Gewalt

„Gewalt ist ein Defizitphänomen.  Wenn andere adäquate Konfliktlösungsmöglichkeiten fehlen, greift man zu Gewalt.“

Postuliert Prof. Georg Lind von der Universität Konstanz und suggeriert dem gewöhnlichen Leser damit: Wer zu blöd ist, seine Probleme auf intellektuellere Art und Weise zu lösen, haut zu.

Und so wird Gewalt in der Tat im Allgemeinen heute als soziale Inkompetenz und intellektuelle Mangelerscheinung gesehen. Was ja auch nicht völlig falsch ist. Mir fehlt bei dieser simplen Betrachtung allerdings ein ganz entscheidender Aspekt.

Es gibt schließlich in der Tat Leute, die zu doof sind, Konfliktlösungsansätze, die etwas anspruchsvoller sind, auch nur ansatzweise zu begreifen. Für derlei Vögel ist Gewalt eine Sprache, häufig sogar die einzige, die sie verstehen. Will man also mit seinen Botschaften bei solchen Leuten kognitive Effekte erzielen, muss man sich wohl oder übel deren Mechanismen beugen.

Ich kann mich noch gut an meinen letzten Appeasementversuch erinnern. In einer Einkaufspassage wurde ich mehrfach angepöbelt. „Warum bist Du denn so aggressiv?“ fragte ich den hartnäckigen Angreifer. Er antwortete in etwa: „Ey, was bin isch?  Pass auf, Du. Isch geb Dir gleisch.“

In solchen Momenten kann nur gelten: „When in Rome, do as the Romans do.“ Alles andere legen Dir solche Typen als Schwäche aus und verstärken daraus bestätigt ihr eigenes Fehlverhaltensmuster.

Deshalb ist Gewalt für mich nicht ausschließlich ein Defizitphänomen, sondern kann auch der Ausdruck erforderlicher Wehrhaftigkeit sein.

2 Gedanken zu „Gewalt

  1. Warum hast Du das Gepöbel nicht einfach ignoriert?
    Ich würde einem Menschen der mich beschimpft nicht unbedingt die Frage stellen:“Warum bist Du denn so aggressiv?“ Das ist doch die völlig falsche Frage. 😉

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