Knieper gewinnt gegen Chefkoch.de

Die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Bahr veröffentlichte heute einen Bericht über den Rechtsstreit des berühmt-berüchtigten Kochbuch-Fotografen gegen das Rezepteportal Chefkoch.de. Knieper hatte Chefkoch auf Unterlassung und Schadensersatz in Anspruch genommen, weil Chefkoch-User wiederholt urheberrechtlich geschützte Bilder des Knieper auf der Plattform verwendet hatten. Das Oberlandesgericht Hamburg gab Knieper nun Recht und verurteilte Chefkoch antragsgemäß. Warum?

Mehrere Gründe kamen wohl zusammen. Zum Einen gab es im Vorfeld bereits Rechtsverletzungen durch Chefkoch-User. Insgesamt ist von vier Sachberhalten die Rede. Chefkoch hat offenbar trotz Kenntnis nicht darauf reagiert. Zum Anderen erkannte das Gericht den User-generated Content als Kernbereich des Portals, nicht als Nebensächlichkeit, was wohl höhere Ansprüche an die Kontrollpflichten des Betreibers auslöst. Weiterhin sah das Gericht den User-Content als Basis des Geschäftsmodells von Chefkoch, was die Kontrollpflichten des Betreibers offenbar noch weiter erhöht.

Chefkoch argumentierte meines Erachtens allerdings auch recht unbedarft. So wandte man ein, es sei unzumutbar, jedes hochgeladene Bild zu prüfen. Zu Recht stellte sich das Gericht auf den Standpunkt, dass man, wenn man schon anderer Leute Content zu eigenen kommerziellen Zwecken nutzt, dann aber auch für die Kontrolle der rechtlichen Hygiene zu sorgen habe.

Das OLG gab den Betreibern sogar Tipps, wie denn eine mögliche Prüfung, respektive Erschwernis des Hochladens problematischen Materials aussehen könnte. Beispielsweise könne man eine Urheberrechtserklärung verlangen, die besagt, dass das Bild wirklich vom Uploader geschossen wurde. Oder man könnte Kameradaten, die sogenannten EXIF-Daten, mit abspeichern. Eigentlich völlig akzeptable Maßnahmen, die mit relativ geringem Aufwand Rechtsverletzungen minimieren können.

Das OLG räumte indes auch ein, dass eine hundertprozentige Sicherheit nie erreicht werden könne, dies aber bei verständiger Würdigung letztlich wohl auch nicht erforderlich sei, solange wesentliche Schutzmaßnahmen sichtbar ergriffen wurden.

Wie ich es verstehe, hat sich die Beklagte schlichtweg blauäugig verhalten. Für mich stellt es eine Selbstverständlichkeit dar, dass man soweit wie möglich und insbesondere aus Gründen des Selbstschutzes Kontrollmechanismen in Bilderdatenbanken einziehen muss. Gerade auf einem Gebiet, in dem nicht einmal die Hilfskonstruktion der fehlenden Schöpfungshöhe geltend gemacht werden kann, läuft man ansonsten barfuß in ein Minenfeld.

Wer sich einmal eine Bilderdatenbank ansehen will, die mit Kontrollmechanismen arbeitet, die die genannten gerichtlichen Empfehlungen weit übersteigen, möge sich einmal das Projekt Lebensmittelfotos.com ansehen. Und kann bei der Gelegenheit auch gleich mitmachen!

Ein wesentlicher Punkt am Rande noch: Das OLG hielt hinsichtlich der unerlaubten Bilderverwendung eine Nutzungsentschädigung von 100 Euro pro Bild und Jahr für angemessen. Das dürfte unserem Hobbyfotografen das Urteil ziemlich vermiest haben. Hurra.

6 Gedanken zu „Knieper gewinnt gegen Chefkoch.de

  1. Ich hab das gestern schon irnswo anders gelesen und mich darüber gewundert, wie lax der Betreiber die Sache offenbar gehandhabt hat. Urheberrechtsverletzung und Abmahnung ist ja nicht erst seit diesem Knieper Thema.

  2. EXIF-Daten sind in jpg (ist schließlich das gängigste Kameraformat) vorhanden. Wir speichern die bei Lebensmittelfotos.com mit ab. Natürlich nur, wenn sie noch drin sind. Photoshop scheint die manchmal zu entfernen, wobei mir nicht ganz klar ist, wie und warum.

  3. Ich habe mich schon lange gefragt ob die von chefkoch nicht schomal Ärger mit Mr. K. hatten. Danke für die aufschlussreiche Antwort. Allerdings erstaunt mich die doch sehr faire Entscheidung des Gerichts (wenn die Angaben in diesem Beitrag stimmen). Das macht Hoffnung, dass es doch noch vernünftige Richter gibt.

  4. Das erstaunt mich jetzt ein wenig – bei meiner Kamera sind EXIF-Daten nur im RAW vorhanden – könnte also an der Kamerasoftware liegen.

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