gOS – Das Google-Betriebssystem?

good-os-1Seit November 2007 gibt es einen neuen Senkrechtstarter in der Linux-Szene. gOS, das Good OS hat einen regelrechten Siegeszug in Amiland gestartet. Sicherlich hängt das nicht zuletzt damit zusammen, dass man beim Wal-Mart den sog. gPC für schlappe 199 Dollar erstehen konnte.

Für Umbauer und Bastler gibt es ein Via-Mainboard gebundled mit dem gOS. Diese Kombination aus Hard- und Software zu kleinsten Preisen hat es bislang in Linuxland nicht gegeben. Zwar gibt es seit längerem PC-Hersteller (zB Dell), die wahlweise Linux vorinstallieren, jedoch kann man für den gleichen Preis auch ein Gerät mit Windows erstehen. Die Firma Good OS LLC, der Distributor des gOS geht insofern einen alternativen Weg und der Erfolg gibt ihnen recht.

Dabei ist das gOS im Grunde wirklich kein Knüller. Es basiert auf Ubuntu 7.10, setzt aber weder Gnome, noch KDE, sondern Enlightenment als Benutzeroberfläche ein und könnte im Prinzip so von jedem Ubuntunutzer auch selbst hinkonfiguriert werden. Fraglich ist allerdings, ob es einen „normalen“ Linuxnutzer gibt, der sich freiwillig ein solches System auch tatsächlich hinkonfigurieren würde.

Denn gOS ist vollständig auf Googles Web-Applikationen ausgerichtet. Die Auswahlleiste am unteren Bildschirmrand, da wo auch MacOS sein Dock hat, zeigt fast ausschließlich auf Google-Software. Da gibt es direkte Links zu Gmail, GDocs, GMaps, YouTube, aber auch zu Skype, Facebook, Wikipedia und ein paar anderen. Jeder, der eine Bookmarkverwaltung oder die Google-Toolbar nutzt, wird nicht unbedingt vor Begeisterung ins Tanzen geraten.

Am oberen Bildschirmrand findet sich übrigens die Googlesuche als integraler Bestandteil des Desktop. Auch optisch ist gOS nicht der Renner. Alle Icons, wie auch die Schriftgröße, sind dackelgroß. Man kommt sich vor wie beim Sehtest 1. Stufe.

gOS ist übrigens nicht von Google und hat auch angeblich keinerlei Kontakt whatsoever zu den großen Königen der Suchmaschinerie. Die Burschen von Good OS LLC haben sich bloß gedacht, dass, wenn es ein Google OS gäbe, es so sein müsste wie das gOS. Hrmpf. Na ja.

Löst man sich vom eigenen Erfahrungshorizont ergeben sich aber durchaus interessante Anwendungsfelder für das gOS. In der Tat könnte es sich hier um das erste wirklich seniorentaugliche Betriebssystem der Welt handeln. Funktional alles da, was der Anfänger braucht. Durch Verwendung der Google-Apps auch quasi Standard und durch den Ubuntuunterbau unbegrenzt erweiterbar, so die Kenntnisse und Anforderungen des Anwenders wachsen.

Bisherige Senioren PCs haben stets mit dem Makel leben müssen, dass sie den Nutzer auf Dauer einschränken und ihn, was besonders schwer wiegt, vom Standard fernhalten, also nicht wirklich in die Lage versetzen, Otto NormalPC sachgerecht zu bedienen. gOS hat hier Potenzial.

Abgesehen von Senioren gibt es natürlich weitere Zielgruppen, die in Betracht kommen. Zum Beispiel die jüngeren Internetnutzer, die ein einfaches Spiele- und Recherchemedium brauchen, ohne dafür erst Kurse zu belegen. Oder die „Hausfrau“, die im Grunde bloß ein bisschen im Internet surfen und hin und wieder den einen oder anderen Text schreiben will. Oder der Freak, der seinen alten PC nicht einmotten, sondern als Surfmaschine nutzen möchte. Das kann er zwar auch mit jedem anderen Linuxderivat, aber gOS mit Enlightenment bringt vom Start weg die nötige Schlankheit auf die Waage. Da ist keine Optimierung mehr erforderlich. gOS-Surfstation. Klingt auch gut…

Heute sollte eigentlich die Version 2 des gOS erscheinen. Der Countdownzähler auf der Homepage ist aber bereits mindestens einmal neu gestartet worden und von 2.0 ist bislang nichts zu sehen. Für die angesprochenen Zwecke ist jedoch die verfügbare Version 1 mehr als ausreichend. Für deutsche Interessenten ungünstig ist allerdings, dass das gOS derzeit nur auf englisch verfügbar ist.

Well, by the way. Eben habe ich einen Language-Selector gefunden. Leider kann ich nicht herausfinden, wie das Rootpassword für meine gOS-Installation im VMware-Player lautet und komme daher nicht weiter. Aber. Du sollst bei so einem System ja auch nicht in den Interna rumfummeln, alter Falter.

12 Gedanken zu „gOS – Das Google-Betriebssystem?

  1. Also ich sehe den PC…
    Ich habe immer mal wieder versucht von Windows auf Ubuntu umzusteigen, aber irgendwie habe ich es dann doch nicht so lange ausgehalten und bin zu XP zurückgekehrt. Sollte es aber mal für den EEE PC reichen, ändert sich das aber vielleicht auch.

  2. Wenn ich nicht auf die Adobeprodukte angewiesen wäre und eine Accesseigenentwicklung für wichtige Geschäftsprozesse einsetzen müsste, wäre ich schon längst komplett zu Ubuntu. Was fehlt denn da?

  3. Ich sitze jetzt seit knapp zwei Monaten wieder vor einer Ubuntu-Kiste und komme zurecht. Gespielt wird wenn überhaupt nur an der PS2 und bisher habe ich noch immer ein Programm für meine Bedürfnisse gefunden. Zugegeben war Photoshop Elements komfortabler als Gimp, letztendlich reicht es aber für für mich aus. Ein wenig vermisse ich zwar die vielen kleinen Programme, die ich unter OS X benutzt habe, sonst bin ich aber zufrieden. Windows käme mir sowieso nicht mehr ins Haus. Vista war das erste, was ich von dem neuen Notebook gelöscht habe 🙂

  4. Ich habe hier ein Ubuntu-System unter Gnome. Darauf habe ich Virtualbox installiert und darin betreibe ich Windows XP im seamless mode. Aber die Adobe-Produkte laufen dennoch nicht ganz rund. Ich bräuchte einfach mehr als 3GB RAM…

  5. >Virtualbox

    Danke für den Tipp. das hatte ich bisher nicht ausprobiert! Ist ja fast wie Parallels und jetzt kann ich wieder Win-Software ohne Neustart testen.

  6. Inzwischen kann man auch VMWare für lau betreiben. Einfach mal nach VMWare Server suchen. Ich benutze es und kann sogar World of Warcraft spielen.

  7. Ich bin sehr gespannt, wie das Google Betriebssystem wird. Die angekündigte Geschwindigkeit des „hochfahrens“ sowie die schlanke Struktur könnte interesannt werden.

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