Pauschalreisen kurz vor dem Preiskollaps

Die jährliche Reise in sonnige Gefilde hat sich in den letzten zwanzig Jahren zunehmend zur Pflichtveranstaltung gemausert. Und dies nicht nur, um für sich und seine Familie Erholung zu finden, somit Energie für das nächste Jahr zu tanken, sondern ganz offenbar auch als reines Statussymbol.

Eine Mutter äußerte mir gegenüber, dass es schon schwierig für ihre Familie sei, jedes Jahr den Sommerurlaub finanziell zu schultern, aber was sollten denn die Leute sagen, wenn sie zuhause blieben und vor allem, was sollten die Kinder nach den Ferien in der Schule erzählen? Die würden doch damit regelrechte Außenseiter.

So kommt es, dass immer mehr Menschen Schulden machen, um den Jahresurlaub im Ausland verbringen zu können. Ein Mitarbeiter der örtlichen Sparkasse schätzte im Gespräch die Zahl der auf Pump finanzierten Urlaubsreisen auf „mindestens 70 Prozent“ und ergänzte, dass die Mehrzahl dieser Kredite nicht innerhalb eines Jahres abgezahlt werden können, sich mithin der Gesamtschuldenbetrag jährlich kontinuierlich erhöht.

Diese Entwicklung ist natürlich den Reiseveranstaltern auch nicht verborgen geblieben. Und was tun sie als gute Betriebswirte? Richtig! Sie erhöhen kontinuierlich die Preise und verkomplizieren die Berechnungsmodalitäten.

Versuchen Sie mal, anhand der aktuellen Kataloge Sommer 2008 in akzeptabler Zeit einen Gesamtpreis zu ermitteln! Sie werden schier verzweifeln. Um die Sache so richtig kompliziert zu machen, haben die Veranstalter nämlich durch die Bank weg den Preisposten Verlängerungswoche gestrichen und durch den Verlängerungstag ersetzt. Zusätzlich hat sich die Zahl der zu berücksichtigenden Codes in den Katalogen gefühlt verdoppelt und für die Berechnung von Kinderfestpreisen gibt es ein buntes Allerlei zu berücksichtigender Konditionsinterdependenzen, ganz abgesehen von quantitativ für den Kunden nicht zu überblickenden Lockkontingenten besonders niedriger Preise, die aber am Ende doch kaum einer bekommt.

Haben Sie es mühevoll geschafft, einen Preis zu ermitteln, passiert zweierlei. Erstens wollen Sie dieses Verfahren ganz sicher nicht für zwei bis drei weitere Hotels zwecks Konditionsvergleich wiederholen und zweitens werden Sie nicht glauben wollen, was Sie da errechnet haben. Preise oberhalb von 4.000 Euro bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern für einen 14-tägigen Urlaub in einer Drei-Sterne-Anlage des europäischen Mittelmeerraumes sind im nächsten Jahr normal. Hätten Sie zu DEM-Zeiten rund 8.000 Mark in die Hand genommen, um für zwei Wochen zu verreisen? Wohl eher nicht.

Erstaunlich ist diese Preisentwicklung besonders wegen der ansonsten stetig sinkenden Flugpreise. Ab 19 Euro können Sie heutzutage One-Way nach Malle oder gar nach Athen jetten. Preise um 70 Euro One Way sind jederzeit verfügbar. Nehme ich jetzt also 4 Leute mal 70 mal 2 komme ich auf einen Flugkostenanteil von 560 Euro an einem errechneten Gesamtpreis von 4.671 Euro. Bleiben über 4.000 Euro für den Hotelier vor Ort? Wohl kaum.

Versucht man übrigens die hochkomplizierte Rechnerei zu vermeiden und begibt sich auf Suche im Internet, muss man höllisch aufpassen. Denn da erscheinen einem die Preise bisweilen deutlich niedriger und man mag versucht sein, vor lauter Begeisterung sofort zu buchen. Aber Vorsicht! Viele Anbieter ignorieren Ihre Angabe, dass Sie 14 Tage verreisen wollen und machen ungefragt andere Zeiträume, üblich sind 11 Tage, also rund 20 Prozent weniger Urlaub, draus. Klicken Sie hier ein paar Mal zu schnell, im vollen Vertrauen darauf, dass Sie ja richtige Vorgaben gemacht haben, gucken Sie in absehbarer Zeit blöd aus der Wäsche und haben den Ärger mit Stornierung, Neubuchung; sprich: Das ganze Spiel geht von vorne los.

Fazit: Hier findet eine Abzockerei statt, die sich vor derjenigen der Energiekonzerne wahrlich nicht zu verstecken braucht. Es stellt sich allerdings die Frage, wann die wirtschaftliche Kurzsichtigkeit in den Führungsetagen deutscher Konzerne zur dortigen finanziellen Erblindung führen wird. Denn klar ist doch, dass auch dieser Krug nur solange zum Brunnen geht, bis er bricht.

[Fotoquelle: pixelio.de | Fotograf: Uta Herbert]

6 Gedanken zu „Pauschalreisen kurz vor dem Preiskollaps

  1. 4500 Eu?

    Ne Saisonkarte (also ne echte) fürs Phantasialand kostet(e) um die 200 Eu (ne „unechte“ für „nur“ 35 Tage Eintritt kostet(e) gar nur 70 Eu). Kinder sind den ganzen Tag unterwegs (ne Extrakarte für die Begleitung ist dann auch locker drin) und die Eltern haben mal richtigen Urlaub, zu Hause, oder kloppen mal ein „Wellness“-Wochenende rein, Kids ab zur Omma und schon hat man(n) feinsten Urlaub, in dem man(n) sich auch noch wirklich erholt.

  2. `Denk dir Sonne weg, denk dir Meer weg, denk dir Strand weg, wat hasse dann? Bochum-Langendreer.´ (Mein Vater, der Urlaubsmuffel und damit war das Thema erledigt)

  3. @kk: 14 Tage Omma? Da streiken Kids und Omma simultan.

    @sv: Bis vor 20 Jahren habe ich das auch noch gedacht. Dann hat mich irgendeine Sucht gepackt, die mich zwingt, einmal im Jahr das Meer zu sehen. Verflixt…

  4. Meinen Vater hat´s in späteren Jahren auch erwischt. Da musste er plötzlich jedes Jahr nach Bulgarien ans Meer.

    Spielte Geld keine Rolle, hätte ich Personal für lästige Erledigungen und würde ich von der Haustür zum Urlaubsort getragen, könnte ich auch auf den Geschmack kommen 😎

  5. Nee, Dieter, an Phantasialandtagen können die Kids ruhig zu Hause pennen, obwohl man dann checken kann was ein paar Nächte für die Kids incl Begleitung im Phantasialandhotel (wenns das gibt, sonst was nebenan) so kostet.

    Ich behaupte mal frei, Du kommst immer billiger weg als 4,5k :mrgreen:

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