Bloggen und das echte Leben

Warum glauben eigentlich so viele Blogger, sie hätten einen wie auch immer gearteten Einfluss? Bloß weil das Zwei-Mann-Web-Startup zittert, wenn Alphablogger B. was schreibt, das war nicht net?

Wie kann man sich ernsthaft die Frage stellen, ob das Bildblog die Marke Bild stärkt? Das Bildblog ist der Pickel am Hintern der Bild. Du merkst ihn nur, wenn Du Dich genau draufsetzt. Und empfindest schlimmstenfalls eine leichte Störung im Sitzgefühl. In der nächsten Sekunde hast Du Dich mit dem Pickel arrangiert und vergisst ihn. Irgendwann eitert der von selber ab und trocknet aus.

Was Niggemeier betrifft. Lautstärke ist nicht Relevanz. Will sagen, bloß weil einer große Klappe fährt, ist es nicht weise und reichweitenstark, was er sagt. Im konkereten Falle verhält es sich sogar ziemlich genau umgekehrt.

Oder nehmen wir diesen Kommentatoren beim Basic, der glaubt, oberschlau eine Markenstrategie für Tchibos T-Shirt-Merchandising gefunden zu haben. Ich kann mir vorstellen, was für ein Gelächter in Tchibos Marketing ausbräche, wenn man den Text auch nur zur Kenntnis nehmen würde. Was man aber aufgrund der Bedeutungslosigkeit deartiger Publikationen niemals tun wird. Da hätte ein persönlicher Beschwerdebrief ja sogar noch bessere Aussichten auf Erfolg.

Damit will ich nicht sagen, dass man seine Meinung auch zu den großen Playern im Internet nicht zu publizieren braucht, oder es gar unterlassen sollte. Das möge jeder für sich selbst entscheiden. Dabei bitte ich aber, realistisch und nüchtern, die eigenen Einflusspotentiale im Auge zu behalten.

Ob der Bildblog die Bild stärkt, pruust, hihi.

7 Gedanken zu „Bloggen und das echte Leben

  1. Bloggen interessiert in erster Linie Blogger. In zweiter …. äh …, so gut wie niemanden. Ich habe in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis circa – kleinen Moment, ich zähle kurz nach – einen Blogger. Und das bin ich himself. Die Interessenlage der Allgemeinheit geht doch eher gen Mainstreammedien. Da kannst Du schreiben wie Kafka oder auch wie Tucholsky: es geht unbesehen unter in der Tiefe des Netzes. Aber: einen Blogger von echtem Schrot und Korn sollte dieses doch nicht stören. Oder?

  2. Na ja. Immer wieder stellt sich schon mal die Sinnfrage. Wenn man nicht in großflächiger Selbstüberschätzung dahersalbadert, wie die diversen A-und B-Blogger Duitslands. Pathologisch relevant kommt mir das bisweilen vor.

  3. Wenn du so willst ist jede Meinungsäußerung sinnlos wenn nicht alle einem aufmerksam lauschen. Das ist natürlich Quatsch. Wenn ich über eine Privatrentengestaltung schreibe und deren Betrugsmodell genau bezeichne tauchen aus all diesen Geldmarktforen ein paar Hundert Leser für diesen Artikel auf.

    Diese Leser werden ansonsten wohl kein Interesse an den Inhalten meines Blogs haben, ich sehe sie nur bei Finanzthemen. Da aber ziemlich sicher. Ich weiß nichts über sie, weiß also gar nicht was ich evtl. bewirken könnte da ich ja zu diesen Foren gar keinen Zugang habe.

    Aber ich weiß das ein oder zwei von denen nach dem Lesen meines Textes etwas anders denken. Minimal. Aber eben etwas anders. Der eine erzählt keinem was darüber der andere überzeugt vielleicht fünf und darunter einen Meinungsmacher.

    Den von dir so gescholtenen Guido Stephan mit seiner Spieltektonik finde ich witzig. Bisher haben wir bei Tchibo oft Kinderklamotten gekauft. Nach der Aktion denken wir anders. Keine Ahnung wie lange das anhält, aber in meinem Bekanntenkreis verschwinden die Nokias immer mehr.

    Hätte sich Tchibo so verhalten wie der Kommentator es beschrieb, wäre es ein Erfolg geworden. Natürlich anders als er meint ein einmaliger. Aber ein Riesending mit einem super Imagegewinn. So verlieren sie bei mir schon Umsatz.

    Sobald wir wissen was wirkt, brauchen wir keine Werber mehr. Dann machen wir den Kram selber. Aber wir wissen es eben nicht. Wir wissen das wir die Hälfte des Werbeetats völlig wirkungslos ausgeben. Nur nicht welche Hälfte.

  4. @Jochen: Ich gebe Dir Recht, aber ich meinte etwas anderes. Nämlich die Schreibe derjenigen Bloggerkollegen, die mit ihren Formulierungen bereits implizieren, dass es sich um große Gedanken handeln muss, die da formuliert werden, allein schon, weil sie sie formulieren und dabei Blogger sind, die angebliche vierte Säule in der Medienlandschaft…

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