Seniorenbloggen bei Pennings Seometrie GmbH

Eigentlich bin ich im Umfeld des Themas 50plus recht gut informiert. Vom Blog „Ab 50 aufwärts“ der Berliner Seometrie GmbH, in die der Holtzbrinck-eLab-Prokurist Frank Penning, der gleichzeitig die Vornamenblogger der Germanblogs „betreut“, wie auch immer involviert ist, hatte ich jedoch bislang nichts gehört. Dank an „Ex-Freundin-BloggerDorin Popa für den Hinweis [via Turi2]. Per Jobs3000 – ebenfalls noch nie von gehört – sucht Pennings Seometrie GmbH nach einem (!) Seniorenblogger, der nach Popas Informationen für 6 Beiträge satte 135 Euronen wird einstreichen können.

Ich habe diese wertvollen Informationen zum Anlass genommen, um mir den Seniorenblog einmal näher anzuschauen. Für eilige Leser: Es ist ähnlich wie bei den anderen Seometrie-Blogs. Wenn überhaupt Autorennennung, dann nur Vornamen. Die Texte scheinen allerdings geringfügig authentischer, dennoch nicht lesenswert.

Für weniger eilige Leser: Zunächst erstaunlich ist, dass Pennings Jungs überhaupt einen Seniorenblog aufsetzen, haben sie doch mit 50plus.germanblogs.de bereits einen solchen im Portfolio. Noch dazu einen wesentlich ansprechender gestalteten. Machen wir einen kleinen Test:

Ich rufe ab50aufwaerts.de auf. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich schon darüber gewundert, dass eine URL gewählt wurde, bei der man einen Umlaut ersetzen muss, um sie überhaupt aufrufen zu können. Ich schaue auf den Title-Tag „Senioren und Silver User“. Aha. Ich schaue auf den Blogtitel „Ab 50 Aufwärts“. Rechtschreibung schwach. Außerdem stellt sich mir die Frage nach der Bedeutung. Ist es am Ende gar eine Forderung? Soylent Green lässt grüßen? Ich schaue auf den Blog-Untertitel „Die Silver-Generation“. Platter geht es eigentlich nicht mehr. Und weniger aussagekräftig auch nicht. Und weniger attraktiv für potenzielle Leser auch nicht. Und überhaupt.

Ich schaue auf das Blogdesign. In der Headergrafik sind zwei Kinder abgebildet. Beide tragen deutlich negroide Züge, was natürlich grundsätzlich kein Problem ist, aber unter dem Gesichtspunkt der Professionalität im Mediendesign auf die Verwendung billigen amerikanischen PennyStockmateriales schließen lässt. Im Übrigen hätte ich als Gestalter überlegt, ob diese Bildauswahl wohl den Erwartungen der Zielgruppe entsprechen wird. Immerhin wird ein Grönlandblog naheliegenderweise auch nicht mit Palmenheader ausgestattet.

Ganz schlimm dann die Farbgebung. Es soll wohl Silber assoziieren, ist aber schlichtweg ein dumpfes, depressives Grau. Ich denke an den immerhin tollen Song „Fade To Grey“ und wage es nicht, den Titel wörtlich zu übersetzen. Die spärlich eingestreuten Fotos des Bloggers wirken in diesem Trauerumfeld in all ihrer Farbigkeit schon fast unangemessen fröhlich. Mir fällt der Witz ein: „Du, da fängt doch gestern im Gottesdienst neben mir jemand das Rauchen an. Mir wäre fast die Bierpulle aus der Hand gefallen.“

Der erste Blogbeitrag entstand am 8. Februar diesen Jahres. Der erste und damals einzige Blogger war ein gewisser Jörg, über den man, Seometrietypisch nichts weiter erfährt. Ist er unter, ist er über 50? Ist er Gabelstaplerfahrer, ist er Akademiker? Keine Aussage.

Ich will mal nicht so streng sein und einräumen, dass es in einem thematisch breiten Blog, der sich lediglich den Interessenslagen älterer Menschen zu widmen hat, für den Leser nicht so sehr darauf ankommt, die Qualifikation des jeweiligen Bloggers zu kennen. Leider handelt es sich hierbei jedoch um eine grundsätzliche Haltung der Seometrie GmbH zum ProBlogging und findet sich auch in deutlich kritischerem Umfeld, wie etwa im Gesundheitsblog, bei dem ich schon wissen möchte, ob der gelesene Tipp von einem Doc oder einem Kunststudenten stammt.

Mittlerweile finden sich zu den Blogbeiträgen, die insgesamt eher sporadisch publiziert werden sogar gar keine Autorenangaben mehr. Ghostwriting wörtlich genommen. Ich schließe daraus, dass der Startblogger Jörg mittlerweile nicht mehr der Textproduzent ist. Inhaltlich sind die Postings nicht so platt wie das, was auf Germanblogs seit einigen Monaten zusammengefrickelt wird. Zumindest nicht alle, was darauf schließen lässt, dass der Blog nicht von einem einzigen Blogger bestückt wird. Leider sind gerade die besser lesbaren Texte auch die platten.

Insoweit verwundert es nicht, dass sich über die Laufzeit bisher erst 18 Kommentare insgesamt angesammelt haben. Ab50aufwaerts.de verletzt zu viele Grundregeln erfolgreichen Bloggens, um attraktiv zu sein. Dann eben doch wieder ein typischer Seometrieblog. Ein Hoch auf Frank Penning und seine Mannen!

7 Gedanken zu „Seniorenbloggen bei Pennings Seometrie GmbH

  1. Irgendwie witzig, wenn ich von „Seniorenblogs“ lese, gehöre ich doch mit meinen 51 Jahren eigentlich selber dazu 🙂 Aber ich mache meinen Kram lieber selber. Mein Alter ist mir schnurz, ebenso das Alter meiner Gesprächspartner. Vernunft resp. Unvernunft sind keine Funktion des Alters. Lediglich Erfahrung hat, mit viel Glück, Etwas mit Alter zu tun. Aber auch nur mit viel Glück. Dummies und Noobs gibt es zuhauf in jedem Alter. Genauso gibt es auch umgekehrt in jedem Alter intelligente, interessante Menschen.

    Was ich allerdings noch nie so richtig verstanden habe, ist die Unwilligkeit vieler Menschen, sich mit Neuem auseinander zu setzen. Neues einfach mal auszuprobieren und sich darauf einzulassen. Dieses virtuelle Betreten von Neuland ist für jjeden Menschen in jedem Alter für das Überleben des Gehirns notwendig. Am Besten geht das mit Neugier und kindlichem Spieltrieb. Eigenschaften, die man sich tunlichst bewahrt und pflegt bis man den Löffel abgibt.

    In diesem Zusammenhang befürchte ich, dass Spezialeinrichtungen für „Senioren“ eher dazu beitragen, die Spaltung in der Gesellschaft zu zementieren. Vielleicht kann solch ein Seniorenblog dem Einen oder Andren den Einstieg erleichtern. Aber gerade bei diesen Senioren, die dazu auf solche Spezialeinrichtungen angewiesen sind, besteht die Gefahr, dass man bei dieser „Erleichterung“ stehen bleibt, anstatt weiter zu gehen. Jeder dieser Seniorenblogger hat doch problemlos die Möglichkeit, ein eigenes Blog aufzumachen. Das muss ja nicht handgeschriebenes RSS sein (wie bei mir). Die Blogwerkzeuge von heute wie WordPress oder Serendipity können sogar von der Teenie-Generation von heute eingerichtet und bedient werden. Da sollten doch eigentlich gestandene Leute mit X Jahren Berufserfahrung erst recht damit klar kommen. Warum also machen die Autoren nicht baldmöglichst ihr eigenes Blog auf? Sicher ist eine gewisse Gängelung gerade für die großen Angsthasen am Anfang hilfreich. Aber sich auf Dauer gängeln lassen? (Man denke sich hier eine eindeutige Geste, die mit einem einzelnen Finger auszuführen ist).

  2. Klar. In der Grundsätzlichkeit kann man noch ganz andere Haken und Ösen finden. Betrachtet man ein Seniorenblog aber als elektronische „Special-Interest-Publikation“ so ist es sogar geradezu angeraten, dies in Form eines Magazins mit mehreren Autoren zu betreiben und so betrachtet hat das auch nichts mit „Spezialeinrichtung“ im negativen Sinne zu tun. Du willst doch vermutlich nicht in Abrede stellen, dass es typisch „ältere Themen“ gibt?!

    Bloß so, wie es Pennings Seometrie GmbH betreibt, wird es nicht klappen.

  3. Just one remark: Man sollte ein selten frequentiertes Blog nicht mit einer Voting-Funktion (vulgo: diese lustigen bunten Sternchen unterhalb eines Beitrags) ausstatten. Bislang kommen nämlich die Beiträge in der Bewertung gar nicht gut weg (also ich mag natürlich nicht behaupten, dass Herr. P. da bewertet hat)…

  4. Das will ich gleich mal von mir weisen. Ich habe dort nur gelesen, nicht bewertet. Der Nutzen der Votingfunktion auf einem derartig toten Blog erschließt sich mir allerdings auch nicht…

  5. Hmmm, zugegeben: Als Themenblog ist Sowas nicht ganz falsch. Andererseits weiss ich, dass nur Wenige in meinem Alter und darüber überhaupt wissen, was ein Blog ist. So gesehen ist das also ein Blog über ein Thema, das die wahrscheinliche Leserschaft (die Jüngeren) nicht interessiert. Von den von Dir angesprochenen Umsetzungsschwächen mal ganz abgesehen 🙂

  6. In der Tat. So habe ich das noch nicht betrachtet, aber Du hast Recht. Es ist ein Blog, dass die Menschen, die Blogs in der Regel lesen, nicht interessiert. Eine geradezu brilliant einfache Erkenntnis.

    Andererseits wird sich das perspektivisch ändern. Will heißen, in der Zukunft werden auch ältere Menschen Blogs ganz normal in ihren Medienkosum einbinden. Man bräuchte halt einen entsprechend langen Atem…

  7. Stimmt. Dabei haben wir es allerdings mit einem Problem zu tun: Die Gesellschaft ändert sich immer schneller. Die IT ändert sich noch schneller. Was heute Hip ist, ist morgen Kaffe von gestern. Nur die Menschen altern noch immer mit der selben Geschwindigkeit. Wenn dieses Blog also einen langen Atem hat und existiert, bis die Blogleser von Heute so alt sind, kann es durchaus sein, dass Blogs bis dahin völlig überholt sind. Kann – muss nicht. Warten wir’s mal ab 🙂

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