Basic: Bloggen für Geld

Der größte Blogger Deutschlands ist er. Und das schon seit Jahren. Mittlerweile kann er mit 3500 Euro Einnahmen im Monat sogar schon vom Bloggen leben. (Ich könnt’s nicht…) Die deutsche Blogosphäre legt sich mit ihm nur ungern an, zuviel Einfluss könnte die eventuelle Retourkutsche entfalten. Selbst der Blogbonzo Alphonso huldigt dem Fürsten insoweit, als dass er ihm in Diskussionen trotz kommerzieller Absichten stets sachliche Ernsthaftigkeit zubilligt.

Auch andere, sonst als wahllos rumballernde Bazookaschützen bekannte Blogselbstüberschätzer sind restlos vom Basic begeistert. Sie schreiben:

Robert Basic zum Beispiel macht es richtig und lässt sich nach seinen Maßstäben, egal ob ich dem immer zustimme oder nicht, angemessen bezahlen, nicht kaufen. Sollten wir uns irgendwann entscheiden, uns auch bezahlen zu lassen, wird ein ähnlicher Weg gegangen, wie ihn Robert geht.

Nach meinen Recherchen scheint diese Einschätzung des Basic relativ einhellig für Blogdorf zu gelten. Er schreibt angeblich, was er will und nimmt dafür per Werbeflächendirektvermarktung entsprechende Euros ein. Ein Traumkonzept?

Der Feind hingegen sind die Blogger, die sich auf einer pay-per-post-Basis bezahlen lassen. Da wird dann auch nicht mehr differenziert. Egal ob Trigami, Hallimash oder Blogpay. Alles verachtenswürdig. Dabei stimmt das lediglich für Blogpay, wo es keine Kennzeichnungspflichten gibt. Die anderen beiden Blogvermarkter schreiben vor, dass bezahlte Blogbeiträge vor dem eigentlichen Text eine definierte Kennzeichnung tragen müssen. LeserInnen können dadurch bereits vor dem Konsumieren des Textes erkennen, dass dieser gegen Geld geschrieben wurde. Aus meiner Sicht eine völlig transparente und nicht zu beanstandende Verfahrensweise, die dem Leser die Wahl lässt und den Blogger nicht weiter einschränkt hinsichtlich seiner Themenwahl im Übrigen.

Basic hat es da prinzipiell schwerer, denn seine Werbeverträge sind konzeptionell dauerhafterer Natur. Er muss also im eigenen Interesse darauf achten, dass er für seine Werbekunden akzeptabel bleibt. Was würden meine Werbekunden wohl an Aussage tolerieren können, lautet seine Prämisse, wenn er kommerziell erfolgreich bleiben will.

Wann hat man bei Basic zuletzt etwas wirklich Kritisches gelesen, dass sich nicht mit irgendwelchen abseitigen Web2.0-Themen befasst hat? Also etwas, dass wirklich einen Diskurs vom Zaun gebrochen hätte. Etwas Mutiges, Polarisierendes mit großem Diskussionsbedarf und vielen kontroversen Meinungen. Kann ich mich zumindest nicht mehr dran erinnern, falls es sowas jemals gegeben haben sollte, was ich sogar für unwahrscheinlich halte. Zumindest seit dem Beginn der Direktvermarktung. Unwahrscheinlich, aber möglich immerhin, dass sich Basic ausschließlich für Technikthemen interessiert und Politik, Wirtschaft etc. keine Rolle in seinem Alltag spielen.

Robert Basic schreibt nicht, wie der Trigami-Blogger, einzelne Beiträge für Geld, er schreibt alle seiner Beiträge gegen Geld. Er lässt sich nicht bezahlen, er hat sich kaufen lassen. Kürzlich gab er das auf seinem Blog sogar zu – er mag es allerdings selber nicht so interpretiert haben-, indem er zum Thema „Geld verdienen mit Blogs“ schrieb:

Sollte das, womit man sich auf dem Blog engagiert, fundiert und regelmäßig auseinandersetzt, kompatibel zur Kommerzwelt sein, befindet man sich auf einmal in der Antwortwelt “ja, ich kann von Blogs leben”.

So. Also kompatibel zur Kommerzwelt muss es sein. Dazu darf ich kurz die Wikipedia zitieren:

Unter Kompatibilität wird in der Technik entweder die Austauschbarkeit von Baugruppen, die Vereinbarkeit oder die Gleichwertigkeit von Eigenschaften verstanden.

Ich gehe davon aus, dass Robert seine Kompatibilität lediglich als Vereinbarkeit verstanden wissen will. Aber das ist meines Erachtens schon schlimm genug, denn es bedeutet konkret, dass ich mir als Blogger bei jedem meiner Beiträge darüber Gedanken machen muss, inwieweit ich damit noch „kompatibel“ zu meinen Werbepartnern bin.

Schaltet Microsoft bei mir gerade Banner zum Webeditoren „Expression Web“, werde ich tunlichst nicht schreiben, dass Expression Web ein schlechter Editor ist, obschon dies begründbar nicht falsch wäre. Mir selbst gegenüber kann ich mich natürlich jederzeit damit herausreden, dass ich ohnehin nicht vor hatte, was zu Expression Web zu schreiben.

Auf diese Weise kommt mir meine eigene Vermeidungshaltung gar nicht so schlimm vor und ich kann frei von der Leber weg anderen das Gleiche empfehlen. Tatsache ist aber, und dies sagte kürzlich auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, dass die Möglichkeit eventuell überwacht zu werden, bereits das Verhalten, wenn auch unterbewusst, beeinflusst. Passt nicht direkt? Nee. Aber dann doch wieder, denn die Möglichkeit, eventuell mit den Werbepartnern über Kreuz zu gehen, wird ein ähnliches Vermeidungsverhalten hervorrufen können.

Allerdings macht der Durchschnittsbürger dies unbewusst, der Basic wissentlich und willentlich. Für den Leser eine schlechte Situation, denn es gibt keine Kennzeichnung. Bei Trigami steht oben „Trigami-Review“ drüber, bei Basic nichts. Dabei wäre „Werbepartner-kompatibler Beitrag folgend“ noch das Mindeste, was man erwarten könnte.

12 Gedanken zu „Basic: Bloggen für Geld

  1. Kleiner Agrumentationsfehler: kompatibel zur Kommerzwelt ungleich kompatibel zu Werbepartnern.

    Für Robert Basic sind die 3500 Euro nur ein Taschengeld, der Verdienst wird woanders gemacht. Ich glaube nicht, dass er es da nötig hat, auf Verträglichkeiten im Weblog zu achten. Wenn dem Werbepartner bewusst ist, worauf er sich einlässt, und mit Kritik offen umgehen kann (lustiges Gegenbeispiel, übrigens Trigami-Umfeld), wird er drüber stehen.

  2. Den Argumentationsfehler sehe ich nicht. Er hat allgemein von Kommerzwelt gesprochen, kann aber bezogen auf den einzelnen nur seine Werbepartner, sowie die jeweiligen Werbepartner der sonstigen Blogger gemeint haben.

    Dein „Gegenbeispiel“ kann ich gar nicht nachvollziehen. Hatte er doch nix mit zu tun. Was soll das beweisen?

    Ob Basic da wirklich nur ein Taschengeld generiert? Ich würde das durchaus bezweifeln. Man muss sehen, dass er eine extreme Postingfrequenz an den Tag legt. Ich hätte da kaum noch Zeit für eine andere Tätigkeit…

  3. hast Du nun eine Frage direkt an mich oder war das da oben lediglich eine Feststellung, die ich zwar nicht verstanden habe, weil Du so kompliziert denkst?

  4. Der Robert hält sich eine Bande mutierter Zwerge, die für ihn bloggt. Hier der Beweis (zumindest der erste Teil davon, den zweiten hat er selber vor vier Tagen in seinem Weblog erbracht).

    Das Gegenbeispiel ist ein Fall, in dem jemand mit seinem (möglichen) Werbepartner nicht „kompatibel“ ist (also böse Kritik übt! schlimm!) und dieser Werbepartner recht denkresistent ist.

  5. @Robert: Nein, ich habe keine Frage an Dich. Die Frage ist eher, ob Du nicht eine Frage an Dich haben solltest. Du vertrittst eine vermeintlich glaubwürdige Kommerzialisierungsschiene. Leider nur eine vermeintlich glaubwürdige.

  6. eine was? Kommerzialisierungsschiene? 😆 Ich bin wohl viel eher ein Businessblog als ein Schneckenzuchtliebhaberblog, seit Beginn an. Was gibt es da also über Kommerzialisierung nachzudenken, wenns seit jeher ein Kommerzblog ist? Aber andere meinen, das sei alles viel zu sehr Katzenblog, es wäre viel zu wenig Kommerzblog. Oder es wäre zu viel, manchen zu wenig. Manchen zu politisch, manchen zu unpolitisch. Manchen zu dirty, manchen zu clean. Und so weiter. Also überlasse ich den anderen das schubladisieren und hindeuten, ich fühle mich so wohl, wie ich mein Blog nutze. Was Deinen eigentlichen Topic angeht, was wohl Glaubwürdigkeit ist, was soll ich dazu schon groß sagen? Ansatzweise verstehe ich schon, was Du wohl sagen möchtest. Das alles basiert im Kern auf Vertrauen, dass sich derjenige entweder verbiegt oder nicht biegt, um in Deinem Szenario mehr Euros rauszuholen. Da ich aber so schreibe, wie es mir gefällt, und du eh nicht in mich noch in irgendeinen anderen hineinschauen kannst, bleibt es an Dir, wie wenig oder wie viel mir/jemanden an Glaubwürdigkeit zuzusprechen ist. Sprich: Ich kann Dir nicht vorsagen, ob Du das, was ich mache, glaubwürdig ist. Glauben ist halt so ein wischiwaschi Ding. Und ich werde mich bestimmt nicht hinstellen und mit Aussagen „vertraue mir“ rumschleimen. Das wäre ja völliger Unsinn. Wenn Du denkst und glaubst, das ist so und so, ist es halt so. Würde ich Dir umgekehrt sagen wir mal mein Leben anvertrauen? No way, ich kenne Dich nicht und mein üblicher Vertrauensvorschuss ist demnach irrelevant. Würde ich Dir vertrauen, wenn Du was auf Deinem Blog schreibst, was mich existentiell nicht tangiert? Klar, es schadet mir nicht. Also zählt der Vertrauensvorschuss in dem Fall schon was. Mein Vertrauensverhalten gegenüber anderen ist demnach situationsbedingt eine Art von Kaskade. Anders gesagt, mein Nullpunkt verschiebt sich je nach Person, Anlass, Gegenstand usw. Hm.. konntest mir folgen bei dem Gedankenspiel? Versuche mich gerade reinzudenken, wie im virtuellen Bereich Vertrauen überhaupt aufgebaut wird und wie wichtig das ist. Sorry fürs laute Denken. :mrgreen:

  7. Ich denke, daß das ganze Thema recht einfach aufzulösen ist: Wenn der Mensch, der hinter dem Blog steht, kommerzweltkompatibel ist, dann hat er gar nicht die Pflicht, über das Thema zu reflektieren.
    Sind wir damit eigentlich wieder beim thema „Wer sind die Guten?“ bzw. „Gegört jemand schon zu den Bösen, weil er kommerzweltkompatibel ist?“
    Und auch hier gibts wieder nicht nur Hellgrau und Dunkelgrau sondern jede Menge Zwischentöne – wir alle sind zumindest beschränkt kommerzweltkompatibel, denn wir alle fallen auf Werbeversprechen herein.

    Für mich bleibt da nur die Lösung „Jeck loss Jeck elans“ oder wie auch immer die korrekte Schreibweise lauten mag.

    Die politisch korekte Lösung wird in 10 Jahren in der soziologischen Standardliteratur sich finden lassen (So oder so ähnlich hätte zumindest Adorno das Refelxivum nachgestellt) – etwa unter dem Titel „Kleinbloggershausen als selbstreferentielles System“.

  8. @Torsten: Die Zwergetheorie finde ich interessant, passt aber eher zu Holtzbrinck mit Frank Penning und seinen „ProBloggern“ der Seometrie GmbH.

    @MaxR: Ich habe nichts gegen Kommerzweltkompatibilität und ich stehe ebenfalls auf dem Standpunkt, dass jeder für sich entscheiden sollte, wie er sich positioniert. Ob nun im Blog oder im wirklichen Leben.

    @Robert: Ich habe mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich Deinen Beiträgen Vertrauen entgegenbringen soll. Im Gegenteil hatte ich bisher keinen Zweifel daran, dass man das, was Du schreibst, soweit es Fakten zu sein scheinen, ruhig glauben kann. Und Meinungen kennzeichnest Du ja recht eindeutig als solche. Ich habe also kein Problem mit Deinem Blog.

    Sicher, Du denkst halt oft laut nach, während Du schon schreibst. Das führt dann zu schwer verständlichen Satzkonstruktionen und manchmal verschiebt sich die Aussage auch vom Beginn bis zum Ende eines Textes. Ich finde es daher bisweilen anstrengend, Dir zu folgen. Aber das ist wurscht, denn ich müsste es ja nicht versuchen.

    Was ich mit dem obigen Text verdeutlichen wollte, ist, dass ein böser, böser Kommerzblog sich nicht ausschließlich darüber definiert, was darin geschrieben steht, sondern möglicherweise auch darüber, und das ist viel schwerer zu entdecken, was darin NICHT geschrieben steht.

    Vertrauen hat damit schon zu tun, scheint aber in Bloggersdorf eh nicht vorhanden zu sein. So ärgert es mich natürlich persönlich, wenn mich A-Blogger – quasi wider besseren Wissens – als Koofmich oder Trigamihure bezeichnen. Ich habe mir in meinen bezahlten Beiträgen bisher keine moralischen Vorwürfe zu machen. Jeder Beitrag wäre ohne Bezahlung genauso ausgefallen. Aber, weil oben die Kennzeichnung drübersteht, muss es Teufelswerk oder mindestens Prostitution sein.

    Natürlich weiß ich im Grunde nicht, ob Du bei Deiner Themenwahl die Werbepartner im Hinterkopf hast und entsprechend vorsichtig auswählst. Meine Behauptung, es wäre so, entspringt lediglich der theoretischen Möglichkeit, es könnte so sein. Letztlich kannst nur Du diese Frage beantworten und musst das auch nur für Dich selber tun. Meine Behauptung sollte lediglich durch gezielte Provokation unter Verwendung des prominentesten verfügbaren Beispiels die Diskussion ums Bloggen für Geld erweitern.

  9. Eine sinnlose Diskussion. Es soll halt jeder machen, wie er eben denkt. Und ob ich ich meine Semmeln beim Bäcker nun bezahle, oder sie kaufe: wo ist der Unterschied?! Hauptsache, sie munden.

  10. @KS: Richtig. Allerdings gibt es „Professionalisierungskonzepte“, deren Gefahr für die Blogosphäre als Medium gerade darin liegt, dass auf Kennzeichnung verzichtet wird. (Da gehört Basicthinking natürlich nicht dazu.)

  11. Die Blogosphäre ist halt genauso schwach und anfällig wie die Damen und Herren anderer Medien. Hier die Blogger an der Ehre packen zu wollen ist Nonsens, da selbst der edelste Charakter garantiert seinen Preis hat. Das damit ein ungeheurer Vertrauensverlust daher kommt, sofern eventuelle Schleichwerbung aufgedeckt wird, ist dann der Preis, den aller Blogger gleichsam bezahlen. Die Welt wird sich dennoch weiter drehen. Tat sie bis dato doch bei allen anderen Missetaten auch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.