Google verprellt Blogger mit Dollar-Trick

So titelt heute der Spiegel Online in seiner Rubrik „Netzwelt“. Autor Dirk Kunde hat sich auf die Suche begeben und ein paar deutsche AdSense-Nutzer ausgemacht, denen er seine These aus der Nase ziehen konnte. Dass unter den fünf Beispielen, anders als es die Titelzeile vermuten lassen würde, lediglich ein einziges Blog ist, stört wahrscheinlich nur Erbsenzähler wie mich.

Kern der Kritik des Herrn Kunde ist der Umstand, dass AdWord-Kunden, also Käufer von Anzeigen bei Google in ihrer jeweiligen Landeswährung zur Kasse gebeten werden, während die Einblender, also Werbeflächenanbieter generell in US-Dollar bezahlt werden.

Ein Scheingefecht. Das Problem mit Googles AdSense beginnt schon wesentlich früher. Lese doch mal einer seine AdSense-Berichte durch. Wird da einer schlau draus? Man erfährt, wieviel man wann für welchen Klick erhalten hat, erfährt aber bereits nicht, warum man Betrag X und nicht Betrag Y erhält.

Man erfährt auch nicht, wieviel Prozent dessen, was Google für die Einblendung erhält, man wiederum ausgeschüttet bekommt. Man erfährt im Grunde nichts, respektive nicht viel. Jedenfalls nicht genug, um sich einen Kopf darüber zu machen, inwieweit es fairer wäre, wenn die Provisionen in Euro berechnet würden.

Google kann es im Prinzip wurscht sein. Weisen sie Euros aus, gibt es eben noch weniger per Klick. Googles Werbekonzept hat reichlich große Ähnlichkeit zur mittelalterlichen Willkürherrschaft. Man erinnere sich nur an die Pagerank-Spielchen vor ein paar Wochen. Warb jemand mit Linklift oder TLA, jedenfalls außerhalb von Google? Runter mit dem PageRank, 0 is the limit. Damit waren diese Flächenvermieter für ihre bisherigen Auftraggeber nicht mehr interessant. Oder nehmen wir die merkwürdigen AGB, die es Google prinzipiell erlaubt hätten, Inhalte aus Text & Tabellen weitergehend zu nutzen.

Es gibt also genügend handfeste Themen, die man aufgreifen kann, wenn man Google kritisieren will. Wenn man sich allerdings bloß einen kritischen Anschein geben will, ohne den Jungs aus Amiland wirklich auf die Füße zu treten, reicht es offenbar, die lauwarme Währungsthematik auf Artikellänge aufzublasen.

Vielen Dank SpOn für dieses Lehrstück eines angepassten Journalismus.

[Fotoquelle: pixelio.de]

5 Gedanken zu „Google verprellt Blogger mit Dollar-Trick

  1. Irgendwo hast du recht, mit dem, was du da so schreibst. Jedoch spielen wir doch alle dieses Spielchen auch auf gewissem Niveau mit, oder?

    Wir (versuchen zumindest) mit Google Geld zu verdienen, optimieren unsere Blogs dahingehend, dass wir ein wenig optimierter ins Land ziehen, was Suchmaschinen im Allgemeinen angeht… und nicht zuletzt gibt es immer wieder versuche (der Blogger an sich), „Burner-Themen“ anzuschneiden, die allgemeines Interesse reflektieren, um eben Besucher über Suchmaschinen zu bekommen.

    So ist es doch, oder?

    Ich kann mich da auch sehr irren, aber was ich so bisher wahrgenommen habe von der Blog-Welt, läuft der Hase ziemlich deutlich in diese Richtung.

  2. Was mich bei dieser Diskussion schon immer interessiert hat:
    – Gibt google eigentlich Daten über die Einnahmen deutscher Blogger an deutsche Finanzämter weiter?
    – Oder: Werden die Gelder eigentlich von USA aus überwiesen?

    – Und geben die Blogger die Einnahmen eigentlich beim Finanzamt an?

    Ich warte noch, bis in den Internetmedien von 12.000 Bloggern zu lesen ist, bei denen das Finanzamt einen Anfangsverdacht der Steuerhinterziehung sieht …

  3. Also ich denke, als durchschnittlicher „Hausfrauenblogger“ wird man die Einnahmen durch Google, Trigami etc. sicherlich als Einnahmen aus selbständiger Arbeit ausweisen müssen – jedoch denke ich, wird man hier in den Rahmen des Freibetrages fallen, so dass mit den wenigen hundert Euro im Jahr, die man durch solche Dinge erwirtschaftet, keinerlei einkommensteuerliche Pflichten entstehen… Vermute ich mal.

  4. Robert Basic hat in seinem Blog das Thema sehr gut kommentiert. Ich wurde mit Hausgarten.net ebenfalls geringfügig missverstanden, da ich mir durchaus eine Abrechnung in Euro (vor allem in den Statistiken) wünsche, aber keinen Umsatzrückgang von 11% erleiden musste. Allein der Dollar verlor an Wert, mein Umsatz stieg, denn auch die Besucherzahlen stiegen deutlich.

    @MaxR: Die Gelder kommen aus Mountain View. Die Einnahmen müssen natürlich angegeben werden. Insbesondere werde nicht nur von Hartz IV und Bloggen lebt, wird eventuell zur Kasse gebeten, da man durch Job natürlich weitere zu versteuernde Einnahmen erzielt.

  5. @Kim: In diesem Beitrag kritisiere ich ja nicht hauptsächlich Google, sondern diesen SpOn-Autoren. Insofern hatte ich die von Dir aufgeworfene Frage nicht zu beantworten. Soll ich es dennoch tun, muss ich zugeben: Ja klar spielen wir alle mit. Es bleibt uns ja auch nichts anderes übrig.

    @MaxR: Eine Weitergabe seitens Google kann nach geltendem deutschen Recht nur unzulässig sein. Die Gelder kommen aus den USA. Ob jeder „Empfänger“ seine Einnahmen ordentlich deklariert, weiß ich nicht. Ich persönlich lasse sämtliche Einnahmen und Ausgaben über eine GmbH laufen und bin damit auf der sicheren Seite.

    @Marcel: Hast Recht. Roberts Beitrag ist gut, erschien aber nach diesem hier, so dass ich seine Aussagen nicht einfließen lassen konnte.

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