Weihnachtliche Stille?

Ich habe den Eindruck, dass Blogdorf schrumpft. Und ich habe den Eindruck, dass die verbliebenen Einwohner ruhiger geworden sind. Ein paar Ausnahmen, wie Alphonso und Niggemeyer gibt es natürlich, aber im wirklichen Leben gibt es auch immer wieder Zwangseinweisungen in die Psychiatrie.

Im Großen und Ganzen jedoch scheint mir die Luft raus zu sein aus diesem vormals kurz vor der Professionalisierung stehenden Ex-Hype-Ding namens Blogosphäre. Ganz Unerschrockene planen zwar schon die Neuauflage der re:publica für 2008. Aber was sollen die Organisatoren aus dem Verlag Spreeblick auch sonst tun. Adical scheint ja nicht mehr ganz so viel Arbeitszeit zu verzehren und nichts ist schlimmer als Langeweile. Außer Durst und Heimweh vielleicht.

Olbertz Blogscout ist lange Geschichte und wird offenbar auch nicht sonderlich vermisst. Er selbst scheint, zumindest wenn man die Postingfrequenz seines Blogs zugrunde legt, auch nicht unbedingt im öffentlichen Gedächtnis verweilen zu wollen. Überhaupt scheinen mir Schwanzvergleiche keine große Rolle mehr zu spielen im elitären Beverly Hills des Web 2.0, für dass sich die Blogger gern mal halten.

Rivva wurde kurze Zeit als next big thing und Blogaggregator par excellence angesehen und entsprechend frequentiert. Mittlerweile nimmt auch dort der Content ab. Die Besucherzahlen sinken, und wenn ich es mal ganz für mich alleine betrachte, habe ich da ohnehin noch nie was Interessantes gefunden. In Deutschland passiert sogar blogtechnisch dermaßen wenig, dass Rivva schon den englischsprachigen Sektor hinzunehmen musste. Gähn.

Vielleicht ist all das aber auch nur die vorweihnachtliche Stille. Blogdorf hat eventuell schon früh die Besinnlichkeit ausgerufen und will erst im Januar 2008 wieder Gas geben. Wer’s glaubt…

[Foto: pixelio.de]

7 Gedanken zu „Weihnachtliche Stille?

  1. Ich denke (ohne aber zu behaupten, den großen Durchblick zu haben), dass die Blogs in Deutschland sich an sich selbst besoffen haben. Und nun haben wir alle einen Brummschädel. In der Realität wurden Blogs doch nie so aufgenommen, wie wir es als Blogger eventuell gerne gesehen hätten. Aus welchen Gründen auch immer. Eine geplatzte Blase mehr? Schaun’n wir mal …

  2. Spontan fällt mir der Begriff „Inzest“ für das ein, was in Bloggersdorf so alles getrieben wurde.
    Langfristig führt das zur Homogenität, sprich, man hat sich u.a. an immer wieder gleichen Themen satt gelesen.
    Außerdem geht die Rechnung mit der Steigerung der Besucher (und Leser) nicht auf, wenn diese nur aus Bloggersdorf stammen.

    Das Internet ist eben doch größer als das, trotz mancher Streitigkeiten („Sie liebten und sie schlugen ihn“ oder „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“) doch recht familiäre Bloggersdorf.

  3. Richtig. Ich selbst habe auch nie die Absicht gehabt zu „bloggen“. Ich wollte schreiben. Und die technischen Möglichkeiten eines Blogges sind natürlich optimal, um auch zu „veröffentlichen“. Ich denke, nun heißt es am Ball bleiben, denn wenn „Bloggersdorf“ schrumpft, werden die Häuser mit dem besten Fundament bestehen bleiben. Und wie hieß es doch gleich „Auferstanden aus Ruinen …“ …

  4. @KS: Ich habe keinen Brummschädel. Im Gegenteil hat sich die Bloggerei für mich bisher ausschließlich in die richtige Richtung entwickelt. Sollte das so weitergehen, würde es mich regelrecht fürchten machen…

    @WE: Deshalb hat mich auch dieses Relevanzgequatsche und der Schwanzvergleich dahingehend, wer wie oft verlinkt wird, stets relativ kalt gelassen. Seit der Nummer mit der Bloggerei.de habe ich überhaupt keinen Schwanzvergleicher mehr in meinem Blog und ich fühle mich sehr wohl damit.

  5. Ich versuche meine Leserschaft lieber mit Qualität anstatt Gerede zu unterhalten. Damit schafft man es wahrscheinlich nicht in deutsche A-Blog-Liga, aber soll’s? Was das kurz vor der Professionalität stehen angeht: übern großen Teich gibt es schon lange sehr viel Problogs und diese Leute wissen wahrscheinlich nicht mal was von deutschen A-Blogs.

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