Anonymes Surfen für Faule

TORWollen Sie Wolfgangs Protokollen entgehen, müssen Sie was tun. Und das ist gar nicht einmal kompliziert. Sie können das auch. Sie brauchen bloß Ihre IP-Adresse, also die Nummer mit der sich Ihr Computer gegenüber anderen Websites etc. identifiziert zu verschleiern. Lesen Sie mal weiter. Es ist wirklich einfach!

Zunächst besorgen Sie sich das Softwarepaket aus Tor, Privoxy und Vidalia. Das gibt es als Komplettpaket zB hier bei Chip, aber auch an vielen anderen Orten. Googlen Sie im Zweifel nach den Begriffen. Die Installation des Paketes führen Sie wie bei jeder anderen Software durch. Sie ist völlig automatisiert.

Nach der Installation verfügen Sie über Vidalia, welches die Benutzeroberfläche, sowie die Statusanzeige für Tor darstellt. Das Programm Tor (The Onion Router) selber, sowie die unter Firefox nicht unbedingt erforderliche Software Privoxy. Zeigt Vidalia Ihnen als Status „Tor läuft“ an, ist die Lösung einsatzbereit.

Tor klinkt sich zwischen Ihren Rechner und die Webserver, die Sie ansurfen und leitet die Daten durch ein Gewirr von verschiedenen Computern, den Tor-Routern. Jeder passierte Tor-Router leitet seine eigene IP-Adresse als Ihre weiter. Auf diese Weise ist am Ende des Weges, also am aufgerufenen Webserver, Ihre echte IP-Adresse nicht mehr nachvollziehbar. Ich selbst hatte schon IPs aus den USA, Finnland, China und Japan. Die Aufgabe des Tor ist es also, Ihre IP-Adresse unkenntlich zu machen.

Ein kleines Restrisiko besteht noch darin, dass Sie den falschen Browser benutzen ;-). Im Ernst, manche Browser übersetzen den Namen des kontaktierten Webservers intern in dessen IP-Adresse, so dass sich daraus wieder ein protokollierbarer Datensatz ergibt. Nutzen Sie den Firefox, brauchen Sie sich über dieses Risiko im Grunde keine Gedanken zu machen, weil Firefox die Namensauflösung von sich aus anonymisiert durchführt. Bei allen anderen Browsern ist eine zusätzliche Eintragung in der Privoxy-Konfiguration, wie auch die manuelle Eintragung der Proxy-Einstellungen erforderlich. Machen Sie es sich also einfach und nehmen Sie den Firefox.

Da das Surfen über Tor teils deutlich auf die Geschwindigkeit geht, wollen Sie die Möglichkeit haben, Tor einfach ein- und wieder auszuschalten. Hierzu gibt es ein Plugin für den Firefox, welches Sie hier downloaden. Das Plugin installiert sich direkt und steht nach einem Firefox-Neustart rechts unten in der Statusleiste des Browsers zur Verfügung. Sie sehen dort ein in rot geschriebenes „Tor disabled“. Klicken Sie darauf, ändert es sich in ein grünes „Tor enabled“. Die Verschleierung ist aktiv.

Ob Sie wirklich anonym unterwegs sind, können Sie auf der Website Torcheck prüfen. Oben auf der Torcheck-Website wird Ihnen Ihre aktive IP-Adresse angezeigt, sowie wo diese angesiedelt ist. Sie werden sich wundern.

Das war´s. It´s as easy as Tor enabled drücken und Wolfgang ärgert sich.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Das Tor-Netzwerk ist offen. Jeder kann als Router fungieren. Damit ist klar, dass auch Leute mit krimineller Energie ihre Rechner als Tor-Router zur Verfügung stellen könnten. Diese Router könnten so konfiguriert sein, dass sie Daten, wie Passwörter etc. aufzeichnen, um sie später zu missbrauchen. Bislang ist mir zwar kein solcher Fall bekannt geworden, aber die Technik bietet diese Schwachstelle grundsätzlich. Deshalb betreiben Sie niemals Online-Banking über das Tor-Netzwerk! Geben Sie niemals Ihre Kreditkarteninformationen raus, wenn Sie über das Tor-Netzwerk surfen.

Noch eins: Experten mögen mir die Vereinfachungen verzeihen 😉

[Logo: The Tor-Project]

15 Gedanken zu „Anonymes Surfen für Faule

  1. Das größte Manko: die Geschwindigkeit (Seitenaufbau etc.) verringert sich – immer noch – sehr spürbar. Ich hab das Paket vor ner kleinen Weile getestet, zuvor schon andere (JAP) – mir war, als sei ich mit nem 56k-Modem unterwegs.

  2. Der Preis für die Sicherheit ist die Geschwindigkeit. So ist das. Aber wenn ich annalist besuche, dann so 😯 . Ich hab nämlich kein Bock auf Staatsschutz, wenn’s nicht sei muss…

  3. Hm, annalist würde ich tasächlich auch nur anonymisiert besuchen.

    Ich bedauere einfach, daß solche und andere Lösungen wegen Geschwindigkeit (noch) nicht alltagstauglich ist. Am liebsten würde ich mich ja nur anonymisiert durch´s Weltweite bewegen. Ich bin der Meinung, das geht niemand was an, wo hin hinklicke – Staatsschutz und sowas schon mal gleich gar nicht.

  4. https-Verbindungen scheinen durchgeschleift zu werden, so dass selbst online-Banking unproblematisch ist. Zumindest meckert der Browser nicht über unzulässige Zertifikate, aber ich werd‘ das noch mal untersuchen.

    Probleme werden aber möglicherweise auftauchen, wenn man sich selbst als Relais installiert. Rechtlich wird das möglicherweise ähnlich wie ein unverschlüsselter WLAN-Access-Point gehandhabt. Wenn da Unfug passiert, ist der Betreiber gnadenlos haftbar. Werd‘ ich aber auch noch mal genau untersuchen.

    Klickt ihr oft Webseiten an, die den Staatsschutz interessieren 😉

  5. Kleine Rechenaufgabe: wie viele Relais-Server muss man kontrollieren, um den Informationsfluss kontrollieren zu können? Eine Aufgabe, die die Jungs von BND und NSA vermutlich schon längst gelöst haben und auch wissen, welches die optimale Bandbreite für ihre Server ist.

    Bevor man selbst die Antwort darauf nicht weiß, könnte es sein, dass der Verkehr mit Kondom in diesem Fall gefährlicher ist als der ohne.

  6. Anonym surfen? Pah! Wenn der Schäuble wissen will, wie ich ticke, braucht er doch nur meinen Blog lesen! Und überhaupt: vollkommene Sicherheit wird es nicht geben, weil es die nicht geben kann. Ein ständiger Wettlauf zwischen Schützern und Spähern, wobei mal Der, mal Der ruft: Ich bin schon hier! Kurzum: wenn ich Übles im Sinn hätte, so würde ich diese bestimmt nicht auf meiner Festplatte beherbergen. Wegen der Sicherheit eben 😉

  7. Na den Tipp hättest Du uns aber nen halbes Jahr früher geben können, bevor ich einen netten Brief aus HH von Rasch bekommen habe, werter Vetter.
    Gruß aus DO

  8. Mir an den Karren pissen, haben paar hundert MP3 Files auf meinem PC orten können. Aber zum Glück war es nicht mein PC sondern der meiner Tochter, meine MP3 files lungern auf einer externen FP rum. Ein Schreiben meines Anwaltes, was mich 200 Teuros gekostet hat konnte das Mißeschick aus der Welt schaffen 😉

    A propos MP3… fand ja bislang Deinen Musik Geschmack immer klasse….nix gegen Paul van Dyk aber die Platte Let’s go dudelte letztes Jahr beim joggen im Ohr.

  9. Für P2P ist TOR nicht gedacht und auch eher nicht geeignet. Es soll wohl funktionieren, aber mit beschissenen Raten. Angeblich ist aber ein verschleierndes P2P-Netz in Arbeit.

    Na, wenn die Pladde in Deinem MP3-Player dudelte, dann kann sie ja so schlecht nicht sein, wa?

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