Category Archives: Film/Fernsehen

Früher war alles besser

Gut. Vielleicht nicht alles, aber jedenfalls das Fernsehprogramm. Sicherlich bin ich derzeit etwas sensibler als sonst und von daher besonders hellsichtig, aber das tut der Hellsichtigkeit an sich ja keinen Abbruch.

Jedenfalls zappte ich heute abend kreuz und quer durch die deutsche Fernsehlandschaft und fand nur Mist soweit das Auge reichte. Die drölfundzwumfzigste Wiederholung von Irgendwas hier, da und dort, oder billigst produzierte Pseudoshows mit den immer gleichen Schnarchnasen oder noch schlimmer dem Geissen.

Ich hatte es nicht beabsichtigt, aber mein Hirn sehnte sich plötzlich in die Siebziger zurück. Die Zeit, in der noch aufwändige Shows produziert und nicht rund um die Uhr gesendet wurde. Die Zeit, in der man noch nicht komisch angeschaut wurde, wenn man sich kritisch zu Schönheitsoperationen und dem Verschwinden jeglicher Moralkodizes äußerte. Die Zeit, in der nicht ständig irgendwelche selbsternannten Jourtnalisten auf der Jagd nach der nächsten nackten Prominententitte waren. Irgendwie war nicht nur die Fernsehlandschaft überschaubarer, sondern auch der gesellschaftliche Kosmos insgesamt. Ein Zusammenhang wird nicht zu leugnen sein.

Vom heutigen Senderportfolio profitieren nur die Sender selbst. Qualität und Anspruch gibt es dort nur insoweit, als es zum Erreichen eines Mindestmaßes an Zuschauerzahlen unbedingt erforderlich ist. Dies nicht etwa den Zuschauern zuliebe, sondern lediglich als Öffner für die Werbebudgets der Industrie. Für den Konsumenten hat das heutige System keinerlei, aber auch wirklich keinerlei Vorteile.

Widerspruch zwecklos?

So nannte das nicht unumstrittene ZDF-Magazin Frontal21 einen Beitrag über die Abschaffung des Widerspruchsverfahrens im Rahmen der Bürokratieabbaugesetze verschiedener Bundesländer.

Jeder kennt das. Man erhält einen Bescheid über Abfall-, Wasser-, Studien- oder sonstige Gebühren. Darunter befindet sich eine Rechtsbehelfsbelehrung, die darüber informiert, dass man innerhalb einer bestimmten Frist, in der Regel vier Wochen nach Erhalt des Bescheides bei der erlassenden Behörde Widerspruch einlegen kann. Erst wenn dieser Widerspruch erfolglos bleibt, erhält man mit dem neuen, dem sog. Widerspruchsbescheid eine neuerliche Rechtsbehelfsbelehrung, die einen wiederum darüber unterrichtet, dass man nun Klage erheben kann, sollte man weiterhin der Auffassung sein, in seinen Rechten unzumutbar beeinträchtigt zu werden. Dabei ist das Verwaltungsgerichtsverfahren für den Bürger kostenlos.

Geschichte!

Heutzutage ist es so, dass – am weitesten gehend in NRW – nahezu sämtliche Widerspruchsmöglichkeiten abgeschafft wurden. Ausnahmen stellen Verfahren im Schulrecht und in Ordnungswidrigkeitenverfahren dar. Ist der Bürger in einem vom Bürokratieabbaugesetz betroffenen Rechtsgebiet mit einem Bescheid konfrontiert, findet er nicht mehr die gewohnte Möglichkeit, Widerspruch einzulegen vor,  sondern wird mit einer Rechtsbehelfsbelehrung ausgestattet, die ihm freundlich mitteilt, er habe nun die Möglichkeit gegen diese Entscheidung unmittelbar Klage zu erheben. Und das auch nicht mehr kostenfrei, sondern auf der Basis einer Kostenordnung im Verwaltungsgerichtsverfahren.

Soweit gibt Frontal21 den Sachverhalt richtig wieder. Da es aber dabei bleibt, ist auch diese Sendung am Ende wieder nur als abenteuerlich zu bezeichnen. Denn die Sicht der Verwaltungsmitarbeiter bleibt völlig außen vor.

Tatsächlich kenne ich keinen Verwaltungsmitarbeiter auf der ausführenden Ebene, der die Abschaffung des Widerspruchsverfahrens begrüßt. Tatsächlich ist es auch so, dass die allermeisten Behörden ihre Rechtsbehelfsbelehrungen ohne Rechtspflicht dahingehend erweitert haben, dass sie den Bürger auffordern, nicht sofort Klage zu erheben, sondern sich zeitnah mit der Behörde in Verbindung zu setzen, sollte der Bürger sich ungerecht, will heißen außerhalb des geltenden Rechts, behandelt fühlen. Denn klar ist doch, dass eine Verwaltung, schon unter dem Gesichtspunkt des Kostenrisikos, kein Interesse daran haben kann, mit schlechten Chancen vor das Verwaltungsgericht zu ziehen. Außerdem steht der Verwaltungsmitarbeiter, der vor dem Gericht unterliegt, auch verwaltungsintern nicht besonders strahlend dar…

Die Abschaffung der Widerspruchsverfahrens erschwert der Verwaltung zusätzlich das Tagesgeschäft. Es muss weit mehr Aufwand als bislang in die Sachverhaltsermittlung gesteckt werden. Mag man noch die Auffassung vertreten, dass dies ein positiver Effekt sei, so muss man diese Auffassung doch relativieren, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass jedwede Sachverhaltsermittlung der Mitarbeit des Betroffenen bedarf. Sperrte dieser sich bisher, haute man den belastenden Bescheid raus, in der sicheren Gewissheit, dass der Bürger im Widerspruchsverfahren schon seinen Mitwirkungspflichten nachkommen würde. (So macht es das Finanzamt übrigens seit jeher mit seinen Schätzbescheiden. Die natürlich auch nicht vom Bürokratieabbaugesetz betroffen sind…) Und das klappte auch stets. Nach der Änderung muss der Verwaltungsmann weit vorsichtiger sein. Immerhin ist es jederzeit möglich, dass ein substantieller Einwand erfolgen könnte. Erfolgt dieser erst vor Gericht, wurden unwiderruflich Kosten und Aufwand generiert, die vermeidbar gewesen wären.

Im Fokus der medialen Berichterstattung steht allerdings nicht diese Seite der Medaille, sondern lediglich die vermeintlich verschlechterte Rechtsposition der Bürger. Die, nach der Formulierung des Gesetzgebers, tatsächlich verschlechtert, weil mit einer Kostenhürde ausgestattet, wurde. Allerdings, und das muss man fairerweise auch in die Diskussion geben, bemühen sich die zur Ausführung dieser Gesetze verdammten Verwaltungen redlich, diese Benachteiligung im Rahmen ihrer Möglichkeiten, dabei durchaus auch im eigenen Interesse, wieder auszubügeln. Übrigens kann dabei von Bürokratieabbau keine Rede sein. Eher das Gegenteil ist der Fall…

Das hat Frontal21 selbstverständlich nicht erwähnt…

Video wird der neue Text der Zeitung

juggling jesterSo behauptet zumindest der DerWesten.de-Videoreporter Marcus Huendgen, behauptet jedenfalls Turi2 ohne Angabe einer prüfbaren Quelle. Ich glaube letztere Behauptung zunächst einmal unbesehen, da tatsächlich eine gewisse Überpräsenz von Videoangeboten auf den diversen Nachrichtenportalen um sich greift.

Erstere Behauptung indes glaube ich nicht, respektive hoffe ich, auch nachhaltig nicht glauben zu müssen. Denn Videos auf Nachrichtenportalen laufen meinen Informationsbedürfnissen erst einmal ganz grundsätzlich zuwider.

Ich scanne lieber schnell ein Dutzend Texte, als mich mühsam durch ein Video zu zappen. Von Scannen kann da letztlich keine Rede sein. Videos kann man nicht überfliegen mit dem guten Gefühl, dennoch das Wesentliche erfasst zu haben. Bei einem Video erkenne ich erst am Schluss, ob es sich gelohnt hat, meine knappe Lebenszeit für das Produkt zu Recht verwendet oder doch eher verschwendet zu haben.

Hinzu kommt, dass zumindest nach meinen bisherigen Eindrücken bei für das Internet produzierten Videos deutlich weniger Aufwand betrieben wird, als bei für das Fernsehen gedrehten Beiträgen und auch weniger Aufwand als bei der Produktion eines Textes zum gleichen Thema. Videos scheinen vor allem eine beliebte Ausdrucksform derer zu sein, die im Grunde nichts mitzuteilen haben. Videos sind bestenfalls Boulevard, meist nur Trash.

Insofern hoffe ich, dass Huendgens Prophezeiung die Zuverlässigkeit einer Kaffeesatz-Leserei nicht übertreffen wird…

Creative Commons License photo credit: hans s

Journalism sucks

Die WELT liefert ein weiteres schönes Beispiel für den Niedergang des Journalismus in Deutschland. Amerikanische Verhältnisse sind nicht nur nicht mehr fern, sondern mittlerweile etabliert.

“Ich glaube, er war einfach überfordert”, sagt die Ex-Moderatorin der “Bild”-Zeitung. “Was letztlich daraus wurde, hat Johannes Kerner ganz allein zu verantworten.” Herman weiter: “Ich hatte die ganze Zeit vorher überlegt, ob ich selbst das Studio verlasse. Aber ich befürchtete den Vorwurf, dass ich ausweichen oder mich nicht stellen würde”, sagt die ehemalige “Tagesschau”-Sprecherin. “Als Johannes Kerner mich dann verabschiedete, war ich auch ein Stück erleichtert – weil damit ein fast einstündiges Entsetzen beendet wurde.”

Soweit das, was die WELT zitiert. Abgesehen davon, dass ich BILD niemals als Quelle akzeptieren würde, sind die Aussagen, so sie denn stimmen, nichts, was man nicht erwartet hätte. Ich würde sie sogar als sehr moderat bezeichnen, wenn man dagegen hält, was sich JBK in seiner Quotengeilheit erlaubt hat.

Dennoch titelt die WELT: “Eva Herman geht auf Johannes B. Kerner los”

Es wird in den letzten Tagen häufig vom angeblich mangelnden Niveau der Frau Herman geschrieben, auch und gerade von den großen Publikumsmedien. Ich gebe dazu einfach mal den ebenfalls vergleichsweise moderaten Tipp: “Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.”

Eva Herman

An sich wollte ich mich hierzu nicht äußern, aber da das Thema bei Technorati ganz oben steht, muss ich es doch tun… Spaß beiseite. Ich habe gestern den blonden Kerner gesehen und mich gewundert. Nicht über Eva Herman, sondern über die Vehemenz, mit der Kerner, sowie die – als sie merkte, sie ist auf dem Pfad der Zustimmung – plötzlich sehr agile Schreinemakers, die hohle Nuss, Eva Herman in die rechte Ecke stellen und am besten dort anbinden wollte, weil Frau Herman doch ums Verrecken nicht dort stehen bleiben wollte.

Als Frau Herman dann jedoch jeglichen Propagandatechniken des blonden und blauäugigen Gastgebers trotzte, blieb diesem nur der Rausschmiss um sein Gesicht zu wahren. Zu diesen Techniken habe ich schon einmal einen Artikel verfasst, den ich mal als Grundlagenwissen empfehlen möchte.

Alle wirklich Interessierten folgen den Links in dem folgenden Zitat, entnommen der Homepage der Frau Herman. Und wer dann immer noch von rechtsradikalem Gedankengut faseln will, der kann das gern tun. Hitler war schließlich auch unbelehrbar. Das geht vielen Menschen so.

Seit mehr als zwei Wochen wird mir öffentlich vorgeworfen, ich hätte mich über die Familienpolitik im Dritten Reich lobend geäußert.

Dies ist erweislich falsch. Vielmehr habe ich gesagt, dass wir das Bild der Mutter wieder wertschätzen lernen müssen, das ja leider mit dem Nationalsozialismus und der 68er Bewegung abgeschafft wurde
( Download: Originalzitat als mp3 / Download: Originalzitat als pdf ). Ich habe mich also nie „lobend“ über die Familienpolitik des Dritten Reiches geäußert, sondern ganz im Gegenteil, verabscheue ich rechtsradikales Gedankengut und habe das auch bei jeder Gelegenheit deutlich gemacht.

Obwohl mein Verleger und auch ich mehrfach auf die falsche Darstellung hingewiesen hatten, wurden diese falschen Aussagen bundesweit und über die Grenzen hinaus veröffentlicht.
In den Tagen nach dem 7. September 2007 erschienen in fast allen deutschen und vielen ausländischen Medien Berichte, ich hätte auf der Pressekonferenz am 6. September in Berlin die Familienpolitik des Nationalsozialismus gelobt. Aus dem Mitschnitt der Pressekonferenz
( Download: Originalzitat als mp3 / Download: Originalzitat als pdf ) geht indes das Gegenteil hervor.

Jetzt gibt es sogar schon neoliberale, marktradikale Jobverteilungsshows

Britt sucht ein Kindermädchen, das auch putzen und kochen kann. Es soll sich also um eine ausgebildete Erzieherin, gleichermaßen um eine ausgebildete Hauswirtschafterin handeln. Wer ist überhaupt Britt? Na, kommen Sie. Britt! Die kennen Sie doch. Britt ist eine von denjenigen überflüssigen Fernsehgestalten, die eine der übelsten Unterschichten-Talkshows abliefert. Mit Sicherheit haben Sie da schon mal in Krankheitszeiten kurz rein-, aber – und das ist das entscheidende – noch schneller wieder rausgezappt! Wenn Sie noch alle Hirnzellen beisammen haben, jedenfalls.

Weiterlesen im Politikblog bei GB (denn, ja, das ist hauptsächlich ein politisches Problem, das!) >>

Friedrich Kurz von Frontal21 strikes again

Der ZDF-Frontal21-Autor Friedrich Kurz nimmt sich wider besseren Wissens gern Computerthemen vor. Er scheint zu verdrängen, dass es sinnvoll sein könnte, solches den Leuten zu überlassen, die was davon verstehen. Am heutigen Abend waren die inhaltlichen Fehler gegenüber der Tatsache, dass es sich bei dem Thema um einen ganz alten Hut handelte (selbst Luis Trencker hätte den noch zu Lebzeiten ausgemustert), schon fast zu vernachlässigen. Aber nur fast!

Weiterlesen im Digitallife-Blog bei Germanblogs >>

Panorama-Impressionen

  1. In der Blogosphäre wurde gemunkelt, dass es heute sicherlich eine Stellungnahme zum Thema “Killerspiel-Beitrag” geben würde. Das wäre senderintern schließlich ein ganz heißes Thema. Nix kam. Nicht mal mit einem Nebensatz wurde der Killerspiel-Beitrag bedacht. Da haben wohl ein paar Bloggersdorfer wieder ihren Einfluss überschätzt, wie?
  2. Was ist eigentlich diese Anja Reschke für eine? Die hat ja einen Hals, da könnte man den Kopf so reinschmeißen. Aber wollen wir nicht über körperliche Einschränkungen anderer lästern…
  3. Zum Thema “Schulempfehlungen” bei Viertklässlern, die laut Panorama von Überlegungen hinsichtlich des sozialen Backgrounds des Schülers geleitet sein könnten, habe ich eine ganz eigene Geschichte, die viel profanere Erklärungen nahelegt. Diese werde ich in den nächsten Tagen mal erzählen…
  4. Warum sind deutsche Truppen in Afghanistan? Bin Laden ist mittlerweile nicht mehr shoppen, sondern tot oder auf der Suche nach Whitney Houston, was fast auf´s gleiche rauskommt. Im Ernst. Der NATO-Verteidigungsfall in dieser Angelegenheit gehört dringend überdacht. Ich sehe keinen plausiblen Verbleibensgrund für deutsche Soldaten. Schon gar nicht unter dem Gesichtspunkt, dass Amis die Bevölkerung und die Taliban auch noch absichtlich provozieren, wie es der Beitrag zeigte. Ich bin ein ausgeglichener Typ, aber wenn mich einer als feige Schwuchtel bezeichnete und einige meiner Kumpels verbrannte, wäre ich auch ein wenig gewaltbereiter als sonst vielleicht üblich.
  5. Nazis singen schräge Lieder über Hitler. Nicht nur musikalisch vom Arsch. Juden raus und den ganzen Mist. Ich hatte in den Achtzigern Geschichte-Leistungskurs. Wir haben tagelang Originalvideoaufnahmen von Massenerschießungen, Vergasungen etc. schauen müssen. Wenn wir keine Filme ertragen mussten, waren es vorgelesene Augenzeugenberichte. Diese ganzen Naziärsche sollte man ebenfalls zu solchen visuellen Rosskuren zwingen. Wer nach zwei Wochen grausamster Originalvideos immer noch zum Nationalsozialismus tendiert, gehört in Sicherungsverwahrung. Denn so einer ist wirklich gemeingefährlich!
  6. Fast schon harmlos. Reeder flaggen ihre Schiffe auf international statt deutsch, um Kohle zu sparen und die deutschen Behörden genehmigen diese Praxis, was das Zeug hält. Anybody surprised? Die Reeder machen doch nur, was der deutsche Politiker in Perfektion vormacht: Das Fähnchen nach dem Wind hängen.

Tagesschau, der zweite Versuch

Nachdem sich die Crew der Tagesschau schon einmal erfolg-, aber auch offensichtlich motivationslos an der Erschaffung eines eigenen Blogs abgearbeitet und diesen schleichend hat sterben lassen, startet man nun einen zweiten Versuch. Jörg Sadrozinski, Redaktionsleiter tagesschau.de, erweckt dabei allerdings den Eindruck, als würde man eben erst starten und hätte zuvor lediglich zeitlich begrenzte Themenblogs geführt.

Wer das alte Tagesschau-Blog noch kennt, weiß, dass das nicht stimmt. Natürlich hatte man versucht, eine breite Thematik dauerhaft abzubilden. Offensichtlich hatten die dafür vorgesehenen Leute aber entweder nicht den nötigen Freiraum oder schlicht keinen Bock. Ich hoffe, dass dies nun anders wird, denn das Bloggen aus dem Zentrum der Nachrichten halte ich grundsätzlich für eine sehr spannende Geschichte. Von hier aus also: Viel Erfolg!

P.S.: Die Kommentarfunktion abzuschalten ist allerdings nicht gerade eine gute Idee zum Einstieg….