Datensicherung für Einzelkämpfer, Teil 1

Gehören Datensicherungsstrategien in größeren Unternehmungen inzwischen zur Standardausstattung, so gilt das für kleine Unternehmen und Einzelkämpfer leider nur eingeschränkt. Dabei weiß im Grunde ein Jeder, dass Datensicherung wichtig ist. Im heutigen Teil 1 zum Thema beschäftige ich mich mit der Datensicherung im Allgemeinen und unter Windows im Besonderen. Teil 2 wird das Thema auf die Mac-Welt und andere Bereiche ausdehnen.

Begriffsumfang

Begrifflich ist Datensicherung weit gefasst. In den Neunzigern verstand man unter Datensicherung im Wesentlichen das Backup auf Bandsystemen oder Scheibenmedien, sowie die Hardwareausstattung der Arbeitsgruppenserver mit RAID-Systemen. Durch die Verbreitung des Internet wurden weitere Sicherungsmöglichkeiten populär und technisch machbar. So gehört heutzutage zur Datensicherung auch die Synchronisation von Datenbeständen über verteilt stehende Rechner, sowie immer häufiger auch das reine Onlinebackup. Neue Festplattentechnik (S.M.A.R.T.) macht mittlerweile auch eine gewisse vorbeugende Ausfallprognose möglich.

All diese Themen will ich im Folgenden zumindest soweit anschneiden, dass sie sich in einem Gesamtkontext einordnen lassen.

RAID und S.M.A.R.T.

Es ist mittlerweile fast zehn Jahre her, dass ich für meinen LAN-Server auf RAID gesetzt habe. Ja, ich benutze einen Server, auch wenn ich im Grunde mit einer Workgroup-Vernetzung arbeiten könnte. Mir gefällt jedoch die dezidiertere Rechteverwaltung auf meinem Windows 2003 SBS, sowie die guten Kontrollmöglichkeiten hinsichtlich des Routing.

Zu RAID-Zeiten arbeitete ich mit einem RAID 1, dem sogenannten Mirroring. In dieser Betriebsart laufen zwei indentische Festplatten redundant und spiegeln sich dabei gegenseitig.

Negativ an dieser Betriebsart, noch schlimmer aber beim RAID 5 war für mich stets die hohe Betriebstemperatur, die durch mehrere Festplatten im System entstand und zusätzlicher Kühlung bedurfte. Die so entstehenden Betriebsgeräusche führten zu einer deutlichen Erweiterung der Kabelstrecken im Büro, um den Server möglichst außer Hörweite positionieren zu können. Ebenso negativ beurteilte ich die relative Anfälligkeit der Systeme. Ich kann es zwar nicht empirisch hinterlegen, hatte jedoch stets den Eindruck, dass durch RAID die Ausfallwahrscheinlichkeit eher stieg als sank.

Positiv hingegen ist die Möglichkeit, trotz eines Festplattenausfalls einfach weiterarbeiten zu können, weil die zweite Platte identisch zur ersten ist und das System auf den Ausfall einer einzelnen Platte nicht reagiert. Zwei Mal in meiner über 20jährigen Tätigkeit trat dieser Ernstfall ein. Eine Platte hatte den Geist aufgegeben, die zweite lief weiter. Die Wiederinbetriebnahme des RAID nach Austausch der defekten Platte war jeweils alles andere als einfach, was schon mit der Suche nach einer kompatiblen Ersatzplatte begann. Im Ergebnis hätte mich das Zurückspielen einer Komplettsicherung, die ich natürlich zeitgemäß auf DAT-Bändern machte, nicht viel mehr Zeit gekostet.

Diese Kosten-Nutzen-Analyse veranlasste mich irgendwann in den frühen Nullerjahren, das RAID aufzulösen und die vorhandenen Festplatten jeweils als solche zu nutzen. So verdoppelte ich ohne Mehrkosten meinen Serverspeicherplatz. Sie glauben es vielleicht nicht, aber seit über fünf Jahren läuft der Server fehlerfreier als zuvor.

Nicht zuletzt sprach natürlich auch die kontinuierlich gestiegene Produktionsqualität bei Festplatten, sowie deren dramatisch gestiegenen Speicherkapazitäten eine gewichtige Rolle bei meinen Entscheidungen.

Heutzutage sichere ich auf zwei verschiedene Mobilplatten mit jeweils 1 TB Speicherkapazität. Für die vorbeugende Ausfallprognose verwende ich das kleine Programm CrystalDiskInfo, das sich in das Systray blenden lässt und kontinuierlich die S.M.A.R.T.-Parameter der im System eingebundenen Festplatten ausliest.

Auch wenn viele der potenziell auftretenden Fehler Folge plötzlicher Ausfälle sind und somit per S.M.A.R.T. nicht diagnostiziert werden können, liefert das System als solches doch ein Stück Ausfallprophylaxe und gehört damit in den Fokus eines jeden Datenarbeiters. Denn nach einer statistischen Erhebung Googles sagt S.M.A.R.T. immerhin in etwa 64 % aller Fälle den bevorstehenden Ausfall korrekt voraus. Dies natürlich nur, wenn Sie die Parameter auch verfolgen…

Fazit: RAID (1) ist streng genommen keine Datensicherungsstrategie, sondern sorgt lediglich dafür, dass man im Fehlerfall verzögerungsfrei weiterarbeiten kann. Wer darauf unbedingt angewiesen ist, sollte ein RAID-System einsetzen. Ansonsten lassen sich Festplattenausfälle mit recht hoher Genauigkeit via S.M.A.R.T. vorhersehen. Der rechtzeitige Austausch einer Platte mit sich verschlechternden Werten schützt auch vor Datenverlust.

Backup-Methoden

Geht es um das eigentliche Backup, also die Sicherung von Arbeitsdaten auf einem externen Speichermedium, kommen wieder einige erklärungsbedürftige Begrifflichkeiten ins Spiel. Zunächst zum Begriff Backup als solchem. Backup ist nicht Synchronisation, wie es beispielsweise Dropbox bietet. Backup ist zunächst eine Einbahnstraße. Daten werden vom Arbeitssystem one way auf ein anderes Speichermedium übertragen und erst im Notfall von dort vollständig oder selektiv zurück gesichert.

Früher sicherte ich auf DAT-Bändern. Es gab ein ausgeklügeltes System. Für jeden Wochentag gab es ein Band in einem Zweiwochenturnus, also zwei Bänder pro Tag. Band 1 für den Montag dieser Woche, Band 2 für den Montag kommender Woche und so weiter für jeden Tag. Vollsicherungen wurden immer freitags gefahren, dieses Band wurde für einen Monat aufbewahrt und erst danach in den Zyklus zurück geführt. Das letzte Freitagsband eines jeden Monats wurde als Vollsicherung dauerhaft archiviert.

Neben der Vollsicherung, bei der sämtliche im Backupjob definierten Dateien gesichert werden, gibt es aus Gründen vor allem zeitlicher Effizienz zwei weitere Sicherungsmethoden. Es handelt sich um die differenzielle, sowie die inkrementelle Sicherung.

Grundlage ist stets die Vollsicherung. Bei der differenziellen Sicherung werden nun sämtliche Dateien gesichert, die seit der letzten Vollsicherung geändert wurden. Man benötigt also zur Wiederherstellung von Daten stets die letzte Vollsicherung UND die letzte differenzielle Sicherung. Bei der inkrementellen Sicherung werden sämtliche Dateien gesichert, die seit der letzten Vollsicherung oder der letzten inkrementellen Sicherung geändert wurden. Zur Wiederherstellung von Daten benötigt man also die letzte Vollsicherung UND ALLE seitdem angelegten inkrementellen Sicherungen. Inkrementelle Konzepte ziehen demnach den höchsten Wiederherstellungsaufwand nach sich.

Geboren sind diese Sicherungstrategien aus der Not. Als Speicherbänder und Festplatten noch klein und teuer waren, konnte weder aus Zeit-, noch aus Kostengründen ständig vollgesichert werden. Auch die differenzielle Sicherung bedeutete je nach Datenbestand teils mehrere Bänder pro Lauf und einen Zeitverbrauch bis tief in die Nacht hinein. Da war die inkrementelle Sicherung eine regelrechte Verlockung, solange man nicht auf sie angewiesen war…

Der unmittelbare Nachteil differenzieller und inkrementeller Sicherung ist sofort spürbar. Aus einer Vollsicherung können unmittelbar Dateien mindestens wiederhergestellt, wenn nicht ohnehin sofort nahtlos genutzt werden. Dafür bedarf es aber Speicherplatzes in der Größenordnung des Gesamtsicherungsvolumens.

Fazit: Sie denken es sich bereits. Ich mache nur noch Vollsicherungen. Dafür verwende ich zwei USB-Festplatten á 1 TB im täglichen Wechsel. Zusätzlich sichere ich online in eine Dropbox. Dazu schrieb ich bereits einen eigenen Beitrag. Dropbox nutze ich also weniger als Synchronisationslösung, sondern eher zu Backupzwecken. Da Dropbox außerdem mehrere Versionen der einzelnen Datei speichert, bin ich auch vor dem Großphänomen versehentlicher Änderungen recht gut gefeit.

Backup-Medien

Es war nur ein relativ kurzes Zwischenspiel. Über einen Zeitraum von wenigen Jahren wurden Superdisks, Zip-Drives und später Jaz-Laufwerke populär. Wenn ich richtig beobachte, hat sich dieses Thema komplett erledigt. Was nützt auch ein Zip mit 100 MB? Da waren die Jazs mit ihren 32GB schon interessanter.

Nach wie vor üblich in kleinen Büros ist die Sicherung auf DVD(RW). Diese macht aber nur Sinn bei kleinen Datenbeständen. Passt wenigstens die differenzielle Sicherung auf einen einzigen Rohling, so kann man das so machen. Ist die Datenmenge so groß, dass man selbst bei partiellen Sicherungen bereits zum DJ wird, sollte man von diesen Medien die Finger lassen. Ausnahme sind Langzeitsicherungen/Archivierungen, die man beispielsweise einmal im Quartal anlegt und dann auf Dauer wegschließt. Hierfür eignen sich DVDs aufgrund ihrer relativ langen Haltbarkeit bei korrekter Lagerung grundsätzlich gut. Die alltägliche Sicherung damit gerät jedoch schnell zur Qual.

Natürlich kann auch heutzutage weiterhin auf Bandlaufwerke zurück gegriffen werden. Die Geschwindigkeit und Kapazität dieser Sicherungssysteme ist zwischenzeitlich deutlich gestiegen. Dennoch verschiebt sich sogar bei Großanwendern der Fokus derzeit weg von den Bandlösungen. Auch in der Konzernlandschaft lautet das Schlagwort Backup-To-Disk. Natürlich verwendet der Großanwender keine mobilen USB-Festplatten, sondern geht mit Arrays zu Werke, die bis zu 120 Festplatten beherbergen.

Der Einzelkämpfer oder Leiter eines kleinen Teams macht demnach nichts falsch, wenn er sich ebenfalls für Festplatten als Sicherungsmedium entscheidet.

Ist das Medium erkoren, geht es nach den gleichen Regeln an eine Strategie wie dunnemals zu Bandsicherungszeiten. Wie oft soll was in welchem Umfang gesichert werden?

Meine Backup-Strategie

Ich persönlich habe nun über mehrere Jahre beste Erfahrungen mit zwei mobilen Festplatten als Sicherungsmedium gemacht. Derzeit verwende ich zwei WD MyPassport, sowie das auf den Platten enthaltene Backupprogramm WD SmartWare. Da dieses für Windows und Mac OS vorliegt, kann ich meine heterogene Kleinstumgebung voll damit abdecken.

Die beiden Festplatten werden im täglichen Wechsel verwendet. Einmal im Quartal fertige ich ein Komplettarchiv auf DVDs an. Zusätzlich zu der Festplattenlösung kommt eine Dropbox 50 GB zum Einsatz. Dass es sich hierbei um eine Synchronisationslösung handelt, nutze ich als zusätzlichen Vorteil, um bestimmte Daten zwischen meinem unter Win7 laufenden Mac Mini und meinem unter OSX laufenden Macbook Pro synchron zu halten. Ansonsten hat mir die Versionsverwaltung der Dropbox schon öfter eine verloren geglaubte Dateiversion gerettet.

Im Ergebnis existiert mein gesamter Datenbestand damit drei Mal vollständig auf Festplatten, einmal vollständig in der Cloud und teilweise redundant in den per Dropbox synchronisierten Ordnern. Für mich betrachte ich damit das Risiko von Datenverlusten relativ kostengünstig als ausgeschlossen. Andere Nutzer können andere Ansprüche und Sicherheitsbedürfnisse entfalten.

Deshalb will ich im Anschluss noch einen kleinen Überblick tauglicher Backup-Software geben.

Backup-Software für Einzelkämpfer

Die populärsten Programme für den SoHo-Bereich kommen von Acronis mit TrueImage Home 2010 (rund 30 €) und von Symantec mit Backup Exec System Recovery (rund 60 Euro). Auch Acronis bietet mittlerweile einen zusätzlichen Onlinespeicher als Ziel für die TrueImage-Sicherungen an, Symantec lässt den Anwender per FTP sichern.

Ganz Sicherheitsbedürftige werden sich über die CDP (continuos data protection) von TrueImage freuen. Damit können im laufenden Betrieb inkrementelle Sicherungen in Intervallen von wenigen Minuten angelegt werden, so dass prinzipiell beliebige Zustände und Inhalte wiederhergestellbar sind.

Interessant sind auch die folgenden Lösungen:

  • Shadow Protect Desktop Edition 4 von Storagecraft für rund 80 €
  • Langmeier BackUp Home (30 €) oder Advanced (60 €) von Langmeier Software
  • NovaBackup Professional von Novastor für rund 50 €. Novabackup kann mit verschiedenen Anbietern von Onlinespeicherplatz zusammen arbeiten und Sicherungen darauf verteilen. Das Konzept ist definitiv eines näheren Blickes wert.
  • BackUp Maker Professional von Ascomp für rund 75 € (inkl. aller erforderlichen AddOns) setzte ich bereits etwa zwei Jahre lang ein. Ich erstellte damit Sicherungen auf DVD bis der Speicherplatz einer DVD der Datenmenge nicht mehr gerecht werden konnte.
  • GoodSync Pro von Siber Systems für 25 € ist eigentlich eine Synchronisationslösung, die sowohl im Netzwerk, wie auch via FTP und WebDAV funktioniert und dabei äußerst kostengünstig ist.
  • Ocster Backup Pro 5 von Ocster GmbH & Co. KG für derzeit rund 32 € bietet zusätzlich zum Standardleistungsumfang das Luxusfeature Versionierung. Mit Ocster Backup können Sie auf ältere Versionen der gleichen datei zurück greifen.
  • Nero BackItUp & Burn von Nero für einzeln 30 € oder im Verbund mit der Nero Multimedia Suite 10 für 70 €. Auch mit der Nerolösung lässt sich arbeiten, wenn auch der Komfort nur geringfügig oberhalb der Windows-7-Bordlösung liegt.
  • Atempo LiveBackup von Atempo zu Preisen ab 60 € ist eine Lösung, die funktional sehr nah am Puls der Zeit ist, was das derzeit Machbare in Sachen Datensicherung betrifft.
  • LiveFileBackup von der Infonautics GmbH liefert zu einem Preis von 35 € für die Einzellizenz genau, was der Name verspricht. Es sichert im laufenden Betrieb mit, mehr Absicherung geht nicht.

Der Beitrag erschien zuerst als PLUS-Beitrag für zahlende Abonnenten im Dr. Web Magazin.

3 Gedanken zu „Datensicherung für Einzelkämpfer, Teil 1“

  1. Hui, das liest sich echt aufwendig ausgeklügelt 😉 So ein TamTam mache ich als kleine Homeanwenderin natürlich nicht. Aber, aus Schaden klug geworden, hat Datensicherung bei mir Priorität und gehört schon zur Routine. Ich hab also mindestens 1 Image aus XP-Zeiten und eins von Win7, je auf DVD und nochmal extra auf einer externen Platte. Beide Systeme laufen bzw. liefen sehr stabil, so mache ich das nur einmal im Jahr. Ich hab einige Backup-Programme ausprobiert, am zuverlässigsten finde ich Acronis True Image – ist auch sehr einfach zu bedienen. Ganz furchtbar hingegen Rescue & Recovery von IBM, das Rückspielen der Images hat nie, wirklich nie geklappt (ist aber wohl ne reine Thinkpad-Lösung) Naja, an anderen Dateien fällt bei mir nicht soviel an, die kopiere ich meistens sofort vom Rechner auf eine externe Platte. Nicht zu vergessen einen gesicherten USB-Stick, quasi mein Schweizer Taschenmesser für die Hosentasche mit allerlei Software. Bei Dropbox hab ich noch (verschlüsselte) Kopien von wichtigen Unterlagen geparkt, falls mir mal die Bude abbrennt. Wenn ich denn mal so richtig ins mobile Netz einsteige, wird die Dropbox mir sicher auch noch nützlich sein (btw hab ich inzwischen 5 GB Speicher Dank Empfehlungen 😉

  2. Hehe. Klar, dass man als Heimanwender nicht so einen Aufwand betreibt. Aber wenn bei nem Freiberufler die Daten abrauchen, kanner im schlimmsten Fall die Bude dicht machen.

    Die Dropbox ist auch bei mir inzwischen wichtiger Bestandteil des Backup. Habe so´n 50 GB Account. Das reicht für die wichtigsten Sachen -.-

  3. Oh, dieser Artikel trifft sich gut, da ich derzeit über mein eigenes Datensicherungsverhalten nachdenke und im Blog dokumentiere.

    Anhand der Fülle ist der Titel recht gut gewählt: für Einzelkämpfer trifft es ganz gut. Es sagt einem ja keiner genau, was man wie zu machen hat. Im schlimmsten (Einzelkämpfer-)Fall gibt es eben kein Backup. Fatal!

    Hier ist es wie mit der Verschlüsselung, wenn es zu aufwändig wird, lässt man es im Zweifel lieber sein.

    Solche Artikel finde ich gut und wichtig. Daher meinen Dank für die ausführliche Darstellung. Gilt übrigens für beide Teile 🙂

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