Privatpatienten werden bevorzugt? Och.

Wer hat das denn wieder gefördert? Endlich hat das deutsche Versichertenvolk den Beleg in Form einer wissenschaftlichen Studie. Den Beleg wofür? Natürlich dafür, dass Fachärzte Privatpatienten bevorzugen. Nach den Forschungergebnissen des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie betrifft die Bevorzugung allerdings nur die Terminvergabe, sprich der Kassenpatient wartet teils wesentlich länger auf einen Termin als der Privatversicherte.

Jungs, das haben wir doch schon längst gewusst. Ich kann als lebendiges Beispiel darüber Zeugnis ablegen. Ich bin nämlich seit zwanzig Jahren Privatpatient und warte nie länger als zwei Tage auf einen Termin. Wenn es ganz eilig ist, fahre ich schlicht ins nächste Krankenhaus mit Fachabteilung und lasse mich dort vom Chefarzt behandeln. Da warte ich in der Regel gar nicht. Überdies ist das ein Weg, der Kassenpatienten versperrt bleibt, weil die Chefärzte in aller Regel keine Kassenzulassung besitzen.

Anders als die Studie behauptet, werden Privatpatienten aber nicht nur bei der Terminvergabe bevorzugt. Auch die Diagnostik ist eine andere. Bei Privatpatienten kommt das volle Potenzial aktueller medizinischer Möglichkeiten an den Start. Sparen aufgrund von Budgetierung? Begründungszwänge? Spielt keine Rolle am Privatversicherten. Gibt´s da nicht was von Ratiopharm? Interessiert den Privatpatienten nur dann, wenn das beste verfügbare Mittel für den definierten Behandlungserfolg zufällig von Ratiopharm sein sollte (was eher unwahrscheinlich ist). Kein Apotheker wird es wagen, jemandem mit einem Privatrezept ungefragt ein billigeres Medikament auszuhändigen. Warum sollte er auch?

Natürlich könnte ich jetzt politisch korrekt sagen, dass ich diese Praxis verurteile. Wäre aber gelogen. Natürlich erwarte ich eine Privilegierung, schließlich zahle ich auch innerhalb üblicher Zahlungsfristen das Doppelte bis Vierfache dessen, was dem Arzt für einen Kassenpatienten nach langwieriger Abrechnung am Quartalsende überwiesen würde. Und ich zahle nicht etwa eine Pauschale, sondern für jeden Handschlag des Halbgottes in Weiß nach spitzer Abrechnung.

Eine Privilegierung des Kassenpatienten würde ich dann befürworten und für erforderlich erachten, wenn der medizinische Befund, respektive die diagnostische Prognose entsprechend ist. Im Klartext: Natürlich muss der Kassenpatient, der mit einem Herzanfall vor der Theke des Arztes zusammenbricht, mir vorgezogen werden, wenn ich lediglich meinen turnusmäßigen EKG absolvieren soll.

So. Jetzt könnt Ihr mich beschimpfen.

47 Gedanken zu „Privatpatienten werden bevorzugt? Och.

  1. @Chris: Ungewohnt? Äußerte ich mich schon einmal zum Thema?

    :mrgreen:

    @Matthias: In Deinem Alter ging es mir nicht anders. (Da war ich allerdings noch kein Privatpatient, was mir insofern dann aber egal sein konnte.)

  2. Ich bin seit einigen Jahren chronisch krank und ich bin – Gott sei Dank – Privatpatient und geniesse ebenfalls die von Dir, Dieter, beschriebenen Vorteile. Anruf bei einem Facharzt: „Ich bräuchte einen Termin“ | „Übernächste Woche Dienstag“ | „Ich bin allerdings Privatpatient“ | „Ah da hätte ich morgen früh 09:15 Uhr noch einen Termin frei“

    Würde sich hier jemand echauffieren, dann müsste er sich fragen lassen, ob er/sie/es nicht an anderer Stelle ganz selbstverständlich Privilegien annimmt und die Annehmlichkeiten geniesst.

    Darüber hinaus müsste man sich fragen lassen, ob die Crossfinanzierung des Gesundheitswesens im Bereich Arzthonorare nicht explizit durch den Privatversicherten gestützt wird. Mein behandelnder Facharzt beispielsweise, wird in diesem Jahr seine Praxis ausschliesslich auf Privatpatienten umstellen, sicher einige Mitarbeiterinnen entlassen und ruhiger leben bei einem Einkommen, das vergleichsweise sogar höher liegt.

    Dass weder die amtierende noch die Vorgängerregierung nicht in der Lage ist, das morode System der Sozialversicherung in Germoney auf eine komplett neue Grundlage zu stellen, siehe beispielsweise Dänemark (100% Krankenversicherungsschutz bei niedrigeren Beiträgen durch heraufsetzen der Jahresarbeitsverdienstgrenze auf 250.000 Euro statt in Germoney 47.700 Euro) ist eine der tragischsten Versäumnisse die es für mich gibt.

    Und … ich habe 25 Jahre bei einem Träger der gesetzlichen Krankenversicherung gearbeitet – ich weiss wovon ich rede …

  3. Hallo Dieter.
    Auf Grund welcher Ereignisse , Zusammenhänge oder Gedankengänge bringst Du dieses Thema überhaupt zur Sprache ?
    Ich erbitte eine klare Aussage.

  4. @Lord: Ich verstehe auch nicht, warum die Regierung nicht den schrittweisen Übergang in stärker privat finanzierte Systeme zulässt. Denn, dass die im Gesundheitswesen funktionieren, haben sie ja über die Jahrzehnte bewiesen. Da fehlt wohl der Mut und sicherlich gibt es tausend Argumente dagegen, die aber nur die Feigheit kaschieren sollen.

    @Mo: Wegen der entsprechenden Meldung über die entsprechende Studie, die gestern durch die Gazetten ging und die ich beispielhaft zur NGZ oben verlinkt habe…

  5. Höhö..“durch die Gazetten ging“.
    Ok,ich verstehe das.
    Aber versteht das auch jeder andere geneigte Leser?

  6. Na ja Dieter,könntest Du Dich einer allgemein gängigen Ausdrucksform befleißigen , damit auch jeder Dich verstehen kann ? Oder vermute ich hier nur alleine,dass nicht jeder weiß was eine Gazette ist?

  7. Einerseits ist es natürlich schwierig ein über Jahrzehnte gewachsenes System in ein neues System zu überführen. Andererseits sind die Strukturen so verwoben und mit Menschen und Organisation bestückt, bei denen jeder bangt, dabei zu kurz zu kommen, dass eine Regierung, die mehr oder minder Sprachrohr der Industrie und/oder der Lobby ist, nicht wirklich ein Interesse daran haben wird, das zu ändern. Wenn ich daran denke, dass im nächsten Jahr, trotz jeder erdenklichen Warnung, ein Einheitsbeitrag kommen wird, dann kann ich mir schon heute an den 5 Fingern abzählen, was das für den (Kassen-)Patienten bedeuten wird 🙄

  8. @Lord Daywalker,
    könntest Du Dich mal etwas klarer ausdrücken? Wo liegen Deine Bedenken,Ängste,Zweifel?
    Trotz Deines Kommentares tappe ich im Dunklen.Worum geht es diesem Mann? ,frage ich mich.

  9. @Mo: Hast Du ein paar Grundlagen zum Thema? Der Einheitsbeitrag soll künftig einseitig von der Regierung pro Kopf des Versicherten festgelegt werden. Kommt eine Krankenkasse mit diesem Einheitsbeitrag nicht aus, hat sie die Möglichkeit beim Versicherten Zusatzprämien zu veranlagen. Diese „Möglichkeit“ gilt als vorprogrammiert und wird je nach Kasse und deren Mitgliederstruktur unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

    Wo da die Bedenken liegen, ist doch offensichtlich. Das System der GKV wird in wenigen Jahren vor dem endgültigen Bankrott stehen.

  10. Na super,wenn das System der GKV ausgedient hat hat,oder nicht mehr zeitgemäß ist,frage ich mich natürlich,warum und wofür zahlt da irgendein Versicherter noch gesetzlich vorgeschrieben ein?Weil er gezwungen wird selbstverständlich.Welche Alternative hat denn ein arbeitender Mensch,wenn er sich die Privatversicherung nicht leisten kann?

  11. Das Interessante an den Beiträgen zur Privatversicherung ist ja, dass sie geringer sind als jenige der GKV. Nur wird der Durchschnittsverdiener zwangsweise, also per Gesetz aus dem System der PKV ausgeschlossen. (Vereinfacht ausgedrückt und alle Facetten außer Acht gelassen.)

  12. @Dieter,was schreibst Du da eigentlich?
    Jeder Mensch kann sich seine Krankenversicherung aussuchen.
    Kein Mensch muss sich gesetzlich versichern lassen,wenn er sich eine private Krankenversicherung leisten kann.
    Er muss nur den Nachweis führen,dass er überhaupt kranken versichert ist.

  13. keiner da, der meckert?
    Na dann wollen wir mal.
    Mein Hautarzt hat jetzt auch seine Praxis den Normalsterblichen verschlossen und nimmt nur noch Privat. Er wollte sogar mit mir darüber diskutieren, dass als Kassenarzt ja alles unerträglich sei und er davon nicht leben könne und so. Das hatte sich dann recht schnell erledigt, als ich ihm sagte, wir können gerne diskutieren, aber dann müssen vergleichbare Zahlen her. Er soll mir sagen, was er verdient und ich sage ihm, ob man damit leben kann.

    So.
    Dafür können natürlich die Privatversicherten nichts.
    Dass Du das 2,3 – 4fache zahlst mag ja erst mal stimmen. Aber das kriegst Du doch wieder, oder?
    Und das bei niedrigeren Beiträgen als in der Gesetzlichen, oder?
    Das muss man auch sehen. Es sind also wieder die, die weniger Geld haben, die Gearschten. Zum einen zahlen sie am Ende mehr, haben also noch weniger Geld, zum anderen kriegen sie dafür schlechtere Leistungen.
    Ich war selbst mal ein paar Jahre privat, kenne also beide Seiten.
    Das System kann nicht gesund sein. Ich sehe da auch deutsche Politiker, die sich einen Dreck um Sachpolitik, sondern nur um ihr Geld aus den Lobbyverbänden kümmern.
    Aber was mich genauso nervt: kommt eine Privatversicherte in das Wartezimmer und beklagt sich darüber, dass sie nicht sofort dran kommt, sie sei schließlich privat versichert. Habe ich selbst erlebt. Und dann kriege ich so nen Hals!
    👿
    Also, immer schön auf dem Teppich bleiben. Denkt auch an die anderen Leute und behandelt sie so, wie ihr selbst behandelt werden möchtet. Dann könnt ihr euch auch in aller Ruhe darüber freuen, dass ihr privat versichert seid.

  14. @nomadyss: Du hast Recht, was die Schlussfolgerung betrifft, dass diejenigen, denen die PKV verschlossen bleibt die Gearschten sind. Das finde ich auch bedauerlich, liegt aber außerhalb meines Einflussbereichs. Und wenn jemand im Wartezimmer die Privatversicherte raushängen lässt, so finde ich das ebenfalls zum Kotzen. Sowas hat einfach keinen Stil. Über Geld spricht man schließlich nicht. Wahrscheinlich ne Neureiche…

  15. Ich glaube ja nicht dass es sich da um Neureiche handelt, sondern um Leute, die offen einfordern, besser behandelt zu werden, weil sie besser bezahlen. Das Verhalten finden wir in jedem anderen Bereich des täglichen Lebens – nicht nur in der Arztpraxis.

  16. @lord daywalker:
    „…weil sie besser bezahlen“
    Moment mal, die Rechnungen, die der Arzt stellt ,sind höher, aber die Versichterten zahlen eben nicht mehr. Deswegen sind sie doch privat, weil sie weniger bezahlen!
    Oder zahlt einer von Euch Privatversicherten 15 % / 7,5% Krankenkassenbeiträge auf sein Brutto?

  17. Moment mal … es besteht rein rechtlich gesehen ein Vertragsverhältnis zwischen Patient und Arzt. Der Arzt bekommt sein Geld also vom Patienten und der zahlt in der Regel das 2,3 fache dessen, was der Doc für einen Kassenpatienten bekommt. Also zahlt er mehr. Der Patient rechnet dann mit der PKV ab und bekommt sein Geld ‚irgendwann‘ zurück. Als chronisch Kranker, und damit bei der PKV nicht gerne gesehen, muss ich da dann schon mal recht lange auf einige tausend Teuronen warten 🙁

    Die Höhe des Beitrags ist also hier unerheblich. Mit der derzeitigen Öffnung der PKV – gesetzesinduziert – eine weitere Öffnung soll ja durchgedrückt werden – werden die Preise in der PKV signifikant steigen, weil die Risiken ganz anders gelagert sein werden. Ich persönlich bezweifle, dass der niedrige Beitrag von einst, der niedrigere Beitrag von heute auch noch morgen dieses Attribut verdienen wird.

  18. Ich muss dem Lord zustimmen. Ich sehe auch nicht, wieso wir uns als Privatversicherte da Vorwürfen aussetzen lassen sollten. Die Beiträge entsprechen bisher dem Risiko, das anscheinend beim Privatversicherten geringer ist und deshalb sind sie auch geringer. Wenn erst alle Grundgesicherten mit ihren Junkfoodfiguren und den durchgeteerten Lungen und zyrrhotischen Lebern Zugang zur PKV haben, wird das schnell anders aussehen…

  19. Dass Ihr die Rechnungen erst mal zahlt ist schon klar. Aber Ihr kriegt sie wieder. Und damit zahlt am Ende die Krankenkasse. Dazu ist sie ja da.
    Unterm Strich zahlt Ihr nur die Beiträge (im Fall vom Lord vielleicht noch Dispozinsen bei der Bank, wenn die Kasse trödelt, aber das ist doch eine andere Geschichte).
    Ich sehe keinen Grund, warum die Höhe des Beitrages unerheblich sein sollte, wenn gleichzeitig behauptet wird, Private zahlen mehr. Wo ich doch die ganze Zeit versuche, darzulegen, dass – effektiv gesehen – die Gesetzlichen mehr zahlen.
    Und was mal wird ist auch eine andere Geschichte.
    @Dieter: Ich mach doch keinem nen Vorwurf, nur weil er privat ist. Würde ich doch auch sein, wenn ich die Möglichkeit hätte.

  20. ach, nochmal @Dieter:
    die gesetzlichen Kassen haben Wasserköpfe ohne Ende, das kostet auch, nicht nur die teuren Kranken. Vielleicht ist es ja sogar eine Abwärtsspirale, die Gesetzlichen kosten mehr, weil sie nicht vernünftig behandelt werden? Während die Behandlung der Privaten schneller zum Erfolg führt?
    Ist aber nur so ne Idee von mir, keine Ahnung, ob da was dran ist.
    Natürlich ist ein gewisser Teil der Bevölkerung aber auch teurer in der Behandlung. Und das wirkt sich natürlich auf die Beiträge aus. Aber gerecht für mich ist das auch nicht…

  21. @nomadyss: Die Frage der (sozialen) Gerechtigkeit ist eine sehr berechtigte. Darüber kann man trefflich streiten.

    Und um einen Konsens zu erzielen, sagen wir einfach: Der Arzt bekommt mehr, wenn er einen Privatpatienten behandelt. Deshalb tut er das auch sehr sehr gern. Einverstanden?

    Übrigens: Es gibt keine 100%-Versicherung. Jeder Privatpatient hat auch immer einen Eigenanteil, den er nur über die Steuer geltend machen kann. In meinem Fall sind das 10% aller Arzneimittelkosten.

  22. Moment, nicht jeder Mensch kann sich aussuchen, in welcher GKV er versichert sein will. Hab ich auch geglaubt, bis ich wechseln wollte. Nur bin ich arbeitslos, die neue wäre 0,1% teurer, da spielt die ARGE nicht mit und sagt: zahlen wir nicht.

  23. @nomadyss
    Selbstverständlich ist es so, dass die GKV bisher jedes Risiko tragen muss, wenn der Versicherte ein Beitrittsrecht hat oder eben pflichtversichert wird. Da kann es beispielsweise einer AOK – die Gründe dafür liegen in den Gesetzesänderungen der späten 70er und Anfang der 80er als es der GKV noch gut ging – einen Rentneranteil von 33% der Gesamtversichertenanzahl hat. Dazu kommen gf. spezifisch auch beispielsweise noch regionale Strukturen – so hat Heidelberg (Beispiel weil hier am Ort) sehr viele Reha-Zentren und Spezialkliniken. Die dort längerfristig untergebrachten Menschen können ebenfalls die Krankenkasse ihres Wohnortes wählen. So kostet meinetwegen ein Bluter im Monat u.U. einen sechsstelligen Betrag. Das sind Risiken, die die Privatversicherung nur dann trägt, wenn der Mensch nach Eintritt in die PKV daran erkrankt – ie Beitäge der PKV steigen mit dem Lebensalter – ergo sind sie im Alter astronomisch hoch – nicht umsonst hat der Gesetzgeber diese Beitragshöhe mittlerweile begrenzt.

    Und eines noch zum Thema Wasserkopf – danach wird dann immer gegriffen – dabei haben die GKVen in Germoney ihren Verwaltungskostenanteil so drastisch gesenkt, dass sie a) weit unter dem liegen, was sie dafür gesetzlich begrenzt ausgeben dürfen und b) ist natürlich massiv Personal abgebaut oder im Falle der DAK beispielsweise das Personal mit Änderungskündigungen überzogen worden. Das wiederum hat zur Folge, dass Menschen, die in der GKV gearbeitet haben keinen adäquaten Job mehr bekommen und die Arbeit vor Ort mit deutlich weniger Personal erledigt wird. Also nicht anders, wie bei jedem beliebigen Unternehmen, dessen Strategie Geld sparen zu wollen immer zuerst auf die Personalzahl und damit direkt auf die Qualität drückt. Mit bekanntem Ergebnis. Und das wird angesichts des Einheitsbeitrags 2009 noch viel schlimmer werden 🙁

    @Dieter
    Es ist nicht richtig, dass der PKV-Versicherte IMMER einen Eigenanteil hat – ich beispielweise haben keinen 😉

    @sv
    Das Recht einmal im Jahr zum 30.09. die GKV zu wechseln hat JEDER – einschränkend natürlich durch die Ausgabenbegrenzung der ARGE, die mit einem übergeordneten Gesetz dazu verpflichtet ist, nicht mehr zu zahlen, als das Mindeste …

  24. Okay Daywalker, jeder hat das Recht, einmal im Jahr die GKV zu wechseln, aber nicht jedem wird das Recht gewährt. 😉

    Ach, und die Story mit der orhopädischen Praxis berichte ich immer wieder gerne: Bevor man da jemand für Termine an die Strippe bekommt, läuft ein Band, wo der Anrufer die 1 oder 2 drücken soll. 1 für Privat, 2 für Kasse. (Ich hätte statt auflegen, beides ausprobieren sollen …)

  25. Gerade Fachpraxen mit Maschineneinsatz, wie auch immer, also zB Röntgengeräten oder sonstigem, legen größten Wert auf Privatpatienten. Die zahlen denen die Geräte, von der gesetzlichen Kasse gibt´s da nur Kleingeld.

  26. jaja, die overdosed maschinenbetriebenen Fachpraxen. M.E. auch ein Grund, warum das deutsche System teurer als andere ist.
    Man mag über Sinn und Unsinn und die Entscheidungsfreiheit eines jeden Arztes, sich teure Maschinen in die Praxis zu stellen, streiten. Aber hier könnte man tatsächlich mal die regulierte DDR als Beispiel bringen.
    Ist zwar ne andere Geschichte, aber ich erzähl sie hier trotzdem mal:
    Da gab es verschiedenste Ärzte. Und es gab s.g. „Polikliniken“, so was ähnliches wie die heuer wieder modern werdenden Ärztehäuser. Da standen dann die Maschinen drin. Und da konnte man das alles machen lassen. Es musste nicht jeder so ein Gerät haben.
    Was das an Kosten sparen würde…könnte…

  27. Ganz so ist es dann ja auch wieder nicht – hier gibt es im Umkreis von 50 Kilometern eine einzige Praxis, die einen Tomographen und das ganze andere Zeug hat. Entsprechend läuft die Praxis von morgens 06:00 – 23:30 Uhr an 7 Tagen die Woche.

  28. Ich suche Arztpraxen u.a. nach ihrer Hardware aus, weil´s mir Wege & Zeit-im-Wartezimmer-totschlagen spart. (Aber Tomographen sind glaube ich eh nicht so dicht gestreut?)

  29. Ich glaube auch, dass die Übermaschinierung der Praxen Teil des Kostenproblems ist. Dass es auch andere Extreme, wie vom Lord angesprochen gibt, ist dabei klar. Dennoch könnte man mit dem Konzept der Poliklinik sicher deutliche Kosteneinsparungen und auch Verbesserungen in der Versorgung durch kurze Wege oder gar ganzheitliche Therapieformen erreichen.

  30. Man muss auch noch einen weiteren Punkt ansprechen:

    Wenn ich ein Jahr lang keine Rechnungen bei der PKV einreiche (was ich zeitweise schaffte als ich noch jung war ;)), dann erhalte ich, je nach Versicherung, zwei bis vier Monatsbeiträge zurückerstattet. Es kann sich also bei kleineren Rechnungsbeträgen schon mal lohnen, das durchzurechnen und evtl. selbst die Kosten zu tragen, wenn die Beitragsrückerstattung höher ausfällt. Warum schaffen die GKV so etwas z.B. nicht (Re: Wasserkopf)?

  31. @Marcus: Richtig. Allerdings habe ich das noch nie geschafft. Selbst in jungen Jahren nicht, permanente Sportverletzungen…

    OT: Schnupfst Du da was? (Auf Deinem Gravatarbild.)

  32. :mrgreen: Die Frage hat mir ja noch nie jemand gestellt.

    Nein, ich zünde mir nur gerade eine „normale“ Zigarette an und benutze die Zigarettenschachtel als Windschutz. 😀

  33. Hehe. Okay, sonst wäre die nächste Frage nämlich gewesen, ob ich aus dem blauen Himmel im Hintergrund schließen darf, dass Du Dich gerade in Brasilien aufhälst… Ein bisschen schillen.

  34. Die GKV muss sich an das Sozialgesetzbuch halten, das eine Beitragsausschüttung nicht vorsieht. Wenn man allerdings über Wasserköpfe spricht, sollte man sich einmal vor Augen führen, wieviel zusätzliches Personal eingestellt werden müsste, um Datenerfassung und Abrechnung der Ausschüttungen zu bewerkstelligen. Das drückt dann wieder massiv auf die Verwaltungskosten, das wiederum … and so on …

  35. Es ist halt en Milliardenmarkt, der rein nach dem Verteilungsprinzip funktioniert. Der mit den spitzesten Ellenbogen kommt am weitesten nach vorne… Fairer Wettbewerb geht anders.

  36. Interessant ist ja, dass die Privaten sich in einer Win-Win-Win-Situation befinden: die PKV gewinnt. Natürlich, ist ja Unternehmenszweck. Der Arzt gewinnt, weil er für die gleiche Leistung mehr Geld bekommt. Der Patient gewinnt, weil er mehr und bessere Leistungen bekommt.
    Die einzigen, die nicht gewinnen, sind diejenigen, die in diesem Spiel gar nicht mitspielen, die, die draußen bleiben. Jahrelang (ja, jahrzehntelang) hat das ganz gut funktioniert, aber in den letzten 2-3 Jahren ist die Schere so weit auseinandergegangen, dass der gesetzlich Versicherte nur noch am A. ist.

  37. Ich habe heute versucht einen Frauenarzttermin zu bekommen, habe bei 40 Ärzten in der Nähe angerufen, alle die heute nicht im Urlaub waren haben mir erklärt das sie nur Patienten Termine geben die schon mal da waren oder die privat versichert sind! Habe keinen Termin bekommen!!! Ich war hier noch bei keinen Frauenarzt da ich zugezogen bin, aber für Berlin, ist das eine schlechte Leistung und soll das gerecht sein! Ich kann mir keine private Versicherung leisten und jetzt bin ich Mensch zweiter Klasse. Ich kenne es auch aus dem Bekanntenkreis wo jemand ein 3/4 Jahr auf einen Termin warten mußte und es leider dann zu spät war, dagegen private sofort rankamen! Ich halte das für äußert ungerecht! Habe gelesen das die TK einen Zusatztarif anbietet zur gesetzlichen Krankenversicherung (25€ monatlich), damit bekommt man angeblich den privat Status, habe mit Unterlagen zukommen lassen, mal schauen …

  38. Das ist doch ganz normal, dass Privat Patienten eine ganz andere Behandlung bekommen. Schliesslich wird kein Arzt der Welt eine Behandlung durchführen, die er von der Krankenkasse nicht bezahlt bekommt. Ausserdem haben Ärzte nur ein bestimmtes Budget von der Krankenkasse zur Verfügung, was ein ganzes Jahr lang halten muss. Wird das ganze eher aufgebraucht, sinkt auch die Beteiligung der Krankenkasse an der Behandlung. Folglich, wer mehr arbeitet verdient irgendwann weniger für die gleiche Arbeit als zu Beginn des Jahres. Bei Privatpatienten ist dies halt nicht so. Daher verdient ein Arzt auch deutlich mehr an den Privatpatienten.

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