Spickmich und die Dünnhäutigkeit der vermeintlichen Intelligenzia

Ein wahres Feuerwerk an Aussagen zünden die diversen Lehrerverbände gegen das Schülerportal Spickmich.de. Warum? Weil auf Spickmich.de jede Schülerin und jeder Schüler seine Lehrerinnen und Lehrer benoten darf. Dabei ist technisch sichergestellt, dass auch nur Schüler der jeweiligen Schule tatsächlich ihre eigenen Lehrer benoten. Für Lehrer und Eltern gibt es auf Antrag ein Login per E-Mail. Ich habe mir angeschaut, was da so für Unmut in der Lehrerbranche sorgt.

Auch wenn ich sicherlich zu den deutlichen Lehrerkritikern gehöre, war ich nur aufgrund der Medienberichte zunächst latent negativ gegenüber Spickmich.de eingestellt. Warum sollten Schüler ihre Lehrer frei bewerten können? Sie haben eh keine Wahl. Sowas kann also nur Ventilcharakter haben, was nicht hilfreich wäre. Anders sieht es aus, wenn es um Ärzte oder Anwälte geht. Diese Berufe sind im Prinzip wie Produkte zu betrachten. Taugt der Arzt nichts, gehe ich nicht hin und bin dankbar dafür, wenn ich es früh genug erfahre. Allein die Tatsache, dass es sich bei diesen Produkten um Menschen handelt, macht eine Bewertung nach meinem Dafürhalten nicht kritikwürdig.

Lehrer und deren Verbände wenden nun gegen Spickmich ein, die Benotungen hätten verunglimpfenden Charakter und griffen unzulässig in die Persönlichkeitsrechte ein. Durch Spickmich würde das Klima an Schulen verschlechtert, Schüler würden nicht zu freier Meinungsäußerung, sondern zu hinterlistiger Hetzkritik animiert. Der Chefphilologe spricht sogar von einem „feigen, unkontrollierbaren und nicht selten menschlich sehr verletzenden Weg.“ Grund genug, sich selbst ein Bild vom Geschehen zu machen.

In der leicht gruseligen Erwartung, nun dem Beelzebub persönlich zu begegnen, rufe ich Spickmich.de auf. Eine moderne, übersichtlich gestaltete WebZwoNull-Anwendung widerspricht meinen Erwartungen. Wie, hier sieht es nicht einmal nach Orkus aus, denke ich und finde auf der hervorragenden Oberfläche im gleichen Moment den Button „Lehrer/Eltern“. Ruckzuck qualifiziere ich mich als Elternteil und erhalte per E-Mail ein Passwort, mit dem ich mich frei auf Spickmich bewegen kann. Mich interessieren lediglich die umstrittenen „Zeugnisse“, also gebe ich Stadt und Schule ein und klicke auf „Suchen“.

Aufgrund des riesigen öffentlichen Interesses scheint Spickmich aktuell etwas überlastet zu sein. Erst nach gefühlten fünf Minuten öffnet sich die Übersichtsseite der Schule mit Symbolbildern des Kollegiums. Sogar eine Top10 gibt es. Ich überfliege die Namen, von denen längst nicht alle Benotungen aufweisen. Ich vergleiche die Noten mit meinen eigenen Eindrücken und bin von der – nennen wir es ruhig so – Objektivität der Schülerbewertungen überrascht.

Feige sollte es doch sein, hinterlistig, verletzend, beleidigend, gar. Das kann ich alles nicht erkennen. Die Schüler geben Noten in vordefinierten Kategorien, wie „gut vorbereitet“, „faire Noten“, „menschlich“, „faire Prüfungen“ etc ab. Es gibt keine freien Formulierungen, die sicher gern mal für Schmähungen genutzt werden würden. Die Benotung spielt sich in einem ähnlich vorgefestigten Rahmen ab, wie die Bewertung der Schüler durch die Lehrer auch. Einen Screenshot finden Sie unter diesem Beitrag.

Sicher, die reine Endnote ist bei manch einem Lehrer auch schon mal ein „mangelhaft“. Aber, überrascht das in diesen Zeiten wirklich irgendjemanden? Wie oft haben Sie sich über die Arroganz der unantastbaren Lehrkörper schon an Elternabenden und -sprechtagen ärgern müssen? Glauben Sie, unseren Kindern geht es da Tag für Tag anders?

Bislang konnten sich die Herren und Damen, die sich für die deutsche Intelligenzelite und schier zu jedem Amt im Staate fähig halten, unentdeckt und teils am Rande des Erträglichen auf die ihnen Schutzbefohlenen – sagen wir – einwirken. Nachvollziehbar ist es schon, dass sie diesen paradiesischen Zustand des quasi diplomatischer Immunität gleichkommenden Schutzschildes ungern aufgegeben sehen wollen. Wichtiger aber als diese reine Befindlichkeit ist, dass die Schüler endlich eine angemessene und immerhin sanfte Möglichkeit, sich effizient zur Wehr zu setzen, erhalten haben.

Und das, meine sehr verehrten Damen und Herren, das ist gut so!

[Fotoquelle: pixelio.de]

 

 

spickmich

27 Gedanken zu „Spickmich und die Dünnhäutigkeit der vermeintlichen Intelligenzia

  1. Der Notendurchschnitt der Schüler/innen von derart evaluierten Lehrkräften könnte sich zukünftig schlagartig verbessern, was dann aber nichts mit einem tatsächlichen Zuwachs an Können zu tun haben würde. Dumm und frech bleibt dumm und frech, da hilft auch die Möglichkeit zum Dampf ablassen nichts. :mrgreen:

    Gibt es bei Spickmich übrigens noch die Beurteilungen der Schulen zu den Themen „Flirt“, „Party“ und Alkohol“?
    So viel zum ernsten Anliegen der Schüler/innen.

    Ich hatte mich dort schon vor Monaten umgeschaut und unseren Kampfkuschler Walther als Schüler angemeldet.
    So viel zur Manipulierbarkeit.
    (Hinweis für Personen, welche Walther nicht kennen: Walther ist ein sechsjähriges Kuscheltier)

    Ich sag’s kurz: „Schei**endreck!“

  2. @Wilhelm: Du hast Glück, dass Du kein Lehrer bist.

    Nein, es gibt keine Bewertungskategorien zu Flirt, Party, Alkohol. Versuch jetzt doch nochmal Deine Kuscheltiere als Schüler anzumelden.

    Ich sag´s kurz: Jede neue Anwendung, gerade im Teeniebereich versucht erstmal die Grenzen auszuloten, um sich dann irgendwo am Rande des Akzeptierten fest zu setzen. Das ist normal und auch richtig so.

    Demokraten werden das auch gut finden. Außer Schäuble (und Gesinnungsschäubles) natürlich. Aber der ist ja offenbar auch kein Demokrat mehr…

  3. Warum wird in solchen Diskussionen eigentlich vorausgesetzt, dass Schüler unfair benoten bzw manipulieren und Lehrer dagegen stehts fair und besonnen handeln?

    Ist das jetzt so ein Generalverdachtsding wie es ja gerade in der BRD en vogue ist?

  4. Die Frage ist doch „Was wollen die Initiatoren damit erreichen?“. Leider bekommt man da kaum Antworten, weil die es meist selbst nicht wissen (siehe z.B. auch MeinProf).

    Sinnvoll wäre eigentlich das Ziel, den Lern/Lehrerfolg zu verbessern, was aber voraussetzt, dass man die Kontrahenten enger einbindet, sich Gedanken über Asymmetrien macht (negative Erfahrungen aktivieren eher dazu, sich an so was zu beteiligen) und auch den Zeitpunkt der Kritik sinnvoll festlegt (z.B. bekommt man in Grundlagenfächern zeitnah oft sauschlechte Kritiken, später, wenn die Sachen gebraucht wurden, sieht es dann ganz anders aus. Im Extremfall findet man dann kaum noch Leute, die sinnvoll die Grundlagen unterrichten wollen, weil sie das Gemobbe satt sind).

    Solche Seiten sind im Grunde nichts anderes als ein öffentlicher müder Abklatsch der so genannten „Evaluierung der Lehre“. Ob das tatsächlich mal als Qualitätssicherung gedacht war, ist zweifelhaft, da sich das Politiker ausgedacht haben, aber entledigen tun sich Schulen und Hochschulen dieser Aufgabe auf die einfachste und sinnloseste Art: Datengräber schaufeln. Sollte man von solchen öffentlichen Seiten mehr erwarten?

  5. @KK: Offenbar. Meine Erfahrungen zeigen eher, dass man nicht generell Fairness vermuten darf, bloß weil es ein Lehrer sagt oder tut. Fast schon eger das Gegenteil…

    @Gilbert: Lehrer benehmen sich im Unterricht den Kids gegenüber teils arrogant, anmaßend, beleidigend, verletzend, sich jedenfalls jederzeit ihrer Macht bewusst. Dabei kommen Sprüche raus, die unter aller Sau sind. Da es sich aber in der Flüchtigkeit des gesprochenen Wortes und innerhalb der „eigenen vier Wände“ abspielt und Schüler seit frühester Kindheit (durch die Lehrer) so konditioniert werden, dass sie von Lehrern ohnehin nur das Schlechteste erwarten, passiert den Leerkräften nix. Ist doch klar, dass die Damen und Herren der vermeintlichen Intelligenzia diesen stillschweigenden Missbrauch nur ungern an die Öffentlichkeit gezerrt wissen wollen.

    Insofern stellt sich die Frage nach Sinn und Unsinn einer solchen Plattform für mich gar nicht. Mir reicht es schon, dass da jemand versucht, zumindest eine rudimentäre Gleichheit der Waffen herzustellen.

  6. @Dieter: ich finde eine solche pauschale Kritik nicht gerechtfertigt. Die engagierten Lehrer sind sicher immer noch in der Überzahl, wenn es auch solche arroganten Typen durchaus gibt. Außerdem muss man auch die Rahmenbedingungen beachten. Heute stehen Lehrer ohne jegliche Disziplinierungsmöglichkeit vor 28-38 Schülern, von denen 2/3 Ausländer sind, die einfach keine Lust haben und bei denen man froh sein kann, wenn sie wenigstens nicht stören, oder von denen jedes 3-5 Kind in einer Therapie ist.

    Ich bin kein Lehrer, kenne aber genügend, und ganz ehrlich gesagt: es wundert mich, dass nicht schon längst mal ein Lehrer so in Anlehnung an die Amokläufe von Schülern durchgedreht ist und seine Klasse kurzerhand mit einem Baseballschläger aufgemischt hat.

    Ich erinnere da mal an den Schulskandal in Berlin. Statt den Hilferuf der Lehrer mal zu einer Änderung der Rahmenbedingungen zu nutzen, wurde die Schuld an allem kurzerhand den Lehrern in die Schuhe geschoben, was ja auch viel billiger ist. Am Besten wäre es vielleicht, wenn sich niemand mehr für den Lehrerberuf interessiert und die Schulen in absehbarer Zeit schließen. Ein großer Unterschied im Niveau von 20-jährigen mit und ohne Schule wäre ohnehin nicht zu bemerken.

  7. @Gilbert: Du hast fast schon ein bisschen Recht. Jedenfalls gehen mir leicht die Gäule durch, wenn ich mich mit diesem Berufsstand auseinandersetzen muss. Dabei passiert das nicht als reiner Reflex, sondern basiert auf meinen Erfahrungen der letzten 40 Jahre.

    Was ich zB nicht akzeptieren kann, ist dieses Gewäsch, alles würde immer schlimmer. Wenn ich mir heutige Schülergenerationen ansehe, dann sind das wahre Weicheier gegen uns früher. Und Ausländer. Bitte. Als ich in die Grundschule kam, schwappten gerade die Italiener in Divisionsstärke nach Deutschland. Damals waren die ähnlich sozialisiert, wie der durchschnittliche Anatole heutzutage. Einen hohen Ausländeranteil und ordentlich auf die Fresse gab es also auch damals schon.

  8. Meine Güte, die armen, armen Lehrer…

    Ich stehe jeden Tag vor 40-50 Halbstarken, Vorbestraften und Lauscheppern (Motto: Stehn 3 zusammen, stehen da 12 Jahre Knast), und ohne Züchtigungen (oops Diziplinierungsmöglichkeit @ Gilbert) laufen die doch in die von mir vorgegebene Richtung.

    Muss wohl an mir liegen, überlegener Geist und so… 😎

    Ich denke die Lehrer sind einfach scheisse, bzw haben den Zug verpasst und jetzt heulen die rum.

    Megapeinlich.

    (PS Morgen checke ich mal „meine“ Ausländerquote, hat mich bis jetzt nicht interessiert(schätze aber so 60 %), aber wenns der Diskussion hilft…)

  9. @Dieter: jetzt müssen wir uns erst mal über die Zeit einigen. Ich komme aus dem Ruhrgebiet vor der Erfindung der Rauchgasfilter. Damals ziemlich „gastarbeitergesättigt“, aber keine in den Schulen, weil die ihre Blagen noch nicht mitbringen durften. Das kam erst später und meist illegal, da waren aber die Italiener, Spanier und Portugiesen schon wieder weg und wir hatten es nur mit Türken zu tun. Zu meiner Kinder Zeiten war das noch moderat, zumindest auf dem Land. Heute liegt selbst auf dem platten Land der Ausländeranteil bei fast 1/3, in den Großstädten bis über 3/4. Die Stadt Gelsenkirchen hat vorgerechnet, dass um 2010 in einigen Schulen der Türkenanteil die 90%-Schranke überschreiten wird.

    Mir geht es auch nicht um „Weicheier“, mir geht es darum, dass die Kids unter solchen Bedingungen nichts mehr lernen. Kommt noch die Weicheifrage hinzu: zu unseren Zeit hat man das, wie du sagst, irgenwann mit der Faust ausgemacht und dann war gut. Wenn du heute einen Ausländer auch nur schräg anschaust, bist du ein Rechtsradikaler und es wird eine Hetzjagd veranstaltet. Schau dir doch mal die ganzen Neonazihetzen der letzten Jahre an. War sofort klar, wer das war, alle in den Knast befördert, in den Medien zur Schau gestellt – und bei vielen Ermittlungen kommt dann hinterher heraus, dass die anderen angefangen haben oder das sowieso eine Vendetta unter Ausländern war.

    Es wird leider alles schlimmer. An der FH unterhalten wir uns mit Ingenieursstudenten in Mathematik über Bruchrechnen. Bruchrechnen! Das war bei mir noch Stoff der 4. Klasse, heute Hochschulstoff! Und diese Leute müssen wir qua staatlicher Verordnung zu Ingenieuren erklären! Offene Stellen gibt’s genug, aber die Leute sind nicht mehr qualifiziert. Ein mir bekanntes 25-Mann-Unternehmen hat alleine im letzten Jahr 6 Mann während der Probezeit wieder rausgeschmissen wegen Unfähigkeit. Und in der Schule fängt diese ganze Scheiße an.

  10. @Kublai-Kahn: mag sein, dass dir das gelingt, aber das ist die absolute Ausnahme. Fehlverhalten ist doch heute absolute konsequenzelos. Bei Einbruch oder Sachbeschädigung kommt die Polizei doch heute nur noch vorbei, um zu sagen, dass sie wissen, wer das war, und einen zusätzlichen Strich auf der Liste machen. Festnehmen lohnt sich nicht, weil das Gericht die Leute postwendend wieder auf die Straße schickt. Ich kenne auch sogenannte Sozialstationen, wo unter Aufsicht von Sozialarbeitern ungehindert Straftaten begangen werden. Eine Gruppe von Sozialstudiumspraktikanten, die in so einer Gegend ein Pflichtpraktikum ableisten sollte, hat sich geschlossen geweigert, diesen Sumpf ein zweites Mal zu betreten.

    Lehrer sind in der Tat oft Scheiße, allerdings fachlich. Die haben aber keinen Zug verpasst, das ist schlicht und einfach Folge der „Schulreformen“ der letzten 25 Jahre, an denen sich jeder Politdepp mit einem IQ unter dem Gefrierpunkt beteiligen durfte. Hier mal eine Auswahl:

    a) zu meiner Zeit wurde ein Störenfried durch den Rektor mit den Worten „du bist relegiert“ von einer Minute auf die andere der Schule verwiesen, und zwar entgültig. Heute finden ca. 10 Konferenzen statt, und das Schulamt lehnt einen Antrag auf Entfernung von der Schule nach solchem Aufwand in 99% aller Fälle ab.

    b) In NRW und in Niedersachsen existieren ministerielle Erlasse, die die Durchfallquote an der FOS (Zitat) „unabhängig von den vorhandenen Kenntnissen“ auf 20% begrenzen.

    c) Hohe Durchfallquoten bei Klassenarbeiten mussten früher genehmigt werden (ganz früher nicht). Heute: der Lehrer hat einen Bericht zu schreiben und anschließend ein Gespräch mit einer Beratungsperson zu führen. Mit anderen Worten: wer tatsächlich fachliches abprüft und feststellt, dass nix da ist, wird offiziell gemobbt.

    Also bitte nicht so pauschal auf die Lehrer. Ich bin keiner, und ich würde vermutlich lieber auf Hartz IV gehen als so einen Job zu machen (weil ich bei meinem Temperament vermutlich nach kurzer Zeit durchdrehen würde). Lehrer sind im Übrigen die Berufsgruppe, von denen die wenigsten gesundheitlich das Pensionsalter erreichen. Die Rate der gesundheitlich bedingten Ausmusterung ist hier so hoch wie in keinem anderen Beruf.

    Wovon ich allerdings auch nix halte, ist das Verhalten der Lehrerverbände gegen „fickmich.de“. Einfach ignorieren wäre vermutlich die beste Strategie.

  11. @Gilbert: Bruchrechnen ist auch heute noch Stoff der vierten Klasse.

    Übrigens war es bislang so, dass eine Klassenarbeit aus der Wertung genommen, gegebenenfalls wiederholt werden konnte, wenn sie durch mehr als die Hälfte der Schüler versägt worden war. Seit der Änderung des Schulgesetzes NRW gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Diese Entwicklung steht in diametralem Gegensatz zu Deiner Aussage unter c) Deines letzten Kommentars.

    In Summe: Ich bin nicht sicher, ob hier nicht einfach ein Problem unterschiedlicher Wahrnehmung des gleichen Sachverhaltes vorliegt.

  12. @Dieter: Information c) habe ich von zwei Lehrern aus NRW, 1 in Bochum, der andere in Gladbeck. Der „Anreiz“, es gar nicht mehr so weit kommen zu lassen, ist also sehr groß. Wo der Vorteil liegt, eine Arbeit aus der Wertung zu nehmen, wenn die Schüler kollektiv verweigert haben, kann ich nicht erkennen.
    Aktuelle Situation in Niedersachsen nach Einführung des Zentralabiturs: beim letzten Mal wurden die Zensuren per ministeriellem Erlass um 1-2 Noten nach oben korrigiert. Was soll das?

    Bruchrechnen: ist Matheproblem an Fachhochschulen. Grund: ab Klasse 5/6 gibt es nur noch Taschenrechner. Formeln werden eingetippt, Hintergrund wird nirgendwo mehr beleuchtet. Stoff, der in Mathe einmal gemacht wurde, wird später für etwas anderes nie wieder benötigt (O-Ton von 2 Gymnasiallehrern aus Ostfriesland). Klartext: Dreiecke und Vierecke haben für einen normalen Schülern überhaupt nichts miteinander zu tun.

  13. Nur kurz:

    Ausländeranteil auffe Arbeit ca 75 %

    Wenn ein Lehrer rumheult soller sich doch nen anderen Job suchen. Aber in der freien Wirtschaft gibts ja nicht so viel Urlaub 😉 und son Lehrer, der kann ja auch sonst nix….

    Was für ne Einstellung, „der Job ist ok wenn nur die Schüler nicht wären“ – einfach mal den Schüler als Kunden sehen und schon gehts besser.

  14. Was für ne Einstellung, “der Job ist ok wenn nur die Schüler nicht wären” – einfach mal den Schüler als Kunden sehen und schon gehts besser.

    Klar, der VW-Bandarbeiter betrachtet ja auch das Blech als Kunden, und wenn später der Kotflügel abfällt, erzählt man dem Käufer „mein Kunde hat beim Schraubenreindehen sooo gequietscht“ …
    Man, Kunde ist nicht der Schüler, Kunde einer Schule ist das Unternehmen, das sich hinterher mit schlecht ausgebildeten renitenten Menschen rumschlagen muss.

    Ich muss meine Zertifizierung alle 2 Jahre erneuern, sonst erlischt meine Lehrerlaubnis, vielleicht ist das auch mal was für die “Pädagogen”

    So was in der Art läuft ohnehin schon und heißt Evaluation. Da kommt dann ein Haufen unterbelichteter Besserwisser und richtet noch mehr Unfug an. Aber wenn sowieso nur noch Mist produziert wird, kann man das ja wenigstens noch mit einem Übermaß an Verwaltung zuschütten.

    Wenn ein Lehrer rumheult soller sich doch nen anderen Job suchen. Aber in der freien Wirtschaft gibts ja nicht so viel Urlaub 😉 und son Lehrer, der kann ja auch sonst nix…

    Vielleicht erledigt sich dein Problem mit dem Beruf in den nächsten Jahren auch von selbst. An vielen Schulen liegt das Durchschnittsalter in der Nähe von 50, und auch die Politik lässt im Moment nichts aus, diese Berufswahl unattraktiv zu machen. Vielleicht sollte man den Unterricht auf Sport reduzieren. Körperlich ertüchtigt eignet sich die nächste Generation dann vielleicht zum Wasserträger in Indien …

  15. @Gilbert

    Kunde ist also nicht der Schüler, sondern die Industrie?

    Da will mir jetzt so gar nichts mehr drauf einfallen, ausser vielleicht, dass ich sehr froh bin da nicht Deine Einschätzung zu teilen.

    Natürlich sind die Anforderungen der Arbeitswelt ein Faktor im Bereich Ausbildung, auch ein wichtiger, zugegeben, doch der Mensch (Schüler) bleibt doch mein Kunde als Dozent/Ausbilder. Als Lehrer ist es doch mein Job individuell auf den Kunden einzugehen und seine Talente gezielt zu fördern. Geht nicht? Keine Zeit? Da hat der Lehrer zu viel Stress? Komisch, ich schaffe das und meine Schüler/Kunden gehen mit gefährlicheren Dingen als Schreibheften und Stiften um und zwischendurch erledige ich noch den Scheiss den die guten Pädagogen an den Leuten verbrochen haben. Der Erfolg? Eine über 85%ige Quote was den Eintritt in die Arbeitswelt angeht.

    Ebenso ist es meine Pflicht(!) mich selbst „auf dem Laufenden“ zu halten und mir zusätzlich diese „Besserwisser“ alle 2 Jahre anzutun um die bestmögliche Ausbildung auf dem aktuellen Stand der Technik zu gewährleisten. Auch in diesem Punkt kann bzw mag ich Dir nicht folgen.

    Und wenn Du den Schüler so gerne als „Blech das quietscht“ ansiehst, also eher als Produkt betrachten willst, dann frage Dich auch seit wann denn das Produkt selbst die Schuld an „Produktionsfehlern“ tragen kann 😉

  16. Um es kurz zu machen: wenn ein Schüler ähnlich wie ein Spitzensportler den Anspruch hätte, eine bestmögliche Ausbildung zu erhalten, um hinterher in einer Spitzengruppe mitzumischen, der Lehrer also als Trainer angesehen wird, dann wäre der Schüler als Kunde zu betrachten. Hier wäre außerdem der normale Fall gegeben, dass der Schüler freiwillig zum Lehrer kommt und von sich aus entsprechende Ansprüche an sein Ausbildungsergebnis definiert.

    Das ist de fakto nicht der Fall. Verlangt der Lehrer Leistungen, deren Erfüllung anstrengend ist, wird er kurzerhand zum Sadisten erklärt. Die Nachfrage, was er damit bezweckt, wird nicht gestellt. Der Schüler erwartet einen Edutainer und keinen Trainer. Gibt man dem nach, wie derzeit, kommt hinten nur Schrott raus, wie die Arbeitgeber und Lehrherren immer wieder feststellen (was von euch hoffentlich nicht als üble Lügenpropaganda abgetan wird).

    Als Lehrer tut man den Leuten keinen Gefallen, wenn man es ihnen leicht macht. Man sollte sich an den Anforderungen der späteren Brötchengeber orientieren (Kunde) und den Schüler (Material) auf Erfolg in den restlichen 40 Arbeitsjahren nach der Schule trainieren. Das widerspricht in keiner Weise einer optimalen Förderung der individuellen Talente. Um den Schüller optimal einzustellen, muss der Lehrer gerade darauf eingehen, aber den Schüler eben auch ein wenig antreiben, d.h. der Spaßfaktor fällt nicht optimal aus.

    Erfahrungsgemäß führt so eine Vorgehensweise zu verstärktem Gemecker in der ersten Zeit und recht hohem Ansehen des Lehrers, wenn man in (fast) wieder los ist und merkt, worauf der raus wollte und sich das insgesamt gelohnt hat.

    So weit die Theorie. Dass das heute so nicht mehr läuft, liegt zu einem großen Teil an den Rahmenbedingungen.

    Zu den Besserwissern: mit der ständigen eigenen Fortbildung liegen wir auf einer Wellenlänge. Ich habe aber was gegen Idioten, die öffentlich meine Kompetenz anzweifeln, ohne in der Lage zu sein, mehr als die ersten 5 Seiten meiner Bücher zu verstehen. Ich unterhalte mich nur mit Leuten, die auch auf Seite 225 noch mithalten können. Die Besserwisserei qua politischer Bestellung ist mir zuwider.

    Vielleicht später mehr, muss jetzt in eine Vorlesung.

  17. Da hast Du aber ganz schön Lack bekommen von Deinen Ex-Studenten…

    Was zu Besserwissern: Selbstverständlich macht es auch Sinn, sich mit Leuten zu unterhalten, die schon Seite 5 Deiner Bücher nicht mehr verstehen, solange es nicht um Seite 5 Deines Buches geht. Auch Menschen, die keine Mathegenies sind, können Deiner Denke wertvolle Impulse geben, eben gerade, weil sie nicht in Deiner Spur laufen.

  18. So ein gegenseitiger Schlagabtausch sollte eigentlich intern moderiert werden. Dann wäre auch eine Chance gegeben, rechtzeitig auf eine gemeinsame Basis zu kommen. Leider läuft da gar nichts. Mein Problem sind nicht die Studenten, sondern andere Profs. Aber nachträglich ist besser als gar nichts.

    Mein eigentliches Problem: ich war 12 Jahre für eine IT-Entwicklungsabteilung verantwortlich und musste die meisten Bewerber während der Probezeit rausschmeißen. In der Ausbilderposition möchte ich nun die Leute so hinbekommen, dass ich sie nicht rausschmeißen müsste. Leider bin ich mehr oder weniger gezwungen, solche Leute zu Diplom-irgendwas zu erklären, denen ich das früher abgesprochen habe. Nützen tut das nix. Ich habe am Wochenende mit dem Chef eines meiner damaligen Firma vergleichbaren Unternehmens gesprochen. Die suchen dringend Leute und haben im letzten Jahr einen einstellen können, dafür aber 6 während der Probezeit gekündigt. So was sehe ich nicht unbedingt als Erfolg meinerseits an, aber genau das kommt raus, wenn der Student „Kunde“ ist.

    Bei den Besserwissern, die ich oben meine, geht es leider genau um Seite 5. Trotz Schreibens von mitlerweile 4 Lehrbüchern haben es solche Leute versucht, mir die Lehrqualifikation für genau diese Fächer abzusprechen, weil ich Chemie und nicht Physik oder Mathe studiert habe. Zu den Inhalten konnten sie sich mangels eigener Qualifikation nicht äußern.

    Ansonsten hast du voll Recht. Ich hatte mal einen Coach in Mathe, habilitierter Soziologe. Hat uns beiden (!) viel gebracht. Die Diskussion mit den Studies lief damals auch schon, und nach einigen Versuchen musste mein Coach auch von einer ganzen Menge seiner Vorstellungen Abstand nehmen.

  19. Eigentlich halte ich nichts davon, Lehrer zu bewerten, denn wie im Artikel schon angedeutet: Man hat keine Wahl, und sie sind eben so wie sie sind. Aber vielleicht bringt es den ein oder anderen ja doch zum Nachdenken, wenn er schlechte Noten bekommt. Viele Schüler auf einmal können sich nicht irren; das einzig Fatale an der Seite ist, dass sie sich wahrscheinlich recht einfach manipulieren lässt, um eine bestimmte Person besonders schlecht dastehen zu lassen, wenn das gewollt wird.

  20. Möglich. Andererseits ist das Schicksal eines Schülers seit jeher schnell besiegelt, wenn sich ein paar Lehrer einig sind. Soviel mal zu potenziellen und echten Manipulationsmöglichkeiten…

  21. Ich würde auch gern ein Portal haben in dem ich meine Eltern bewerten kann.

    Auch ein Portal in dem man mdb’s bewerten kann wäre nicht schlecht.

    Dann wüßte jeder warum ich so sch… drauf bin.

    Denkt mal d’rüber nach!

  22. Es gab mal eine Zeit, in der China Deutschland als das Land der Tugend bezeichnet hat. Heutzutage ist das ein absoluter Witz. Das zeigt schon der Artikel von D. Petereit: *Auch wenn ich zu den deutlichen Lehrerkritikern gehoere …* Wie kann man nur allen Ernstes so einen pauschalen Kaese schreiben! Lehrer gleich Lehrer, oder was? Hauptsache rein in die Kerbe! Deutschland steht in Sachen Lehrerkritik an der Spitze in Europa. Keine Spur davon, dass Unterricht niemals Sache einer einzigen Person ist. *Der Lehrer kann mir was beibringen* heisst: Ich bin selbst nicht in der Lage dazu. Und wenn nicht, dann liegt es ohnehin NUR am Lehrer. Armes Deutschland!

  23. @Heiko: Du hättest mal den gesamten Kommentarstrang lesen sollen, bevor Du hier so eine Pauschalaussage absonderst. War Dir wohl zu lang? Das kommt davon, wenn die Aufmerksamkeitsspanne knapp für die Sesamstraße reicht…

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