Der Verfall der Groupon-Aktie verständlich erläutert

Als Groupon am 4. November 2011 an die Börse ging und damit doch noch realisierte, wovon manch einer, einschließlich meiner Wenigkeit nicht mehr ausgegangen was, sah es nach einem erfolgreichen IPO aus. Kurz vor der Ausgabe wurde der Preis pro Anteilsschein noch schnell von 16 bis 18 auf 20 Dollar angehoben.Insgesamt 35 Millionen Aktien wurden verkauft und erlösten beim gegebenen IPO-Preis von 20 Dollar entsprechend 700 Millionen US Dollar insgesamt. Genau darum ging es Groupon. Das Unternehmen wollte möglichst hohe Liquidität einfahren, um ein bisschen Luft für die Herausforderungen der jüngeren Zukunft zu erhalten. Mission Accomplished.

Anleger sollten auf das Papier jedoch nicht reinfallen…

Groupons Handelsvolumen nimmt zu, der Kurs sinkt

Zunächst, also im unmittelbaren zeitlichen Umfeld des IPO stieg der Aktienkurs auf über 30 Dollar pro Anteil, um dann relativ schnell relativ stark zu fallen. Seitdem interne Anteilseigner, wie etwa Mitarbeiter ihre Shares verkaufen dürfen, erhöht sich das Volumen der täglich verkauften Aktien, dass nach einer starken Anfangsphase auf unter 5,2 Millionen gehandelte Anteile am gestrigen Dienstag zurück gegangen war. Am Montag wurden sogar nur rund 2,5 Millionen Shares gehandelt. Am heutigen Tage wurden bis jetzt (19:55 Uhr deutscher Zeit, 13:55 Uhr in New York) bereits über 5,9 Millionen Shares gehandelt. Der Preis pro Anteil liegt im Moment unter 18 Dollar, damit deutlich unter IPO und schwankt auf niedrigem Niveau auf und ab.

Groupon: Nur 5,5% Aktien über den IPO in den Markt gebracht, Marktkapitalisierung gewaltig

Im Rahmen des Börsengangs wurden lediglich 35 Millionen Aktien in den Markt gebracht. Dabei handelt es sich um 5,55 Prozent der insgesamt gehaltenen Anteile. Diese summieren sich auf 630.403.000 Anteile. So erklärt sich auch der kolportierte extrem hohe Börsenwert von 12,6 Milliarden Dollar am IPO-Tag. Die rasanten Kurssteigerungen der ersten Tage führten gar zu einem Börsenwert (auch als Marktkapitalisierung bekannt und gemeinhein als Unternehmenswert simplifiziert) von knapp 20 Milliarden US Dollar. Wer selber nachrechnen will, es ist einfach:

Zahl der gehaltenen Anteile x Kurs = Börsenwert

So erklärt sich übrigens, wie es sein kann, dass Unternehmen mit geringerem Kurs pro Anteil dennoch höher bewertet sein können als solche mit teils deutlich höheren Kursen. Sie haben einfach mehr Anteile im Umlauf.

Marktkapitalisierung aka Börsenwert ist kein betriebswirtschaftlich verlässlicher Wert

Diese Zwischenüberschrift ist untertrieben. Genau genommen ist der so ermittelte Unternehmenswert lediglich der Wert, den der Markt der Anleger aufgrund der Tasache, dass man sich auf diese Berechnungsformel geeinigt hat, als Wert annimmt. Drastischer ausgedrückt: Der Markt ist der Meinung, dass es sich um den Unternehmenswert handeln könnte. Das so bewertete Unternehmen als solches hat von einem sinkenden oder fallenden Börsenwert weder mehr, noch weniger Geld auf dem Konto und kann den Wert auch nicht unmittelbar monetarisieren.

Verlässlicher ist die Ermittlung des sogenannten Buchwerts, der sich quasi unter Zerschlagungsgesichtspunkten berechnet. Man zieht die Schulden eines Unternehmens von seinem Vermögen ab und behält, wenn das Ergebnis eine schwarze Zahl ist, den Nettowert des Unternehmens. Nachteil hierbei ist die Stichtagsbetrachtung. Die Buchwertbetrachtung bezieht Chancen und Perspektiven nicht in die Betrachtung ein, ist damit tendenziell zu negativ, während der Börsenwert tendeziell zu positiv ist.

Gerade im Falle Groupon weichen die zu erzielenden Ergebnisse bei der einen Methode extrem von den Ergebnissen der anderen Methode ab. Schon bei meiner ersten Betrachtung der Groupon-Finanzunterlagen stellte ich fest, dass die Schulden das Vermögen zum damaligen Stichtag bereits um 230 Millionen Dollar überstiegen, wobei umso schwerer wog, dass es sich in einer Größenordnung von 290 Millionen Dollar um recht kurzfristig fällige Verbindlichkeiten, nämlich die den Merchants zustehenden Gelder handelte. Ich prognostiziere, dass sich das Verhältnis zum Jahresende nicht verbessert haben wird. Kosmetisch taktisch könnte Groupon Teile der IPO-Erlöse verwenden, um wenigstens den Eindruck eines verbesserten Buchwertes zu erreichen.

Wir sehen also, bei diesen Varianten schwankt Groupon zwischen „Du musst noch Geld zahlen, damit dich einer nimmt“ und aktuell rund 10 Milliarden Dollar Unternehmenswert nach Marktkapitalisierung. Wen das verwirrt, der sei daran erinnert, dass das Börsengeschehen nichts mit betriebswirtschaftlichem Handeln zu tun haben muss. Es kann, aber es muss nicht.

Einwenden kann und sollte man an dieser Stelle, dass es durchaus normal für schnellwachsende Unternehmen ist, dass diese Abweichungen auftreten. Und Groupon ist wohl eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt. In solchen Fällen ist es wichtig, auf das Geschäftsmodell abzustellen, um Anhaltspunkte für positive Perspektiven eines Unternehmens zu finden, wenn es schon aktuell kein Geld verdient.

An dieser Stelle beginnen die Meinungsverschiedenheiten. Ich habe bereits mehrfach eindeutig anhand von Zahlen und betriebswirtschaftlichen Grundlagenbetrachtungen klar gemacht, warum ich Groupons Modell für nicht tragfähig halte. Mit dem Eintritt immer neuer Wettbewerber in den Markt der Gutscheinverkäufe, der ja über praktisch keine Eintrittsschwellen verfügt, wird der nachhaltige Erfolg des Grouponmodells immer unwahrscheinlicher. Sicherlich ist es möglich, dass sich Groupon auf Dauer in einem Teil des Marktes etablieren wird. Das wird aber nur auf Kosten der zu hohen Provisionen und auf weit niedrigerem Niveau als bislang gelingen. Und, dass die Betreiber ein Interesse an langfristiger harter Arbeit bei schmalen Margen haben, darf bezweifelt werden. Der Back-Katalog der Gründer legt das absolut nicht nahe…

Groupon: Na und?

Für Groupon kann das Fazit dennoch aktuell weiterhin entspannt „Na und?“ lauten. Das avisierte Geld ist eingefahren, die Kursschwankungen wirken sich nur für die Anteilseigner aus. Das wird zwar Lefkofsky, Mason und ein paar anderen nicht gefallen, weil es die individuellen Chancen auf Riesenreibach senkt, wenn sie zum Verkauf der eigenen Anteile schreiten. Lefkofsky hält immerhin noch runde 20 Prozent der Anteile, hätte also bei Kursen um 30 Dollar ein hübsches Sümmchen von 3,8 Milliarden Dollar zu erlösen. Grämen muss er sich nicht: Selbst drastische Einbrüche auf um 5 Dollar bescherten dem Seriengründer und -schließer noch 630 Millionen Dollar bei Verkauf seiner Anteile.

Man sieht. Die Groupon-Gründer können die Sache entspannt angehen. Anleger sollten ihre sauer verdienten Taler jedoch auf keinen Fall in dieses Unternehmen stecken.

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