KUNUNU – Los! Bewerte Deinen Arbeitgeber!

[Trigami-Review] Wurdest Du in Deiner früheren Firma gemobbt? Hat Dir irgendjemand in dieser Situation geholfen? Hattest Du Aufmerksamkeit für Dein Problem? Hat es Deinen Chef letztlich gejuckt? Letzte Woche erzählte Dir einer Deiner entfernteren Bekannten auf einer Party, er habe just eine Stelle bei Deinem Ex-Arbeitgeber angenommen und freue sich schon so darauf. Da hast Du ihm aber ordentlich die Stimmung versaut.

Deine Firma hat einen wirklich miesen Ruf? Du glaubst aber, dass das völlig ungerechtfertigt ist? Okay, in der Vergangenheit, unter der alten Führung, da war die Bude wirklich ein menschenverachtendes Loch, eine Art Sklavengaleere. Aber seit der Neue hier die Zügel in der Hand hält, hat sich kontinuierlich ein Topklima der gegenseitigen Anerkennung und des Respekts entwickelt. Trotzdem habt Ihr Schwierigkeiten gute Leute zu finden. Du führst das auf den schlechten Ruf zurück.

Sicherlich, diese beiden fiktiven Stories zeichnen Extremfälle auf, definieren aber ganz gut das Wirkungsspektrum der Arbeitgeber-Bewertungsplattfrom Kununu (Suaheli für „unbeschriebenes Blatt“). Im Internet kann heutzutage jeder jeden und alles mögliche bewerten. Warum dann nicht auch einmal eine sinnvolle Anwendung daraus entwickeln, nämlich die Bewertung des eigenen Arbeitgebers. So ähnlich werden die Gedankengänge der Kununu-Erfinder deineagentur.at wohl gelaufen sein.

Und so wurde aus dem Projekt, das ursprünglich, vielleicht sogar hauptsächlich als Vorzeigeplattform für die Fähigkeiten des Entwicklerteams gedacht war, die größte und vor allem am schnellsten wachsende Job-Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum. Dabei zeigt der Claim „Die Jobs, die wir lieben“ deutlich auf, dass es den Machern von Kununu nicht um die Bereitstellung eines Racheboards für frustrierte Arbeitnehmer geht. Viel mehr wird darum geworben, ausdrücklich auch positive Erfahrungen in Bewertungen zum Ausdruck zu bringen.

Die Pressepräsenz der Plattform war von Beginn an gut. Die Idee weckt natürlich auch in jedem den Robin Hood. Arbeitgeber bewerten = Gut. Eine synaptische Festverdrahtung, die auch im Tiefschlaf noch funktioniert, eine Funktion aus dem körpereigenen BIOS quasi. Und auch ich muss zugeben, dass ich dem Konzept hinter Kununu zunächst einmal vorbehaltlos gegenüber stehe. Denn:

Definitiv hat sich in den letzten Jahren das Verhalten von Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern verändert. In der Masse der Fälle hat es sich verschlechtert. Ich bin als Berater Tag für Tag in Unternehmen und stelle fest, dass mit steigender Geschwindigkeit nach und nach Vergünstigungen abgebaut und die Mitarbeiter mehr und mehr mit den Augen des Controllers betrachtet werden. Man sieht nicht mehr den Menschen Meier, sondern man sieht Kostenstelle 4213. Schnell ist die Ersparnis bei einer Streichung dieser Kostenstelle ausgerechnet. Fähigkeit und Bereitschaft zur Empathie nehmen in teils erschreckendem Maße ab.

Vielmehr zeigt sich der gegenläufige Trend umso deutlicher. Mitarbeiter werden abwertend behandelt, der Respekt geht verloren. Dies ist nach psychologischen Erkenntnissen auf Seite der Abwertenden für den Fortgang des Geschehens erforderlich. Denn nur, wenn man jemanden für sich selbst genügend herabgewertet hat, kann man ihm Dinge antun, die man unter anderen Voraussetzungen nicht fertig brächte, zum Beispiel den Rausschmiss aus reinen Kostenerwägungen. Ohne ein überzeugtes „Der taugt eh nix!“ würde das Gewissen gewissenhaft seine Aufgabe erfüllen.

Die Arbeitnehmer stehen diesen Vorgängen zwar nicht juristisch schutzlos gegenüber. Jedoch ist jede Maßnahme eine des Einzelnen. Wenn in einem Unternehmen Dutzende Fälle ungerechtfertigter Verhaltensweisen von Chefs gegenüber ihren Mitarbeitern bemerkbar werden, so wird sich eine entstehende Öffentlichkeit dennoch auf den Kreis der Betroffenen und deren jeweiligen Bekanntenkreis beschränken. Dabei wäre es durchaus im Sinne der Allgemeinheit arbeitsfähiger Personen, wenn solche Vorgänge im Sinne einer allgemeinen Bewertung des Unternehmens sichtbar würden.

Schon insofern begrüße ich das Projekt Kununu außerordentlich. Die Bewertungen erfolgen anonym und beinhalten hinsichtlich der Kriterienwahl die wesentlichen Interessensgebiete bei der Arbeitgeberauswahl. Würde ein Unternehmen nun relativ umfassend durch die Belegschaft auf diese Weise bewertet, käme ein recht brauchbares Profil dabei heraus. Über die Masse der Bewertenden wäre auch eine gewisse Objektivität zu gewährleisten.

Faktenstand heute ist allerdings, dass es eben diese mehr oder weniger flächendeckenden Bewertungen nicht gibt. Kununu freut sich zwar zu Recht über mehr als 3.000 Bewertungen, erreicht aber damit keinerlei objektivierbare Größenordnung. Von statistischer Relevanz will ich gar nicht erst reden. Man darf also annehmen, dass sich die gesammelte Arbeitgeberschaft derzeit über das schleppende Wachstum der Plattform mindestens genauso freut, denn die Alternative würde das neoliberale, bisweilen quasifürstliche Unternehmertum, vornehmlich jenes mit Konzerncharakter, in schwere öffentliche Bedrängnis bringen.

So muss der Robin Hood in mir für heute akzeptieren, dass der Informationswert der Bewertungen auf Kununu noch gegen Null tendiert. Dabei möchte ich aus Gesinnungsgründen auch noch den Fakt ignorieren, dass durch das anonyme Bewertungsverfahren dem Missbrauch durch Arbeitgeber, durch Wettbewerber, durch wen auch immer Tür und Tor geöffnet ist. Gerade deshalb aber lautet mein Aufruf an alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ganz eindeutig:

Los jetzt! Hintern hoch! Computer an und auf Kununu den Arbeitgeber bewerten! Das ist ein Befehl!

(P.S.: Der Vollständigkeit halber sei noch das Projekt arbeitgebertest.de erwähnt. Aber wirklich nur der Vollständigkeit halber…)

[Logo: Kununu]

4 Gedanken zu „KUNUNU – Los! Bewerte Deinen Arbeitgeber!

  1. ich glaube, eine seite darf nicht nur nutzwert bieten, sondern muss auch spaß machen, frisch und jung sein.

    bizzwatch.de eröffnet jetzt eine neue Dimension der Bewertungsportale: Firmen bewerten – klar, einfach und schnell. Dazu:

    Chefs bewerten: genauso klar, einfach und schnell. Nach Spickmich für Lehrer gibt jetzt also bizzwatch für Chefs.

    Das ist neu und spannend.

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