Verwirrtes bei Zeit Online

Uwe Knüpfer schreibt in seinem Beitrag „Kampf um Klickzahlen„:

Über Blogs gelangten anonyme Behauptungen auf die Seiten auch renommierter Medien, die in früheren, Vor-Web-Zeiten von jedem Redakteur umstandslos entsorgt worden wären. Im Wettkampf mit Suchmaschinen und Blogs um die Klicks nachrichtenhungriger Internetsurfer verzichteten auch renommierte Redaktionen auf zeitraubende Kontrollen und Recherchen. Der Effekt ist eine Verwischung der Unterschiede zwischen Gerücht und Nachricht, aber auch zwischen den Verbreitern von Gerüchten einerseits und Redaktionen seriöser Medien andererseits, deren Berufung es doch eigentlich ist, als gatekeeper, Wächter am Tor, ruhige Lesestuben von der weiten Welt sich überschlagender Meldungen und Behauptungen zu trennen; zu sortieren, zu prüfen und zu bewerten, was Eingang finden darf ins Blatt.

Kaum zu glauben, dass sich heutzutage immer wieder noch ein Redakteur findet, der solchen Schmier wider besseren Wissens hinschreibt. Richtig ist, dass Blog potenziell eher Gerücht als Nachricht sein kann. Auch richtig ist aber, dass „renommierte Medien“ sich immer häufiger Gerüchte bedienen und diese als Nachrichten hinstellen. Ich habe auf diesem und anderen Blogs oft genug Beispiele gepostet. Gerade heute zeigt SpOn wieder ziemlich deutlich, wie sehr man sich bei renommierten Medien auf Recherche und Objektivität der Berichterstattung verlassen kann. Nämlich gar nicht.

Deshalb sage ich es gern noch einmal und immer wieder: Der Blog, bei dem ich weiß, dass er tendenziös berichtet, ist mir zig Mal lieber, als das „renommierte Medium“, das mir Objektivität suggeriert, aber Subjektivität liefert. Oder anders ausgedrückt: Better The Devil You Know.

4 Gedanken zu „Verwirrtes bei Zeit Online

  1. Naja das tönt für mich nicht wie eine Anklage der Blogs. Sondern die Journalisten (die heutigen) werden beschuldigt, ungeprüftes Material zu veröffentlichen.

  2. „Über Blogs gelangten anonyme Behauptungen auf die Seiten auch renommierter Medien, die in früheren, Vor-Web-Zeiten von jedem Redakteur umstandslos entsorgt worden wären.“

    Das tönt nicht nach Anklage der Blogs? Aufgrund der Blogger haben sich renommierte Medien auf deren Niveau herab begeben. So könnte man auch resümieren.

  3. Im Zitat steht aber auch, warum das wohl so ist. „Im Wettkampf mit Suchmaschinen und Blogs um die Klicks…“
    Ich sehe da auch nicht unbedingt eine Anklage, sondern eher eine Kritik daran, das die journalistische Sorgfaltspflicht den Klickzahlen geopfert wird. Wenn es die Konkurrenz durch Suchmaschinen und Blogs nicht gäbe, würde das vielleicht noch anders aussehen. Allerdings gab es schon immer Medien, denen der Wahrheitsgehalt auf Kosten der Verkaufszahlen egal war.

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