Die bedingungslose Kapitulation der Vernunft

Unser Bundestag beschließt die Wiedereinführung des Überwachungsstaates. Jeder zehnte erwachsene Deutsche steht vor dem finanziellen Ruin,  Westerwelle faselt was von zuviel DDR in Deutschland und das spanische Verfassungsgericht schafft die Strafbarkeit der Leugnung des Holocaust ab und deklariert sie als Ausdruck der Meinungsfreiheit. Peek & Cloppenburg muss Kinderjeans zurückrufen, weil sie krebsfördernde Farbstoffe enthalten und in dem beliebten Kleinkinderspielzeug Bindeez wird die Vergewaltigungsdroge GHB festgestellt. In Finnland dreht wieder einer komplett durch und erschießt zuviele Menschen.

Auf der Sonnenseite des Lebens hingegen steht zB Charles Prince, der Ex-Chef der Citigroup, der trotz seiner Verantwortung für Milliardenverluste noch eine Abschiedsprämie von 40 Millionen kassieren wird. Auch in Deutschland geht es einem Zehntel der Bevölkerung richtig gut. Es verfügt nämlich über zwei Drittel des gesamten Vermögens. Daran wollen auch die Politiker teilhaben und beschließen, sich demnächst wieder einen ordentlichen Schluck aus der Diätenpulle zu genehmigen. Der Benzinpreis treibt immer neuen Rekorden entgegen, Merkel verweigert, anders als andere Regierungschefs in Europa aber eine Einmischung und die Koalitionsrunde beschließt, keine Änderungen an der fast weggekürzten Pendlerpauschale vorzunehmen. Indes erhöhen die Fluglinien munter ihre Kerosinzuschläge, Politiker salbadern was von „Auto stehen lassen“, während sie in ihre Dienstkarossen steigen und die Energiebranche sabbert schon vor Erregung ob der kommenden Bilanzgewinne.

All das sind Nachrichtenmeldungen der letzten paar Tage und wenn es mich nicht so runterziehen würde, hätte ich noch sicherlich ein Dutzend weitere, thematisch passend in dieses kleine Zustandsbild des „Standorts Deutschland“ einfügen können. Wann hat eigentlich der gesamtgesellschaftliche Konsens, dass der Mensch im Mittelpunkt aller Betrachtungen stehen muss, aufgehört zu existieren? Irgendwie ist das an mir vorbei gegangen…

14 Gedanken zu „Die bedingungslose Kapitulation der Vernunft

  1. Ja, ich habe auch schon mehr gelacht. Apropos Lachen: wenn ich meinen Kollegen sage, dass ich drei Kreuze machen würde, wenn ich morgen früh tot aufwachen würde, amüsieren die sich immer prächtig. Okay. Sie lesen weniger Zeitung, schauen weniger Nachrichten und Blogs, na ja, kennen sie nicht. Vielleicht sollte ich mir an ihnen mal eine ganz dicke Scheibe abschneiden …

  2. Wann hat eigentlich der gesamtgesellschaftliche Konsens, dass der Mensch im Mittelpunkt aller Betrachtungen stehen muss, aufgehört zu existieren? Irgendwie ist das an mir vorbei gegangen…

    Wenn ich mich recht erinnere, war es an einem 3.Oktober.

  3. Die Kapitulation der Vernunft setzt voraus, dass die vernunft jemals das Sagen hatte. War das schon mal so? ich erinnere das nicht wirklich. Brot und Spiele, Zuckerbrot und Peitsche, das Zuckerbrot war „früher“ mal größer, die Spiele sinnvoller, OK, aber sonst?

  4. Bei „uns“, also „drimne im Osten“, gab es schon einmal kurzfristig so etwas wie Vernunft.

    Es war recht kurz, im Jahre 1989, bis die ersten Bürger „Deutschland einig Vaterland“ brüllten, Deutschlandfahnen schwenkten und sich die Masse mit 100,-DM und ein paar Bananen kaufen lies.

  5. Wenn ich mich recht erinnere, hingen damals alle inner Kirche ab.

    Dieter, mal im Ernst. Erwartest du wirklich von mir eine Antwort auf diese hingerotzte Provokation?

    Ich dachte sowas hast du nicht wirklich nötig. So etwas steht dem von dir so „geachteten“ Fonsi besser. Von dir hatte ich eigenlich mehr erwartet.

    Nun denn, sei es drum…schade eigentlich…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.