Der Deutsche an sich ist ein Arschloch

Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Besserwisser und Sprücheklopfer wie bei uns. Nun mag man einwenden, ich gehörte auch dazu. Damit kann ich leben. Einer muss schließlich ein Gegengewicht zu den Flachschwätzern bilden.

Im Netz äußert sich der durchschnittlich doofe Deutsche gern anonym und unter Verwendung herbster Rhetorik. Dabei bezeichnet „doof“ in diesem Zusammenhang nicht etwa „intellektuell minderbemittelt“, sondern bloß eine Form absoluter Borniertheit. Nach dem Motto „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ wird nicht nur in Blogs gewildert und in Kommentarfelder gerotzt, was das Zeug hält.

Eben hat der Betreiber des Bestatter-Weblogs diese Erfahrung machen dürfen. Im Beitrag „Fluppe“ hat er eine absolut glaubwürdige Geschichte über seinen Besuch in einer – sagen wir – sozial schwachen Familie dokumentiert.

Während der normale Leser sich über die Besonderheiten und Ungewöhnlichkeiten amüsieren könnte, rotten sich gewohnheitsmäßig ein paar Berufsschwachköpfe zusammen und bezichtigen den Autoren der Lüge. „Alles nur erfunden. Hier werden Vorurteile geschürt. Pfui sowas.“

Wohlgemerkt, keiner der das Maul aufreißenden Gesellen war dabei oder kann das Geschehen auf andere Weise qualifiziert kommentieren, tut es aber dennoch. Warum? Psychologen vor!

16 Gedanken zu „Der Deutsche an sich ist ein Arschloch

  1. Aus dem selben Grund wieso ich hier nun kommentiere.
    Kommentierungszwang. Hauptsache man hat was gesagt.

    ODER:

    Sie selbst fanden sich in der Geschichte wieder.

    Ich fand die Story übrigens genial. Lob an den Bestatter. *gg*

  2. Hehe. Gut amüsiert. Ich glaube, da floss viel Reales ein, wurde allerdings durch ein paar schöne Klischees aufgehübscht. Leider müssen solche „Vorzeigefamilien“ immer wieder dafür herhalten, wie gut es doch funktioniert, unser soziales Netz. Klar, ich kenne auch ein paar Leute, die sind auf Hartz4 und Rauchen und Saufen. Wohlstand würde ich das aber nicht nennen wollen. Trotzdem: gut amüsiert.

  3. Ich finde den Beitrag eher schwach, die abgeschaltete Kommentarfunktion tut da ihr übriges…

    Hier der Kommentar den ich eigentlich beim Totengräber hinterlassen wollte:

    Ist diese Geschichte jetzt das verkappte hartz4esque Gejammere darüber dass in unserer Gesellschaft immer eher Geld für das zelebrieren des Lebens ausgegeben wird statt dem Tod und dem Bestatter Tribut zu zollen?

    Warum hat man sich denn nicht einmal die Arbeit gemacht den Leuten zu erklären warum die Bestattung „wertvoller“ sein soll als eine Playstation und warum das „Grundbedürfnis“ zu sterben überhaupt Geld kosten soll?

  4. Mein Deutschlehrer hat mich immer vor Leuten gewarnt, die Formulierungen verwenden wie: Goethe an sich … wie recht er doch hatte.

  5. @Conny und Kolumnistenschwein: Ich fand die Story auch unterhaltsam. Eine Story halt. Nichts, in dass ich etwas zwanghaft reininterpretieren müsste. Gelesen, gegrinst, vergessen. Hat der Bestatter, den ich ansonsten eher selten lese, gut gemacht.

    @KK: Die Kommentarfunktion hat er wohl abgeschaltet, um dem Mob Herr zu werden. Musste ich hier ja auch schon zwei Mal tun.

    Zu Deinem Kommentar: Ich habe es gelesen und als Geschichte ganz amüsant gefunden. Ich habe es nicht interpretiert. Würde man das tun, könnte man zu Deinen Fragen gelangen, man könnte aber auch genauso gut Verwunderung darüber empfinden, dass in der Geschichte gar keine Trauer vorkommt, obwohl doch ganz offensichtlich ein naher Verwandter verstorben ist. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Sind Asoziale also alles gefühlskalte Konsumgeile ohne soziokulturellen Unterbau?

    @Kristian: Endlich meldet sich mal ein Betroffener…

  6. @Dieter

    Haste Recht, aber, man kennt die Umstände des Todes nicht, lange quälende Krankheit kann bei den „Zurückgebliebenen“ (grins) dazu führen dass der Tod als Erlösung empfunden wird, ein Unfall oder sonstiger plötzlicher Tod führt dagegen wohl eher zu Gefühlsausbrüchen.

    Ebenso würde es mich sehr wundern wenn ein professioneller Bestatter besonderes Augenmerk auf Emotionen richtet, allein aus echtem Selbstschutz (wie bei der alten Geschichte von dem impotenten Frauenarzt), daher ziehe ich aus der fehlenden Trauer nicht den Schluss sie sei nicht vorhanden, allein wurde sie nicht „niedergeschrieben“ bzw eventuell nicht als solche wahrgenommen.

    Und die Frage : „Eichensarg oder Playsi3“ wird wohl beinahe jeder Heranwachsende eindeutig beantworten. Ebenso muss ich mir überlegen ob Menschen, denen täglich, bzw spätestens beim Abholen der Stütze klar wird wo sie aus Sicht der Gesellschaft stehen, nicht irgendwann auch „Normen“ ziemlich egal werden.

    Meiner Meinung nach erkennt man in der Geschichte des Bestatters nur die Symptome einer schwer kranken Gesellschaft, nicht jedoch die Ursache(n).

    Was mich angeht, schraubt (nach meinem Tod lol) 6-8 Griffe an mich ran (Incl Akkuschrauber für unter 150 Eu machbar) oder verbrennt mich, mischt meine Asche in Ölfarben und malt dann ein Bild von mir (teurer, nur übers Ausland möglich, aber imho die stylischste Lösung – die will ich auch)

  7. Ob diese Geschichte sich so zugetragen hat, dies mag ich zu bezweifeln, zu viele Stereotypen werden bedient. Daß es aber solche Geschichten gibt, dies weiß ich aus Erfahrung.
    Ob es den Bestatter tatsächlich gibt, dies wage ich auch zu bezweifeln.
    Was das Kommentieren anbelangt, nun, jeder fühlt sich wohl zur Abgabe seiner „Wahrheit“ aufgefordert, wenn er durch solche Stereotypen dazu animiert wird. Gewiß ein Erfolgsrezept des „Bestatters“.

  8. >Ob diese Geschichte sich so zugetragen hat, dies mag ich zu bezweifeln, zu viele Stereotypen werden bedient.

    Genauso sehe ich das auch. Es sind einfach zu viele Stereotype, die sich in den einzelnen Geschichten ballen. Das sind keine handelnden Personen mehr, denen der Undertaker da begegnet, sondern Karikaturen.

    >Ob es den Bestatter tatsächlich gibt, dies wage ich auch zu bezweifeln.
    Das es ihn so wie beschrieben gibt, bezweifle ich mittlerweile auch. Aber unter dem Blog steht ja: Ähnlichkeiten mit tatsächlich lebenden oder toten Personen wären rein zufällig. Damit ist er so oder so abgesichert.

  9. >Zur Steigerung des Unterhaltungswertes sind oft auch Begebenheiten aus verschiedenen Epochen und mit unterschiedlichen Betroffenen in einem Kontext zusammengefasst und in einen einheitlichen zeitlichen Rahmen eingeordnet.

    So stehts in der Info, die hatte ich bis jetzt nie gelesen.

  10. @Kristian:
    Man nehme ein breites Spektrum von „Stereotypen“ (besser „Klischees“), an welchen sich viele pro oder contra abarbeiten können, und packe dies in einen sensationellen Rahmen, hier eine Berufsgruppe, welche sonst für ihre Diskretion (auch: „Stereotyp!“) bekannt ist.
    Ach ja, ein Bestatter, der so viel erlebt, der hat wohl kaum Zeit für’s Bloggen – es sei denn, daß er bereits im Jenseits weilt und übersinnliche Kräfte oder aber einen Ghostwriter besitzt bzw. selbst ist. 😉
    Dennoch ziehe ich meinen Hut vor diesem genialen Spiel mit der menschlichen Sensationsgier.

  11. Wenn Deutsche nicht mit Ihren Finanzen und der Wirtschaft zurechtkommen… und das können die meisten europäischen Länder eh nicht mehr… dann, ja dann, verzichtet auf unsere Gelder… Ihr Arschl.. el. Schaut doch einfach mal zuerst in Eurem Hauseingang und kehrt all den Dreck zusammen.. Wenn ich ein Sklave des Staates wäre.. ich würde auf die Strasse gehen… und Europas Bürger sind zu Sklaven geworden… Sklaven des sogenannten Staates!!! Was ist für Euch den der Staat??? In der Schweiz kann ich immer noch sagen: der Staat sind wir… aber wie lange noch…

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