Behördliche Abzockerei

„Nanu? Verdammt hell. Das wird doch wohl kein Blitz gewesen sein?“ Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen verregneten Morgen vor zwei Wochen. Ich befahre eine 30-Zone steil bergab auf dem Weg zum ersten Termin. „Die können Dich doch unmöglich geblitzt haben. Du warst doch nicht zu schnell.“ Nach weiteren 10 Sekunden Grübelns vergesse ich den Vorfall.

Heute schickt mir der Oberkreisdirektor Landrat als Polizeibehörde dann nebenstehendes Bild, verbunden mit der Aufforderung, innerhalb einer Woche ein Verwarnungsgeld von 15 Euronen zu berappen. Grund: Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Erlaubt waren 30 km/h. Ich fuhr 36. Noch Fragen?

Ich glaube, ich sollte ernsthaft darüber nachdenken, mir einen volldigitalen, amtlich geeichten und wöchentlich nachjustierten Tachometer einbauen zu lassen. Mein Standardtacho hat nämlich bloß so einen blöden Zeiger und die Unterteilung bei den Kilometern ist auch nur in Zehnerschritten vorgesehen. Wenn man dann noch bedenkt, dass zwischen der Zahl 30 und der Zahl 40 maximal ein halber Zentimeter Platz ist: Da muss man ja in die Radarfalle gehen.

Oder war die Sache mit den Radarkontrollen nicht eigentlich mal anders gemeint…

17 Gedanken zu „Behördliche Abzockerei

  1. Rechnen Sie mal mit der Formel aus der Fahrschule den Anhalteweg bei 30 und 36 aus (nach Faustformel 21m und 23,76m — je nach Ihrem Alter und Erhaltungszustand 😉 ist der Reaktionsweg mehr oder weniger als 3*v/10). Die 2,70m Unterschied bedeuten, daß das tote Kind etwa vor dem Hinterrad liegt.

    Üblicherweise haben Tachos Vorlauf, d.h. sie zeigen sowieso mehr an. Nachgehen hingegen dürfen sie kein bißchen. Da die Meßanlage auch noch 5% plus 3 km/h Toleranz einrechnet (d.h. abzieht von dem Vorwurf), ist das Gewinsel hier absolut unangebracht. Es ist offensichtlich, daß der Tacho deutlich mehr als 40 angezeigt hatte.
    Wer nicht in der Lage ist, ab dem Schild 30 zu fahren, dem muß begreiflich gemacht werden, was hier passiert ist, bevor er beim nächsten Mal ein hüpfendes Kind mitnimmt, weil der Anhalteweg zu lang ist. Und wer das mehrfach tut, dem gehört kein Führerschein.

    Ich habe 2 Kinder und es gibt keinen Grund, am 30-Schild schneller zu fahren als erlaubt. Das Schild steht da nicht ohne Grund.

    Absolut kein Mitleid von mir!
    Wenn Sie ein Mann wären, würden Sie den Fehler einfach zugeben und zahlen. Sie wissen ja selbst am besten, ob Sie gefahren sind oder nicht. Wenn Sie nicht gefahren sind, steht es Ihnen natürlich frei, sich zu wehren.

  2. @ths: Was ist denn mit Ihnen los? Natürlich habe ich das Ticket bezahlt und natürlich haben die behördlichen Abzocker formal Recht. Insofern habe ich einen Fehler gemacht.

    Ich bezweifle allerdings, dass eine solche Radarmessung auf dem Niveau Schweizer Uhrenmechaniker ursprünglich gewollt war. Ich weiß auch nicht, welche Art von feinstjustiertem Tacho Sie haben. Meiner ermöglicht mir ein solches Filigranfahren nicht.

    Ganz abgesehen davon, dass es an einem Schulweg natürlich Sinn macht zu messen. Aber nicht erst um viertel vor Neun, wenn sich keiner mehr auf dem Schulweg befindet. Es scheint wohl eher so zu sein, dass die Besatzung des Radarwagens erstmal ordentlich ausgeschlafen sein will, bevor sie sich an die anstrengende Arbeit des Abzockens macht. Und natürlich hat man auch weniger Arbeit, wenn nicht mehr so viele Fahrzeuge zu fotografieren sind.

  3. Tja nun, was ist mit mir los? Vielleicht hab ich eine andere Einstellung zum Schnell-Fahren in 30er Zonen, seit ich Kinder habe, die allein auf zwei Beinen unterwegs sind.

    Der Radarwagen stand da sicherlich auch schon eine Weile vorher, und es soll auch Schüler geben, die erst zur 2. oder 3. Stunde zum Unterricht gehen. Auch um 8.45 darf man sich noch an Verkehrsregeln halten, die hören nicht mit dem Schulgong auf zu wirken 😉
    Ich wiederhole mich: auf dem Tacho waren offensichtlich deutlich mehr als 40. Die meisten Radarfallen sind ziemlich tolerant eingestellt und blitzen nicht bei 31 km/h 😉

    Die „Schweizer Genauigkeit“ werte ich als verzweifelten rhetorischen Trick. Diese Genauigkeit ist nämlich gar nicht nötig. Ich sehe auf meinem Billig-Tacho von Opel ziemlich deutlich, ob ich „etwa 30“ fahre oder „mindestens 40“. Ob man den Tacho-Vorlauf in seinen persönlichen Fahrstil einkalkulieren will, ist eine andere Frage.

    Genau solche rhetorische Trickserei ist das Geständnis, daß die Behörde „nur“ formal recht hat. Soll mir das sagen, daß Sie sich moralisch im Recht fühlen? Die StVO als Vorschlag, und nicht als Gesetz?

  4. „Offensichtlich deutlich mehr als 40“ bin ich also gefahren, wie? Da habe ich ja Glück, dass die Abzocker so großzügig sind, was?

    Ich halte mal kurz fest: Sie haben keine Ahnung von der Situation, tun aber so, als seien Sie dabei gewesen.

    Zum guten Schluss: Glücklicherweise habe ich hier in diesem Blog Tricksereien nicht nötig. Und: Selbstverständlich bin ich moralisch im Recht. 😈

  5. keine Schweizer Genauigkeit gewünscht?
    also lieber 36 ist ungefähr 40? Oder gleich auf 50 runden?
    50 km/h in einer 30er Zone is aber wohl definitiv zuviel 😉

  6. Ja klar. Wir können auch zB auf 80 „runden“ und die große Meinungskoalition ausrufen.

    BTW: Natürlich ist 50 in einer 30-Zone zu viel. Ich bin auch gar nicht gegen Radarkontrollen. Aber 36. 36! Ich bitte Euch.

  7. Sorry, aber mit Abzocke hat das garantiert nichts zu tun!
    Wenn auf dem Bescheid 36 km/h steht, dann wurden bereits 3 km/h Toleranz abgezogen.
    Tachos lassen sich eben ungenau ablesen und das macht nichts, denn sie sind eh recht ungenau. Wenn man digitale Tachos verbauen würde (was man ja teilweise schon macht) dann verleitet das eher zu einer trügerischen Genauigkeit.
    Außerdem gewähren alle Autohersteller einen offset von 5 (bei asiaten etwa) bis 10 km/h (meist dt. modelle).
    Auf ihrem Tacho wurde also ein Wert von 44 bis 49 angezeigt.
    Man kann ja sehr wohl erwarten, dass sie sehen können, ob sich die Tachonadel zwischen 25 und 35 befindet oder zwischen 44 und 54.
    Es gibt sicherlich Stellen an denen geblitzt wird und es streitbar ist, ob es sinn ergibt oder nicht, aber auf Schulwegen muss es kontrolliert werden und zwar während der gesamten Schulzeit!

  8. Ooops, jetzt waren´s doch fast Fuffzig (oder gar 54). Jungens, Ihr habt alle deutlich bessere Augen als ich. Und dass Ihr das so genau wisst, obwohl Ihr gar nicht da wart… Das ist wirklich der Knüller. Reschpeckt.

  9. Wir „wissen“ es eben, weil es definitiv so ist, dass 3 km/h toleranz abgezogen werden (das steht auch in deinem bescheid drin) also bist du definitiv auch 39 km/h gefahren.
    Wenn du deinen Tachovorlauf wissen möchtest, dann fahr in eine Werkstatt und lass ihn messen.

    An einer Schule während der Schulzeit zu blitzen halte ich für sinnvoll.
    Du bist fast 40 gefahren und wurdest geblitzt.
    Jetzt beschwerst du dich über abzocke?
    Btw: wenn dein Tacho wirklich keinen Vorlauf hat und 9 km/h zu wenig zeigt, wie du es behauptest, dann kannst du ja gerne versuchen die 15 euro vom autohersteller erstattet zu bekommen.

    Ab wann sollte man denn deiner meinung nach in einer 30-Zone nebst Schule blitzen? 39 ist zu wenig? 40? Wäre ja auch nur 1 km/h mehr.
    45 oder 50?!
    Warum dann überhaupt noch die 30-Zone?

  10. Nö ich bin lehrer und gerade deswegen regt es mich auf, dass leute uneinsichtig sind, wenns ums rasen an schulen geht.
    da passiert so viel und trotzdem scheint es einigen egal zu sein.

  11. 5-10 kmh vorlauf halte ich für ein Gerücht, 1-5 sind realistisch, es bleiben ca 40 auf dem Tacho.
    In den Niederlanden wird übrigens noch schärfer geblitzt, auch bei 3 km/h zuviel (nach Toleranz) sind 30 EUR fällig. Dem begegnet man aber ganz einfach: korrekt fahren!
    Mein Benz hat eine Speed-Limit-Funktion, wird
    genauso wie der Tempomat bedient und steht dann bei mir auf 33, 53 ,83 je nach Limit 🙂

    Und komme mir keiner mit gefährlich, weil nicht mal schnell gasgeben können: kick-down geht dem Limiter vor.

  12. So, Freunde der Wüste. Zum zweiten Mal in der Geschichte dieses Blogs schließe ich die Kommentarfunktion eines Beitrags. Als ich schrubbte, dass hier jeder sagen darf, was er will, war ich von einem gewissen Mindestmaß an Benehmen ausgegangen. Jemanden als hirnloses Arschloch zu bezeichnen und sich dann lautstark zu wundern, dass der Kommentar nicht durch den Spamfilter geht, subsumiere ich nicht unter „Mindestmaß an Benehmen“. Wer unbedingt in die Bude kacken will, soll dies gern in seinem eigenen Wohnzimmer tun!

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