Ubuntu vs. Mint: Die Sache mit der Statistik, die keine ist

Linux Mint, eben in der Version 12 erschienen, erhält zur Zeit viel Aufmerksamkeit von Seiten der Tech-Journalisten. Auch im Lager der Linux-Befürworter gewinnt Linux Mint an Boden. Es gibt zudem einen Trend der Abwanderung von Ubuntu hin zu Mint, der sich aus der Entscheidung Canonicals begründet, Unity als Standarddesktop für Ubuntu einzusetzen.

Nun ging die Website Pingdom.com her und baute mehrere schicke Grafiken, die zeigen sollen, dass Ubuntu tatsächlich massiv verliert und Mint kometenhaft aufsteigt. Nach Pingdoms Grafik, die auf den Rankingwerten der Website DistroWatch basiert, ist Ubuntu so auf den vierten Platz hinter Mint, Open Suse und Fedora abgestürzt. Das sieht man schließlich auf den ersten Blick…

Pingdom will beweisen, dass Linux Mint die Top 5 der Desktop-Linux-Distributionen anführt…

Schnell sprang die Tech-Presse weltweit auf das Thema an. Dabei wurde allerdings ein ganz wesentlicher Fehler begangen, der schon den Erstellern der Sensationsgrafiken unterlaufen ist. Dieser besteht darin, anzunehmen, man könne aus den Zahlen des DistroWatch-Ranking überhaupt derartige Rückschlüsse ziehen. Eben das ist jedoch nicht der Fall.

DistroWatch zählt lediglich die Zugriffe auf die bei DistroWatch geführte Informationsseite zur jeweiligen Distribution. Steigt eine Distribution in diesem Ranking, so heißt das, dass mehr Besucher die Informationsseite aufgerufen haben. Nicht mehr und nicht weniger kann man aus diesen Daten lesen.
Bedeutsam indes ist die Entwicklung isoliert betrachtet nicht, denn sie enthält weder Informationen zu den tatsächlichen Marktanteilen, noch zu den Downloadzahlen, noch zur Nutzerbasis. Sie sagt einfach gar nichts brauchbares aus.
Man könnte gewagt interpretieren, dass die Zunahme der Besucher auf der Infoseite zu Linux Mint den Schluss zulässt, dass das OS auf dem aufsteigenden Ast ist. Mit gleicher Berechtigung könnte man jedoch sagen, das gesteigerte Interesse an der Mint-Infoseite liegt an der verstärkten Berichterstattung zum Thema in den letzten Wochen und Monaten und sagt dementsprechend nicht einmal etwas über die Popularität aus.
Zudem ist diese Art der Rudimentärstatistik anfällig für jedwede Art der Manipulation und wenn es nur die einfache Form ist, die darin besteht, Fans zu gewinnen, die regelmäßig die DistroWatch-Infosite aufzurufen bereit sind. Canonical hat bislang nicht versucht, Befürworter auf diese Weise zu erlangen. Canonical ist insgesamt sehr eisern, was den Marktauftritt betrifft. Credo des Gründers und Mäzens Shuttleworth: „If you don’t like it, then don’t use it.“
Schauen wir kurz in eine andere Ecke des Web, rüber zu Facebook. Hier kann die Ubuntu-Fanpage aktuell über 512.000 Fans aufweisen, die Fanpage zu Linux Mint lediglich etwas über 15.000, die Fanpage zu Linux Mint als Organisation keine 8.000.
Aber auch diese Zahlen sind für die Beurteilung der Einsortierung in eine Top 5 der Desktop-Linux-Distributionen ähnlich untauglich wie die DistroWatch-Werte…

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