Erstaunliche Preisunterschiede

Das örtliche Blättchen Iserlohner Kreisanzeiger (IKZ), zugehörig zur WAZ-Gruppe, betreibt eine ganz erstaunliche Preisstrategie hinsichtlich seiner Familienanzeigen. Man dreht den Spruch „Na, die nehmen es aber von den Lebendigen“ quasi in sein Gegenteil um.

Eine Geburtsanzeige beispielsweise kann man online aufgeben. Dabei hat man die Wahl zwischen verschiedenen Bausteinen, kann aber auch völlig eigene Layouts beauftragen. Die Geburtsanzeige erscheint in der Rubrik Familienanzeigen. Wählt man die gängige Größe von 3 Spalten Breite und 106 mm Höhe zahlt man dafür schlanke 54,68 Euronen inklusive Mehrwertsteuer für einmaliges Erscheinen.

Eine Todesanzeige kann man nur in der Geschäftsstelle persönlich aufgeben; angeblich aus Kontrollgründen, da sonst jeder jeden pressemäßig für tot erklären könnte (eine Sterbeurkunde, die einzig der Beweis der berechtigten Ernsthaftigkeit sein könnte, muss man aber nicht vorlegen). Die Todesanzeige wird dann vor Ort aus Bausteinen zusammengestöpselt und erscheint ebenfalls in der Rubrik Familienanzeigen, je nach Füllstand der Zeitung bisweilen sogar auf der gleichen Seite. Wählt man auch hier die gängige Größe von 3 Spalten Breite und 106 mm Höhe zahlt man dafür allerdings nicht die schlanken knapp 55 Euronen, sondern ein Vielfaches davon, nämlich satte 241 Euro.

Klingt komisch, ist aber so…

3 Gedanken zu „Erstaunliche Preisunterschiede

  1. Ja die Iserlohner halt. Erst haben sie den Altenaern die Drahtzieherei abgekupfert und jetzt verstehen sie das Wesen des Kapitalismus nicht mehr.

    Geburtsanzeigen gehören zu den Lebensanzeigen, wie heiraten und Geschlechtspartner suchen. Das sind Anzeigen mit der Chance auf Wiederholung.

    Todesanzeigen sind aber Einmalanzeigen in Form einer Abschlussanzeige. Da wird selbstverständlich eine Schlußgebühr fällig ist doch klar. Kommt doch nichts mehr nach.

    Darauf ein Iserlohner Pilsner und dann ab in die Dechenhöhle.

  2. Gerade weil ich das Wesen des Kapitalismus verstanden habe, erlaube ich mir, solche Begebenheiten zu bloggen. Ein Tribut an diejenigen, die permanent nach Privatisierung schreien, weil der Unternehmer ja im Wettbewerb immer alles besser und billiger machen kann als der öffentliche Träger einer Dienstleistung.

    Ein kleiner Denkfehler übrigens, wenn man von Schlussanzeige redet, denn die Verstorbenen sind in aller Regel gehindert, die Anzeige aufzugeben. Also erledigt dies, ebenso wie die Bezahlung ein Hinterbliebener, der durchaus auch weiterhin als Anzeigenkunde in Frage kommen würde, wenn man nicht dergestalt abgezockt hätte…

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