Wer macht sowas?

Kennen Sie das? Sie hören Stories über zB Finanzbeamte, Gerichtsvollzieher, Mitarbeiter von Ausländerbehörden und andere Skurrilitäten. Jedesmal fragen Sie sich: „Wer macht sowas? Wer nimmt um Himmels Willen einen solchen Job an?“

Ich frage weiter: Sind das ganz normale Menschen, sind das arme Geschöpfe, die halt keinen anderen Job bekommen oder ist es nicht doch wahrscheinlicher zu vermuten, dass sich in der Berufswahl ein Charakter manifestiert. Mit anderen Worten: Ist es nicht doch so, dass Axxxxlxxxjobs auch vorzugsweise von Axxxxlxxxern ausgeübt werden?

Es gibt wieder einmal eine aktuelle Geschichte, die eher an die zuletzt formulierte Vermutung glauben lässt.

Im Örtchen X gibt es eine Ausländerbehörde. Bereits in der Vergangenheit gab es schon mal Stress, weil die Mitarbeiter dieser Behörde sich lustige Visitenkarten mit Texten wie „Never Comeback Airlines“ oder „Wir buchen, Sie fluchen“ drucken ließen. Der oberste Behördenleiter deckte unverständlicherweise den Mantel des Schweigens über diesen Vorfall. Mittlerweile sind sogar die meisten Mitarbeiter der damaligen „Never-Comeback-Airlines“ in leitende Positionen aufgerückt.

Offenbar agieren die aktuellen Mitarbeiter der Ausländerbehörde auch heute noch in der Tradition der harten Hunde von damals.

Kürzlich meinten die Jungs vom Ausländeramt, das natürlich seit der Verwaltungsreform nicht mehr Amt, sondern Abteilung heißt, was aber auch den einzigen Unterschied darstellt, sie müssten eine fast 70-Jährige Afrikanerin abschieben. Dass die 70-Jährige bei ihrer Tochter wohnt, die mit einem Deutschen verheiratet ist, der seinerseits den Unterhalt auch der 70-Jährigen sicherstellt, war dabei den Ausländerrambos zwar bekannt, aber eher egal.

Um nun also diesen Feind des deutschen Staates sachgerecht abzuschieben, schlugen die Rambos morgens in einer Personalstärke auf, die zwei Mannschaftswagen erforderte. Vorsichtshalber brachte man auch noch die Polizei mit, obschon man ja als Sonderordnungsbehörde die alleinige Zuständigkeit hatte und es – man möge sich das jederzeit vor Augen halten – letztlich um die Abschiebung einer 70-jährigen Frau ging.

Die Frau war nicht da. Umgehend wurde sie zur Fahndung ausgeschrieben, das persönliche Umfeld der Frau wurde befragt und eingeschüchtert, mit den Mannschaftswagen bollerte man durch die Gegend. Man hätte wohl meinen können, dass die gute afrikanische Seniorin Mitglied der Al-Kaida war.

Selbst das ansonsten völlig linientreue Lokalblättchen fühlte sich bemüßigt, mal nachzufragen im hochherrschaftlich geführten Rathaus. Der Leiter des der Ausländerabteilung übergeordneten Referates ließ sich gar herab, den Fragen des Lokalblättchens zu antworten. Natürlich nur in gewohnt verachtender Behördentonart, die ich hier, um meine Leser nicht zu Behördenhassern mutieren zu lassen, nicht ausbreiten will.

Ein Zitat will ich Ihnen aber nicht vorenthalten. So sagte der Referatsleiter: „Wir hatten gedacht, dass die Sache glatt durchläuft. Schließlich hatten wir mit der Frau vorher ausführliche Gespräche geführt.“ Klar, Meister. Deswegen seit ihr auch mit zwei Mannschaftswagen, Polizei und einem Arzt aufgeschlagen…

27 Gedanken zu „Wer macht sowas?

  1. Ich dachte wirklich bei einer Abschiebung sei zu beachten ob der Abgeschobene in seiner „Heimat“ eine gesicherte Zukunft erfährt, aber sicher ist das nur so romantisches Sozengedankengut…

  2. Ich bin schon lange ein Anhänger der Arschloch-Arschlochjob-Theorie. Mein Vorzeigebeispiel sind die Schnüffler von der Größten Existierenden Zecke.

  3. @KK: Sozenromantik spiegelt sich vielleicht im Parteiprogramm, aber nicht in der Realität wider. Im vorliegenden Fall ist es sogar so, dass ganz klar ist, dass die Abzuschiebende in ihrer Heimat gerade KEINE Zukunft hat. Ihre Familie, die sogar bereit ist, dem Staat zu garantieren, dass sie den Lebensunterhalt ihrer Mutter selber finanzieren und auf sämtliche Staatsleistungen dauerhaft verzichten werden, lebt komplett in Deutschland. In ihrer früheren Heimat kennt sie niemanden mehr und Rente gibt es natürlich in Schwarzafrika auch keine. So gerät die Abschiebung in diesem Falle fast noch unmenschlicher als Euthanasie.

    @sv: Es ist erstaunlich, wie viele Arschlochjobber es gibt und mit welcher inneren, fast schon fanatischen Überzeugung die ihre Drecksjobs mit Leben füllen.

  4. Bedauerlich, daß Du aus dem hiesigen Fall, der nun wirklich ein bisserl übetrieben erscheint, einen allgemeinen Schluß auf Mitarbeiter/innen solcher Behörden ziehst.

    Wahrscheinlich hatten die, im hiesigen Fall beteiligten Mitarbeiter/innen, schon einmal einen Fall gehabt, der sie, aus Sicherheitsgründen, zu der Verallgemeinerung führte, daß alle abzuschiebenden Personen Mitglieder der Al-Kaida seien.

  5. @Wilhelm: Wenn ich nun als Erwiderung noch einen drauf sattele und offenbare, dass ich nicht einmal – dabei ebenfalls aus Sicherheitsgründen – alles offenbart habe, was ich weiß, wirft das nur ein umso schlechteres Licht auf die Behörde.

  6. Die Frage die ich mir stelle ist – wie schaffen es dermaßen idiotische Menschen überhaupt durch Schule und Ausbildung?
    Ausgeprägte Vetternwirtschaft im Amt, Mitleid oder ist das Einstellungskriterium?
    Das bleibt echt nur die Frage – wer macht sowas?

  7. Ich weiß, wir neigen ja alle zur Pauschalisierung, aber ich denke nur wegen dem ein oder anderen schwarzen Schaf, darf man nicht auf alle verbeamteten Menschen draufkloppen. Damit möchte ich nicht die Brisanz des oben geschilderten Falles abschwächen, aber es gibt in Ausländerämtern durchaus auch nette, sozialkompetente und verständnisvolle Menschen, die Situationen den notwendigen Respekt und das notwendige Verständnis entgegenbringen.

    So und nun, dürft ihr auf mich eindreschen. 😉

  8. Klar 🙂 Ich wunderte mich schon über Entenmanns Einwurf. Ob es irgendwie satirisch gemeint war? Bestimmte Arten von Humor entgehen mir manchmal. Jetzt erstaunt mich halt, die vermeintliche Pauschalisierung aufgenommen zu lesen. Vermeintlich, weil ich das nicht erkennen kann. (Ich bestehe aber nicht, wirklich nicht auf eine ausführlich Beweisführung 🙂 )

  9. Es liegt mir fern, auf alle verbeamteten Menschen eindreschen zu wollen. Vor allem, weil heutzutage in den Ämtern kaum noch verbeamtete Menschen tätig sind, die meisten sind Angestellte.

    Dennoch bin ich der Meinung, dass man schon ein großes Maß an geistiger Verwirrung oder Skrupellosigkeit oder nennt es, wie Ihr wollt, mitbringen muss, um Jobs auszuüben, bei denen man anderen Menschen Schaden zufügen muss. Und meine Erfahrung ist eben die, dass es den meisten so Beschäftigten auch noch Spaß macht.

    Vielleicht ist das aber auch nur irgendeine psychologisch zu begründende Verdrängungsverhaltensweise. Da müsste man mal den Wilhelm fragen. Allerdings kommt man unter der psychiologischen Betrachtung schnell wieder in den Bereich „schwere Kindheit, armer Kerl“, die ich grundsätzlich ablehne!

  10. @Dieter: Zu dem psychologischen Thema gibt es eine Theorie, mit der unter anderem auch das Phänomen begründet wird, dass viele Soldaten ihre Gegner abwerten.Kurzfassung – Es ist eben einfach jemandem etwas anzutun den man nicht ernst nimmt/ abwertet/ verachtet als jemanden den man als das wahrnimmt was er ist – ein Mensch wie Du und ich…

  11. Die Kommune von der Du sprichst, Dieter, muss wahrlich eine Ausnahmeerscheinung sein, wenn sie schon mehr Angestellte als Beamte beschäftigt. Und damit meine ich dann nicht die Bereiche der Grünämter oder der Müllabfuhr.

  12. Mir kommt’s immer so vor, als sei es in diesem unserem Land nicht möglich, irgendetwas mal mit einem gesunden Mittelmaß zu veranstalten.

    Solche Vorkommnisse, wie hier berichtet, treffen in der Regel Leute, die hier ihr Auskommen haben, mit den Nachbarn auskommen und überhaupt nette Leute zu sein scheinen. Offenbar sind die häufig bevorzugtes Ziel der Ausländerbehörden, weil problemlos einzuschüchtern und meist ohne einflussreiche Lobby.

    Dann gibt’s noch die organisierten Ausländer in verschiedenen Großstädten, wo der beschriebene Aufwand nicht sehr weit führt: die Gangs sind nämlich meist in der Überzahl und überdies besser bewaffnet, deshalb lässt man die in Ruhe (oft hält sich die Polizei schon von solchen Vierteln fern).

    Als Fall 3 gibt es dann noch den kriminellen Ausländer (Drogenverkäufer, Gewalttäter), den man erwischt hat und abschieben will. Dann steht flugs der Ströbele auf der Matte und macht ein Heidengeschrei, dass man eine solche Stütze der Gesellschaft doch nicht abschieben dürfe.

  13. @Gilbert: Mir sind ja strammrechte Naziskins lieber als Leute wie Du… So ein waschechter Nazi hat wenigestens die Eier in der Hose, zu sagen: Neger, Türken und sonstiges unwertes Leben sehen anders aus, riechen anders und reden anders als ich – die soll der teufel holen. Der schwülwarme Rassismus der gesellschaftlichen Mitte, wie Du ihn hier vertrittst, hat den selben diffusen Hass als Unterbau, es ist dasselbe kindische Fremdeln und hat dasselbe eklige Ergebnis – mit dem Unterschied, dass solche Rosa-Hemden-Träger wie Du versuchen, den Rassismus in pseudosolziologische Erkenntnise zu wickeln, damit er nicht so auffällt. Das ist feige und im Übigen auch respektlos Deinen Gesprächspartnern gegenüber, denn Du suggerierst ihnen dumm und einfältig zu sein, wenn Du sie für doof verkaufst. Lies doch vor allem noch einmal Deinen letzten Satz und überlege ml ganz angestrengt: Wem mit einem IQ über Raumtemperatur willst Du so eine Grütze verkaufen?

    Aber am interessantesten an solchen auslassungen ist für mich immer: Glaubst Du solch einen Tinneff selber oder lügst Du bewusst, sagen wir: aus propagandistisch-strategischen Gründen?

  14. @punki: ja, ja, der Pantoffelpunk, wandert frei durch alle Blogs und kleidet sein Unverständnis munter in beleidigende Worte, weil das ja auch viel einfacher ist, als etwas zu verstehen zu versuchen. Fühlst du dich danach immer besser, Kleiner?

    Mal Klartext, damit selbst du das verstehst:

    Ich hab was gegen die Behandlung ausländischer Studenten, die mit viel Tamtam vom DAAD hierhin gelockt und dann vom Ausländeramt angemacht werden, wenn sich rausstellt, dass sie nicht das dicke Scheckbuch vom Papa dabei haben, sondern in den Semesterferien jobben wollen.

    Ich hab was dagegen, wenn ausländische Mitbürger sich hier eine Existenz aufgebaut haben und von allen akzeptiert werden und plöztlich, wohl weil sie Konkurrenz für den Schwager vom Amtschef sind, vom Ausländeramt angemacht werden.

    Ich habe was gegen die Scheinheiligkeit, sich als Asylland aufzuspielen und den Asylbewerbern dann keine Chance zu geben, sich hier zu integrieren, indem man ihnen die Arbeitserlaubnis verwehrt.

    Ich habe was gegen anatolische Machos, die bei einem Lehrer-Eltern-Gespräch einer Lehrerin sagen dürfen, sie solle sich verpissen, da man nur mit Männern spreche, und damit politisch gewollt auch noch durchkommen.

    Ich habe was gegen Fememorde, Zwangsheiraten und eine ganze Menge andere Sachen, die hier geduldet werden, aber in den Heimatländern der Leute unter Strafe stehen.

    Ich hab was dagegen, wenn eine Horde – oft ausländischer – Drogendealer mitten in Einkaufszonen oder an Schulen offen ihre Scheiße vertickt.

    Falls das noch zu hoch ist, versuche ichs gerne auch mal mit einer bebilderten Sprechblasenversion.

  15. @pp: Ich glaube auch, dass Du da was entweder übersehen oder den Gilbert aufgrund kategorischer Betrachtung falsch eingeordnet hast. Ich sehe jedenfalls in dem kritisierten Kommentar nichts rassistisches. Im Gegenteil finde ich die Einstellung sehr differenziert.

  16. Stimmt, es ist total differenziert, darauf hinzuweisen, dass Herr Ströbele – der hier wohl eher plakativ stellvertretend für alle anderen Gutmenschen genannt sein soll – sich persönlich für Gewalttäter und Drogendealer einsetzt. Schwachsinn.

  17. Ich habe aber trotzdem in der Tat etwas überreagiert, weil ich den zweiten Absatz missverstanden habe. Ich entschuldige mich hiermit vorbehaltlos, Herr Gilbert. Ich war müde.

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