Datensicherung für Einzelkämpfer, Teil 2 – Software für den Mac

In Ergänzung zum ersten Teil der Betrachtungen, der sich mit Datensicherung im Allgemeinen und den Lösungen für Windows befasste, will ich heute einen gezielten Blick auf die für Mac OS verfügbaren Lösungen werfen. Der Mac-Markt ist in Sachen Backupsoftware deutlich übersichtlicher und die besten Lösungen sind kostenlos. Was will man mehr? In der folgenden Übersicht sind die nach meinen Recherchen verbreitetesten Programme versammelt, für Einzelkämpfer überdimensioniertes, wie Retrospect habe ich außen vor gelassen.

Time Machine

Mit OS X 10.5 wurde die Backupsoftware Time Machine Bestandteil des Betriebssystems. Der größte Vorteil dieser Lösung ist die absolute Einfachheit der Anwendung. Die Time Machine (TM) wird im Grunde lediglich einmalig eingeschaltet und auf das gewünschte Sicherungsmedium (interne oder externe Festplatte) eingestellt. Danach kümmert sich TM völlig selbständig um die Sicherung Ihres Mac. Nach der ersten Vollsicherung legt TM stündlich Backups an und behält diese für 24 Stunden. Die letzte Tagessicherung wird einen Monat lang aufbewahrt und die letzte Wochensicherung so lange, bis aus Platzgründen auf dem Sicherungsmedium von alt nach neu automatisch gelöscht wird. Diese Strategie dürfte für die allermeisten Mac-User völlig ausreichend sein.

Zusätzlich vereinfacht TM den Zugriff auf die gesicherten Daten auf der Basis einer Zeitschiene. So kann man sich durch die Zeit zurück zu einem bestimmten Systemzustand suchen und diesen bei Bedarf wiederherstellen lassen. Hier muss man allerdings sagen, dass die Timeline-Ansicht zwar spektakulär aussieht, jedoch hinsichtlich des praktischen Nutzens nur eingeschränkt hält, was sie verspricht. Da man allerdings auch Spotlight verwenden kann, um nach älteren Dateiversionen zu suchen, wirkt sich die sperrige Bedienung der Timeline nur dann negativ aus, wenn man sie unbedingt benutzen will.

Aus den TM-Backups lassen sich auch neue Macs bestücken. So kann man seine Neuerwerbung mit dem Migrationsassistenten system- und datentechnisch direkt in einen arbeitsfähigen Zustand versetzen. TM kann jedoch, anders als andere Wettbewerber, keine bootbaren Backups erstellen. Das ist allerdings insofern nur ein kleines Problem, als es jederzeit möglich ist, unter Zuhilfenahme einer OS X Installations-DVD ein System via TM-Backup wiederherzustellen. Wer es unbedingt direkt bootbar anlegen möchte, kann übrigens jederzeit unter Verwendung des Festplatten-Dienstprogramms ein Komplettimage seines Systems anlegen.

So hat TM im Grunde nur wenig Nachteile. Einer der größeren dürfte sein, dass sich derzeit nicht auf Netzwerklaufwerke sichern lässt, so dass die verbreiteten NAS-Systeme mit TM nicht genutzt werden können.

Wer diese offensichtlich künstliche Einschränkung nicht akzeptieren will, installiert sich den TM Manager, der genau diesen Malus behebt. Sind Ihnen die vorgegebenen Sicherungsintervalle zu lang, zu kurz, jedenfalls zu starr und wollen Sie mehr Flexibilität in der Abwicklung Ihrer Backupjobs, könnten Sie den Einsatz von Time Machine Editor in Erwägung ziehen.

Fazit: Time Machine ist so wie man Apple-Software kennen- und schätzen gelernt hat. Sie ist zuverlässig und einfach, das Studium eines Handbuchs kann man sich sparen. Die künstliche Einschränkung auf bestimmte Zielmedien ist zwar unnötig, aber ebenfalls Apple-typisch. Die beschriebenen Zusatzprogrämmchen lösen das Problem jedoch. Es spricht demnach nichts gegen den Einsatz der Time Machine.

Carbon Copy Cloner

Der schärfste Konkurrent der Time Machine dürfte das ebenfalls kostenlos erhältliche (um Spenden wird jedoch gebeten) Programm Carbon Copy Cloner (CCC) sein, welches mit jedem OS X ab 10.4.8 zusammen arbeitet. Da es CCC bereits seit rund 8 Jahren gibt, hat der Entwicler auch Versionen für ältere OS-Versionen im Downloadbestand. Dass einem beim ersten Start der Anwendung direkt die Lektüre des Schnelleinstiegs nahegelegt wird, zeigt den konzeptionellen Unterschied zur Time Machine bereits ganz gut, auch wenn das Programm sich letztlich nicht als kompliziert erweist.

CCC bietet im Kern einen ähnlichen Funktionsumfang wie Time Machine, geht dann jedoch darüber hinaus. Es ist also mit CCC ebenso möglich, stündlich, wöchentlich oder monatlich zu sichern. Allerdings liegt diese Konfiguration in Ihrer Hand und wird nicht direkt vorgegeben. Außerdem kann CCC auch im Netzwerk sichern. Ebensowenig wie unter TM ist eine direkte Sicherung auf DVD- oder CD-Medien nicht möglich. Dafür besteht die fast schon exotische Möglichkeit, in gemountete Diskimages hinein zu sichern oder einen anderen Mac via Internet mit dem Backup zu bestücken. Nutzen Sie eine externe Festplatte ist das Backup grundsätzlich bootbar. Dabei werden etwa auf dem Laufwerk vorhandene Dateien nicht gelöscht, was besonders diejenigen freuen wird, die für ihre Backups die gleichen Laufwerke benutzen wollen, auf denen sie auch ihre umfangreiche Mediensammlung gespeichert haben.

Ähnlich wie TM merkt sich CCC den Backupstatus im laufenden Betrieb und sichert nach, wenn das Backupmedium, möglicherweise erst nach Tagen, wieder angestöpselt wird. Um die geplanten Tasks zu starten, ist es nicht erforderlich, dass ein Benutzer angemeldet ist. Durch die grundsätzlich inkrementelle Backupstrategie stellt sich die Problematik der Versionierung nicht. In der Quelle gelöschte Dateien werden zwar im folgenden inkrementellen Backup auch fehlen, sind jedoch in den vorherigen Sicherungen dauerhaft vorhanden.

Da CCC nicht proprietär sichert, können seine Backups auch unter Verwendung des Migrationsassistenten zur Bestückung neuer Macs verwendet werden. Vielfach wird CCC eine höhere Arbeitsgeschwindigkeit als TM bescheinigt. Diese Beobachtung kann ich im Rahmen meiner Tests unter Verwendung einer USB-2.0-Festplatte allerdings nicht bestätigen.

Fazit: Wer Wert auf größtmögliche Flexibilität, sowie auf Features wie die Sicherung in Images oder ins Netzwerk legt, kommt an CCC nicht vorbei, sollte jedoch ein gewisses Grund-Knowhow besitzen.

SuperDuper!

SuperDuper! (SD!) ist eine Shareware, die sowohl auf PowerPC-, wie auch Intelbasierten Macs eingesetzt werden kann. Die Vollversion kostet rund 25 € und nur die Vollversion ist ein ernsthafter Konkurrent für die anderen Player im Mac-Backup-Wettbewerb. Denn nur in der lizensierten Version verfügt SD! auch über Features wie inkrementelle Backups oder das Anlegen von zeitplanbasierten Backuptasks.

In der frei nutzbaren Version kann SD! immerhin auf Festplatten oder in Diskimages sichern, worin kein Unterschied zur Vollversion besteht. Dabei kann jedoch nur die Vollsicherung angewählt werden, die außerdem so angelegt ist, dass eine etwa vorhandene vorherige Sicherung komplett gelöscht wird. So könnte eine Festplatte, auf der sich bereits andere Daten befinden, zwar grundsätzlich zur Sicherung genutzt werden, ohne diese anderen Daten zu verlieren, dies jedoch ausschließlich unter Verwendung der lizensierten Version. Zum Testen kam für mich daher nur die Anlage eines Diskimage auf der entsprechenden Festplatte in Frage. Dies funktionierte tadellos und in Betracht der Tatsache, dass SD! ein Image anlegte und befüllte auch in angenehmer Geschwindigkeit. Die Sicherung auf Netzwerklaufwerke oder Rohlinge ist auch in der Vollversion nicht vorgesehen.

Fazit: SuperDuper! kann weniger als CCC und das meiste davon nur gegen Bezahlung. Auch die Verfügbarkeit auf älteren Macs ist kein Alleinstellungsmerkmal, da hält CCC locker mit. Die Geschwindigkeit ist konkurrenzfähig, der Leistungsumfang nicht. Ich wüsste keinen Grund, warum sich derzeit jemand für SuperDuper! entscheiden sollte.

Silverkeeper

Silverkeeper ist eine Freeware aus dem in Mac-Kreisen weithin bekannten Hause LaCie. Lauffähig ab OS X 10.3.9 bietet Silverkeeper (SK) einen für Freeware-Verhältnisse erstaunlichen Leistungsumfang. Nicht nur lässt sich mit SK das komplette System auf einer externen Festplatte bootbar abzulegen, es ist auch möglich, unter Nutzung von Netzwerklaufwerken oder der iDisk einzelne oder alle User-Verzeichnisse zu sichern. Muss beim bootbaren Backup der Datenträger allein für SK zur Verfügung stehen, können alle anderen Sicherungsmodi auch auf anderweitig genutztem Space stattfinden.

Das Backup findet dabei nach der ersten Vollsicherung inkrementell statt. Andere Modi sind nicht wählbar. Das ist aber insofern kein Problem, als SK quasi im Klartext sichert. Der direkte Zugriff auf die gesicherten Daten ist jederzeit möglich, komplexe Vorgänge, wie das Zusammenführen von Sicherungszuständen unterbleiben. Backups können auch geplant werden. Möglich ist die Definition täglicher, wöchentlicher oder monatlicher Sicherungsläufe. SK muss nicht gestartet sein, um die geplanten Läufe abzuarbeiten. Anders als etwa bei CCC ist es jedoch erforderlich, dass ein Benutzer eingeloggt ist.

In Sachen Versionierung bietet SK zwei Wege an. Zum einen ist es möglich, eine Anzahl zu behaltender Dateiversionen zu definieren. SK legt dann für jede Version eine separate Ordnerstruktur an, was jedenfalls nicht eben eine sehr übersichtliche Lösung ist. Zum anderen ist es möglich, SK anzuweisen, Daten auch dann nicht aus dem Backup zu löschen, wenn sie im Quellordner gelöscht wurden. Die zweite Option sorgt, je nach Arbeitswut, schnell für eine recht große Datenmenge, ist aber fast schon eine Art Versicherung für alle Fälle, da Sie so selbst dann Daten nicht verlieren können, wenn Sie sie aktiv löschen. Weiterhin kann SK zur Ordnersynchronisation eingesetzt werden.

Dadurch, dass SK im Grunde nur Mac-Systemfunktionen nutzt, sind die angelegten Backups auch ohne SK und auch von anderen Systemen aus lesbar. CD- und DVD-Medien werden nicht direkt unterstützt, dürften allerdings heutzutage in der täglichen Sicherungswirklichkeit ohnehin kaum noch eine Rolle spielen.

Fazit: Silverkeeper bietet einen für ein kostenloses Programm angenehmen Funktionsumfang und arbeitet zuverlässig und schnell. Im Bereich Versionierung indes kann es nicht mit Programmen wie Time Machine mithalten, was aber an der Philosophie der Dateiorganisation liegt. Die Versionierung gibt es zwar, sie ist aber wenig intuitiv handhabbar. Gegenüber Time Machine ist die Option Backups bootbar abzulegen, sowie die Möglichkeit der Ordnersynchronisation hervor zu heben. Gegen CCC kommt Silverkeeper in keiner Hinsicht an.

iBackup

Auch wenn iBackup (verfügbar ab OS X 10.3.9) streng genommen in diesem Vergleich fehl am Platze ist, will ich es aufgrund seines recht hohen Verbreitungsgrades doch wenigstens erwähnen. Was iBackup von allen anderen vorgestellten Lösungen unterscheidet, ist, dass es keine Komplettsicherung bietet. Und daraus folgt konsequenterweise, dass es auch keine bootbaren Backups bietet.

iBackup wurde geschaffen, um die Nutzdaten, sowie die Einstellungsdateien sichern zu können. Dem Programm nicht von vornherein bekannte Anwendungseinstellungsdateien können ihm mittels der über 250 speziell erstellten Plugins beigebracht werden. Weniger versierte Nutzer können daher mit iBackup nur wenig anfangen, können sie doch nicht einmal sicher sein, dass sämtliche wichtigen Einstellungen auch tatsächlich gesichert werden würden. Natürlich kann man sich durch den Plugin-Wald fräsen, indes, wo es doch einfachere Lösungen gibt, warum sollte man das tun?

Auf der Habenseite steht zu Buche, dass sich iBackups überall dort ablegen lassen, wo man mit dem Mac Zugriff hat, also auch im Netz oder via WebDAV oder in gemountete Imagedateien, aber nicht per FTP. Eine Versionierung gibt es nicht. iBackup sichert zwar nur veränderte Dateien, dies jedoch nicht im Wege inkrementellen Backups, sondern über den Austausch der Zieldatei.

Fazit: Keine Empfehlung für iBackup von meiner Seite.

[Der Beitrag erschien zuerst als PLUS-Beitrag für zahlende Abonnenten im Dr. Web Magazin.]

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