Niedergang eines VW-Autohauses

Am Ort gibt es ein VW-Autohaus, dass seit Jahrzehnten in den Händen einer Familie war, die für ihren ausschweifenden Lebensstil und ihre Verschwendungsfreude bekannt war. Vor einigen Jahren musste dann nüchtern festgestellt werden, dass die aufgelaufenen Verbindlichkeiten nur noch über eine Insolvenz des Unternehmens beseitigt werden konnten.

Natürlich hatte VW kein Interesse daran, dass das einzige VW-Haus am Ort (immerhin 100.000 Einwohner) verschwindet und so wurde nach Alternativen gesucht. Eine Zeit lang sah es aus, als würde der hiesige Opelhändler zusätzlich zum VW- und Audi-Experten mutieren. Das zerschlug sich dann allerdings aus nicht näher kommunizierten Gründen. Am Ende übernahm ein VW-Händler aus einer Nachbarstadt den Laden, vermutlich auf mehr oder weniger freundliches Drängen aus Wolfsburg hin.

Denn ernsthaft interessiert kann der Übernehmer nicht gewesen sein. Er investierte nicht, sondern speckte ab. Er stellte keine nennenswerte Anzahl Neuwagen mehr in die Ausstellung, die Gebrauchtwagen zog er sogar komplett ab. Und er zwang den Laden zu unüblichen Verhaltensweisen.

Beispiel 1: Der langjährige Kunde A bringt sein Fahrzeug mit einem nicht näher definierten Defekt in die Werkstatt. Er soll sein Auto am Abend wieder abholen können. Das klappt auch, allerdings wird er, anders als in den Jahren zuvor direkt mit der Rechnung konfrontiert. 879 Euro soll er zahlen und – und das ist noch unüblicher – sofort. Jetzt und hier in bar oder per EC-Cash. Der Kunde sagt, er habe nicht damit gerechnet und jetzt deshalb weder Geld noch Karte dabei. Daraufhin wird ihm beschieden, dann müsse er wohl nochmal schnell nach Hause, denn das Auto gäbe es nur gegen Bezahlung zurück. Kunde A ist danach nie wieder zu diesem Autohaus gegangen. Er hat in seinem Bekanntenkreis über das Erlebnis berichtet und auch von Anderen ähnliche Stories gehört.

Beispiel 2: VW-Besitzer B interessiert sich nach vier Jahren für den Austausch seines Fahrzeugs gegen ein neues Gefährt. Ein Touran soll es sein. So rein optisch und hinsichtlich der Daten gefällt ihm der Wagen. Auch der (zu hohe) Preis schreckt ihn nicht ab. Allerdings möchte er den Touran vor einer Entscheidung zur Probe haben. Er möchte sich von dessen Fahreigenschaften überzeugen und auch das Raumkonzept näher kennenlernen. Er fährt also zum Autohaus und spricht den dortigen Verkäufer an. Dieser ist auch schnell mit Preisen, Konfigurationen etc. bei der Hand. B kommt auf die Probefahrt zu sprechen, der Verkäufer wird still. B fragt, ob es damit ein Problem gibt. Der Verkäufer dementiert, sagt aber, er müsse die Modalitäten erst klären und werde den B am nächsten Tag anrufen. Es vergehen mehrere Tage. B verliert die Geduld und ruft seinerseits den Verkäufer an. Er fragt, warum er nicht angerufen worden war, wie es vereinbart wurde. Der Verkäufer antwortet frech, dass er auch noch was anderes zu tun hätte, als sich um Bs Probefahrt zu kümmern. Am folgenden Tag ruft der Verkäufer dann tatsächlich an und verkündet, dass eine Probefahrt erst in zwei Wochen gemacht werden kann. Überdies müsse der B den Wagen mieten und den Mietbetrag auch bezahlen. Wenn er den Wagen dann kaufe, würde ihm der Mietbetrag verrechnet. Außerdem dürfe er den Wagen nicht über Nacht behalten, weshalb es sich empfehle, bereits morgens um Acht das Fahrzeug übernehmen. B beendet das Gespräch abrupt, ruft den Wettbewerber im Nachbarort an, vereinbart für den folgenden Tag die Probefahrt und kauft das Auto zwei Tage später.

Und jetzt erfahre ich vom bisherigen Werkstattleiter, der sich kürzlich beruflich umorientiert hat, dass das Autohaus kurz vor dem endgültigen Aus steht. Angeblich folgt einer Krisensitzung die nächste. Dafür dürfte es zu spät sein. Wer seine Werkstatt-, wie Autokunden auf diese Weise düpiert und das konsequent über rund zwei Jahre, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann die Quittung bekommt.

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