Erfolgreicher Onlinejournalismus = Boulevard

Medienmensch Jakubetz behauptet ja, dem sei nicht so. Es könne zwar in der realen Ausprägung heutzutage in vielen Fällen so sein, aber er negiert, dass dahinter eine Art mathematischer Logik steckt. Ich glaube, er hat Unrecht. Sicherlich mag man theoretisieren, dass die faktische Realität im Onlinejournalismus derzeit das Setzen auf Boulevardthemen und die Boulevardisierung auch seriöserer Themen ist, dies aber nicht zwangsläufig einen logischen Zusammenhang im Sinne einer Kausalität hat. Dann aber ist man in meinen Augen ein Träumer.

Nun mag ich zwar Träumer, nehme mir jedoch jederzeit die Freiheit, einen Traum auch als solchen zu bezeichnen. Wenn man Träume als solche wahrnimmt, haben sie trotzdem ihren Wert, denn man kann sich an ihnen genauso aufbauen, wie an echten positiven Erlebnissen. Außerdem können Träume, wie der des Herrn Jakubetz durchaus jederzeit in Erfüllung gehen. Kurzum, ich kritisiere den Traum nicht.

Zurück auf dem Boden der Tatsachen erkennt man recht schnell, dass es anders ist. Boulevardthemen dominieren schließlich nicht nur die Onlinemedien. Ganz übel sieht es mittlerweile im Fernsehen aus. Alles, was nicht gebührenfinanziert ist, sendet nur noch boulevardesken Mist. Nicht zu Unrecht greift der Begriff des Unterschichten-TV um sich.

Warum sollte im Netz eine andere Entwicklung stattfinden? Der durchschnittliche Internetuser, das erkennt jeder Blogger, wenn er mal seine Suchbegriffestatistik durchschaut, sucht nach Sex, Klatsch, Tratsch –  Voyeurismus im weiteren Sinne. Und er sucht diejenigen Seiten auf, die die Befriedigung seiner Bedürfnisse am ehesten zu versprechen scheinen. Ist nun ein Onlineangebot darauf angewiesen, kostendeckend zu arbeiten, weil es gerade nicht gebührenfinanziert ist, muss es dem Bedarf an Boulevard Rechnung tragen. Alles andere wäre Ausdruck wirtschaftlicher Verantwortungslosigkeit.

Natürlich gibt es auch Medien, die dem Trend zur Boulevardisierung widerstehen und qualitativ hochwertige Beiträge leisten. Dazu schaue man sich beispielsweise den Bloggerkollegen Spiegelfechter aka Jens Berger an. Aber eine breite Masse erreicht er, erreichen andere mit ihren aufwändigen, fundierten Beiträgen nicht. Will oder muss man von dieser Arbeit nicht leben, kann man natürlich den Teil des Netzes, der Interesse an dieser anderen Form von Journalismus hat, bedienen und wird dafür auch gemocht, bewundert, besucht. Leider aber nur von einer maximal vierstelligen Anzahl Surfer pro Tag. Wobei eine Wirtschaftlichkeit nicht einmal bei einer fünfstelligen Zahl erreicht werden würde, wenn man eine Redaktion bezahlen wollte.

Qualitätsjournalismus könnten sich theoretisch natürlich Medien wie SpOn dennoch leisten. Quasi gegenfinanziert durch den ganzen Boulevardkram. Da das Motto jedoch „höher, schneller, weiter“ ist, insbesondere wenn es um die Entwicklung der Besucherzahlen und damit verbunden, der Erlössteigerung geht, wird keine der großen Nachrichtenmagazinplattformen Kapazitäten binden, um die paar Intellektuellen zu bedienen, die nicht nach nackten Brüsten, abgerissenen Gliedmaßen, schlecht singenden Castingstars oder Möchtegernmodels suchen.

Einzig die gebührenfinanzierten Medien könnten hier Abhilfe schaffen. Aber das will (außer mir) anscheinend auch keiner…

4 Gedanken zu „Erfolgreicher Onlinejournalismus = Boulevard

  1. Bedauerlich ist nicht nur der Niveauverfall, sondern auch die Manipulation, die mit einer solchen Art von „Journalismus“ möglich ist, da so immer auch Emotionen geweckt werden.
    Beispiel sind die „Betroffenen“-Interviews – kein Nachrichtenwert, aber Emotionsschürend.

    Infotainment und Dokutainment statt Information – so werden die Nachrichten zum Act.

    Bei einigen privaten wird die Nachrichtenübersicht schon mit Musik untermalt !
    „RTL-Nachtjournal the Soundtrack“ – abartig.

  2. Man müsste halt irgendeine Kombination zwischen Brüsten und intellektuellen Themen finden. Den Ingeborg-Bachmann-Preis nur noch unter nackig lesenden Autorinnen zu verteilen wäre ja immerhin ein Anfang …

  3. In den USA gibt es eine Nachrichtensendung, in der sich die Sprecherinnen während des Verlesens ganz normaler Tagesmeldungen ausziehen. Wäre das vielleicht ein Ansatz? Immerhin werden die Meldungen selber nicht boulevardisiert…

    Fehlt natürlich noch ein Counterpart für die weiblichen Intellektuellen…

    :mrgreen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.