Stora Enso – Gejammer auf hohem Niveau

Die Stora Enso Kabel GmbH & Co. Kg ist ein Papierhersteller. Und dem geht es nicht gut, wie wir gleich sehen werden, und deshalb sind Maßnahmen erforderlich, wie wir auch gleich sehen werden.

Im abgelaufenen Jahr nahm der Umsatz lediglich um 4,5 Prozent zu, obwohl die Versandmenge um 7,6 Prozent gesteigert werden konnte. Die Nachfrage ist gestiegen, aber die Preise sind gesunken. Erst in 2008 zeichnet sich durch weiter steigende Nachfrage eine Erhöhung der Preise ab. Das Werk ist ausgelastet und eine Änderung dieses Zustandes ist derzeit nicht absehbar.

Nanu? Wieso also bezeichnet der Geschäftsführer die Situation dann als schwierig? Weil nicht Jahr für Jahr zweistellige Zuwachsraten realisiert werden können? Wann wird sich in der deutschen Unternehmensführerschaft endlich mal die Erkenntnis durchsetzen, dass dieser stete Steigerungsdruck, respektive auch nur die Erwartung selbigens Blödsinn ist?

Nach den Vorstellungen deutscher Manager müsste sich der Umsatz eines jeden Unternehmens alle zehn Jahre mindestens verdoppeln, um noch von einem profitablen Geschäftsverlauf sprechen zu können. Ja, Himmelherrgott, wer soll denn den ganzen Kram kaufen? Kein Wunder, dass diese Hoffnungen stetig enttäuscht werden. Nüchtern betrachtet, müsste man also schlicht die Erwartungen anpassen und alles wäre bueno. Macht man aber nicht, sondern was tut auch Stora Enso?

Man senkt Personalkosten. Wohlgemerkt bei positiver Auslastung des Werkes. Stora Enso dazu: Bis Mitte 2009 wird die Zahl der Mitarbeiter von etwa 950 auf rund 800 Beschäftigte sinken, ohne dass Anlagen stillgelegt werden.

Ohne, dass Anlagen stillgelegt werden, dürfte der magische Satz sein. Ab Mitte nächsten Jahres muss also eine um rund zwanzig Prozent verkleinerte Belegschaft einen um mindestens zehn Prozent erhöhten Umsatz fahren. Wie konnte es dazu kommen?

Entweder wurde in den vergangenen Jahren zuviel Personal eingestellt. Dann müsste sich der Geschäftsführer ein deutliches Anzweifeln seiner unternehmerischen Kompetenz gefallen lassen, denn die Kalkulation des Einsatzes der Produktionsfaktoren gehört zum Kerngeschäft der Unternehmensführung. Oder dem ist nicht so. Dann muss sich der Geschäftsführer fehlendes soziales Verantwortungsbewusstsein vorwerfen lassen. Ein Dilemma, wenn man mich fragt…

[Quelle: SIHK-Magazin 5/2008, Seite 54]

3 Gedanken zu „Stora Enso – Gejammer auf hohem Niveau

  1. Natürlich kann die Stora Enso durch die Entlassungen Kosten sparen. Das kann ja jeder Depp. Die Frage ist, ob damit das Problem vernünftig analysiert ist und auch angegangen wird. Man müßte die Zahlen vergelichen wie die Personalkosten im Vergleich zu den Wettbewerbern stehen, jeweils bezogen auf die Produktivität, Benchmarking ist ja eine ganz übliche Sache. Die Verminderung der Personaldecke kann genausogut eine reine shareholder value Kosmetik sein und auf Dauer nichts bringen.
    Dennoch…..die Gier greift allenthalben um sich und leider gibt es zu wenig soziale Verantwortung in den Vorstandsetagen. Wenn derartige Entwicklungen weitergehen, ist das der Tod der sozialen Marktwirtschaft.

  2. Wenn der Geschäftsführer ein Angestellter ist, braucht man sich doch gar nicht ernsthaft zu fragen, welches Primärziel mit dem Abbau von Arbeitskräften verfolgt wird…

  3. Im Dezember 2008, wurde die Produktionslinie 3 geschlossen und noch einmal 170 Stellen gestrichen.
    Der Neue Konzerncheff hat schon Philips saniert.
    Ich denke das, dass Werk in nicht all zu ferner Zukunft geschlossen wird.
    Storaenso wird sich aus Deutschland zurück ziehen.
    Sie haben stetig im Werk Hagen-Kabel Stellen abgebaut. 1996 waren es ca. 1400 Mitarbeiter und gegen Juli 2009 nur noch ca. 680. Der Geschäftsführer bekommt den Druck aus Schweden, und gibt ihn halt nach unten weiter.

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