Was spricht gegen den Post-Mindestlohn?

Lassen Sie es mich kurz machen: Nichts! Und weil ich ein lieber Kerl bin, sage ich Ihnen auch warum. Sie kommen allerdings ebenso mit Leichtigkeit selber darauf, wenn Sie nachdenken, denn wirklich schwer ist es nicht.

Mindestlöhne können problematisch sein. Zum Beispiel da, wo es darum geht, Konsumgüter zu produzieren, die auch von woanders importiert werden könnten. Ein früherer Mandant von mir hat aus solchen Gründen gleich seine ganze Firma geschlossen. Er konnte die Produkte, die er bis dahin produzierte, aus China selbst unter Einbeziehung der Frachtkosten um ein gutes Drittel billiger importieren. Jetzt macht er was ganz anderes und seine früheren Mitarbeiter sind alle arbeitslos. Aber wir Deutschen gehören ja bekanntlich zu den Gewinnern der Globalisierung… Manch einer mehr als der andere, eben.

In der Postbranche indes sieht die Sache komplett anders aus. Eine Briefzustellung kann man nicht aus China importieren. Briefe müssen in Deutschland, an der konkreten Adresse, die draufsteht, zugestellt werden. Natürlich kann der Zusteller eine Firma aus Portugal oder Russland sein, aber die Zustellung muss hier erfolgen. Beste Voraussetzungen für eine ordnungspolitische Maßnahme, die auch noch sozial ist, also.

Wer in Deutschland zustellen will, muss einen Mindestlohn von X Euro zahlen. Wo wäre das ungerecht? Wie sollte das Arbeitsplätze kosten? Es kann ja niemand billiger sein. Wettbewerb würde auf ein soziales Maß hin reguliert. Geradezu geboten erscheint das.

Und dann kommt die CDU und salbadert fadenscheinigen Mist daher, wie, dass der bestehende Tarifvertrag nicht mindestens 50 % der Beschäftigten erfasst. Von daher käme eine gesetzliche Erweiterung als Mindestlohnregelung nicht in Betracht. Liebe PolitikerInnen der sogenannten christlichen demokratischen Union: Für wie doof haltet Ihr die Menschen eigentlich? Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider Deinen Nächsten. Seid wenigstens so ehrlich, zuzugeben, dass es Euch scheißegal ist, wie es den Arbeitnehmern geht. Hauptsache, die Unternehmer werden immer reicher.

[Update vom 07.12.2007: Der Spiegelfechter hat´s noch ausführlicher erörtert. Super Beitrag! Lesen!]

11 Gedanken zu „Was spricht gegen den Post-Mindestlohn?

  1. Ich will die alte Bundespost wieder zurück!

    Jeder kannte seinen verbeamteten Postboten persönlich, konnte sich auf diesen und eine pünktliche Zustellung verlassen.

    Der Postbote kannte sein Revier, schaute auch hier und da einmal nach dem rechten, merkte und meldete so zum Beispiel, wenn alleinstehende (ältere!) Personen Probleme hatten – zumindest fand man zu jener Zeit nicht so viele Tote (mit überquellenden Briefkästen!) erst nach Wochen.
    Auch ist er für die Rentenzustellung zuständig gewesen – heute unvorstellbar, mit viel Bargeld durch die Gegend zu laufen.

    Der Beamte sortierte sein Post morgens noch selbst und kümmerte sich auch persönlich um nicht zustellbare Sendungen.
    Seine Bezirke sind, trotz der geringen Werbesendungen, recht überschaubar gewesen.

    Doch, so ein Postbeamter ist ’ne tolle Sache gewesen, wenn auch ein bisserl teuer.

  2. Was heißt hier „bisserl teuer“. Zu einer Zeit, in der Unternehmen noch so funktionierten, dass sie neben Kostendeckung einen angemessenen Gewinn erwirtschaften wollten, ging das alles.

    Heutzutage müssen aber nicht etwa angemessene Gewinne, sondern vor allem exorbitante Renditen für die Heuschreckenbranche rausspringen. Unter diesem Gesichtspunkt – und NUR unter diesem Gesichtspunkt – sind Menschen heute einfach zu vermeidende Kostenfaktoren. Alle viel zu teuer!

    Guck Dir aktuell das Beispiel EON an. Gewinn NACH STEUERN (!!!) 4,2 MILLIARDEN EURO in diesem Jahr. Aber dennoch müssen natürlich die Preise rauf. Wer soll das verstehen? Wir leben in Zeiten, in denen die Maßlosigkeit grassiert und keiner dem etwas entgegen setzt.

  3. Na ja, leider trägt EON ja nun leider keine Post aus. 😎

    Auch ich neige zum VWLer-Denken, gebe deshalb aber auch zu berücksichtigen, daß viele von uns ihre Altersvorsorge, entweder direkt oder aber indirekt, durch Einlagen in Aktienfonds gedeckt wissen.
    Jeder Versicherer legt die Gelder in Aktien an und jeder Versicherter will gute Leistungen, selbst wenn es sich nur um die Hausratversicherung handelt.

    So gesehen steckt fast jeder von uns drin, verarmte Bevölkerungsteile jetzt einmal ausgeschlossen.
    Man möge mich korrigieren, wenn ich mich faktisch irren sollte, es ist nicht mein Fachgebiet.

  4. Nö, zumal die Hardcore-Alkoholiker, die ich beruflich kennen zu lernen die zweifelhafte Ehre hatte, im Endstadium eher Rasierwasser als denn Bier soffen – wohl des parfümierten Duftes wegen, der sich dezent über den Alkohohlgeruch legte.

    …und genau solch einen Duft der Verschleierung meine ich, wenn ich darauf hinweise, daß wir fast alle in diesem Boot der trunkenen Aktienmanie (welche ich persönlich auch ablehne, da sie nicht länger ihrem ursprünglichen Zweck der Kapitalbeschaffung dient) sitzen und vom Rausch profitieren, auch wenn wir dies nicht gerne zugeben.

    Ähnliches isses mit Mitleidsbekundungen über die Arbeitsbedingungen in Fabriken oder Handelsfirmen:
    wenn es morgen dann aber ein Superangebot beim Baumarkt X gibt, dann bilden sich riesige Schlangen an den Kassen.

    …und sag jetzt nicht, daß mich nicht verstanden hast.

  5. Beispiel Baumarkt: Geht auch mit Autos von Kia, Daihatsu etc. Wir befinden uns in einer sich abwärts drehenden Spirale, wie man sie im Lebenszyklus eines Unternehmens auch finden kann. Durch den Kaufkraftverlust orientieren wir uns an immer günstigeren Angeboten. Dadurch seigt die Nachfrage nach immer noch günstigeren Angeboten. Diese Angebote können nicht zu deutschen Löhnen hergestellt werden, ergo brechen weitere Arbeitsplätze weg. Die Kaufkraft sinkt weiter.

    Was dabei rauskommt, dürfte klar sein. Wir haben hier eine Situation, die ordnungspolitische Eingriffe erfordert. da sie sich sonst evolutionär mit Zerstörung und Neuanfang regeln wird.

  6. Das mag klingen wie es will. Das Phänomen ist eine betriebswirtschaftlich verbriefte Tatsache. Die erforderlichen Konsequenzen sind nicht wählbar. Das wäre so wie eine Operation abzulehnen, weil das dem Patienten eventuell weh tun könnte.

  7. Ein leidiges Thema. Wird aber erst richtig interresant, wenn sich die Lücke von 6 Millionen Arbeitskräften (habe ich glaube in der TA gelesen) in den deutschen Firmen auftut. Da bleibe ich nämlich zu Hause und grinse mir eins.

  8. @Kolumnistenschwein: Meinst Du, wir wären schon so nah an Zerstörung und Neuanfang dran? Das glaube ich nicht. Solche Sprüche sind eher mediales Appeasement, um die Massen zu beruhigen.

    Oder anders ausgedrückt: Den Zeitpunkt, an dem Du willentlich zuhause bleiben könntest, wegen des von Dir geschilderten Effekts, den wirst Du wohl nicht mehr erleben…

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