Netvoting – die Umfragecommunity

Dies ist ein von trigami vermittelter bezahlter Eintrag Hinweis: Dies ist ein von trigami vermittelter bezahlter Eintrag.

Nun ist es also heraus. Hinter der mysteriösen Website Betatester-Wanted.com, die ich hier bereits anteaserte, steckt am Ende zwar nicht DIE Weltneuheit, die man aufgrund der Geheimniskrämerei und der begleitenden großen Worte des Betreibers in verschiedenen Blogs und auch im Briefing hätte erwarten dürfen, aber immerhin tatsächlich eine WebZwoNullige Communityanwendung namens Netvoting.

Ich will mich nicht lange mit der Fragestellung aufhalten, ob es nun seitens des Gründers richtig, geschickt oder sonstwas gewesen sein mag, den Launch so vorzubereiten, wie er es getan hat, sondern wende mich direkt dem Dienst als solchem zu.

Netvoting bietet eine Plattform zur Erstellung von Umfragen und deren Einbindung in die eigene Website an. „Brauche ich nicht, nehme ich ein WordPress-Plugin für.“ höre ich alle WordPress-Blogger spontan rufen. Nutzer anderer Softwarelösungen werden ähnliche Einwendungen erheben, schließlich gehört der gute alte Poll zum Urgestein des Web. Bereits in den Neunzigern konnte man kostenlose Skripte downloaden oder seine Umfragen bei diversen Anbietern hosten lassen. Fakt ist also: Wer eine Umfrage auf seinen Seiten braucht oder haben will, der verfügt bereits über eine entsprechende Lösung.

Dennoch sollte man es damit nicht auf sich beruhen lassen, denn der Unterschied der althergebrachten Lösungen zu Netvoting ist die soziale Komponente. Netvoter können sich auf der Plattform miteinander vernetzen, Polls kommentieren, empfehlen, bewerten und was nicht alles. Außerdem mag es für den einen oder anderen Zeitgenossen interessant sein, was andere so für interessant halten. Eventuell werden sich regelrechte Hobbyvoter entwickeln, die es für die bestmögliche Freizeitgestaltung halten, sich durch die stetig wachsende Zahl Umfragen unterschiedlichster Kategorien zu „arbeiten“.

Mir persönlich bietet die Plattform schon deshalb keinen Nutzen, weil es mich seit jeher nicht interessiert, was andere meinen. Wieso sollte ich danach fragen wollen? Mir reicht es voll und ganz aus, wenn ich meine eigene Meinung zum Ausdruck bringen kann. Ein Wesenszug übrigens, der in Bloggerkreisen weit verbreitet zu sein scheint und bei einigen der sog. A-Blogger gar pathologische Ausmaße angenommen hat. Kurzum: Ein Blogger ist eher nicht die Zielgruppe der Netvoting-Betreiber, was aber insofern unkritisch ist, als sowieso die allermeisten Menschen eben solche nicht sind.

Wie bei einer geschlossenen Betaversion nicht anders zu erwarten, gibt es noch Fehler zuhauf. Soeben konnte ich mich beispielsweise trotz korrekter Nutzername-Passwort-Kombination nicht in den Dienst einloggen. Nach mehrmaligem gleichlautenden Versuchen klappte es dann irgendwann. Auch die Einbindung der fertigen Umfragen in den eigenen Blog funktioniert nicht ohne weiteres. Erst nachdem ich im einzufügenden Javascript-Schnipsel die einfachen Anführungszeichen durch doppelte ersetzt hatte, wurde die Testumfrage sichtbar. Die Einbindung als Flashvariante klappte gleich gar nicht. Außerdem gibt es auf der gesamten Plattform ein wildes Mischmasch aus deutschen und englischen Texten. Wäre ich der Betreiber, ich hätte die Plattform in diesem Zustand noch nicht für externe Tester geöffnet.

Hinzukommen noch irritierende Informationsschnipsel, die allmählich spärlicher werden, aber recht deutlich darauf schließen lassen, dass sich die Betreiber von Netvoting.com – sagen wir mal – sehr, sehr nah an das irische Vorbild PollDaddy.com angelehnt haben. Das passt natürlich überhaupt nicht zur bisherigen Geheimniskrämerei und den Aussagen, man bringe eine „wirkliche neuartige Plattform“ an den Start.

[Bildquelle: http://www.donrivas.ch/]

Auch die Texte zu den Konfigurationsmöglichkeiten sind bislang zu denjenigen auf PollDaddy.com identisch. Das Einklick-Embedding von Umfragen wird – genau wie bei PollDaddy – über den Dienst Wildfire geschleust. Man mag hier viel spekulieren, letztlich kann man es als gesicherte Erkenntnis betrachten, dass es für das Vorkommen des Wortes PollDaddy im obigen Screenshot genau eine einzige sinnvolle Erklärung geben kann.

Nun bin ich nicht etwa ein Webfundamentalist. Ich finde die Umsetzung einer vorhandenen Idee vom Englischen ins Deutsche nicht rundheraus verwerflich. Gut, man hätte schon offener kommunizieren können, ja müssen, dass man hier lediglich ein vorhandenes Projekt umbaut. So wie es gelaufen ist, ist es sicherlich als schlechter Stil zu bezeichnen. Die wirklich schlechten Vibrations, ey, die dieses Projekt aussendet, entstammen jedoch nicht dem Umstand, dass man bei PollDaddy abgekupfert hat, sondern daher, dass man es dabei nicht belassen hat. „Der Petereit spricht in Rätseln. Was will er uns damit sagen?“

PollDaddy bietet eine sehr einfache Benutzerregistrierung. Name, E-Mail und Passwort sind die einzigen Informationen, die der Betreiber haben will und schon kann man Umfragen erstellen und in die eigenen Seiten, wie auch in das interne Polldirectory einbinden. Mehr social networking als die Darstellung eines Verzeichnisses aller Umfragen, die vom Ersteller dazu autorisiert wurden, bietet PollDaddy aber auch nicht an.

Da hat Netvoting wesentlich mehr auf der Pfanne. Schon die Pflichfelder im Rahmen der Benutzerregistrierung sind umfangreicher. Neben Vorname, Nachname, Benutzername, E-Mail und Passwort, gehören dazu auch Informationen wie Geburtsdatum, Postleitzahl und Stadt. Freiwillig kann man dann später im Userprofil noch Angaben zu seinen bevorzugten Themen, seinen Hobbies, wie auch seinem Beruf machen und frei „Über mich“ schwadronieren. Schon die Pflichtinformationen sind bares Geld wert. Es fehlt zwar die Straßenangabe, aber die lässt sich unter Verwendung des Addressbroker-Dreisatzes schnell heraus finden.

Richtig interessant werden die Userprofile dann über die Strecke der eigentlichen Nutzung. Es wird nämlich fleißig protokolliert, welche Votings der User selber erstellt, aber auch an welchen Votings anderer User er teilgenommen hat. Dabei wird nicht nur offen die Teilnahme unter Angabe der Voting-Frage protokolliert, sondern auch die gegebene Antwort! Alpha-Rolli Schäuble hätte seine helle Freude an einer solchen Form der „Meinungsforschung“.


[Der gläserne User: Für alle Mitglieder sichtbar]

Beteilige ich mich als User also offensiv an Umfragen und gebe dort meine ehrliche Meinung zum Besten, kann man über recht kurze Sicht schon fast ein Persönlichkeitsprofil meiner Person daraus schneidern. Dies wird insbesondere dadurch begünstigt, dass Umfragen sich üblicherweise auch mit etwas heikleren Themen befassen, zu denen man sich außerhalb einer Umfrage eher nicht äußern würde. Um diese Problematik zu verdeutlichen, habe ich hier mal eine solche Umfrage in humoriger Ausfertigung gebastelt:
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Mein Fazit: PollDaddy geht als Dienst für diejenigen, die´s brauchen gerade noch durch, weil faktisch keine personenbezogenen Daten abgefragt und/oder gespeichert werden. Netvoting hingegen ist im Vergleich dazu eine regelrechte Überwachungsplattform. Man könnte mit Rollfgang sagen: „Wieso? Wer keine gefährliche Gesinnung und somit nichts zu verbergen hat, kann sich doch ganz offen an den Umfragen beteiligen…“

Aus Sicht der Betreiber könnte eine so funktionierende Plattform allerdings eine Goldgrube werden. Firma XY benötigt Adressen von Leuten, die mehr als 4 Mal pro Woche Geschlechtsverkehr haben ? Kein Problem!

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Andere Rezensionen:

Yoda
Blogging Tom
Don Riva
Weblo.ch
Weißenfels
Connys Welt

Erstaunliches Doppel:

Edelsittich
Blogsprache

Völlig unrecherchierte Belanglosigkeiten:

Chili-It.at
Webaholic
MKellenberger
Weida Events
Momworx
Kim (Mupfel) Huebel
MLehming

22 Gedanken zu „Netvoting – die Umfragecommunity

  1. Danke für Deine Rezension. Wären wir bei Dooyoo würde ich Dir ein „Sehr hilfreich“ geben und Dich für eine Krone vorschlagen. :mrgreen:
    Hab meinen Beitrag dazu nun erweitert denn auf das mit dem Speichern der Ergebnisse und der somit gläserne Nutzer, bin ich so gar nicht gekommen.
    Und auch danke für die weiteren guten Links zu Rezensionen.
    Das erstaunliche Doppel ist ein und der selbe Beitrag von ein und der selben Person nur in unterschiedlichen Blogs. Irgendwie auch Banane. 😯

  2. Hiho,
    bin Betreiber der beiden Domains, mit dem „erstaunlichen Doppel“.
    Die Rezension sollte und durfte auf beiden Seiten erscheinen, naja und wenn ich Verfasser bin.. 😉

  3. Pingback: ricdes dot com
  4. @Fritten: Wenn Du doppelt dafür bezahlt wirst, Hut ab! Im Übrigen habe ich kein Wort der Kritik verloren, sondern lediglich Erstaunen geäußert. Hätte übrigens ja auch Contentklau gewesen sein können. Da hatte vor kurzem Kollege Textspeier Spaß mit…

    @Conny: siehe @Fritten. :mrgreen: Überprüf nochmal den Link von Deiner Seite zu mir. Da hast Du versehentlich zweimal STRG+V gedrückt.

    @ricdes dot com: Wenigstens einen Backlink hättest Du setzen können. So handelt es sich nach der gängigen Netiquette um Trackback-Spam.

    @HTwo: Danke.

  5. Erstmal: Gratulation zu dieser sehr ausführlichen Rezession. Ich finde es jedoch fast schon „dreist“, andere Rezessionen mit „Völlig unrecherchierte Belanglosigkeiten“ zu bezeichnen, schließlich haben wir uns an das, was die Ausschreibung her gab (nämlich eine Rezession mit ca. 100 Worten) gehalten. Wer mehr und ausführlicher will, kann dies ja in der Ausschreibung entsprechend formulieren – das wäre mal mein Standpunkt zu der Sache.

    Dennoch bleibt mir ein Wort des Lobes für dein Werk 🙂

  6. @Kim: Tut mir leid, wenn ich Dir auf den Schlips getreten sein sollte. Dies war nicht meine Absicht. Wer mich kennt, weiß, dass eine Formulierung, wie „Völlig unrecherchierte Belanglosigkeiten“ keine Beleidigung darstellt. Da lege ich ganz andere Platten auf, wenn ich das will 😉

    Und: Danke.

  7. Nunja, beleidigt… würde ich so jetzt aber auch nicht sagen… ich wollte halt nur mal „rechtfertigend“ wirken *g*.

    Da es normalerweise nicht meine Art ist, innerhalb der Rezession über den Auftraggeber herzuziehen, zeige ich eben durch mein „Dienst-nach-Vorschrift“-Blogging bei dieser Rezession, was ich von diesem Auftragsgehabe halte. Sicherlich hätte ich innerhalb meiner Rezession detaillierter auf verschiedene Dinge eingehen können (wie ich das idR. bei allen anderen Rezessionen auch bisher getan habe), nur war mir einfach am Freitag nach dieser „Pleite“ nicht mehr danach…

    Der Auftraggeber soll schon spüren, was es bedeutet, wenn man Menschen irgendwo auf eine gewisse Art schon ein wenig „verarscht“.

    Aber beleidigt fühle ich mich noch lange nicht *G* im Gegenteil: Ich habe nun ein Blog mehr im Google-Reader 🙂

  8. Ich werde nicht doppelt dafür bezahlt, sondern weise lediglich doppelt auf das Angebot hin.

    Einmal weil ich dafür bezahlt werde (s.Edelsittich), einmal weil ich bereits vorher darüber berichtet habe (s.Blogsprache).

    Übrigens… bezahlt:
    „Wurde eure Rezension schon überprüft?“

  9. @Kim: Freut mich. (Das mit dem Google-Reader)

    @Fritten und Htwo: Um die Bezahlung muss man sich im Trigamisystem keine Sorgen machen, da die Kunden vorab einzahlen müssen, sonst startet die Kampagne nicht. Trigami fungiert also quasi als Treuhänder. (Jedenfalls habe ich das so verstanden…)

  10. Pingback: Eliwagars Welt
  11. Dankeschön für die „Völlig unrecherchierte Belanglosigkeiten“. Das freut mich echt. Jeder Link zu meiner Seite ist wertvoll auch wenn er von belanglosen Seiten kommt … :mrgreen:

    Ist ja immer Betrachtungssache.

    Grüße..

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