SaaS: Software as a Service – der nächste Knüller

Ich lese gerade das aktuelle Linux-Magazin 01/08. Ein Schwerpunktthema ist SaaS, Software as a Service. SaaS bezeichnet jegliche Softwarelösung, die nicht lokal installiert, sondern per Browser bedient wird und auf den Servern des Anbieters läuft. Ganz ähnlich eigentlich zum uralten ASP, aber eben strikt auf den Browser beschränkt.

Beispiele für Saas sind Google Text & Tabellen, eigentlich alle anderen Googledienste auch, oder Zoho Writer und die anderen Module. Natürlich gibt es auch SaaS-Anwendungen, die nicht für Hans und Franz geeignet sind, so zB Vertriebssteuerungsmodule, wie dasjenige von Salesforce oder SAP.

Die Vorteile einer solchen Lösung liegen auf der Hand. Der User installiert außerhalb des Browsers keine Software. Er muss sich nicht um Updates kümmern. Er kauft keine Programmpakete, sondern mietet lediglich eine Nutzungslizenz, wenn die Nutzung denn überhaupt etwas kostet. Er braucht sich nicht um Backups zu sorgen. Alle Verantwortung liegt beim Provider.

Klingt erstmal toll, oder?

Schon das Linux-Magazin weist auf einen offensichtlichen Nachteil hin. Wenn ich Kundendaten ohne Ende in die SaaS-Lösung eingegeben habe, schränke ich mich, was einen eventuellen Wechsel der Software betrifft, deutlich ein, da ich nichts über die Kompatibilität zu anderen Anbietern weiß. Richtig, aber nur einer der geringsten Nachteile.

Was das Linux-Magazin nicht anspricht, wirkt für mich viel schwerwiegender. Da ist nicht die Frage, wie übergebe ich meine Daten an eine alternative Lösung, sondern, wie und in welcher Form und in welchen Intervallen erhalte ich meine Daten als lokale Sicherung? Wer garantiert mir, dass die Server meines SaaS-Anbieters morgen früh überhaupt noch laufen? Wer garantiert mir, dass die versprochenen, wenn sie denn überhaupt versprochen werden, Backups tatsächlich durchgeführt werden und im Ernstfall auch greifen?

Google Text & Tabellen ist zum Beispiel eine solche Lösung, die mich sorgenvoll die Dokumente stets auch als lokale Kopien speichern lässt. Wer weiß, ob Google übermorgen nicht den Dienst einstellt.

Auch Flickr lässt mich nicht ruhig schlafen. Über 2.000 Bilder habe ich dort hinterlegt, viele in mein Blog eingebunden. Was, wenn Herr Flickr morgen früh den Stecker zieht? Da beruhigt es mich nur ein wenig, dass ich zu den zahlenden Mitgliedern gehöre. Man wird mich hoffentlich rechtzeitig informieren, bevor man abschaltet. Mehr kann ich nicht verlangen, außer mein Geld zurück, wenn der Vertragspartner seine Leistungen nicht erbringt.

Selbst mein bevorzugtes Online-Textverarbeitungsprogramm, der Zoho Writer bietet lediglich eine vermeintliche Sicherheit. Der Zoho Writer ist einer der wenigen Webservices, die bereits mit Google Gears, der Lösung, die Online-Inhalte in eine Offline-Datenbank sichert, ausgestattet. Allerdings sichert Zoho stets nur maximal 25 Datensätze lokal und gleicht sich dabei offenbar stets aktuell ab, will heißen, es befinden sich tatsächlich nur 25 Datensätze aka Texte offline und nicht etwa kumulativ pro Sicherung 25.

Selbst mein GoogleMail-Konto rufe ich mit einem E-Mail-Client zusätzlich lokal ab, obwohl ich das nicht bräuchte und letztlich lokal auch nicht nutze. Die Onlineverfügbarkeit meiner gesamten E-Mails ist das Beste seit Bier in Dosen. Bloß. Wo sind meine Mails, wenn Google plötzlich auf andere Gedanken kommt und das Vorhalten von Mail-Accounts nicht mehr für sinnvoll erachtet?

Gleiches gilt für mein Web.de-SmartDrive, das ich jetzt am Wochenende geleert und gelöscht habe. Zum einen waren mir die Übertragungsgeschwindigkeiten zu langsam geworden, zum anderen habe ich auch hier immer mehr Zweifel an der Datensicherheit entwickelt. Und wenn ich ein Dokument remote und lokal speichern muss, um es sicher im Zugriff zu behalten, macht mir das Versioning im Zweifel mehr Aufwand, als der Online-Bearbeitungsvorteil aufwiegen kann.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass SaaS sich durchsetzt, wenn es anders als bisher betrieben wird. Ich hätte zB überhaupt kein Problem, auf meinem eigenen Webspace eine Onlinetextverarbeitung zu installieren, wie ich es ja auch mit meiner Blogsoftware tat.

Sicherlich könnte mein Hosting-Provider auch von heute auf morgen insolvent werden, dieses Risiko wäre allerdings auf eine Partei beschränkt und lauerte nicht in Form eines halben Dutzend Anbieters in meinem Nacken.

[Fotoquelle: pixelio.de]

12 Gedanken zu „SaaS: Software as a Service – der nächste Knüller

  1. Ich hätte zB überhaupt kein Problem, auf meinem eigenen Webspace eine Onlinetextverarbeitung zu installieren, wie ich es ja auch mit meiner Blogsoftware tat.

    Solche Sachen gibt es bereits zuhauf. Mir persönlich positiv aufgefallen ist Eyeos (Web-desktop), wenn es auch nicht soo der Knaller ist und da noch einiges an Entwicklung ins Land gehen wird.

    Deinen Ausführungen kann ich zustimmen, wobei mir irgendwie der wichtigste Punkt an dem ganzen Online-kram fehlt: was macht der Fremd-Anbieter mit meinen Daten?
    Was macht Google mit Dokumenten noch, ausser sie zu scannen und mir passende Werbung dazu zu verkaufen? (Wobei das für mich eigentlich bei Google schon ausreicht, die Finger davon zu lassen)

  2. Ich hoffe zumindest, dass solche recht großen Anbieter wie flickr oder Google nicht von einem auf den anderen Tag dicht machen. Und auf ein Backup sollte man ja sowieso nicht verzichten…

  3. Ja, aber ein Backup der Daten eines WebZwoNull-Dienstes ist ja auch nicht ohne weiteres machbar. Klar kann ich meine Flickr-Bilder auch offline vorhalten, aber der gesamte Communitykram drumrum, mit Tagging und Pipapo, Alben, Geomapping etc., sowie das Embedden der Bilder ins Blog ist futsch. Es bleiben nur die nackten Bilddaten.

    Bei Google lassen sich die Daten aus Mail und Docs recht einfach lokal sichern. Schon bei Mail stellt man dann aber fest: Auch hier nur die nackten Daten. Kein Threading mehr, nix.

    Noch schlimmer ist es dann bei SaaS wie Salesforce. Da kann man nicht einfach mal eben ein Backup selber fahren. Und selbst wenn man es könnte, man kann mit den Daten nix anfangen.

  4. Manche Appleheinis werden sich sicher noch erinnern…

    Email @mac.com und ein Smartdrive „free for (a) lifetime“

    :mrgreen:

    Ach ja, da wurde dann ja irgendwann der DOTmac Bezahl-Service draus 😈

  5. Hieß das nicht mal „Application on Demand“? Bill Gates ist mit der Idee doch auch schon mal auf(die Schnautze)gefallen.

    Ich halte da schon alleine aus Sicherheitsgründen nichts von. Solche Datengräber sind ein bevorzugtes Ziel für Angriffe, weil bei einem Erfolg gleich viele Leute betroffen sind (Zertifizierer bedienen sich aus diesen Gründen häufiger verteilten Signatursystemen. Wenn ein Teilserver geknackt ist, nützt das dem Angreifer noch gar nichts), und wer garantiert, wo im 1. Kommentar bemerkt, dass nicht noch mehr Unfug mit den Daten angestellt wird.

    Außerdem wird man erpressbar für Preiserhöhungen, überzogene Preise für Sonderdienste wie persönliche Backups usw. Bei komplexeren Anwendungen geht möglicherweise auch lastabhängig die Performanz in die Knie.

    Fazit: ich würde von solchen Netzdiensten abraten und lieber die eigene CPU/Festplatte verwenden.

  6. Nein, das war nicht Bill Gates, sondern Ellison/Oracle mit Nic/Nicc.
    Und wie bereits gesagt, gibt es eigenständige Programme, die man alternativ zu Datenparanoia dazu verwenden kann.
    EyeOs bspw. kann man sich hier anschauen: http://demo.eyeos.org/
    Was dann noch an Unsicherheiten bleibt, ist der Weg der Daten über den Breitband-provider und beim eigenen Server-anbieter.

    Ich persönlich mag die Webgeschichten aus verschiedenen Gründen sehr, ich spiele keine Spiele und nutze auch keine zwingend rechnerabhängige Software (zumindest keine, die man nicht auch theoretisch für einen Browser „emulieren“ könnte), fehlt halt nur noch das schlanke Betriebssystem was ausschliesslich einen Browser und diverse Dateiverwaltungsprogramme beherbergt und eine ausgereifte Server-software.

  7. @KK: Hey, Apple sind doch die Guten. Oder etwa doch nicht?

    @Gilbert: Ich arbeite regelmäßig an drei verschiedenen Arbeitsplätzen plus einem Notebook mit mobilem Internetzugang. Für mich ist SaaS das Paradies, sozusagen. Egal wo ich mich aufhalte, ich finde stets alles vor. Zur Not könnte ich sogar vom Internetcafe aus arbeiten. Für mich wäre die Alternative, Datenbestände auf mindestens vier verschiedenen Rechnern aktuell redundant zu halte. Geht gar nicht…

  8. @ Mike: Gates hat damit auch mal angefangen, dann aber wieder abgebrochen (oder zumindest zurückgestellt). Ist, so weit ich weiß, parallel zu XP gelaufen. War aber nur ein schwacher Vorstoß, und seitdem ist halt relative Ruhe.

    @ Dieter: mir reicht ein verschlüsselter U3-USB-Stick auf Reisen, und selbst da mach ich nicht überall alles auf. Ein paar Sensibelchen sind mit TrueCrypt oder anderen Sachen gesichert, sensible Dateien werden radiert statt nur gelöscht, ab und zu auch der komplette Freispeicher (wer weiß, wo das Betriebssystem alles was hin kopiert). Ethereal hat mir schon so manche IP-Adresse geliefert, die jetzt von der Firewall blockiert wird, weil irgendein Programm Daten dahin schickt, ohne das in den Lizenzbedingungen zu verraten. Das ist zwar noch nicht das Optimum, aber Schäuble hat’s schon schwer, und so verbotene Sachen mach ich ja nun auch nicht (hoff‘ ich wenigstens). Es geht nur ums Prinzip. Aber jedem das Seine.

  9. USB-Sticks. Hör mir bloß auf. Das habe ich auch mal versucht. Wurgs. Klappt in der Theorie alles perforragend. Ich habe aber keinen Bock darauf, in abgespeckter Umgebung in der Hoffnung, alles möge funktionieren, dauerhaft zu arbeiten. Du scheinst mehr so der stationäre Arbeiter zu sein. Wenn ich nur an einem Rechner sitzen bräuchte, würde ich mir über den ganzen SaaS-Kram auch keinen Kopp machen.

  10. Ich arbeite auch auf mehreren Rechnern an verschiedenen Standorten und komme mit dem USB-Kram ganz gut klar, ohne auf irgendwas verzichten zu müssen. Aber wie schon gesagt: jedem das Seine.

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