Real Life 04/2008

Ich stehe in meiner Stammfrittenbude. Seit über zwanzig Jahren gehe ich mindestens einmal wöchentlich dorthin. Von der griechischen Betreiberfamilie werde ich mittlerweile schon zu Familienfesten eingeladen. Man hat schon das ein oder andere füreinander getan. Dinge indes, die für die folgende Geschichte völlig irrelevant sind.

An den vier Tischen der Bude sitzen Gäste, vornehmlich Deutsche und pfeifen sich die Kulinaria rein, die es in griechischen Frittenbuden eben gibt. Zwei südländische Typen betreten den Gastraum. Man ahnt, es könnte sich um Türken handeln, ist aber vorsichtig mit solchen Vermutungen.

Die beiden sehen sich um, der Ältere der Beiden verzieht das Gesicht und äußert „Ooomph“ oder einen ähnlichen Laut. Die Betreiberin fragt den jungen Mann, zirka 19 oder 20 Jahre alt, was denn los sei. Sie fragt das ehrlich interessiert und ohne Häme. Der Adoleszente antwortet: „Zehn Türken sind mir lieber als zwei Deutsche.“ Er sagt es laut. So, dass alle Gäste es hören können. Die Wirtin sagt: „Wie bitte?“ Der junge Türke ergänzt lautstark: „Ich hasse Deutsche!“

Die griechische Wirtin fragt den Türken, ob er wisse, was er da sage und ob er wisse, in welchem Land er sich gerade aufhalte. Dieser pöbelt vor sich hin, dass er ja wohl seine Meinung frei äußern könne. Deutsche seien eben alles Arschlöcher und sowieso der letzte Dreck und er ließe sich den Mund nicht verbieten. Innerhalb der Gästeschaft regt sich Muskulatur an den Oberarmen, aber noch steigt keiner auf den Türken ein. Ich beobachte wortlos.

Die Wirtin empfiehlt dem Türken auszureisen, wenn es ihm in Deutschland so schlecht gefalle. Niemand würde ihn schließlich zwingen zu bleiben. Er ist uneinsichtig und pöbelt weiter. Durch eine telefonische Bestellung, die die Wirtin entgegen nehmen muss, entspannt sich die Situation etwas. Der Gesprächsfluss ist unterbrochen. Die Wirtin legt auf.

Der Türke sagt: „Ich nehme einmal Gyros Pita.“ Die Wirtin sagt: „Nein. Du nimmst hier gar nichts.“ Der Türke fragt: „Wie bitte?“. Die Wirtin bekräftigt: „Ich bediene Dich nicht. Du kannst jetzt gehen.“

Der Türke steht kurz vor dem Ausflippen und hätte sich vermutlich auch nicht mehr einbremsen können, als sich alle männlichen Gäste (Außer mir. Ich stand sowieso.) nahezu gleichzeitig erheben und auf den Türken zugehen. Einer sagt: „Du hast gehört, was die Dame gesagt hat.“

Der Türke verlässt ohne weitere Worte den Raum.

Falls jemand jetzt politische, moralische oder sonstige Einschätzungen erwartet: Eine Wertung überlasse ich dem Leser, sowie der Leserin… Ich habe bloß die Fakten berichtet.

11 Gedanken zu „Real Life 04/2008

  1. Meine Hochachtung. Vor allem vor der Wirtin.

    Leider wird das die Meinung des Türken noch weiter bestätigen. Aber dem ist wohl sowieso nicht mehr zu helfen.

  2. Arschlöcher lassen sich eben nicht an ihrer Nationalität festmachen. Da ich weder die Menschen weder nach Hautfarbe, Religion oder Pass beurteile, sondern nur nach ihren Handlungen, kannn ich eben frei von der Leber sagen: dies war ein Arschloch. Und Fritten sind auch welche. Aber nur kulinarische.

  3. Im zweiten Satz das erste „weder“ bitte streichen, da ansonsten Dritte falsche Schlussfolgerungen ziehen könnten, was natürlich nicht beabsichtigt, sondern nur meiner grammatikalischen Schludrigkeit zu schulden ist.

  4. Warum passiert sowas in meinem Betrieb nicht? Ich hab es immer nur mit deutschen Idioten zu tun 😆 , aber trotzdem Hut ab vor der Wirtin, wo ich auch des öfteren nen Pita reingepfiffen habe.

  5. Komisch. Wenn ein Türke sich hinstellt und sagt „Ich hasse Deutsche“, dann ist er ein Idiot oder ein Arschloch. Wenn ein Deutscher sich hinstellte und sagte „Ich hasse Türken“, dann wäre er ein Nazi.

  6. Oh Mann, sind wir wirklich schon so weit, dass wir uns überlegen müssen, ob wir uns solche Dinge gefallen lassen müssen, nur um keinen falschen Eindruck über unser Gedankengut aufkommen zu lassen? Dass wir in einer solchen Situation nicht wertfrei fragen können, ob der türkische Bürger sie noch alle hat, ohne direkt als rechter Deutscher bezeichnet zu werden?

    Hut ab vor der Wirtin. Allerdings kann sie froh sein, wenn sie dafür nicht noch nachträglich eins drüber bekommt. Denn der junge Mann könnte sich nicht nur wie eine Elefant im Porzellanladen benommen haben, sondern auch über ein Elefantengedächtnis verfügen – und das vergisst bekanntlich nicht so schnell.

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