Bekenntnis zum Standort

So titelt heute das örtliche Lokalblättchen, weil irgendein Unternehmer neben seinem Firmengebäude eine Lagerhalle baut. Salbungsvolle  Huldigungen entsprangen der Feder des Redakteurs.

Oh, Dank sei dem großen Unternehmer, der seine Lagerhalle neben seinem Firmengebäude und nicht in Rumänien baut. Dank sei ihm für die Investition von angeblichen drei Millionen für eine Bude, in der er keinen einzigen zusätzlichen Mitarbeiter beschäftigen wird, weil es eben eine Lagerhalle ist. Ommmmhh.

Bekenntnis zum Standort? Lobens-, respektive huldigenswürdig? Bullshit! Wo soll der am Ort wohnende Unternehmer seine Lagerhalle wohl sonst bauen? Und wieso verlagert der am Ort wohnende Unternehmer sein Unternehmen wohl nicht nach Rumänien? Vielleicht etwa weil er am Ort wohnt und noch nie im Leben in Rumänien war? Was würde ihm eine Lagerhalle in Rumänien nützen, wenn er hier am Ort produziert? Nichts? Genau. Und deshalb baut er sie logischerweise auch hier.

Was die drei Millionen Investitionssumme betrifft. Erstens ist das eine ziemlich erstaunliche Summe für eine Stützkonstruktion aus Pfählen, die mit Fertigbetonplatten ausgefacht wird. Und zweitens, selbst wenn er diese Summe tatsächlich dareinstecken täte, würde man erst in 10 bis 30 Jahren sehen, ob er sie tatsächlich selber investiert hat oder ob der Steuerzahler dafür im Zuge der nächsten Bankenkrise gerade zu stehen haben wird.

Natürlich gibt es Unternehmen, die anders agieren, bloß handelt es sich dabei in der Führung nicht um Unternehmer, sondern lediglich um Manager. So hat beispielsweise der Manager des im Nachbarort tätigen Armaturenherstellers Grohe den Sitz der Geschäftsführung kürzlich kurzerhand nach Düsseldorf, 100 Kilometer von der Produktion entfernt, verlegt. Angeblich, um attraktiver zu werden für Managementnachwuchs. Interessant dabei: Der Manager wohnt in Düsseldorf…

4 Gedanken zu „Bekenntnis zum Standort

  1. Das ist halt der Sinn von Lokalblättchen, so etwas huldvoll auszumalen.

    Sinnvoll sind diese drei Millionen ohnehin am ehesten, wenn der lokale Bauunternehmer die Halle bauen durfte. Sollte dies totgeschwiegen werden, war es wohl doch die polnische Baufirma. Aufschwung Ost eben.

  2. wer weiß, vielleicht wird es sich nebenher auch noch als zukunftsweisende Entscheidung herausstellen, dass man die Transportwege so kurz wie möglich hält. Wenn die Ölpreise weiter so steigen kann es passieren, dass sich lange Wege bald nicht mehr lohnen. Und – ehrlich – ich könnte dem Gedanken sogar was abgewinnen.

  3. @Torsten: Von einem lokalen Bauunternehmer war jedenfalls nicht die Rede 😉

    @nomadyss: Kein schlechter Gedanke. Wäre allerdings schöner, wenn er mich dann nicht automatisch auch beträfe…

  4. Ist doch alles relativ. Das würde dann wieder die regionale Wirtschaft stärken und das wäre doch für uns alle gut, auch für Dich.
    Verkürzt gesagt.

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