Germanblogs is dead

Germanblogs läuft unter einer Software, die ungepflegt aussieht. Es gibt Inhaltsbereiche, die nicht mehr angezeigt werden. Das Impressum ist immer noch auf dem Stand von 2007. Inhalte sind Mangelware.

Seit kurzer Zeit allerdings tut sich wieder was.  Ein bisschen nur. Neue Blogger, die offenbar lediglich Vornamen tragen, bevölkern die Startseite. In der Themenblogübersicht finden sich externe Links. Und eine Firma namens Seometrie GmbH, deren einer Geschäftsführer der Holtzbrinck eLabs-Prokurist Frank Penning ist, sucht ProBlogger, mit Vorliebe Studenten (hmm?). Vielleicht solche, die nur Vornamen haben? Bestückt die Seometrie GmbH jetzt die Germanblogs? In der Projektübersicht der Holtzbrinck eLabs taucht Germanblogs.de jedenfalls nicht auf. Erstaunlich, wo doch die Aussagen in Januar noch ganz anders aussahen. Auch Informationen zur angeblich geplanten Worldblogs Ltd., die das Projekt übernehmen sollte, sind nicht zu finden.

Auf meine diesbezüglichen Fragen per Mail antwortete mir Herr Director Penning, der Eloquente, nicht, sondern schrieb: „…ich möchte keinen Einfluss auf Ihre Veröffentlichung nehmen.“

Hat da einer eine GmbH an den Start gebracht, um dort weiter zu machen, wo Schütte et al nicht weiter gekommen sind? Werden jetzt Holtzbrinck-Gelder in anderer Leute Portemonnaies verschoben? Geht es eigentlich noch um eine ProBlogging-Plattform oder nur darum Konzerngelder für vermeintliche Erfolgsprojekte abzugreifen und in die „richtigen Kanäle“ zu leiten?

Jedenfalls gibt es Themenblogs, die nicht mehr als Subdomain unter Germanblogs.de  laufen und in deren Impressum nicht Germanblogs, sondern die Seometrie GmbH steht. Möge sich zunächst jeder seinen eigenen Reim darauf machen. Ich bleibe dran, aber nicht drin. Ich werde dieser immer obskureren Plattform per sofort keine Inhalte mehr zuliefern.

Germanblogs – Wissen, was bloggt. (Eigentlich hätte es heißen müssen: Wissen, das bloggt.)
So lautete einst der Anspruch. Heutzutage wäre man schon froh, wenn es hieße: Germanblogs – wissen, wer bloggt und warum.

[Logo: Germanblogs.de]

15 Gedanken zu „Germanblogs is dead

  1. SeoMetrie? Ah. Die zahlen ihren Pro-Bloggern 165 Euro im Monat und verlangen dafür im Monat mindestens 30 gut recherchierte, bebilderte und verlinkte Beiträge auf mindestens drei Blogs. Besser sind 40 Beiträge, und mit ein bisschen Glück gibts dann noch ne Prämie.

    Bloggen ist das nicht mehr.

  2. Dieter hat 238 Euro pro Monat für mindestens drei Beträge (a 300 Wörter) pro Woche bekommen.

    Und Dieter hat auf den obigen Beitrag hin eine E-Mail am heiligen Karfreitag erhalten. Und zwar vom seometrischen Leibhaftigen himself:

    folgendes haben Sie heute auf Ihrem Blog veröffentlicht:

    „Ich bleibe dran, aber nicht drin. Ich werde dieser immer obskureren Plattform per sofort keine Inhalte mehr zuliefern.“

    Diese hiermit durch Sie ausgesprochene fristlose Kündigung ihres Vertrages akzeptieren wir. Eine entsprechende Bevollmächtigung, dies im Namen ihrer Vertragspartei zu tun, habe ich.

    Da Sie ihren letzten Beitrag am 26.2.2008 geliefert haben, also im März noch keinerlei Leistung auf Basis des Vertrages erbracht haben werde ich rechtlich prüfen lassen, ob Ihnen für März eine Bezahlung zusteht. Sollte ihnen eine Bezahlung zustehen, bzw. sollten Sie der Meinung sein, dass ihnen eine Bezahlung zusteht möchte ich Sie bitten umgehend eine Rechnung zu stellen.

    Bitte teilen Sie mir mit ob wir ihre Beiträge auf Germanblogs stehen lassen können oder ob Sie eine Löschung wünschen.

    Einen Screenshot, wohl für den Fall, dass ich vergessen haben könnte, was ich schrieb, hatte er auch beigefügt.

    Meine Antwort fiel erwartungsgemäß aus…

  3. @Paul
    Wir wollen uns mal nichts vormachen: alle, die auf bloggerjobs.de preiswerte Contentlieferanten suchen, suchen nicht den Überblogger, der eine flotte Schreibe und auch noch was zu sagen hat. Die suchen ein paar Linkschleudern, mit der Fähigkeit, Wörter zusammenzufügen, mit mehr oder eben auch zumeist weniger Sinn.

  4. grusel,
    hoffen die Holtzweg-Praktikanten, die nur einen Vornamen tragen, durch Do-it-for-nothing auf der hausinternen Journalistenleiter ein paar Stufen zu erklimmen? Hat denen keiner gesagt, dass man dafür was zu sagen haben muss?
    und noch mal grusel,
    wenn ich meinem bruder sage, ich hätte keinen bock mehr auf meine arbeit, kann mein chef dann kommen und sagen, er akzeptiert meine kündigung? wo bleibt denn da der zugang von willenserklärungen, der in der juristerei das ein und alles ist?

    btw: gibt es irgendwo ein wiki für wordpress?

    damit stefan, andreas und sandra das licht bei germankotz ausmachen können.

  5. Nun, da es bei mir in Sachen Geld nie wirklich rosig aussieht, habe ich mich mal Spaßeshalber bei denen beworben. Schreiben kann ich ja immerhin…
    War dann auch zu einer Vorstellungsrunde, wo uns genau erklärt wurde was wir zu machen haben. Halt besagte 30 Beiträge mit mindestens 200 Wörtern, möglichst vielen internen Verlinkungen, mit Bild oder Video dazu. Nun ja, das war mir dann doch nichts. Denn das Honorar wäre für den Aufwand nicht wirklich hoch gewesen und mir schiens dann auch nicht sonderlich seriös zu sein.

    @Kolumnistenschwein: Leider, leider. Da ist immer noch diese „Geiz ist Geil!“-Mentalität drin. Möglichst viel erhalten, aber nix dafür zahlen.

  6. @nomadyss: Sicherlich könnte ich auf dem Thema „Zugang der Willenserklärung“ mit Fug und Recht rumreiten. Will ich aber gar nicht. Ich meinte das schließlich durchaus Ernst. Von mir keine Texte mehr ins Umfeld von Annika, Sandra und Sebastian mit ihren hingenerierten Texthaufen.

    @Paul: Wie Vorstellungsrunde? So richtig IRL? Was ließ Dich letztlich an der Seriosität zweifeln?

    @Kolumnistenschwein: Das hätte man sich noch vor einigen Jahren nicht träumen lassen. Aber erst, wenn die ersten angestellten Anwälte und Ärzte auf 1-Euro-Basis und mit freien Verträgen arbeiten, erst dann hat der Neoliberalismus gewonnen. Keine Fixkosten mehr. Hur(r)a(e)!

  7. Ich habe mir einmal ein paar wenige Beiträge der Nachnamenlosen auf GB angeschaut (ich vermeide beim Wort Beiträge bewusst die Anführungszeichen, es ist schließlich Ostern und damit nicht die Hohezeit der Zyniker!): selten habe ich soviel glattgeschmiergelte Belanglosigkeiten, Plattitüden lesen müssen. Es gab Zeiten, da gab es auf GB Informatives, Wortgewaltiges (Danke, Herr Jarchow!)zu lesen. Aber Kunst kommt eben nicht nur von Können, sie kostet eben auch manchmal was. Ach so, ist ja Ostern …

  8. Japp, in echt.
    Zweifel an der Seriosität ist vielleicht zu stark gesagt. Aber mir erschien es zum einen zuviel Aufwand für zu wenig Geld, zum anderen war das recht sinnlos da die betreffenden Blogs keinen Erfolg gehabt hätten. Habe mir damals einige der Blogs angesehen, da wurde natürlich erstmal versucht in Nischen vorzudringen, damit hatte man aber keinen Erfolg. Keine Kommentatoren, nichts.
    ProBlogger ist für mich was anderes schreiben als möglichst billig Texte schreiben und die ins Internet zu stellen.

  9. @Kolumnistenschwein: Es ist in der Tat unsägliches Geschreibsel. Zu nix nutze und für niemanden interessant. Keine Ahnung, was sich jemand von solchem Textabfall verspricht.

    @Paul: Hast Du noch ein paar Beispielblogs parat? Ich würde gern versuchen zu verstehen, was das Ziel dieser „Problogger“, die zuvor zumeist keine waren, sein soll…

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