Bloggen hat Zeit

schrieb Don Alphonso dieser Tage in seinem Beitrag „Die zukünftige Bedeutung von Blogs“ und positionierte Blogs darin als zukunftsträchtiges Alternativmedium. In erster Linie ging es ihm aber wohl darum, Communities als „atemberaubend dumm“ abzuwatschen, wozu es eines positiven Gegenbeispiels bedurfte.

Und auch wenn ich ihm ausnahmsweise hinsichtlich der Communities vollumfänglich Recht geben muss, ist hinsichtlich der Blogs grundsätzliche Skepsis angezeigt. Ich verfolge seit Wochen besonders intensiv einige größere Blogs in meinem Reader (solche, die man der A-Kategorie zuordnen würde) und versuche Originelles, Inspirierendes, Neues, einfach Interessantes darin zu finden. Es gelingt nur sehr eingeschränkt.

Analysiert man oberflächlich, wie in diesem Blog hier üblich, das Geschreibsel der A-Blogger (wobei ich keinen Alphonsoblog einbezogen habe, dies nur der Vollständigkeit halber), findet man im Wesentlichen die Themen wieder, die man zuvor schon in SpOn oder anderen Nachrichtenmagazinen gelesen hat. Immer mehr Bloggern reicht die reine Wiedergabe der hinlänglich bekannten News. Mit Glück (für den Leser) wird ein kleiner wertender Nachsatz angehängt. Blogging um des Blogging Willen. Echte Blogbeitragsunikate findet man äußerst selten.

Offenbar erlebt der durchschnittliche (A-, aber nicht nur der) Blogger nicht genug, um seinen Blog damit füllen zu können. Oder er leidet, wie Robert Basic, an irgendeiner Obsession, die ihn dazu treibt, im Fünf-Minuten-Takt Beiträge wes immer Inhaltes abzufeuern.

Im Ergebnis lässt sich sicherlich zustimmend sagen, dass Bloggen Zeit hat, allerdings braucht es zusätzlich zur Zeit auch der Inhalte. Daran scheint es mir zunehmend zu mangeln. Insofern ist die positive Prognose des Alphonso nur mit Abstrichen berechtigt. Aktuell ist es eher so, dass Blogs von konventionellen Medien existenziell abhängig sind. Jedenfalls in der Breite der Angebote.

Meine Prognose lautet: In den nächsten zwei Jahren wird sich die deutsche Blogosphäre um mindestens die Hälfte reduzieren. Die Zahl der regelmäßig aktualisierten Blogs wird drastisch sinken. Das ist aber nicht schlimm, denn Bloggen hat schließlich Zeit und der Blogleser umso mehr auf je weniger Angebote er sie verteilen muss…

6 Gedanken zu „Bloggen hat Zeit

  1. „Aktuell ist es eher so, dass Blogs von konventionellen Medien existenziell abhängig sind.“

    Bei mir schreibt nicht Spiegel oder Stern. Jedenfalls nicht, solange meine Fantasie mir treu bleibt. Und überhaupt: das Leben schreibt die besten Geschichten. Das Aufschreiben der selben ist doch eigentlich nicht der Rede wert.

  2. Du hast Recht. Bei Dir stimmt meine Aussage nicht, wie auch bei allen anderen aus meiner Blogroll sie nicht stimmt. Ich hatte ja auch ausdrücklich A-Blogger in den Fokus genommen, weil diese offenbar unter einer Art Publikationsdruck stehen, was bei Dir und mir nicht (bei mir nicht mehr) der Fall ist.

  3. @Siegfried: Doch, Pingback funktioniert schon, aber Du hast auf meinen Feed bei Feedburner gelinkt. Da holt sich WordPress die Links nicht ab.

    Zur Sache: Ich begrüße Trivialcontent sehr. Was ich nicht mag, ist das Wiederkäuen von Presseberichten in bloggish. Zumindest nicht, solange den Berichten nur marginale Bewertung und Kommentierung in den Wiederkäuerblogs widerfährt.

    Auch beliebt: Blogger B schreibt einen Bericht und beginnt diesen mit: „Wie Blogger A meldet, ist folgendes passiert…“ Am Schluss vielleicht noch die Bemerkung „finde ich auch nicht gut“ und das war´s. Sowas ist sowohl füpr den Blogger, wie auch dessen Leser nichts als Zeitverschwendung.

  4. Hmmm, ich habe grade einen interessanten Beitrag bei Medienkonvergenz gelesen: http://medienkonvergenz.com/20.....en-sozial/

    Da ist mir Deine Aussage dazu eingefallen. Und auch mein Blogbeitrag. Ich denke, ich muss meine Meinung da im Detail noch mal revidieren. Heute Abend werde ich dazu einen Blogbeitrag schreiben. Hier schon mal der Grundgedanke:

    So ein „Beitrag“ wie von Dir angesprochen ist letztendlich eine Empfehlung der Art „Diesen Artikel halte ich für wichtig“. Wenn Du zu den üblichen sozialen Diensten wie Twitter u.Ä. auch noch die Blogosphäre hinzufügst, dann bekommen solche minimal-Verweise plötzlich einen Sinn.

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