Journalistisches Arbeiten als Qualitätsgarant?

Journaille und Objektivität?Heute habe ich doch endlich wieder einmal herzhaft lachen können. Und zwar über den Beitrag des Wolfram Leytz mit dem Titel „Vom Blogger zum Journalisten in zwei Sekunden“, den er auf dem Tagesschau-Blog veröffentlichte.

Oberflächlich betrachtet befasst sich Leytz mit der Diskussion “Blogs vs. Journalismus”, die gestern auf der re:publica mit Niggemeier, Knüwer, Bunz und Häusler auf dem Podium ablief. Zu Recht bemängelt er die fehlende Kontroverse, die der Titel eigentlich vermuten lassen würde. Soweit alles in Ordnung.

Dann jedoch versteigt er sich in Definitionsversuche, was Blogger von Journalisten unterscheidet und vor allem, was journalistisches Arbeiten eigentlich ausmacht. Er schreibt:

„Es gibt allerdings Kriterien für die Berichterstattung, die im Journalismus gelten und Berichterstattung erst journalistisch machen. Zum Beispiel das Ziel, objektiv und ausgewogen zu berichten. Eine Meinung darf der Journalist schon haben. Aber sie sollte seine Berichterstattung so wenig wie möglich beeinflussen. Gekennzeichnete Meinungsbeiträge wie Kommentare natürlich ausgenommen. Das macht Sinn, weil so entstandene Berichte und Nachrichten einen hohen Gebrauchswert haben (ja, Marktwert geht natürlich auch). Sie müssen und können nicht hundertprozentig objektiv sein. Aber man kann sich auf sie verlassen.“

Gut. Zumindest nennt er „objektiv und ausgewogen zu berichten“ nur ein „Ziel“. Das ist wenigstens dann eine nicht ganz so drastische Lüge. Es ist halt schon das Ziel, wird aber leider eben stets, oder zumindest fast stets verfehlt. Auch schön „man kann sich auf sie verlassen“. Ein echter Brüller. Ebenso wie die kühne Formulierung, dass die Meinung des Journalisten seinen Beitrag nicht maßgeblich beeinflussen sollte. Immerhin schreibt er auch hier: sollte.

Spontan fallen mir da aktuelle und weniger aktuelle Geschichten aus Deutschlands führenden Nachrichtenmagazinen Focus und Spiegel ein. Geschichten, deren meinungsbildendes Potenzial gezielt von den „Journalisten“ gesetzt wird. Tendenziöse Berichterstattung vom Feinsten.

Egal, ob es um die aufrechte Dagmar Metzger geht, deren Tätigkeiten im Stromkonzernaufsichtsrat verschwiegen werden, oder um den Betriebsrat des Unternehmens, der sich gegen die Gewerkschaft stellt, einen Haustarifvertrag durchwinkt und dafür vom Journalisten gelobt wird (Der Betriebsrat schreibt daraufhin an das Magazin und stellt klar, dass er sich nicht gegen die Gewerkschaft stellen wollte, sondern dazu gzwungen war.) Oder, oder, oder.

Im Grunde kann man sich heutzutage gerade nicht mehr auf die Objektivität der Journaille verlassen. Vielmehr haben sich die deutschen Medienhäuser darauf verlegt, Politik zu machen. Fakten sind daher nur noch in unwichtigen Fällen echte Fakten. Sobald eine Meldung irgendeine politische Relevanz entfalten könnte, wird die Berichterstattung je nach ideologischer Präferenz der Redaktion oder wirtschaftlichem Interesse des Verlags – sagen wir – angepasst.

Das soll ein Vorteil sein? Nee. Da lobe ich mir die Blogs, denn die machen wenigstens keinen Hehl aus ihren Tendenzen. Schlimm sind nur diejenigen, die Meinung als Fakt verkaufen, ohne das entsprechend zu kennzeichnen. Und das sind stets die Professionellen, die Journalisten…

[Fotoquelle: aboutpixel.de (c) N-Loader]

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