Ein sinnloses Produkt

Seit Jahren nehme ich mit wachsender Verwunderung zur Kenntnis, dass die Industrie hartnäckig und beständig digitale Bilderrahmen auf den Markt wirft. Zu Preisen von bis zu mehreren hundert Euronen soll sich der geneigte Verbraucher kleine Monitörchen kaufen, die Digitalfotos anzeigen können. Weil sich natürlich jeder fragen würde, warum er 200 Ocken auf die Theke legen soll, bloß um sich ein Bild anzusehen, dass er genauso gut als Papierabzug für 19 Cent in einen 3-Euro-Rahmen stecken könnte, sind die Hersteller hyperaktiv mit der Implementation weiterer Funktionalitäten beschäftigt.

So können alle mir bekannten Digitalrahmen Fotos als Diashow anzeigen, manche spielen dazu auch noch Wunschkonzerte. Bloß, was habe ich als Kunde davon? Setzt sich einer wirklich vor das Rähmchen und bestaunt seine Fotos, während er sich zusätzlich fragwürdigem Musikgenuss aussetzt? Sowas machen nicht mal Leute, die sonst schon alles haben und die Zielgruppe psychisch Beeinträchtigter dürfte für einen Markterfolg nicht groß genug sein.

Demnächst gibt es sogar einen Bilderrahmen, der Fotos per MMS empfangen kann. Die Firma Parrot, die ansonsten sehr aktiv in der Entwicklung von Telefonzubehör, wie BT-Freisprecheinrichtungen etc. ist, will zusätzlich zum bereits vorhandenen 3,5″-Rahmen bald einen 7-Zoller mit eigener Telefonnummer anbieten. Der bereits vorhandene 3,5″er kann immerhin bereits Fotos per Bluetooth empfangen.

Openminded wie ich bin, kann ich mir zumindest vorstellen, dass das MMS-Produkt größere Marktchancen haben müsste. Man schenke Omma so ein Gerät und schon kann man sie bequem am Aufwachsen der Enkeltochter vermittels aktueller Fotos, per Handy auf’s Display gesimst, teilhaben lassen. Das Bluetooth-Modell lässt sich nur aus unmittelbarer Nähe bestücken. Nicht gut für den Urlaub und auch nicht gut für den Alltag. Wer will schon ständig bei Omma aufschlagen (müssen), um den Photoframe neu zu befüllen?!

Ich bleibe jedenfalls bei den Papierabzügen. Die sind einfach billiger. Aber wenn de Omma sich so’n Photoframe zulegen will, bitte.

7 Gedanken zu „Ein sinnloses Produkt

  1. Schon so mancher hat angeblich einen herben Schock bekommen, als er nach 2 Tagen intensiven und ununterbrochenen Bilderbetrachtens infolge Elektronennachschubmangels aus dem Akku vom einheitsgrauen Bildschirm aufblickend natürliche Gegend um sich erblickte.

    (Irgendwie erinnert mich dieser Satzbau an meinen Lateinunterricht. Hat der nun was genützt oder bin ich einfach nur so krank geworden?)

  2. Ich bin voll deiner Meinung, MMS Produkte sollten noch viel mehr ausgeweitet werden auf dem Markt, sodass sie sich weiter verbreiten und größere Marktanteile haben.
    DAS hat Zukunft, aber vielleicht findet das ja noch jemand raus, außer uns beiden 😉

    Gruß
    Beggie

  3. Wirklich lustige Diskussionen zum Thema digitale Bilderrahmen findet man auch auf einschlägigen Fotoforen.

    Die Auflösung ist granatenmäßig schlecht, Betrachtungswinkel sehr eingeschränkt, Farbwiedergabe unterirdisch und funktioniert nur mit Strom (dafür im Gegensatz zum Bilderrahmen auch im Dunkeln) – ein Ding, das die Welt nicht braucht, ääh, nee, doch nicht, sondern grad falschrum: ein Spielzeug für den hypermodernen Trendsetter der WEB2.0-Generation!

    Aber das Marketing-Neusprech ist lesenswert! Immerhin muß man dem Kunden „erklären“, warum das Produkt sich irgendwie vom KKonkurrenzprodukt unterscheidet – einfach köstlich, was sich manche Marketingexperten einfallen lassen. Ob die das dann kaufen?

  4. Sinnvoll könnte ich mir eine Kombination aus Handy und Elektroschocker vorstellen. Das dürfte Mädchenschrecks dann doch etwas überraschen. Allerdings darf man die Knöpfe nicht verwechseln, sonst verbratets einem die Weichteile, statt zu klingeln.

  5. @Beggie: Dann müsste MMS aber noch billiger und qualitativ besser werden.

    @MaxR: Passenderweise hatte Saturn heute einige Kodak-Photoframes im Angebot. 80 Ocken aufwärts. Ich habe keinen gekauft…

    @Gilbert: Ich könnte mir eher die Kombination aus Handy und Milchschaumaufschäumer vorstellen. Beim Kaffeemachen habe ich immer Zeit zum Telefonieren…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.