RSS – Nicht ausschließlich positiv

Natürlich nutze ich meinen GReader relativ intensiv, um nicht zu sagen exzessiv. Was hinreichend verdeutlicht, dass ich mir der Vorteile des RSS hinreichend bewusst bin. Sicherlich ist es so, dass die Nutzung von RSS-Feeds grundsätzlich für eine Erweiterung der eigenen Aufmerksamkeitsspanne sorgt. In Maßen allerdings nur.

Martin Weigert beschreibt diesen Effekt ganz schön. Ich habe die Feeds in meinem Reader in den letzten Wochen radikal reduziert. Meine Aufmerksamkeitsspanne wurde quasi überspannt. Und das lag nicht bloß an der schieren Masse an Feeds, sondern auch daran, dass in einem Feed alle Nachrichten gleichwertig daher kommen. Darin besteht meines Erachtens das größte Problem. Der Leser ist systembedingt gezwungen, jeden Anreißer zunächst einmal zur Kenntnis zu nehmen, um dann über Lesen oder Löschen zu entscheiden.

Da hat man es auf den den RSS-Feeds zugrundeliegenden Websites deutlich leichter. Jeder Autor, jeder Redakteur, jede Redaktion weiß schließlich in der Tiefe der jeweiligen Herzen, welcher Artikel gut ist und welcher eben nicht. Der RSS-Feed differenziert nicht, die Platzierung auf der Website schon (wenn es sich nicht um einen hundsgemeinen Blog handelt). Man könnte diesen Effekt für demokratisch halten, was er möglicherweise auch ist. In der Praxis geht er mir schlicht auf den Sack, schließlich leben wir ohnehin seit mindestens zehn Jahren in Zeiten des Informationoverflow, ich jedenfalls.

Aus diesem Grunde habe ich gerade die „hyperaktiven Seiten“ mit vielen Beiträgen pro Tag aus dem Reader geschmissen und besuche diese lieber wieder per Browser. Der RSS-Reader soll mich mit den Wenigpostern in Kontakt halten, damit ich da nix verpasse. Dafür ist er geeignet. Eine Art Wecker für Webinhalte…

Nochmal zurück zu Martin Weigerts Beitrag. Er fragt sich, warum Nachrichtenmagazine ihre RSS-Feeds nicht offensichtlicher positionieren und begründet das so:

Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Verlage und Onlinezeitungen möchten ihre Stammleser nicht dazu ermuntern, mit Hilfe von RSS ihre Aufmerksamkeitsspanne zu erweitern, aus Angst, Leser und deren Zeitbudget für Medienkonsum an andere Quellen zu verlieren.

Lieber Martin, ich glaube, damit liegst Du in absoluter Überschätzung der Motivation konventioneller Medien völlig falsch. Die Begründung ist viel simpler: In RSS-Feeds ist keine Werbung…

18 Gedanken zu „RSS – Nicht ausschließlich positiv

  1. Mhh bin ich dennoch anderer Meinung, denn die meisten etablierten Onlinezeitungen bieten sowieso nur Feeds mit Textanriss, keinen Fullfeed. Eben weil sie Werbung einblenden wollen und müssen. D.h., egal ob der Leser nun über RSS oder direkt über das Portal auf den Artikel kommt – die Werbung sieht er in jedem Fall.

  2. *Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Verlage und Onlinezeitungen möchten ihre Stammleser nicht dazu ermuntern, mit Hilfe von RSS ihre Aufmerksamkeitsspanne zu erweitern, aus Angst, Leser und deren Zeitbudget für Medienkonsum an andere Quellen zu verlieren.*

    Ich finde diese Worte entbehren jeglicher Logik.

  3. @Martin: Du wirst aber insoweit zustimmen, als dass ein Websitebesucher, der nicht über einen Feedentry kommt, weniger gezielt vorgeht, damit länger bleibt und potenziell wesentlich mehr Werbung konsumiert.

  4. Dieter, nur bedingt, zumindest wenn ich an mein eigenes Leseverhalten denke: Ich habe die Onlineversion einer großen deutschen Zeitung als Startseite im Browser und abonniere die Onlineversion einer schwedischen Zeitung als RSS-Feed. Während ich bei der deutschen Zeitung lediglich die Artikel lese, die mir beim Starten des Browsers und Scrollen direkt ins Auge fallen, scanne ich im RSS-Feed der schwedischen Variante JEDE Schlagzeile und öffne anschließend die in einem neuen Tab, die mir interessant erscheinen. Im direkten Vergleich würde ich sagen, dass ich täglich ungefähr 10 oder 20 Prozent mehr Seitenaufrufe beim schwedichen Onlineangebot (via RSS) generiere als beim deutschen (via herkömmlichem Browsing).

    Vielleicht bin ich da eine Ausnahme. Vielleicht aber auch nicht.

  5. Ich gehe davon aus,dass ein Stammleser,wo auch immer er liest,die Werbung um ihn herum überhaupt nicht mehr zur Kenntnis nimmt,sondern sich gezielt auf den Artikel konzentriert.

  6. *Nochmal zurück zu Martin Weigerts Beitrag. Er fragt sich, warum Nachrichtenmagazine ihre RSS-Feeds nicht offensichtlicher positionieren….*

    Ich bin der Meinung,dass Nachrichtenmagazine,ihre Rss-Feeds sehr wohl offensichtlich anpreisen.

  7. @Martin: Entweder bist Du die Ausnahme, oder ich. Oder wir sind es beide. Ich hatte bis kürzlich ebenfalls mehrere große Nachrichtenportale im Feed und scannte gleichfalls jede Headline. Bis ich es schlicht nicht mehr schaffte und zu der Auffassung gelangte, man könne seine Lebenszeit auch angenehmer verschwenden.

    Im Übrigen kursierte vor einiger Zeit ein ganz interessanter Artikel, der grob gesagt beinhaltete, dass wichtige Nachrichten ihre Empfänger von alleine finden.

    Ansonsten muss ich auch Mo zustimmen. Ich persönlich habe in den letzten zehn Jahren maximal zehn Mal auf Onlinewerbung geklickt. Ich ignoriere das weitestgehend. Schlimmstenfalls geht es mir auf die Nerven, wenn es mir den Zugang zur Nachricht erschwert.

  8. Wenn eh keiner auf Onlinewerbung achtet, dann würde das hier ja gar keine Rolle spielen:

    „Lieber Martin, ich glaube, damit liegst Du in absoluter Überschätzung der Motivation konventioneller Medien völlig falsch. Die Begründung ist viel simpler: In RSS-Feeds ist keine Werbung…“

    😉

    Letzlich ist es zwar so, aber langfristig läuft der von mir angebrachte Grund für das (meiner Meinung nach) zaghafte promoten von RSS aufs selbe aus: weniger Aufmerksamkeit für den Anbieter = weniger Seitenaufrufe = weniger Möglichkeiten, Werbung auszuliefern.

  9. @Martin,
    ich kann Dir gedanklich nicht folgen.
    Vom Leser eingerichtete RSS-Feeds bedeuten doch nicht weniger Aufmerksamkeit für den Anbieter.
    Und überhaupt,wenn ein Leser einen RSS-Feed setzt,dann doch wohl nur,um den Autor einer Seite zu lesen.
    Wie auch immer: Gute Nacht Männer 😉

  10. @Martin: Dass Onlinewerbung, wie Werbung insgesamt, eine relativ geringe Effektivität aufweist, dürfte unstreitig sein. Wann allerdings hätte eine solche Erkenntnis schon jemals zur Folge gehabt, dass man die konsequenten Konsequenzen, also Verzicht auf Werbung, daraus zieht… ?

  11. Ich hab schon verschiedene Nachrichten-/ und andere Magazine (mit Google-Reader) als Feed abonniert. Das wären dann umgerechnet so ca. 400 bis 500 Newsletter täglich 😉 Die lese ich aber nicht, sondern das Abo dient nur dem Zweck, einzelne Artikel „markieren“ oder auch „empfehlen“ zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.