Der Spiegelfechter

Ein Teil der Kritik an der deutschen Blogosphäre ist sicherlich gerechtfertigt. Es gibt ihn nämlich, den Selbstüberschätzer par excellence. Den Blogger, der sich für omnikompetent hält und glaubt, über alles und jedes Thema eine qualifizierte Meinung, wie auch eine pseudoobjektiv wirkende Bewertung zum Besten geben zu können.

Es gibt einige dieser Spezies, aber heute möchte ich eigentlich nur auf den Spiegelfechter Jens Berger hinaus. Im richtigen Leben, dem Vernehmen nach, Öffentlichkeitsarbeiter (Was auch immer das konkret bedeuten mag. Vom Flyerverteiler an der U-Bahn bis zum PR-Strategen ist alles denkbar.) für einen kommunalen (Energie-)Versorger, mutiert er in den Stunden seines Feierabends zu einem Experten der Welt-, der Innen-, der Außen-, der Gesundheitspolitik. Sogar zum Experten für inneramerikanische Angelegenheiten ist er schon geworden, vom Nahost-Konflikt natürlich auch nicht zu schweigen. Scholl-Latour ist ein Niemand gegen Berger.

Auch die anderen als Experten renommierten ständigen Entäußerer, meist beschäftigt bei irgendwelchen einschlägigen Stiftungen, (Nicht-)Regierungsorganisationen oder Redaktionen können Berger in seiner umfassenden publizistischen Vielfalt nichts adäquates entgegensetzen. Berger ist der Mastermind des politischen Themas.

Ich räume ein, dass ich zu Beginn auch gern den ein oder anderen Beitrag des Spiegelfechters gelesen habe. Da schien mir noch eine gewisse thematische Homogenität gegeben.  Allerdings klingelte irgendwann überlaut die Alarmglocke in meinem Oberstübchen. In etwa so, wie sie klingeln würde, wenn mir mein Internist anböte, zusätzlich mein Firmennetzwerk zu betreuen, meine Steuererklärungen zu optimieren und mich in Rechtsfragen zu beraten. Selbstverständlich könnte ich bei ihm auch stets frisches Fleisch zu günstigen Konditionen kaufen und wenn ich mal in den Urlaub wollte, hätte er da noch seine Reiseagentur.

Allein in den letzten zwei Wochen ging es bei Berger um China, Iran, Kuba, Glos Konjunkturprogramm, den Nichtraucherschutz, Medwedew, Condoleeza Rice, sowie die Krise der US-Finanz- und Immobilienmärkte. Und das alles in einer Schreibe und einer Lengthiness, wie man sie nur von ausgewiesenen Experten zum jeweiligen Thema erwarten würde.

Mich stört das deshalb, weil sämtliche Berger-Texte den Eindruck vermitteln und sicherlich vermitteln wollen, da schriebe ein Experte nicht nur seine Meinung, sondern eine objektive Wahrheit hin. Und spätestens an diesem Punkt sind wir nicht mehr bloß beim Thema Meinungsäußerung, sondern da beginnt eine Form politischer Propaganda.

Insofern ist es interessant, dass Berger selber in seinem About behauptet, er sei sozusagen der Counterpart der an allen Orten anzutreffenden Spiegelfechter aus der öffentlichen Politiklandschaft. Zitat:

Mittlerweile wird es immer schwerer in den Medien Wahrheit von Spin oder vorsätzlicher Lüge zu unterscheiden.Spiegelfechtereien sind es mit denen die Medien uns beschäftigen.

Auch wenn man diese Aussagen nicht falsch finden wird, ist sein Blog dennoch nicht Teil der Lösung. Der Spiegelfechter fügt den Spiegelfechtereien nämlich lediglich eine weitere hinzu und steht nicht einmal dazu, sondern gibt sich „neutral“. Zitat:

Ich versuche parteipolitisch neutral zu bleiben, was meist heißt, dass alle Parteien ihr Fett wegkriegen.

Wieso aber wird Berger in Blogdorf dennoch als einer der Top-Politikblogger gehandelt? Das hat sicher mit Blogdorf mehr zu tun als mit Berger. Guck mal, die Bloggerei ist doch was großes. Da haben wir einen in unseren Reihen, der hochtrabendes Zeug schreibt und der wird damit auch von den größeren Medien wahrgenommen. Dass gerade die Darstellung Bergers im seinerzeitigen Spiegel-Artikel mehr eine (berechtigte) Verhohnepipelung als alles andere war, nimmt der durchschnittlich intelligente Blogger vermutlich dabei gar nicht wahr.

Ich jedenfalls werde auch in Zukunft nicht meinen Steuerberater konsultieren, wenn ich Oberbauchbeschwerden habe. Und das empfehle ich den geneigten LeserInnen ebenfalls…

32 Gedanken zu „Der Spiegelfechter

  1. Ich finde „Der Spiegelfechter“ ist ein gutes Polit-Blog. Für politisch Interessierte auf jeden Fall einen Besuch wert. Ich kann nur sagen, der Berger ist da mit Leib und Seele, politisch gut informiert und interessiert zugange. Er hat zudem sehr gute Links ausgewählt, die alle auf interessante und informative Seiten verweisen. Ganz besonders hervorheben möchte ich noch die wirklich übersichtliche Gestaltung des Blogs. Ohne viel Sucherei findet sich dort jeder spielend leicht zurecht. Scholl-Latour wird von dem Jens Berger übrigens sehr geschätzt und sogar empfohlen. Ich habe an dem Blog nichts auszusetzen und lobe mir die Objektivität des Autors in Bezug auf politisch relevante Themen. Ich finde dieser Blogger betreibt sein Blog hochmotiviert und mit umfangreichem politischen Wissen.

  2. Nun ja, wenn da einer hochtrabendes Zeug schreibt und von den Medien wahrgenommen wird, dann wird er vermutlich Erfolg haben und damit wohl Irgendwas richtig gemacht haben 🙂

    Ansonsten: Warum soll er nicht schreiben? Auch für Blogleser sollte noch immer selber Denken die Maxime sein. Ich finde es eigentlich recht gut, dass da Einer zu Allem und Jedem was schreibt, auch, wenn er kein promovierter oder sonstwie authorisierter Fachmann dazu ist. Und wenn er nur schwafelt, was soll’s? Jeder hat die Möglichkeit, seine Ergüsse zu lesen, genau so wie die Ergüsse anderer Blogger, und sich aus all Dem (hoffentlich) eine eigene Meinung zu bilden. Und wenn er Blödsinn schreibt, und der gemeine Blogleser das als Blödsinn erkennt, ist doch gut! Und wenn der gemeine Blogleser das nicht erkennt, nun, dann ist ihm auch nicht durch den Verzicht auf dieses Blog geholfen.

    Davon abgesehen hat Jeder das Recht, auch Blödsinn zu schreiben 🙂

  3. @Mo: Hochmotiviert würde ich bestätigen. Und übersichtliche Bloggestaltung würde ich auch bestätigen. Dann wird´s schwammig.

    Linkauswahl: Klar. Ich kann Dir auch zu jedem beliebigen Thema interessante Links anbieten, die ausschließlich meine Sicht der Dinge stützen.

    Objektivität: Das ich nicht lache. Objektivität ist wohl das letzte, was man ihm vorwerfen kann.

    umfangreiches politisches Wissen: Woher nimmst Du diese Einschätzung? Aus der Länge der Texte? Aus der faktenartigen Präsentation?

    Scholl-Latour: Keine Ahnung, was Berger von ihm hält. Meine Einschätzungen sind nur meine.

    Die Omnikompetenz ist es, die mich zweifeln lässt. Und die nicht nachprüfbare Qualifikation. Wenn Dir ein Kneipenbesitzer die neuesten Studien zum Thema Rauchen medizinisch präsentieren will, wirst Du wahrscheinlich skeptischer sein, als wenn dies ein Lungenfacharzt tut.

    @Siegfried: Jeder darf Blödsinn schreiben. Ich habe aber gar nicht behauptet, dass Berger Blödsinn schreibt. Das ist schon differenzierter zu betrachten. Ich meine, er betreibt politische Propaganda. Denn eine klare politische Ideologie ist eigentlich das einzig verbindende über seine breit gestreuten Themengebiete.

    Und wenn es denn tatsächlich auch inhaltlich Blödsinn wäre, was ich nicht beurteilen kann, weil ich eben gerade nicht in allen Ecken und Enden der Welt-, Gesundheits-, Wirtschafts- und sonstigen Politik so dermaßen zuhause bin, dann würde es die Beurteilung des Blogs auch nicht verbessern.

    Natürlich gibt es Themen, zu denen man seine Meinung äußern kann, auch wenn man gerade nicht Fachmann ist. Bisweilen kann das die Diskussion beleben und neue Impulse setzen. Bergers Themeneinstieg ist aber viel zu tief, um einem oberflächlichen demokratischen Diskurs zu dienen. Seine Texte wirken mehr enzyklopädisch, erheben schon formal einen Wahrheitsanspruch, ohne diesem Anspruch gerecht werden zu können.

    Propaganda eben…

    Was die Aufmerksamkeit der Medien betrifft. Die hat ein Schill oder ein Mugabe auch. Haben die was richtig gemacht?

  4. Jens Berger ist ein miserabler Propagandist, der blind auf den politischen Gegner einschlägt, Fotomontagen teilweise jenseits des guten Geschmacks und sein „Fachwissen“ auch nur aus diversen Onlineportalen zusammenfrickelt. Quasi so etwas wie Politically Incorrect für Alt-SPDler.

    Klar, dass er da beim Spiegel und bei großen Teilen der politisch überwiegend links stehenden Blogosphäre gut gelitten ist. Man schaue sch die Blogcharts an – Lumma, Lobo, Schwenzel – alles SPDler oder der SPD sehr, sehr nahestehend. Muß man nicht gut finden, ist halt sehr auffällig.

    Wenn man sich Mühe gäbe, könnte man jeden einzelnen Artikel des Spiegelfechters inhaltlich auseinander nehmen. Denn sooo funidert ist der gar nicht. Oder seine Äußerungen in den Kommentaren.

    Nur: er ist es nicht wert.

  5. Kleiner Hinweis: das Kommentarkorrekturfenster enthält das gleiche Pommes-Hamburger-Banner wie das Blog. Ist das Absicht?

    [EDIT dpetereit: Eigentlich nicht. Ist mir aber auch schon aufgefallen. Hmm…]

  6. Moin Didda,

    im realen Leben macht Jens Berger Öffentlichkeitsarbeit für einen Wasserversorger in Gosslar. Habe bis vor kurzem auch seine Seite unter Favoriten abgespeichert, aber seine Texte waren mir auf Dauer zu
    polemisch bis rechthaberisch. Ein bisschen in Nebensächlichkeiten abgleitend… In meiner knappen Freizeit les ich dann doch lieber die Nachdenkseiten von Wolfgang Lieb, früher Regierungssprecher von Johannes Rau in Nordrhein-Westfalen.
    Im großen und ganzen bleibt Deutschland ein Blog-Entwicklungsland, hier regieren allenfalls Beta-Blogger statt massenmediale Alphatiere….. aber dennoch immer wieder amüsant.

  7. > Objektivität ist wohl das letzte, was man ihm vorwerfen kann.

    Und das ist auch gut so!

    Selbstdefinierte Objektivität als Schutzmäntelchen für eine unreflektierte Subjektivität finde ich in jeder Zeitung, die auf sich hält. Da brauche ich keine Blogs. Das Schöne an Blogs ist doch gerade ihre Subjektivität (ok, das gleitet manchmal auch ins Unschöne ab, wenns z.B. politisch inkorrekt wird). Und genau deshalb erscheints mir amüsant.

  8. @marvon: Ich weiß nicht, ob das nicht eher an den Bloglesern liegt. Oder anders ausgedrückt: Ich glaube nicht, dass diejenigen, die hierzulande die Krone Blogdorfs tragen, wie zB der Souterrainist aus Usingen, der Rektalrhetoriker aus Bayern oder der notorische Kleinschreiber aus Berlin, in den USA überhaupt eine Chance hätten.

    Es ist die deutsche Krämerseele, die sich in solchen Witzfiguren spiegelt und heimelig fühlt.

  9. @MaxR: Richtig. Bei mir gibt es ja schließlich auch keine Objektivität. Was ich Berger vorwerfe, ist, dass er seine Texte fomuliert, als wären sie objektiv. Dazu passt ja auch sein O-Ton von der Neutralität.

    Wenn dann wer Subjektivität zu Objektivität verklärt ist er Propagandist. Das braucht man nicht schön zu reden.

    Derjenige, der in der Lage ist, solches amüsant zu finden, ist intelligent genug, zu erkennen und sich nicht beeinflussen zu lassen. Aber, mal ehrlich, welches Prozentsätzchen der Deutschen soll das betreffen? Außerhalb des Messbaren, sicherlich…

  10. Nun ja, selbst für Propaganda gibt es ein Recht, diese zu äussern resp. zu schreiben.

    Ich finde es gut, dass darauf hingewiesen wird, dass seine Schreibe wohl eher Propaganda ist. Das hilft dabei, seine Texte besser einordnen zu können. Trotzdem sollte er weiter schreiben. Es kann durchaus nützlich sein, solche stark interessengefärbten Artikel zu lesen. Und damit diese eben als subjektive Äusserung und nicht als der Weisheit letzter Schluss rüberkommen, dafür gibt es ja die Blogosphäre 🙂

  11. Dass gerade die Darstellung Bergers im seinerzeitigen Spiegel-Artikel mehr eine (berechtigte) Verhohnepipelung als alles andere war, nimmt der durchschnittlich intelligente Blogger vermutlich dabei gar nicht wahr.

    Das kommt schon einer Beleidigung gleich 🙂 Aber ich glaube wirklich nicht, dass die Bloggerinnen und Blogger, die das gelesen haben, die Boshaftigkeit hinter den Zeilen übersehen hätten.

    Weniger gut finde ich, dass du dich hier dieser „Stoßrichtung“ anschließt. Natürlich ist das dein gutes Recht. Meinung sollte immer auch als Meinung erkennbar sein. Den Anspruch werden sogar Blogger haben. Ich zum Beispiel. Nur, es gelingt mir nicht. Ich weiß sehr gut, dass -abgesehen von meinen begrenzten grammatikalischen und orthografischen Fähigkeiten- manche Texte wie Postulate wirken, die einer ernsthaften inhaltlichen Prüfung nicht immer standhalten.

    Und — weiß du was: Den Anspruch habe ich auch nicht. Ich schreibe meine Meinung. Mit meinen Mitteln und mit meinen Worten. So sollten wir das, finde ich jedenfalls, sehen und uns nicht auf den Schlips getreten fühlen, wenn man uns auf gewisse Mangelhaftigkeiten hinweist. Auch das ist ja bekanntlich nicht so einfach hinzubekommen.

    Ich lese den Spiegelfechter nicht häufig, weil mir die Beiträge zu lang sind, und auch ich erkenne, dass ich keinen Zusatznutzen durch deren Lektüre gewinne. Für Hintergrundinformationen nutze ich andere Quellen. Auch in Deutschlands gibt es solche, obwohl das mancher gern in Frage stellt.

    Mir scheint, dass du mit deiner an die Spiegelkritik teils wörtlich angelehnte Kritik so ein kleines bisschen dabei warst, auch den politischen Dissens, der schon deutlich erkennbar ist, zu verbrasseln.

    Deinen Artikel finde ich trotz der Meinungsunterschiede gut.

  12. neidisch? ich finde jens blog um welten besser als viele andere blogs….
    Propaganda kann man höchstens unseren eigenen Medien vorwerfen und besonders dem Spiegel…
    Nicht für Ungut…

  13. @Sascha: Neidisch? Na klar. Ich wüsste auch gern alles und könnte gern alles derartig fundiert beurteilen. Allein, was ich dann verdienen könnte. Ich wär ja die eierlegende Wollmilchsau.

  14. Nur weil er gut recherchiert heißt es nicht dass er Hellseherische Fähigkeiten besitzt…
    Wenigstens kann er schlüssig argumentieren und jeder kann selbst entscheiden was er denkt.
    Unabhängiger als die meisten Journalisten (Schere im Kopf etc.) ist er allemal…

    gruß

  15. heißt das jetzt das man mit zunehmenden Alter unfähiger wird, oder was meinst du damit…?
    Wenn du einen Artikel von ihm raussuchst und nachweist das dort inhaltlich falsche Dinge stehen dann kann man darüber diskutieren.
    Nur weil er ein breites Themengebiet abdeckt, heißt das noch lang nicht das die Ergebnisse falsch sind… Das stört mich an deiner argumentation…
    Wenigstens fasst er Eisen an die den meisten Mainstream Journalisten zu heiß sind (jaja die karriere…)

  16. Du bist auf der richtigen Spur. Dreh die Vorzeichen um und es passt.

    Du verstehst doch die Argumentation nicht einmal. Meine Güte, wie ich es hasse, mit solchen Leuten diskutieren zu sollen. Das ist wie mit Tauben über Musikgeschmack zu streiten.

    Letztes Mal ganz einfach: Frisör erklärt Raketenantrieb. Bin ich skeptisch.

  17. Während der „Spiegelfechter“ sich im Detail mit aktuellen Themen auseinandersetzt, ist Deinem Beitrag ist nichts zu entnehmen,was nun konkret die Kritik am „Spiegelfechter“ ist. Es ist auch nicht zu verstehen, was mit den gewählten Gleichnissen wie „Frisör erklärt Raketenantrieb“, „mit Tauben über Musikgeschmack zu streiten“, „wenn mir mein Internist anböte, zusätzlich mein Firmennetzwerk zu betreuen“ zum Ausdruck kommen soll. Eine inhaltliche Auseinandersetzung wäre konstruktiver.

  18. Ich schliesse mich der Aussage von Bernd an.
    Deine Ausführungen entsprechen eher einem Argumentum ad personam (siehe auch dazu Deine Kommentare) und stellen für mich keine wirkliche konstruktive Kritik da.

    Mir ist in den Texten von „Spiegelverfechter“ durchaus eine politische Richtung aufgefallen, deshalb bin ich auch über die Suchmaschine auf der Suche nach kritischen Beiträgen hier gelandet.
    Leider habe ich nur zwei Kernaussagen in Deinem Beitrag gefunden gefunden. Wer über unterschiedlichste Themen schreibt und wer Fachleute kritisiert ist Dir anscheinend suspekt. Das man bei einem Blog-Eintrag nicht von Objektivität ausgehen sollte war mir bereits klar.

    Deshalb Zitat von Bernd „Eine inhaltliche Auseinandersetzung wäre konstruktiver.“

  19. @Frank: Falsch. Wer über unterschiedlichste Themen schreibt und dabei Fachleute kritisiert ist mir nicht suspekt, sondern erst einmal sympathisch. Wenn sich derjenige dann allerdings als Oberfachmann und Experte für Everything geriert und dabei seine Meinung nicht mehr als Meinung, sondern als Tatsache zum Ausdruck bringt, dann ist mir derjenige suspekt.

  20. Sehr geehrter Herr Petereit!

    Hätten Sie auch nur ein wenig recherchiert, wüßten Sie, daß Herr Berger studierter Publizist, Volkswirt und Politikwissenschaftler ist. Daß er zudem in der Lage ist, einen breiten Themenbereich abzudecken, wird ihm von den, ihn buchenden, Redaktionen bestätigt.
    Und was ist Ihre Qualifikation? „Diplomkaufmann“? Fi donc!

    MfG
    Frank B.

  21. Klar, Meister B.
    Her mit den Quellen. Und wenn Sie mir dann noch nachweisen, dass er auch noch Mediziner, Steuerberater, Rechtsanwalt, Synologe, Asienforscher, Deutschlehrer und Lobbyist für alle 3.000 Lobbyverbände in Berlin ist, dann kommen wir vielleicht so langsam in Richtung Glaubwürdigkeit.
    Was jetzt meine Qualifikation damit zu tun hat und vor allem, was Sie dazu treibt, deshalb verbal auszuspucken, können Sie bei der Gelegenheit ja auch gleich erläutern.

  22. Her mit den Quellen.

    Sehr geehrter Herr Petereit,

    sind Sie der Journalist – oder aber ich? Ein Hinweis: Herr Berger stellt seine Diplome bestimmt nicht im Netz aus, weshalb es wohl zielführender wäre, ihn im Zweifelsfall danach zu fragen. Wie ich ihn kennen- und schätzengelernt habe, steht er Ihnen sicherlich gerne Rede und Antwort. Vielleicht interviewen Sie ihn ja gar? *gg*

    Mediziner, Steuerberater, Rechtsanwalt, Synologe, Asienforscher, Deutschlehrer und Lobbyist für alle 3.000 Lobbyverbände in Berlin ist

    M.W. schreibt Herr Berger weder über Medizin, noch über Steuerrecht, auch muß man kein „Synologe“ (interessante Schreibweise!) und Asienforscher sein, um sich zur jeweiligen Thematik, so man sich denn eingehend darüber informiert, äußern zu dürfen(!). Das ist Journalismus, und es gibt dankenswerterweise auch immer noch „Generalisten“ – statt nur noch „Fachjournalisten“.
    Warum sie auch „Deutschlehrer“ und „Lobbyist“ anführen, entzieht sich meiner Kenntnis. Weder äußert sich Herr Berger zu Fragen der Sprache, noch schreibt er für oder wider irgendwelche Interessenverbände.

    Seine Kompetenz und sein Engagement werden von verschiedenen Redaktionen (auch im Ausland) zunehmend geschätzt, weshalb ich mich eben genötigt sah, an Ihrer Qualifikation Zweifel zu hegen, da Sie mit Ihrer Wertung gegen einige gestandene RedakteureInnen stehen.

    Und was mich dazu treibt? Nun, ich bin ein guter Freund von Jens Berger und schätze ihn sehr – auch wenn wir nicht immer derselben Ansicht sind 😉 Da es mich schon immer geärgert hat, wenn jemand unqualifiziert meine Freunde attackiert, lasse ich dann auch meinem Unmut mal freien Lauf.

    Übrigens habe ich mit

    Fi donc!

    nicht auf Ihren virtuellen Boden gespuckt, sondern will es bitte nur als wohlklingendere Variante unseres deutschen „Pfui!“ verstanden wissen.

    Da fällt mir Goethe ein: Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied!

    Gute Nacht 😉
    Frank B.

    P.s.: Zu einem „Meister“ fehlt es mir noch weit, dafür bekomme ich gerade einen neuen. Danke aber für das Kompliment, wenn es auch anders gedacht war 🙂

  23. Lieber Herr B.
    Ihre neuerliche Einlassung wertschätze ich deutlich mehr als Ihren ersten Hinrotz. Auch will ich die von Ihnen genannten Qualifikationen des Herrn Berger, die man allerdings über die gängigen Recherchewege so nicht nachvollziehen kann (und ich bitte um Verständnis, dass ich keinen großen Aufwand in dieser Angelegenheit zu tätigen beabsichtige), nicht unbedingt in Zweifel ziehen.

    Es mutet allerdings merkwürdig an, wenn jemand mit dieser Qualifikation Öffentlichkeitsarbeit für einen Versorger macht. In den Branchen, in denen ich unterwegs bin, spielt sich diese Tätigkeit auf Sachbearbeiterebene mit entsprechenden Gehältern ab. Nichts, was einen studierten Publizisten, Volkswirt und Politikwissenschaftler auch nur im Ansatz finanziell reizen könnte. Es sei denn, er bekäme aus anderen Gründen keinen vernünftigen anderen Job.

    Mir geht es auch nicht darum, jemanden persönlich anzugehen. Berger ist nur ein Beispiel. Ein schlechtes Beispiel für einen Schreiber, der glaubt, ernsthaft in der Lage zu sein, sich zu wirklich jedem noch so exotischen Krisenthema weltweit in einer Tiefe zu äußern, wie es einst Grzymek zur Serengeti tat. Nicht einmal vor Ort stationierte Auslandskorrespondenten etablierter Medien liefern derart detaillierte Analysen ab, wie es Berger offenbar vom Sofa aus kann. Aber selbst das würde ich noch nicht unbedingt schädlich finden, sondern nur merkwürdig.

    Was ich schädlich finde ist, dass Bergers wie auch immer hinterlegten Texte stets als Postulate der Wahrheit formuliert und nicht als Meinung erkennbar sind. Das ist politische Propaganda der übleren Art. Nur darum geht es mir und nicht darum, einen guten Freund zu diffamieren. Selbstverständlich bleibt neben dieser abermals konkertisierten Kritik stets die Frage berechtigt, woher jemand die erforderlichen tiefgehenden Informationen zu jedem x-beliebigen Thema haben sollte.

    Ein Erklärung könnte sein, dass es lediglich politische Propaganda ist und wann hätte sich ein Propagandist je darum geschert, ob seine Aussagen auch nur halbwegs den Tatsachen entsprechen. Natürlich kann es auch andere geben. Mein Augenarzt beispielsweise kennt sich super mit Sportwaffen aus, weil er Hobbyschütze ist. Ich glaube, meine Bedenken sind klar genug gefasst und müssten auch nachvollziehbar sein, wenn man denn wollte.

  24. Tag.

    *ein Glas Senf öffnet*

    Es gibt ihn nämlich, den Selbstüberschätzer par excellence. Den Blogger, der sich für omnikompetent hält … Es gibt einige dieser Spezies, aber heute möchte ich eigentlich nur auf den Spiegelfechter Jens Berger hinaus.

    Achso.

    Mir geht es auch nicht darum, jemanden persönlich anzugehen. Berger ist nur ein Beispiel.

    Häh?

    Diese Argumentation erscheint mir reichlich ungeschickt. Wenn man in der Einleitung explizit auf einen bestimmten Blogger abzielt und hinterher relativierend erwähnt, das man den ja eigentlich gar nicht gemeint habe, sondern nur als stellvertretendes Beispiel verwendet, wirkt das reichlich inkonsequent. Aber das nur nebenbei …

    Nicht einmal vor Ort stationierte Auslandskorrespondenten etablierter Medien liefern derart detaillierte Analysen ab, wie es Berger offenbar vom Sofa aus kann.

    Ich denke das dabei unter anderem eine Rolle spielt, dass die Experten vor Ort weitgehend damit zu tun haben, ein detailliertes Bild der Ereignisse vor Ort zu gewinnen. Insbesondere wenn es um die Darstellung größerer geopolitischer Zusammenhänge geht, ist das aber nur bedingt hilfreich. Weiterhin sind Journalisten der etablierten Medien wohl auch nicht unbedingt geneigt, sich bei der Interpretation von aktuellen Geschehnissen allzu weit aus dem Fenster zu lehnen. Der Job ist in den seltensten Fällen die ausgiebige Analyse, eher schon die Darstellung der Sachlage.

    Und insbesondere was die Meinung von ausgewiesenen Experten eines bestimmten Fachbereichs angeht, bin ich außerordentlich skeptisch. Sobald ein Sachverhalt genügend komplex ist, ist jeder Experte darauf angewiesen, aus einer Vielzahl von Modellen und Begriffsbildern einige wenige zur Darstellung des Sachverhaltes auszuwählen. Dabei fallen nur allzu oft bekannte Zusammenhänge anderer Fachgebiete und Argumentationstränge unter den Tisch. Der Vorteil des Nicht-Experten liegt gerade darin, das er die wichtigsten (und damit leichter zu überschauenden) Erkenntnisse und Fakten verschiedener Fachbereiche miteinander verknüpfen kann, um ein, weniger genaues, aber dafür umfassenderes Bild der Lage zu gewinnen.

    … woher jemand die erforderlichen tiefgehenden Informationen zu jedem x-beliebigen Thema haben sollte.

    Aus dem Netz. Aus Büchern. Aus dem Fernsehen. Aus Publikationen anerkannter Experten. Von all den Organisationen die Statistiken für dies und jenes Aufstellen.

    Ein Erklärung könnte sein, dass es lediglich politische Propaganda ist und wann hätte sich ein Propagandist je darum geschert, ob seine Aussagen auch nur halbwegs den Tatsachen entsprechen.

    Eine andere Erklärung könnte sein, das sich jemand einige Steckenpferde rausgesucht hat und über diese berichtet. Themen die ihn besonders interessieren und über die er sich im Laufe der Zeit einiges an Wissen angeeignet hat bzw. auf Anhieb weis, wo er zuverlässige Informationen über dieses Thema finden könnte. Und damit versucht er sich an einer Analyse der Zusammenhänge. Was zwar schief gehen kann, aber nicht muss.

    Was ich schädlich finde ist, dass Bergers wie auch immer hinterlegten Texte stets als Postulate der Wahrheit formuliert und nicht als Meinung erkennbar sind.

    Sind sie doch. Schon nach dem Lesen einiger weniger Artikel drängt sich, mir zumindest, der Gedanke auf, das der Autor bestimmten Weltanschauungen eher zugeneigt ist als anderen. Damit ist dann wohl auch klar, das er dort lediglich (s)eine Meinung vertritt. Das gleiche Resultat erhält man, wenn man das „About“ gelesen hat.

    Üblicherweise bilden sich kritische Leser ihre Meinung zu einem bestimmten Thema auch nicht nach dem Lesen der ersten Abhandlung dazu, von wem auch immer diese verfasst wurde. Ein sehr unkritischer Leser würde dies vielleicht tun. Da ist es dann allerdings egal ob er Tagesschau sieht, das Handelsblatt durchblättert oder ab und an in ein Blog schaut. Das Problem ist das gleiche und damit läuft die, explizit auf den Spiegelfechter ausgerichtete Kritik, irgendwie ins Leere.

  25. Nee, nee. Das passt schon alles zusammen und auch der lengthy Kommentar kann die Tatsachen nicht verdrehen. Wenn ich sage, dass es mir nicht um Berger persönlich geht, dann meine ich natürlich, dass es mir nicht darum geht, ihn persönlich ad hominem in seiner Person anzugreifen, sondern lediglich in seinem Tun.

    Witzig: „Aus dem Netz. Aus Büchern. Aus dem Fernsehen. Aus Publikationen anerkannter Experten. Von all den Organisationen die Statistiken für dies und jenes Aufstellen.“

    Bräche morgen in Bahrain ein Krieg aus, es dauerte keine zwei Stunden und Berger hätte einen ausführlichen Bericht ins Netz geklöppelt. Man muss natürlich Dinge sehen wollen, um sie auch sehen zu können.

  26. Geht es bei der sich aktuell zuspitzenden Diskussion nicht in Wahrheit nur darum, dass beide Seiten unterschiedlichen politischen Lagern „angehören“? Blogs repräsentieren für mich per se die Meinung des Bloggers. Insofern ein solcher Vorwurf doch eigentlich unsinnig. Das ist natürlich immer auch eine Frage des persönlichen Schreibstils. Aber darüber sollten wir uns nicht in die Haare geraten. Blogs = Meinung. Blogs = Beitrag zur persönlichen Meinungsbildung. So würde ich es verstehen. Unabhängig davon, welchen Blog ich lese.

  27. @Horst: Ich habe auch den Eindruck, dass sich hier gerade Unterstützer einer bestimmten politischen Richtung tummeln. Ich selbst gehöre keinem politischen Lager an und sympathisiere auch nicht mit einem einzigen. Von daher schient es mir eher so zu sein, dass der durchschnittliche Leser nicht in der Lage ist, zu realisieren, dass es möglich ist, jemanden zu kritisieren, ohne dabei ideologisch zu sein. Um es in die eigene Wahrnehmungszone überführen zu können, muss man anscheinend eine Lagerbildung konstruieren. Das passt bei mir aber nicht.

    Ich sage im Grunde nicht mehr und nicht weniger als: Wenn jemand vorgibt, Fachmann in Allem zu sein, dann glaube ich ihm nicht. Politische Grundrichtungen interessen mich dabei eher am Rande und nur insofern, als ich es für überaus schädlich halte, Dinge zu Fakten zu erklären, die es bei differenzierter Betrachtung gar nicht sind. Natürlich kann man sagen, dass die Meinungsäußerung geradezu das Betriebssystem eines Blogs eines Blogs ist, wenn nicht sogar das BIOS. Das macht aber das publizistische Verhalten eines Berger nicht weniger kritikbedürftig.

  28. D.Petereit = Flachzange

    Für mehr reicht meine Kraft leider nicht. Doch soviel noch: Leute, die von sich behaupten, sie stünden keinem politischen Lager nahe, sind entweder total verblödet oder unredliche Stinkvögel! Im Falle Petereit tippe ich auf Letzteres, für Verblödung ist der Satzbau zu geschliffen…

  29. Pingback: Anonymous
  30. Ich bemerke gerade in diesem Moment, dass ich euren Blog deutlich öfter aufrufen sollte 😉 – da kommt der Leser echt auf super Einfälle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.