22557 – Bei Anruf Video!

[Trigami-Review] Nicht ganz so spannend wie Hitchcocks Film ist das neue Handyvideoportal ViiF, aber auf Dauer wahrscheinlich kurzweiliger. Schließlich gibt es da nicht immer den gleichen Plot zu sehen. Vielmehr kann man bei ViiF tatsächlich mit dem Handy fernsehen. Kooperationen mit Sendern wie MTV Europe, der ProSiebenSat1-Media oder der Nachrichtenagentur REUTERS machen es möglich. Dabei muss man nicht auf die Einführung von DVB-H warten, sondern kann bereits heute mit jedem UMTS-fähigen Handy in den Genuss der Handyglotze gelangen. Wenn man will.

Fernsehen mit dem Handy per ViiF ist so einfach, dass man sich wundert, warum nicht schon früher jemand auf diese Idee gekommen ist. Ein simpler Videoanruf unter der Nummer 22557 reicht, um ins Programmauswahlmenü des Portals zu gelangen. Von dort aus kann man zu den einzelnen Sendern gelangen, ist aber auch in der Lage eigene Videos aufzunehmen oder bereits aufgenommene anzusehen. Der Videoanruf reicht also ebenso aus, um eigene Videos mit der Handykamera zu drehen und auf ViiF abzulegen. Damit wird ViiF zu einer Art YouTube für UMTS-Handybesitzer.

Jedenfalls beinahe. Denn Handyvideos anderer Benutzer kann man lediglich dann ansehen, wenn man von diesen dazu eingeladen wurde, was mittels einer entsprechenden SMS stattfindet. Ein freies Browsen in den hochgeladenen Videos ist derzeit nicht vorgesehen und würde sicherlich auch die spartanischen Möglichkeiten des Userinterfaces sprengen. Dennoch besteht eine Möglichkeit, die eigenen Handyvideos ready for the world zu machen, nämlich der ViiF-Player. Der ViiF-Player ist eine Software, die man per Flash-Widget in die eigene Website einbindet und innerhalb deren Oberfläche dann die hochgeladenen eigenen Videos angesehen werden können. Hierzu ist allerdings eine Registrierung beim Anbieter erforderlich. Ist der ViiF-Player erst einmal eingebunden, kann jeder Websitebesucher Videos ansehen und per SMS weiterempfehlen.

Um ein wenig Communitystimmung aufkommen zu lassen, besteht bei ViiF die offenbar mittlerweile unverzichtbare Möglichkeit, Leute einzuladen, um sie dann in verschiedenen Kategorien wie Kollegen oder Freunde einzuschubladisieren; ein rudimentäres MySpace also. Unter Marketingsgesichtspunkten kein blöder Gedanke, denn das Problem beim ViiFen (wie der Betreiber die Nutzung des Dienstes bezeichnet) ist, im Unterschied zum Internet, dass man stets mit sich und dem kleinen Handybildschirm allein ist. ViiFen allein hat nichts kooperatives oder Gemeinschaftsgefühle generierendes. Will man aber Nutzer relativ eng an die Plattform binden, um natürlich deren individuelle Nutzung zu forcieren, darf, gerade in der offenkundig avisierten Zielgruppe junger Erwachsener der Communitygedanke nicht fehlen. „Hast Du schon Tonys Partyvideo gesehen? Nee? Warte, ich simse Dir den Einladungslink.“

Ein kritischer Punkt sind allerdings die entstehenden Kosten. Denn Videoanrufe sind nicht kostenlos, sondern werden zeitabhängig zu unterschiedlichen Tarifen abgerechnet. Immerhin liegen diese durchgängig unter dem Niveau der Tarife, die für mobiles Surfen gezahlt werden müssten. Mit O2 hat ViiF sogar einen Kooperationspartner gefunden, aus dessen Netz das ViiFen momentan komplett kostenlos ist. E-Plus und Vodafone berechnen 0,39 € pro Minute und T-Mobile will gar 0,58 € pro Minute auf den Tisch des Hauses gezählt wissen. Damit kommt für eine Nutzung als Handyfernseher derzeit eigentlich nur O2 in Frage, ohne dass dem Nutzer größere Löcher ins Zwiebelleder gerissen würden. Bei selbst gedrehten Shortfilmchen wird es im Zweifel eher um eine oder zwei Tarifeinheiten gehen, was angesichts der SMS- und MMS-Wut der Zielgruppe bestimmt nicht zu einer zurückhaltenden Nutzung führen wird.

Es gibt aktuell keine einfachere Möglichkeit, Handyvideos online zu stellen. Wer also auf der Suche nach einer solchen Möglichkeit ist, dürfte derzeit kein Wettbewerbsangebot finden, dass annähernd demjenigen der ViiFer entspricht. Allerdings geht der Videoupload auch nur per Videoanruf. Ein späteres Hochladen bereits aufgenommener Videos ist nicht möglich. Man ist also auf die Verlässlichkeit der UMTS-Netzabdeckung angewiesen, die in meiner Region durchaus als problematisch bezeichnet werden muss.

[Logo: ViiF]

2 Gedanken zu „22557 – Bei Anruf Video!

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