Schläuchen ist, aber so ähnlich ist es schon.

Bereits seit mindestens zwanzig Jahren, so lange jedenfalls bin ich bereits in der PKV, gibt es das System der Beitragsrückerstattung. Gehst Du in einem Jahr nicht zum Arzt, bekommst Du bis zu sechs Monatsbeiträge zurück. So zahlst Du effektiv auch nur 50 % des üblichen Beitrags. Vorteil gegenüber dem Schadensfreiheitsrabatt: Die Beitragsrückerstattung gilt als Angebot jedes Jahr auf´s Neue und entwickelt keine Verpflichtung, wie der Leistungsfreiheitsrabatt. Bei dem wirst Du nämlich, wenn Du dann doch Leistungen in Anspruch nimmst, wieder hochgestuft. Außerdem steigt dieser Rabatt nur sehr langsam; wesentlich langsamer als bei der KfZ-Versicherung und natürlich nicht wie die Beitragsrückerstattung, die immer gleich hoch ist.

Positiv am Leistungsfreiheitsrabatt ist, dass es eine vertraglich verpflichtende Leistung des Versicherers ist und damit dauerhaft eingefordert werden kann, während die Beitragsrückerstattung eine semifreiwillige Leistung mit der theoretischen Möglichkeit, diese jederzeit einzuschränken ist. Ärzte übrigens hatten noch nie große Sympathien für diese Modelle, was wirtschaftlich sowieso, aber medizinisch auch nachvollziehbar ist. Das “Risiko” besteht nämlich darin, dass ein so Versicherter, obwohl er es sollte oder sogar müsste, nicht zum Arzt geht, um seinen Rabatt aka Rückerstattung nicht zu gefährden. Ein Vorgang, der zumindest langfristig nicht einmal im Interesse des Versicherers sein dürfte. 

Meine Empfehlung: Wartet den 1.Januar 2009 ab. Sollte die Gesundheitsreform in allen Eckpunkten eintreten, werden die Karten neu gemischt und Angebote, wie das der CSS, werden zuhauf auf den Markt gelangen. Schaut Euch dann die konkurrierenden Angebote in Ruhe an und entscheidet Euch, so Ihr nicht ohnehin schon gebunden seid. Wenn Ihr das seid, bleibt es auch. Es sei denn, Ihr könnt Eure Rückstellungen tatsächlich mitnehmen.

Das Angebot der CSS überzeugt mich jedenfalls in keinem Punkt. Im Gegenteil sehe ich hier das Risiko, dass sich Leute von den geringeren Beiträgen blenden lassen und so sehenden Auges auf eine Versorgungslücke im Alter zusteuern. Denn das jemand tatsächlich die Ersparnis kapitalbildend anlegt, Freunde, das dürfte wohl über die statistische Menge als ausgeschlossen zu betrachten sein…

Creative Commons License photo credit: slamprecht

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