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Das Dr. Web Magazin – jetzt mit noch mehr Inhalt ;-)

Ich habe dem Dr. Web Magazin einiges zu verdanken. Als Webdesign noch jung war und ich auch, nutzte ich das seit 1997 bestehende Medium, um zu lernen, wie man bessere Websites baut. Ob das immer gelungen ist, müssen die folgenden Generationen (hüstel) beurteilen. Ich jedenfalls war sehr zufrieden mit dem, was Sven Lennartz und seine Mannen schon zu damaliger Zeit auf die Beine gestellt hatten, um Leute wie mich auf die Beine zu stellen.

Umso mehr freut es mich und mein Alter Ego, seit heute Teil dieser Truppe zu sein. In den nächsten Wochen wird man mich desöfteren beitragsmäßig bei Dr. Web antreffen, unter anderem im Rahmen einer wöchentlichen Kolumne zum aktuellen Webgeschehen.

Den Auftakt bildet allerdings heute dieser Artikel zum kommenden Dreamweaver CS4 >>

Putinkinsche Spiegelfechtereien in Blogdorf

Nein, ich habe nicht jeden Beitrag gelesen, den sich Deutschlands selbsternannte Politblogger rausgeschraubt haben. Allerdings haben mir die paar, die ich zur Kenntnis nahm, auch vollkommen gereicht. Allen voran fühlte sich wieder der mutmaßliche Wasserversorgerflyerersteller Berger bemüßigt, auf die deutschen Medien, diesmal in Gestalt des ARD einzudreschen.

Manipuliert habe man. Propaganda sei das, faselte er und massenweise Mist hintendrein. Ganz investigativ stellte er dann ein Transskript, sowie die vollständige Fassung aus dem Russen-TV in seinen Beitrag (Ich schreibe extra “in seinen Beitrag”, weil es doch tatsächlich Leute gab, die behaupteten, er habe das Video online gestellt. Was natürlich Unfug ist.) Und wie es in Blogdorf üblich ist, schlugen sich Blogger bestimmter Couleur, von denen es eine Überzahl in Blogdorf zu geben scheint, direkt auf Bergers Seite. Selbst die sonst ernster zu nehmenden Nachdenkseiten überschlugen sich in propagandistischer Rhethorik, dass man hätte meinen können, unser alter Goebbels wäre höchstselbst dem Grabe entstiegen, um das ARD-Video einzukürzen.

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Der Anfang ist gemacht

Ihr braucht mir nicht zu erzählen, wie hemdsärmelig das hier alles noch aussieht. Ich werde in den nächsten Tagen noch alle Hände voll zu tun haben. Aber ein Anfang ist jedenfalls gemacht.

Das Theme wird erstmal eine Weile bleiben, natürlich schraube ich es noch ein bisschen individueller und hübscher. Auf längere Sicht wird eines der hippen Magazinethemes hier seinen Dienst verrichten müssen, denn auf längere Sicht ist dieser Blog als Multiautoren- und dementsprechend Multithemenblog geplant.

Was es hier nicht mehr geben wird, sind kurze Rotzkommentare, wie sie bisher bei dpetereit.de doch recht häufig vorgekommen sind. Blogmanufaktur soll ein Hort längerer Texte und Diskussionsbeiträge werden. Natürlich subjektiv, aber balanziert. Ernsthaft, aber auch spaßig soll es zugehen und wer weiß, vielleicht wird ja doch irgendwann noch ein Portal draus.

Natürlich gibt es auch weiterhin rotzige Kommentare zum Tagesgeschehen meinerseits. Diese finden sich jedoch auf einem ganz anderen Blog. Nicht selbst gehostet, verpseudonymisiert und klartextiger than ever. Naheliegenderweise kann ich die Adresse des Blogs hier nicht promoten ;-)

Wäre schön, wenn Ihr mich auch weiterhin so fleißig lesen würdet, wie bisher.

Übrigens basiert BlogManufaktur auf Teilen des Bloghaus-Contents. Ich habe allerdings, um dem Konzept zu folgen über die Hälfte der dortigen Beiträge gelöscht und bin auch noch nicht fertig damit. Ich schätze mal, dass letztendlich runde 500 dpetereit.de-Beiträge von über 1.600 in der BlogManufaktur bleiben werden.

Nero Image Drive?

Als rechtmäßiger Verwender einer Nero-Lizenz habe ich mich über die Jahre an das Programm Image Drive gewöhnt. Image Drive kann ISO-Dateien als Laufwerk öffnen, so dass man sich das Brennen von CD oder DVD sparen kann. Nützlich beispielsweise bei Dateien wie der Open Source DVD oder ganz allgemein, wenn man CD/DVD im ständigen Zugriff braucht, aber nicht das Laufwerk blockieren will. ISO erstellen, mit Image Drive mounten, fertig.

Nachdem ich vor einiger Zeit auf Vista umgestiegen war, wollte ich gestern meine Nerolizenz wieder installieren, vor allem, um Image Drive zu nutzen. Die Installation lief einwandfrei. Allerdings war die Überraschung groß, als ich eben dieses Programm starten wollte. Ich konnte es nämlich nicht finden. Intensive Suche.  Nichts.

Google führte mich dann zu Seiten, die mich mit der im Grunde unfasslichen Information versorgten, dass Nero es bis jetzt nicht geschafft hat, Image Drive unter Vista zum Laufen zu bringen. Nicht einmal die aktuelle Version 8 ist auf diesem technischen Stand.

Umso erfreulicher, dass es auch noch fähige Programmierer, wie die der Elaborate Bytes AG gibt. Klingelt da was? Genau. Elaborate Bytes, besser bekannt als Elby haben die furiose Software CloneCD erschaffen und dann wegen der geänderten Urheberrechtsbestimmungen hernach an die karibische SlySoft abgegeben.

Die Jungs von Elby also haben geschafft wozu die Neros offenbar nicht in der Lage sind und legten dieser Tage ein schickes Stück Software namens VirtualCloneDrive vor. Es erfüllt exakt den gleichen Zweck wie Image Drive mit dem feinen Unterschied, dass es auch unter Vista läuft. Noch schöner ist, dass Elby nicht mal Geld dafür sehen will, während Neros Bolide satte 60 Euronen kostet.

Langer Rede, kurzer Sinn. ISO- und andere Images mounted der schlaue Netznutzer mit VCD. Vorher muss er es sich allerdings herunterladen, zB bei Chip Online. Viel Spaß damit.

Der Spiegelfechter

Ein Teil der Kritik an der deutschen Blogosphäre ist sicherlich gerechtfertigt. Es gibt ihn nämlich, den Selbstüberschätzer par excellence. Den Blogger, der sich für omnikompetent hält und glaubt, über alles und jedes Thema eine qualifizierte Meinung, wie auch eine pseudoobjektiv wirkende Bewertung zum Besten geben zu können.

Es gibt einige dieser Spezies, aber heute möchte ich eigentlich nur auf den Spiegelfechter Jens Berger hinaus. Im richtigen Leben, dem Vernehmen nach, Öffentlichkeitsarbeiter (Was auch immer das konkret bedeuten mag. Vom Flyerverteiler an der U-Bahn bis zum PR-Strategen ist alles denkbar.) für einen kommunalen (Energie-)Versorger, mutiert er in den Stunden seines Feierabends zu einem Experten der Welt-, der Innen-, der Außen-, der Gesundheitspolitik. Sogar zum Experten für inneramerikanische Angelegenheiten ist er schon geworden, vom Nahost-Konflikt natürlich auch nicht zu schweigen. Scholl-Latour ist ein Niemand gegen Berger.

Auch die anderen als Experten renommierten ständigen Entäußerer, meist beschäftigt bei irgendwelchen einschlägigen Stiftungen, (Nicht-)Regierungsorganisationen oder Redaktionen können Berger in seiner umfassenden publizistischen Vielfalt nichts adäquates entgegensetzen. Berger ist der Mastermind des politischen Themas.

Ich räume ein, dass ich zu Beginn auch gern den ein oder anderen Beitrag des Spiegelfechters gelesen habe. Da schien mir noch eine gewisse thematische Homogenität gegeben.  Allerdings klingelte irgendwann überlaut die Alarmglocke in meinem Oberstübchen. In etwa so, wie sie klingeln würde, wenn mir mein Internist anböte, zusätzlich mein Firmennetzwerk zu betreuen, meine Steuererklärungen zu optimieren und mich in Rechtsfragen zu beraten. Selbstverständlich könnte ich bei ihm auch stets frisches Fleisch zu günstigen Konditionen kaufen und wenn ich mal in den Urlaub wollte, hätte er da noch seine Reiseagentur.

Allein in den letzten zwei Wochen ging es bei Berger um China, Iran, Kuba, Glos Konjunkturprogramm, den Nichtraucherschutz, Medwedew, Condoleeza Rice, sowie die Krise der US-Finanz- und Immobilienmärkte. Und das alles in einer Schreibe und einer Lengthiness, wie man sie nur von ausgewiesenen Experten zum jeweiligen Thema erwarten würde.

Mich stört das deshalb, weil sämtliche Berger-Texte den Eindruck vermitteln und sicherlich vermitteln wollen, da schriebe ein Experte nicht nur seine Meinung, sondern eine objektive Wahrheit hin. Und spätestens an diesem Punkt sind wir nicht mehr bloß beim Thema Meinungsäußerung, sondern da beginnt eine Form politischer Propaganda.

Insofern ist es interessant, dass Berger selber in seinem About behauptet, er sei sozusagen der Counterpart der an allen Orten anzutreffenden Spiegelfechter aus der öffentlichen Politiklandschaft. Zitat:

Mittlerweile wird es immer schwerer in den Medien Wahrheit von Spin oder vorsätzlicher Lüge zu unterscheiden.Spiegelfechtereien sind es mit denen die Medien uns beschäftigen.

Auch wenn man diese Aussagen nicht falsch finden wird, ist sein Blog dennoch nicht Teil der Lösung. Der Spiegelfechter fügt den Spiegelfechtereien nämlich lediglich eine weitere hinzu und steht nicht einmal dazu, sondern gibt sich “neutral”. Zitat:

Ich versuche parteipolitisch neutral zu bleiben, was meist heißt, dass alle Parteien ihr Fett wegkriegen.

Wieso aber wird Berger in Blogdorf dennoch als einer der Top-Politikblogger gehandelt? Das hat sicher mit Blogdorf mehr zu tun als mit Berger. Guck mal, die Bloggerei ist doch was großes. Da haben wir einen in unseren Reihen, der hochtrabendes Zeug schreibt und der wird damit auch von den größeren Medien wahrgenommen. Dass gerade die Darstellung Bergers im seinerzeitigen Spiegel-Artikel mehr eine (berechtigte) Verhohnepipelung als alles andere war, nimmt der durchschnittlich intelligente Blogger vermutlich dabei gar nicht wahr.

Ich jedenfalls werde auch in Zukunft nicht meinen Steuerberater konsultieren, wenn ich Oberbauchbeschwerden habe. Und das empfehle ich den geneigten LeserInnen ebenfalls…

Widerspruch zwecklos?

So nannte das nicht unumstrittene ZDF-Magazin Frontal21 einen Beitrag über die Abschaffung des Widerspruchsverfahrens im Rahmen der Bürokratieabbaugesetze verschiedener Bundesländer.

Jeder kennt das. Man erhält einen Bescheid über Abfall-, Wasser-, Studien- oder sonstige Gebühren. Darunter befindet sich eine Rechtsbehelfsbelehrung, die darüber informiert, dass man innerhalb einer bestimmten Frist, in der Regel vier Wochen nach Erhalt des Bescheides bei der erlassenden Behörde Widerspruch einlegen kann. Erst wenn dieser Widerspruch erfolglos bleibt, erhält man mit dem neuen, dem sog. Widerspruchsbescheid eine neuerliche Rechtsbehelfsbelehrung, die einen wiederum darüber unterrichtet, dass man nun Klage erheben kann, sollte man weiterhin der Auffassung sein, in seinen Rechten unzumutbar beeinträchtigt zu werden. Dabei ist das Verwaltungsgerichtsverfahren für den Bürger kostenlos.

Geschichte!

Heutzutage ist es so, dass – am weitesten gehend in NRW – nahezu sämtliche Widerspruchsmöglichkeiten abgeschafft wurden. Ausnahmen stellen Verfahren im Schulrecht und in Ordnungswidrigkeitenverfahren dar. Ist der Bürger in einem vom Bürokratieabbaugesetz betroffenen Rechtsgebiet mit einem Bescheid konfrontiert, findet er nicht mehr die gewohnte Möglichkeit, Widerspruch einzulegen vor,  sondern wird mit einer Rechtsbehelfsbelehrung ausgestattet, die ihm freundlich mitteilt, er habe nun die Möglichkeit gegen diese Entscheidung unmittelbar Klage zu erheben. Und das auch nicht mehr kostenfrei, sondern auf der Basis einer Kostenordnung im Verwaltungsgerichtsverfahren.

Soweit gibt Frontal21 den Sachverhalt richtig wieder. Da es aber dabei bleibt, ist auch diese Sendung am Ende wieder nur als abenteuerlich zu bezeichnen. Denn die Sicht der Verwaltungsmitarbeiter bleibt völlig außen vor.

Tatsächlich kenne ich keinen Verwaltungsmitarbeiter auf der ausführenden Ebene, der die Abschaffung des Widerspruchsverfahrens begrüßt. Tatsächlich ist es auch so, dass die allermeisten Behörden ihre Rechtsbehelfsbelehrungen ohne Rechtspflicht dahingehend erweitert haben, dass sie den Bürger auffordern, nicht sofort Klage zu erheben, sondern sich zeitnah mit der Behörde in Verbindung zu setzen, sollte der Bürger sich ungerecht, will heißen außerhalb des geltenden Rechts, behandelt fühlen. Denn klar ist doch, dass eine Verwaltung, schon unter dem Gesichtspunkt des Kostenrisikos, kein Interesse daran haben kann, mit schlechten Chancen vor das Verwaltungsgericht zu ziehen. Außerdem steht der Verwaltungsmitarbeiter, der vor dem Gericht unterliegt, auch verwaltungsintern nicht besonders strahlend dar…

Die Abschaffung der Widerspruchsverfahrens erschwert der Verwaltung zusätzlich das Tagesgeschäft. Es muss weit mehr Aufwand als bislang in die Sachverhaltsermittlung gesteckt werden. Mag man noch die Auffassung vertreten, dass dies ein positiver Effekt sei, so muss man diese Auffassung doch relativieren, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass jedwede Sachverhaltsermittlung der Mitarbeit des Betroffenen bedarf. Sperrte dieser sich bisher, haute man den belastenden Bescheid raus, in der sicheren Gewissheit, dass der Bürger im Widerspruchsverfahren schon seinen Mitwirkungspflichten nachkommen würde. (So macht es das Finanzamt übrigens seit jeher mit seinen Schätzbescheiden. Die natürlich auch nicht vom Bürokratieabbaugesetz betroffen sind…) Und das klappte auch stets. Nach der Änderung muss der Verwaltungsmann weit vorsichtiger sein. Immerhin ist es jederzeit möglich, dass ein substantieller Einwand erfolgen könnte. Erfolgt dieser erst vor Gericht, wurden unwiderruflich Kosten und Aufwand generiert, die vermeidbar gewesen wären.

Im Fokus der medialen Berichterstattung steht allerdings nicht diese Seite der Medaille, sondern lediglich die vermeintlich verschlechterte Rechtsposition der Bürger. Die, nach der Formulierung des Gesetzgebers, tatsächlich verschlechtert, weil mit einer Kostenhürde ausgestattet, wurde. Allerdings, und das muss man fairerweise auch in die Diskussion geben, bemühen sich die zur Ausführung dieser Gesetze verdammten Verwaltungen redlich, diese Benachteiligung im Rahmen ihrer Möglichkeiten, dabei durchaus auch im eigenen Interesse, wieder auszubügeln. Übrigens kann dabei von Bürokratieabbau keine Rede sein. Eher das Gegenteil ist der Fall…

Das hat Frontal21 selbstverständlich nicht erwähnt…

MyMuesli.de wird das laufende Jahr nicht überstehen

Wenn man möchte, dann klingen die Quartalszahlen von MyMuesli beeindruckend.

Bei Mymuesli ging zuletzt die Post ab. Im wahrsten Sinne des Wortes: Müsli im Verkaufswert von 463.000 Euro verließ in den Monaten März-Mai die Produktionsstätte in Passau. Der Logistikpartner DHL hatte jede Menge zu tun, um die rund 50.000 bestellten Dosen rechtzeitig an über 21.000 Haushalte in ganz Deutschland zu transportieren. [Quelle: FTD]

Schauen wir jetzt nur mal kurz die Kosten für den Verbraucher an. Eine Dose birgt stets rund 600 Gramm Muesli. Eingedenk obiger Zahlen kostet also eine Dose über 9 Euro,  mithin rund 1,50 € pro 100 Gramm. Ein Mehrfaches üblicher Produkte. Dabei nimmt der bisherige Durchschnittskäufer statistisch mehr als zwei Dosen, gibt also runde 20 Euro im Monat für etwas über 1 Kilo Muesli aus. Dabei kann es sich nur um Gutverdiener und überdies in der Regel Paare ohne KInder handeln. Schließlich lässt sich der kinderbestückte Normalverdiener auch nicht seinen Kaffee oder seinen Sprit exklusiv zusammen mischen. Das ist das eine…

Dann schauen wir auf die kolportierten Gehälter der fünf Gründer: 750 Euro pro Nase. Mit Sicherheit unterhalb Hartz 4. Dann schauen wir auf die sonstigen Kosten:

Ausgaben Mai: 131.495 Euro
Einnahmen Mai: 119.509 Euro

Nanu? Gut, über das gesamte Quartal zeigt sich dann ein Einnahme-Überschuss von knapp 70 TEUR. Das ist aber unter Bankgesichtspunkten nicht unbedingt aussagefähig, denn die unterjährigen Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb einer GuV sind geradezu grenzenlos. Ich habe schon mehr als einmal unterjährig Insolvente erst im nächsten Jahr Konkursantrag stellen, aber bis dahin Erfolgsmeldungen rausposaunen sehen.

750 Euro pro Nase. Das macht man in aller Regel, in 99,9 % aller Fälle, nicht ohne Not…

Andere beschränken sich aufs Lobhudeln.

Video wird der neue Text der Zeitung

juggling jesterSo behauptet zumindest der DerWesten.de-Videoreporter Marcus Huendgen, behauptet jedenfalls Turi2 ohne Angabe einer prüfbaren Quelle. Ich glaube letztere Behauptung zunächst einmal unbesehen, da tatsächlich eine gewisse Überpräsenz von Videoangeboten auf den diversen Nachrichtenportalen um sich greift.

Erstere Behauptung indes glaube ich nicht, respektive hoffe ich, auch nachhaltig nicht glauben zu müssen. Denn Videos auf Nachrichtenportalen laufen meinen Informationsbedürfnissen erst einmal ganz grundsätzlich zuwider.

Ich scanne lieber schnell ein Dutzend Texte, als mich mühsam durch ein Video zu zappen. Von Scannen kann da letztlich keine Rede sein. Videos kann man nicht überfliegen mit dem guten Gefühl, dennoch das Wesentliche erfasst zu haben. Bei einem Video erkenne ich erst am Schluss, ob es sich gelohnt hat, meine knappe Lebenszeit für das Produkt zu Recht verwendet oder doch eher verschwendet zu haben.

Hinzu kommt, dass zumindest nach meinen bisherigen Eindrücken bei für das Internet produzierten Videos deutlich weniger Aufwand betrieben wird, als bei für das Fernsehen gedrehten Beiträgen und auch weniger Aufwand als bei der Produktion eines Textes zum gleichen Thema. Videos scheinen vor allem eine beliebte Ausdrucksform derer zu sein, die im Grunde nichts mitzuteilen haben. Videos sind bestenfalls Boulevard, meist nur Trash.

Insofern hoffe ich, dass Huendgens Prophezeiung die Zuverlässigkeit einer Kaffeesatz-Leserei nicht übertreffen wird…

Creative Commons License photo credit: hans s

Erfolgreicher Onlinejournalismus = Boulevard

Medienmensch Jakubetz behauptet ja, dem sei nicht so. Es könne zwar in der realen Ausprägung heutzutage in vielen Fällen so sein, aber er negiert, dass dahinter eine Art mathematischer Logik steckt. Ich glaube, er hat Unrecht. Sicherlich mag man theoretisieren, dass die faktische Realität im Onlinejournalismus derzeit das Setzen auf Boulevardthemen und die Boulevardisierung auch seriöserer Themen ist, dies aber nicht zwangsläufig einen logischen Zusammenhang im Sinne einer Kausalität hat. Dann aber ist man in meinen Augen ein Träumer.

Nun mag ich zwar Träumer, nehme mir jedoch jederzeit die Freiheit, einen Traum auch als solchen zu bezeichnen. Wenn man Träume als solche wahrnimmt, haben sie trotzdem ihren Wert, denn man kann sich an ihnen genauso aufbauen, wie an echten positiven Erlebnissen. Außerdem können Träume, wie der des Herrn Jakubetz durchaus jederzeit in Erfüllung gehen. Kurzum, ich kritisiere den Traum nicht.

Zurück auf dem Boden der Tatsachen erkennt man recht schnell, dass es anders ist. Boulevardthemen dominieren schließlich nicht nur die Onlinemedien. Ganz übel sieht es mittlerweile im Fernsehen aus. Alles, was nicht gebührenfinanziert ist, sendet nur noch boulevardesken Mist. Nicht zu Unrecht greift der Begriff des Unterschichten-TV um sich.

Warum sollte im Netz eine andere Entwicklung stattfinden? Der durchschnittliche Internetuser, das erkennt jeder Blogger, wenn er mal seine Suchbegriffestatistik durchschaut, sucht nach Sex, Klatsch, Tratsch -  Voyeurismus im weiteren Sinne. Und er sucht diejenigen Seiten auf, die die Befriedigung seiner Bedürfnisse am ehesten zu versprechen scheinen. Ist nun ein Onlineangebot darauf angewiesen, kostendeckend zu arbeiten, weil es gerade nicht gebührenfinanziert ist, muss es dem Bedarf an Boulevard Rechnung tragen. Alles andere wäre Ausdruck wirtschaftlicher Verantwortungslosigkeit.

Natürlich gibt es auch Medien, die dem Trend zur Boulevardisierung widerstehen und qualitativ hochwertige Beiträge leisten. Dazu schaue man sich beispielsweise den Bloggerkollegen Spiegelfechter aka Jens Berger an. Aber eine breite Masse erreicht er, erreichen andere mit ihren aufwändigen, fundierten Beiträgen nicht. Will oder muss man von dieser Arbeit nicht leben, kann man natürlich den Teil des Netzes, der Interesse an dieser anderen Form von Journalismus hat, bedienen und wird dafür auch gemocht, bewundert, besucht. Leider aber nur von einer maximal vierstelligen Anzahl Surfer pro Tag. Wobei eine Wirtschaftlichkeit nicht einmal bei einer fünfstelligen Zahl erreicht werden würde, wenn man eine Redaktion bezahlen wollte.

Qualitätsjournalismus könnten sich theoretisch natürlich Medien wie SpOn dennoch leisten. Quasi gegenfinanziert durch den ganzen Boulevardkram. Da das Motto jedoch “höher, schneller, weiter” ist, insbesondere wenn es um die Entwicklung der Besucherzahlen und damit verbunden, der Erlössteigerung geht, wird keine der großen Nachrichtenmagazinplattformen Kapazitäten binden, um die paar Intellektuellen zu bedienen, die nicht nach nackten Brüsten, abgerissenen Gliedmaßen, schlecht singenden Castingstars oder Möchtegernmodels suchen.

Einzig die gebührenfinanzierten Medien könnten hier Abhilfe schaffen. Aber das will (außer mir) anscheinend auch keiner…

John Chow und seine angeblichen Einnahmen

“Ich mache Geld online, indem ich anderen erzähle, wieviel Geld ich online mache.” So lautet der reichlich lange Titel des Blogs von John Chow. John Chow ist der Angeber unter Amerikas Bloggern und lässt es sich nicht nehmen, alle Nase lang zu kommunizieren, wieviel Geld er womit nun wieder eingenommen hat. Dabei sind die Summen stets derart fantastisch, dass man nicht umhin kommt, sie in Frage zu stellen.

Heute hat Chow seine Einnahmesituation Mai 2008 verbloggt. Knapp 33.000 Dollar hat er angeblich allein im Mai eingenommen und das, obwohl er seit dem 12. Mai in China weilte. Natürlich ist es schwierig, diese Summen nachzuvollziehen und grundsätzlich gönne ich auch jedem seine Kohle. Nur scheinen mir die Zahlen im Falle von Chow deutlich überhöht zu sein.

Liest man Chows Blog, und das habe ich für den Monat Mai eben komplett erledigt, stellt man sich unweigerlich die Frage, wo der Nutz- und Werbewert des Blogs liegen soll. Chow schreibt über dies und das, über seine Mahlzeiten, seine Familie, seine Reisen, eben über alle möglichen privaten Begebenheiten. Ab und zu schreibt er auch über neue Dienste im Internet, wobei er extrem bissig sein kann, wenn ihm etwas nicht gefällt. Es gibt im Grunde nur ein Thema, über das Chow nicht schreibt. Nämlich über das Geld verdienen im Internet. Wenn man mal von seinen Einkommensauflistungen absieht.

Im Mai will er 3000 Dollar allein mit Artikeln für das US-Trigami ReviewMe verdient haben. Dabei verlangt er angeblich 500 Dollar pro Review, obschon ReviewMe selber angibt, dass 200 Dollar die oberste Grenze wären. Sei´s drum. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass ihm tatsächlich Leute 500 Dollar zahlen, müsste er im Mai dafür 6 Beiträge geschrieben haben. Mit gutem Willen finde ich aber gerade mal drei, eher zwei.

Damit steht zumindest diese Einnahmeposition nach meinen Recherchen schon einmal auf äußerst tönernen Füßen. Wie lautet noch der alte Spruch? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht…

Niggelig, Niggeliger, Niggemeier

Niggelig? Nie gehört? Ich zitiere mal aus einem Forum: “niggelig” ist eine liebevolle Mischung aus “nörgelig, ekelig, aufmüpfig”. (Wobei sich über den Komparativ hin zum Superlativ das liebevoll immer mehr verflüchtigt und am Ende lediglich noch das nörgelig, ekelige Aufmüpfige überbleibt. [Anm. d. Red.])

Okay, man merkt es gleich. Ich mag Niggemeier nicht. Das hat durchaus sachliche Gründe. Ich kenne ihn ja nicht. Ich kann einfach Leute nicht leiden, die sich einerseits damit profilieren, der Bild-Zeitung ständiges und stetiges Lügen vorzuwerfen, andererseits aber exakt dieses Medium als Quelle angeben, wo immer es ihnen in den Kram passt (siehe zB Affäre um Eva Herman). Sowas fällt für mich definitiv unter die Definition “Ekeljournalismus”.

Ganz grundsätzlich kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es Niggemeier stets nur um maximale Aufmerksamkeit, nie aber um maximale Aufklärung geht. Vulgo: Niggemeier schreibt nur um seiner selbst willen. Irgendeine Neigung hat schließlich jeder. Das könnte man tolerieren, wenn wenigstens eine gewisse Ausgewogenheit Niederschlag in seinen Äußerungen finden würde, zumal sein Blog, zwar für mich unverständlicherweise, aber eben faktisch doch recht häufig gelesen, mindestens jedoch häufig bekommentiert wird.

Mehrfach bereits trat Niggemeier gegen Broder aus, der sicherlich auch zu denjenigen Vertretern seiner Zunft gehört, die das klare Wort schätzen und dabei möglicherweise in einer ähnlichen Problematik stecken, wie der Herr Superlativ himself. Broder schreibt mal gut, mal schlecht, meistens unterhaltsam, vielfach auch nicht. Gegenüber seinen übrigen Thesen und Äußerungen kann man als Leser durchaus berechtigt die eigenen Reflexionsmöglichkeiten trainieren, um es mal neutral auszudrücken.

Aktuell nun meint Herr Superlativ sich unreflektiert hinter den ehemaligen Thomas, die heutige Tanja Krienen stellen zu müssen, die ihrerseits nicht unumstritten ist. Es gibt einige Stimmen, die behaupten, dass Frau Krienen sich für die Legalisierung des Geschlechtsaktes zwischen Kindern und Erwachsenen einsetzt und sich zur Tarnung dieses Anliegens, respektive zur leichteren Rezeption des Anliegens in der Öffentlichkeit in ihrer “Publikation” der Hilfe prominenter Autoren bedient hat, die zumeist über den vermeintlichen Hintergrund der Publizistin nicht orientiert waren. Welcher Seite man nun Glauben schenken soll, ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Frau Krienen weist Vorwürfe in dieser Richtung weit von sich und behauptet das strikte Gegenteil, was zumindest dadurch nicht von der Hand zu weisen ist, dass sie den Strafverfolgungsbehörden bereits einen einschlägig bekannten Szenevertreter quasi auslieferte.

Herr Broder hat sich offenbar für die andere Seite entschieden. Ob er weitergehende Kenntnisse in dieser Richtung hat, kann ich nicht beurteilen, halte es jedoch auf für nicht abwegig zu dieser Ansicht zu gelangen. Nun hat sich Herr Broder der Thematik in einer Art und Weise genähert, die man im durchregulierten und stets politisch korrekten Deutschland nicht goutieren darf. Er hat nämlich seiner Wut freien Lauf gelassen.

Und ich kann das unter Annahme seines Hintergrundes und seiner Einschätzungen zur Person verstehen. Käme mir jemand, den ich der Kinderschändung für schuldig hielte vor die Flinte, ich glaube kaum, dass ich ruhigen Gemütes nach der Gendarmerie rufen würde. Diese Person würde sicherlich spontane Kastrationsängste entwickeln und das mit Recht. Darf man natürlich nicht. Schließlich leben wir in einem Rechtsstaat und sich zu wünschen, Kinder bumsen zu dürfen, ist ja noch nicht der Tatbestand an sich. Also ruhig Blut und immer schön juristisch abwägen.

Wenn man es sich dabei ganz ganz einfach machen will, negiert man sogar diese Seite der Medaille, respektive unterschlägt sie gleich ganz und wirft der Gegenseite vor, Grund der Verärgerung sei die Transsexualität des/der Beschimpften. Kein Problem für den Herrn Superlativ und erst recht kein Problem für die Horde Jubelperser, die es mit schöner Regelmäßigkeit unter seine Beiträge zieht. Das ist ekelhaft, eben typisch Niggemeier.

Blogrolled.com – TextLinks reinvented

Eigentlich ist es verwunderlich, dass nicht schon früher jemand auf diese Idee gekommen ist. Die Firma Blogrolled.com aus dem beschaulichen 30.000 Einwohner Städtchen Goshen in Indiana reduziert das Konzept von Teliad, LInklift, TLA und wie sie alle heißen auf das Wesentliche, den Link.

Während alle anderen Linkvendors das “Problem” haben, scriptgesteuert zu arbeiten und somit für Google relativ leicht identifizierbar zu sein, setzt Blogrolled.com auf die manuelle Verlinkung und konzentriert sich, wie der Name schon sagt, ausschließlich auf Blogs.

Das Verfahren läuft verkürzt so ab: Blogger meldet seinen Blog bei Blogrolled.com an und ordnet sich verschiedenen Themenbereichen zu; so, wie von anderen Linkmärkten bekannt. Blogrolled.com setzt einen Startpreis für die LInksetzung auf eine Dauer von 30 Tagen fest und führt den Blog in seinen Listen. Interessierte Käufer sehen in der Liste nicht die Blog-URLs, sondern lediglich die Angaben zur Linkpopularität, zum Alexaranking, natürlich die Sprache des Blogs, den Preis und die Beschreibung, die der Blogger hinterlegt hat.

Aus der Liste stellt sich der Käufer nun seine “Favoriten” per Radiobutton zusammen und sendet die gesammelte Anfrage an Blogrolled. Nun erhält er die Detaildaten der gewählten Blogs und hat zwei Stunden Zeit, seine Auswahl zu verändern. Verändert er sie nicht, erhalten die Blogger eine Buchung und müssen innerhalb von 3 Tagen manuell den gebuchten Link in ihren Blogrolls setzen. Eine automatisierte Rückverfolgbarkeit ist nicht vorgesehen. Somit kann es als nahezu ausgeschlossen gelten, dass Google derart gekaufte Links auch als solche erkennt.

Die Zahlung erfolgt jeweils zum Monatsersten über einen obligatorischen Paypal-Account. Buchungen, die im Monatsverlaufe gestartet sind, werden für den ersten Monat zeitanteilig vergütet.

Ob man nun als Blogger diesen Dienst nutzen sollte, hängt im Wesentlichen von der Grundeinstellung des Einzelnen ab. Habe ich bisher schon keine Probleme mit dem Verkauf von Links gehabt und dies nur unterlassen, um meinen Pagerank nicht zu beschädigen, so kann ich nun erneut über das Thema nachdenken. Manuell gesetzte Links dürften nahezu bombensicher nicht zu Abwertungen führen. Als Käufer solcher Links dürfte ich aus dem gleichen Grund besonderes Interesse an Blogrolled haben. Schließlich möchte auch ich als Käufer meinen Pagerank nicht gefährden.

Blogrolled funktioniert im Grunde wie ein soziales Netzwerk. Kontrolle wird untereinander ausgeübt. Wer einen Link bezahlt, wird schon darauf achten, dass er gesetzt ist. Damit ist klar, dass Blogrolled kein Konzept für die große Masse der Linkanzeigenbuchungen ist, denn das System wird für den Betreiber schnell unübersichtlich. Als kleines Unternehmen in einem 30.000-Seelen-Dorf mag es aber immerhin seine Gründer ernähren können und das ist doch auch etwas…

Seniorenbloggen bei Pennings Seometrie GmbH

Eigentlich bin ich im Umfeld des Themas 50plus recht gut informiert. Vom Blog “Ab 50 aufwärts” der Berliner Seometrie GmbH, in die der Holtzbrinck-eLab-Prokurist Frank Penning, der gleichzeitig die Vornamenblogger der Germanblogs “betreut”, wie auch immer involviert ist, hatte ich jedoch bislang nichts gehört. Dank an “Ex-Freundin-BloggerDorin Popa für den Hinweis [via Turi2]. Per Jobs3000 – ebenfalls noch nie von gehört – sucht Pennings Seometrie GmbH nach einem (!) Seniorenblogger, der nach Popas Informationen für 6 Beiträge satte 135 Euronen wird einstreichen können.

Ich habe diese wertvollen Informationen zum Anlass genommen, um mir den Seniorenblog einmal näher anzuschauen. Für eilige Leser: Es ist ähnlich wie bei den anderen Seometrie-Blogs. Wenn überhaupt Autorennennung, dann nur Vornamen. Die Texte scheinen allerdings geringfügig authentischer, dennoch nicht lesenswert.

Für weniger eilige Leser: Zunächst erstaunlich ist, dass Pennings Jungs überhaupt einen Seniorenblog aufsetzen, haben sie doch mit 50plus.germanblogs.de bereits einen solchen im Portfolio. Noch dazu einen wesentlich ansprechender gestalteten. Machen wir einen kleinen Test:

Ich rufe ab50aufwaerts.de auf. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich schon darüber gewundert, dass eine URL gewählt wurde, bei der man einen Umlaut ersetzen muss, um sie überhaupt aufrufen zu können. Ich schaue auf den Title-Tag “Senioren und Silver User”. Aha. Ich schaue auf den Blogtitel “Ab 50 Aufwärts”. Rechtschreibung schwach. Außerdem stellt sich mir die Frage nach der Bedeutung. Ist es am Ende gar eine Forderung? Soylent Green lässt grüßen? Ich schaue auf den Blog-Untertitel “Die Silver-Generation”. Platter geht es eigentlich nicht mehr. Und weniger aussagekräftig auch nicht. Und weniger attraktiv für potenzielle Leser auch nicht. Und überhaupt.

Ich schaue auf das Blogdesign. In der Headergrafik sind zwei Kinder abgebildet. Beide tragen deutlich negroide Züge, was natürlich grundsätzlich kein Problem ist, aber unter dem Gesichtspunkt der Professionalität im Mediendesign auf die Verwendung billigen amerikanischen PennyStockmateriales schließen lässt. Im Übrigen hätte ich als Gestalter überlegt, ob diese Bildauswahl wohl den Erwartungen der Zielgruppe entsprechen wird. Immerhin wird ein Grönlandblog naheliegenderweise auch nicht mit Palmenheader ausgestattet.

Ganz schlimm dann die Farbgebung. Es soll wohl Silber assoziieren, ist aber schlichtweg ein dumpfes, depressives Grau. Ich denke an den immerhin tollen Song “Fade To Grey” und wage es nicht, den Titel wörtlich zu übersetzen. Die spärlich eingestreuten Fotos des Bloggers wirken in diesem Trauerumfeld in all ihrer Farbigkeit schon fast unangemessen fröhlich. Mir fällt der Witz ein: “Du, da fängt doch gestern im Gottesdienst neben mir jemand das Rauchen an. Mir wäre fast die Bierpulle aus der Hand gefallen.”

Der erste Blogbeitrag entstand am 8. Februar diesen Jahres. Der erste und damals einzige Blogger war ein gewisser Jörg, über den man, Seometrietypisch nichts weiter erfährt. Ist er unter, ist er über 50? Ist er Gabelstaplerfahrer, ist er Akademiker? Keine Aussage.

Ich will mal nicht so streng sein und einräumen, dass es in einem thematisch breiten Blog, der sich lediglich den Interessenslagen älterer Menschen zu widmen hat, für den Leser nicht so sehr darauf ankommt, die Qualifikation des jeweiligen Bloggers zu kennen. Leider handelt es sich hierbei jedoch um eine grundsätzliche Haltung der Seometrie GmbH zum ProBlogging und findet sich auch in deutlich kritischerem Umfeld, wie etwa im Gesundheitsblog, bei dem ich schon wissen möchte, ob der gelesene Tipp von einem Doc oder einem Kunststudenten stammt.

Mittlerweile finden sich zu den Blogbeiträgen, die insgesamt eher sporadisch publiziert werden sogar gar keine Autorenangaben mehr. Ghostwriting wörtlich genommen. Ich schließe daraus, dass der Startblogger Jörg mittlerweile nicht mehr der Textproduzent ist. Inhaltlich sind die Postings nicht so platt wie das, was auf Germanblogs seit einigen Monaten zusammengefrickelt wird. Zumindest nicht alle, was darauf schließen lässt, dass der Blog nicht von einem einzigen Blogger bestückt wird. Leider sind gerade die besser lesbaren Texte auch die platten.

Insoweit verwundert es nicht, dass sich über die Laufzeit bisher erst 18 Kommentare insgesamt angesammelt haben. Ab50aufwaerts.de verletzt zu viele Grundregeln erfolgreichen Bloggens, um attraktiv zu sein. Dann eben doch wieder ein typischer Seometrieblog. Ein Hoch auf Frank Penning und seine Mannen!

Bekenntnis zum Standort

So titelt heute das örtliche Lokalblättchen, weil irgendein Unternehmer neben seinem Firmengebäude eine Lagerhalle baut. Salbungsvolle  Huldigungen entsprangen der Feder des Redakteurs.

Oh, Dank sei dem großen Unternehmer, der seine Lagerhalle neben seinem Firmengebäude und nicht in Rumänien baut. Dank sei ihm für die Investition von angeblichen drei Millionen für eine Bude, in der er keinen einzigen zusätzlichen Mitarbeiter beschäftigen wird, weil es eben eine Lagerhalle ist. Ommmmhh.

Bekenntnis zum Standort? Lobens-, respektive huldigenswürdig? Bullshit! Wo soll der am Ort wohnende Unternehmer seine Lagerhalle wohl sonst bauen? Und wieso verlagert der am Ort wohnende Unternehmer sein Unternehmen wohl nicht nach Rumänien? Vielleicht etwa weil er am Ort wohnt und noch nie im Leben in Rumänien war? Was würde ihm eine Lagerhalle in Rumänien nützen, wenn er hier am Ort produziert? Nichts? Genau. Und deshalb baut er sie logischerweise auch hier.

Was die drei Millionen Investitionssumme betrifft. Erstens ist das eine ziemlich erstaunliche Summe für eine Stützkonstruktion aus Pfählen, die mit Fertigbetonplatten ausgefacht wird. Und zweitens, selbst wenn er diese Summe tatsächlich dareinstecken täte, würde man erst in 10 bis 30 Jahren sehen, ob er sie tatsächlich selber investiert hat oder ob der Steuerzahler dafür im Zuge der nächsten Bankenkrise gerade zu stehen haben wird.

Natürlich gibt es Unternehmen, die anders agieren, bloß handelt es sich dabei in der Führung nicht um Unternehmer, sondern lediglich um Manager. So hat beispielsweise der Manager des im Nachbarort tätigen Armaturenherstellers Grohe den Sitz der Geschäftsführung kürzlich kurzerhand nach Düsseldorf, 100 Kilometer von der Produktion entfernt, verlegt. Angeblich, um attraktiver zu werden für Managementnachwuchs. Interessant dabei: Der Manager wohnt in Düsseldorf…

Gewalt


“Gewalt ist ein Defizitphänomen.  Wenn andere adäquate Konfliktlösungsmöglichkeiten fehlen, greift man zu Gewalt.”

Postuliert Prof. Georg Lind von der Universität Konstanz und suggeriert dem gewöhnlichen Leser damit: Wer zu blöd ist, seine Probleme auf intellektuellere Art und Weise zu lösen, haut zu.

Und so wird Gewalt in der Tat im Allgemeinen heute als soziale Inkompetenz und intellektuelle Mangelerscheinung gesehen. Was ja auch nicht völlig falsch ist. Mir fehlt bei dieser simplen Betrachtung allerdings ein ganz entscheidender Aspekt.

Es gibt schließlich in der Tat Leute, die zu doof sind, Konfliktlösungsansätze, die etwas anspruchsvoller sind, auch nur ansatzweise zu begreifen. Für derlei Vögel ist Gewalt eine Sprache, häufig sogar die einzige, die sie verstehen. Will man also mit seinen Botschaften bei solchen Leuten kognitive Effekte erzielen, muss man sich wohl oder übel deren Mechanismen beugen.

Ich kann mich noch gut an meinen letzten Appeasementversuch erinnern. In einer Einkaufspassage wurde ich mehrfach angepöbelt. “Warum bist Du denn so aggressiv?” fragte ich den hartnäckigen Angreifer. Er antwortete in etwa: “Ey, was bin isch?  Pass auf, Du. Isch geb Dir gleisch.”

In solchen Momenten kann nur gelten: “When in Rome, do as the Romans do.” Alles andere legen Dir solche Typen als Schwäche aus und verstärken daraus bestätigt ihr eigenes Fehlverhaltensmuster.

Deshalb ist Gewalt für mich nicht ausschließlich ein Defizitphänomen, sondern kann auch der Ausdruck erforderlicher Wehrhaftigkeit sein.

Hitlern im SchülerVZ: I am not amused

Beim Mittagessen. Meine Tochter erzählt beiläufig von SchülerVZ und den Kommunikationsmöglichkeiten dort. Plötzlich fragt sie: “Papa, was ist denn hitlern?”

Ich frage nach: “Hitlern? Wie kommst Du denn darauf? Ich denke bei diesen VZ wird gegruschelt?”

Sie: “Ja, aber Du kannst auch andere “Grüße” wählen und bei SchülerVZ ist eine meiner Freundinnen von jemandem “gehitlert” worden und weiß jetzt nicht, was dass zu bedeuten hat.”

Ich: “Na ja, diesen Adolf Hitler kennst Du schon, oder?”

Sie: “Ja, das war dieser Verbrecher, der die Leute massenhaft ermordet hat. Bloß, was hat meine Freundin damit zu tun?”

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Ich konnte es ihr nicht wirklich sagen. Ich konnte mich aber auch nicht richtig konzentrieren, weil in mir die Wut über diese asozialen Netzwerke, die dieser Hobbyvideofilmer mit der braunaffin gestalteten Geburtstagseinladung mitverbrochen hat, ins Unermessliche zu wachsen begann.

Später versuchte ich mir dann selber einen Überblick über die Geschehnisse auf SchuelerVZ zu verschaffen. Leider mit mäßigem Erfolg, denn Erwachsene werden an der Pforte abgefangen. Da bleibt im Prinzip nur das strikte Verbot an die Kids, sich da anzumelden. Nur kontrollieren kannst Du es eh nicht…

Welcher Kranke kommt auf die Idee, dass Kinder sich untereinander “hitlern” können müssen? Verd*%$X

Update vom 04.09.2008: Kommentare geschlossen

Unpopulär, aber wahr

Was mir in den Tarifrunden der letzten Zeit aufgefallen ist, ist, dass es in den meisten Fällen zu Konstrukten, wie “erstmal X Euro drauf und dann X Prozent mehr” gekommen ist. Auf diese Weise wollten die Gewerkschaften wohl sicherstellen, dass niedrigere Löhne überproportional vom Abschluss profitieren. Was ich auch sehr fürsorglich finde. Außerdem gönne ich jedem seine Entlohnung.

Nüchtern betrachtet muss man jedoch konstatieren, dass derlei Abschlüsse zu einer Verflachung der Tarifhierarchie führen. Sprich: Die Löhne innerhalb einer Tarifstruktur gleichen sich aneinander an. Das mag zwar im Interesse der Niedriglöhner in Ordnung sein, ist es aber mit Blick auf die mittleren und höheren Löhne und Gehälter mitnichten. Denn diese Gleichmacherei in der Entlohnung missachtet die Unterschiedlichkeit der Aufgabenprofile. Vulgo: Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der mittlere Angestellte auch mehr Verantwortung trägt als der untere, wofür er dann entsprechend mehr Geld bekommt. Was man bislang auch gesamtgesellschaftlich als “gerecht” betrachtet hat.

Nähern sich nun die unteren Löhne zu stark an die mittleren an, werden sich die Empfänger mittlerer Gehälter irgendwann zu Recht fragen, ob sie die Last der zusätzlichen Verantwortung noch vernünftigerweise tragen sollten. Aus meiner Sicht ein ernstzunehmendes Problems in der Gesamtproblematik des “Verschwindens des Mittelstandes”.

Dass die Wirtschaft insgesamt “Niedriglohn für alle. Reichtum für das Management.” will, spielt in dieser Hinsicht ausnahmsweise mal keine Rolle…


RSS – Nicht ausschließlich positiv

Natürlich nutze ich meinen GReader relativ intensiv, um nicht zu sagen exzessiv. Was hinreichend verdeutlicht, dass ich mir der Vorteile des RSS hinreichend bewusst bin. Sicherlich ist es so, dass die Nutzung von RSS-Feeds grundsätzlich für eine Erweiterung der eigenen Aufmerksamkeitsspanne sorgt. In Maßen allerdings nur.

Martin Weigert beschreibt diesen Effekt ganz schön. Ich habe die Feeds in meinem Reader in den letzten Wochen radikal reduziert. Meine Aufmerksamkeitsspanne wurde quasi überspannt. Und das lag nicht bloß an der schieren Masse an Feeds, sondern auch daran, dass in einem Feed alle Nachrichten gleichwertig daher kommen. Darin besteht meines Erachtens das größte Problem. Der Leser ist systembedingt gezwungen, jeden Anreißer zunächst einmal zur Kenntnis zu nehmen, um dann über Lesen oder Löschen zu entscheiden.

Da hat man es auf den den RSS-Feeds zugrundeliegenden Websites deutlich leichter. Jeder Autor, jeder Redakteur, jede Redaktion weiß schließlich in der Tiefe der jeweiligen Herzen, welcher Artikel gut ist und welcher eben nicht. Der RSS-Feed differenziert nicht, die Platzierung auf der Website schon (wenn es sich nicht um einen hundsgemeinen Blog handelt). Man könnte diesen Effekt für demokratisch halten, was er möglicherweise auch ist. In der Praxis geht er mir schlicht auf den Sack, schließlich leben wir ohnehin seit mindestens zehn Jahren in Zeiten des Informationoverflow, ich jedenfalls.

Aus diesem Grunde habe ich gerade die “hyperaktiven Seiten” mit vielen Beiträgen pro Tag aus dem Reader geschmissen und besuche diese lieber wieder per Browser. Der RSS-Reader soll mich mit den Wenigpostern in Kontakt halten, damit ich da nix verpasse. Dafür ist er geeignet. Eine Art Wecker für Webinhalte…

Nochmal zurück zu Martin Weigerts Beitrag. Er fragt sich, warum Nachrichtenmagazine ihre RSS-Feeds nicht offensichtlicher positionieren und begründet das so:

Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Verlage und Onlinezeitungen möchten ihre Stammleser nicht dazu ermuntern, mit Hilfe von RSS ihre Aufmerksamkeitsspanne zu erweitern, aus Angst, Leser und deren Zeitbudget für Medienkonsum an andere Quellen zu verlieren.

Lieber Martin, ich glaube, damit liegst Du in absoluter Überschätzung der Motivation konventioneller Medien völlig falsch. Die Begründung ist viel simpler: In RSS-Feeds ist keine Werbung…

WP 2.5 Dashboard – Der erste Eindruck

Ich hatte schon einen Schock erwartet, denn ich kenne das neue Backend von wordpress.com, schauderhaft. Nicht so in der installierbaren Version für eigenen Webspace. Sicherlich ist die Farbgebung gewöhnungsbedürftig, aber das ist reine Geschmackssache. Eine funktionale Einschränkung ergibt sich daraus nicht.

Die optische Teilung zwischen Alltags- und Konfigurationsaufgaben ist eher praktisch, wird dadurch doch das Interface übersichtlicher. Auch schön ist die kompaktere, inhaltsreichere Gesamtstruktur. Kommentare werden direkt neben den Beiträgen in der Verwaltungsübersicht angezeigt. Sämtliche Funktionen sind intuitiver als bislang erreichbar.

Schickes Dingen, das…

Basic: Bloggen für Geld

Der größte Blogger Deutschlands ist er. Und das schon seit Jahren. Mittlerweile kann er mit 3500 Euro Einnahmen im Monat sogar schon vom Bloggen leben. (Ich könnt’s nicht…) Die deutsche Blogosphäre legt sich mit ihm nur ungern an, zuviel Einfluss könnte die eventuelle Retourkutsche entfalten. Selbst der Blogbonzo Alphonso huldigt dem Fürsten insoweit, als dass er ihm in Diskussionen trotz kommerzieller Absichten stets sachliche Ernsthaftigkeit zubilligt.

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