Leaving Microsoft

Ich bin Windows-Anwender seit 1992. Davor habe ich mir immer mal die verschiedenen Windows-Versionen angeschaut, aber bin dann doch immer bei DOS geblieben. Als grafische Erweiterung habe ich mal eine Weile GeoWorks Ensemble benutzt. Das war klasse, wurde aber von MS letztlich hinweg gefegt. Mit der Umstellung der Officeprogramme auf Windows, beginnend mit Word for Windows um 1992 herum, blieb mir keine andere Wahl mehr. Ich stellte mich ebenfalls um. Und diese Umstellung war schwer. Kam man bis dato per ESC ins untenliegende Menü der Anwendung, bedurfte es nun der Maus, die bis dahin zwar vorhanden, aber eher unbenutzt war, oder des ALT-Keys, um in die Menüs zu gelangen.

Nach einer Weile hatte ich mich optimal eingearbeitet und konnte, wahrscheinlich sehr zur Freude von MS, die unterschiedlichsten Updates, Upgrades und Neuerscheinungen mitgehen. Kurz war ich versucht, statt Word WordPerfect zu nehmen, das muss so um 1994 gewesen sein. Allerdings traute ich damals MS die größere Marktmacht zu und entschied mich dann anders. Irgendwann in den Neunzigern sah ich auf einer Messe auch das Betriebssystem OS/2 und kaufte es spontan (für relativ viel Geld). Es lief super, wurde nur leider seitens der Softwareindustrie nicht nennenswert unterstützt und dann nach einer Weile wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Schon damals war OS/2 ein wesentlich fortschrittlicheres System als Windows. Aber um die technischen Vorzüge ging es nicht. Es ging darum, welcher Hersteller mehr Geld in die Vermarktung stecken wollte. Leider wollte IBM mit MS nicht mithalten…

So wurde Windows das erfolgreichste Betriebssystem der Welt. Microsoft wurde übermütig und koppelte wettbewerbswidrig etliche Komponenten fest ans Betriebssystem; die Folgen rechtlicher Art sind bekannt. Bis zur Version XP bin ich Microsofts Weg mitgegangen. Als dann aber stetig mehr Informationen bezüglich künftiger Überwachungs- und Rechtemanagementfunktionen bekannt wurden, begann meine leider verloren gegangene Skepsis erneut zu erwachen. Die Rede war von DRM, TPM und was noch alles.

Mittlerweile gibt es Vista und ich bin diesen Schritt nicht mitgegangen. Im Kundenauftrag musste ich allerdings schon den einen oder anderen Vista-Computer in bestehende Projekte integrieren. Dabei ist in mir zunächst bloß die Überzeugung gereift, dass niemand Vista wirklich braucht. Außerhalb der Optik kann ich keine relevanten technischen Änderungen erkennen, die für einen flächendeckenden Umstieg auf Vista sprechen könnten. Aus Administratorsicht gibt es eher Dutzende Gründe genau diesen Wechsel NICHT zu vollziehen.

Kürzlich sollte ich einen Notebook, der vom Hersteller ausdrücklich für Vista konzipiert war, auf XP migrieren und ins Projekt integrieren. Das war ein Schlüsselerlebnis. Der Hersteller des Notebooks, die Firma ASUS, hat ihr Gerät angeblich so stark auf Vista zugeschnitten, dass sie nur Treiber für das neueste OS mitliefern konnte. Die beiliegende DVD weist deshalb auch ausdrücklich darauf hin, dass sie nur mit Vista funktioniert. In der Tat bietet der deutsche Support auch keine alternativen XP-Treiber an, obschon man unschwer erkennen kann, dass die verwendete Hardware aus Vor-Vista-Zeiten stammt, mithin also definitiv XP-tauglich sein muss.

Mit einiger Sucherei unter Umgehung der fruchtlosen Versuche des Herstellers, die Hardware zu verschleiern, gelange ich tatsächlich in Foren und Supportbereiche, in denen ich Treiber für XP finde. Allerdings kann ich diese ausschließlich über chinesische oder japanische Server herunterladen, in den USA und Europa residierende Server quittieren DL-Versuche mit „File not found“. Bei der Zusammenstellung der erforderlichen Treiber fällt mir auf, dass es Riesentreiber für die TPM gibt und dass der DL von Media Player 11 wegen der DRM massiv empfohlen wird. Mir wird unwohl. Warum stellt sich MS derart in den Dienst der Rechteindustrie?

Ich kann diese Frage nicht anders beantworten als mit: Weil sie es wollen. Es ist für mich unvorstellbar, dass sich ein Unternehmen wie MS in eine Rolle zwingen lassen würde, in der es sich nicht wohlfühlen würde. Es kann nur so sein, dass MS für DRM und TPM derart viele Eigensympathien empfindet, dass es gern und mit Überzeugung den Stasiweg in der Softwareentwicklung nicht nur mitgehen, sondern sogar dominieren will.

Ich werde daher nicht nur Vista niemals installieren, sondern bin dabei, mich komplett von MS zu lösen. Der erste Rechner mit Ubuntu läuft zur Zufriedenheit, der zweite wird kurzfristig folgen. Selbst die c´t greift in ihrer am Montag erscheinenden Ausgabe das Thema Wechselwilligkeit auf. Dann allerdings mit Blick auf Mac OS. Wenn man da mal auf lange Sicht nicht vom Regen in die Traufe kommt.

Nein, meine Marschrichtung ist klar und die lautet LINUX!

9 Gedanken zu „Leaving Microsoft

  1. Ich wechsel in absehbarer Zeit auch beinahe komplett zu Linux – nur Madame will ihr(e) Äpfelchen behalten, kann ich gut verstehen, ich steh nicht so auf Birne 😉

  2. *hach* so´n MacBook ist natürlich eine Alternative, an die ich auch manchmal denke, nur um mich nicht mit diesem Linuxzeug rumschlagen zu müssen. Ich gewinne oft so den Eindruck, es macht einen so hm unlocker 😉

    Eigentlich wollte ich aber auf diesen Artikel hier linken DRM killt Vista – klingt extrem gruselig, soweit ich das verstehe. (im redblog gefunden)

  3. Mac, speziell als Bookvariante reizt mich auch immer mal wieder. Andererseits ist Ubuntu sicher offener und hält ein größeres Softwarerepository bereit. Dennoch: Besser als Win ist das alles, speziell und vor allem mit Blick auf die DRM/TPM-Problematik bei Microsft (Danke für den Link, sv).

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