Eva Herman

An sich wollte ich mich hierzu nicht äußern, aber da das Thema bei Technorati ganz oben steht, muss ich es doch tun… Spaß beiseite. Ich habe gestern den blonden Kerner gesehen und mich gewundert. Nicht über Eva Herman, sondern über die Vehemenz, mit der Kerner, sowie die – als sie merkte, sie ist auf dem Pfad der Zustimmung – plötzlich sehr agile Schreinemakers, die hohle Nuss, Eva Herman in die rechte Ecke stellen und am besten dort anbinden wollte, weil Frau Herman doch ums Verrecken nicht dort stehen bleiben wollte.

Als Frau Herman dann jedoch jeglichen Propagandatechniken des blonden und blauäugigen Gastgebers trotzte, blieb diesem nur der Rausschmiss um sein Gesicht zu wahren. Zu diesen Techniken habe ich schon einmal einen Artikel verfasst, den ich mal als Grundlagenwissen empfehlen möchte.

Alle wirklich Interessierten folgen den Links in dem folgenden Zitat, entnommen der Homepage der Frau Herman. Und wer dann immer noch von rechtsradikalem Gedankengut faseln will, der kann das gern tun. Hitler war schließlich auch unbelehrbar. Das geht vielen Menschen so.

Seit mehr als zwei Wochen wird mir öffentlich vorgeworfen, ich hätte mich über die Familienpolitik im Dritten Reich lobend geäußert.

Dies ist erweislich falsch. Vielmehr habe ich gesagt, dass wir das Bild der Mutter wieder wertschätzen lernen müssen, das ja leider mit dem Nationalsozialismus und der 68er Bewegung abgeschafft wurde
( Download: Originalzitat als mp3 / Download: Originalzitat als pdf ). Ich habe mich also nie „lobend“ über die Familienpolitik des Dritten Reiches geäußert, sondern ganz im Gegenteil, verabscheue ich rechtsradikales Gedankengut und habe das auch bei jeder Gelegenheit deutlich gemacht.

Obwohl mein Verleger und auch ich mehrfach auf die falsche Darstellung hingewiesen hatten, wurden diese falschen Aussagen bundesweit und über die Grenzen hinaus veröffentlicht.
In den Tagen nach dem 7. September 2007 erschienen in fast allen deutschen und vielen ausländischen Medien Berichte, ich hätte auf der Pressekonferenz am 6. September in Berlin die Familienpolitik des Nationalsozialismus gelobt. Aus dem Mitschnitt der Pressekonferenz
( Download: Originalzitat als mp3 / Download: Originalzitat als pdf ) geht indes das Gegenteil hervor.

33 Gedanken zu „Eva Herman

  1. Ja, der 68er, das war schon ein durchgeknallter hochgefährlicher Politiker, eine grausame Zeit damals, direkt nach dem Nationalsozialismus.

    Mal abgesehen davon, dass, sollte das tatsächlich die „Rede“ sein, die der geschätzten Frau Herman auf die Füsse fiel, das nun nicht ganzs so das ist, was man aus den Medien kennt, muss man nach dem Gestammel schon sagen: was! zur! Hölle! redet stammelt die arme Frau da für extrem dünnes Zeug?

  2. Und ich stelle auch hier die Frage, warum muss Kerners Ehegattin als Hausfrau ihr Dasein fristen?

    Ich sage „Ja“ zur klassischen Rollenverteilung (meine Frau aber auch)

  3. Ist Kerners Frau nicht so ne Sportlertussi?

    Mich stört schon die Verwendung des Begriffes „klassische Rollenverteilung“. In meinem Bekanntenkreis ist die Rollenverteilung bei zwei Familien insoweit klassisch, dass einer zuhause bleibt und das Unternehmen Familie leitet, während der andere arbeiten geht, um die Finanzierung des Unternehmens Familie sicher zu stellen.

    Es bleibt allerdings jeweils der Mann daheim, während die Frau arbeitet. Ich finde das in diesen und vergleichbaren anderen Fällen völlig in Ordnung, da es dort nämlich so ist, dass die Einkommensmöglichkeiten der Frauen diejenigen der Männer nicht unerheblich übersteigen.

    Was ich nicht in Ordnung finde, ist, wenn Kinder nicht von ihren Eltern betreut werden, weil sich beide beruflich verwirklichen wollen (nicht müssen). Auch ein solches Beispiel habe ich in meiner Nähe. Sie hat ein Ladengeschäft im Einzelhandel, er ein Reisebüro. Sie kommt abends nicht vor 22 Uhr nach Hause, er nicht vor 20 Uhr. Die Kinder gehen auf eine Ganztagsschule und werden danach von einer Tagesmutter betreut. Diese Familie hätte besser auf Kinder verzichtet.

    Theoretisch gibt es dann noch die Familien, bei denen beide voll arbeiten müssen, damit das Familieneinkommen reicht. Praktisch sind das dann aber eher die Hartz-Fälle.

  4. Dieter, genauso siehts aus, klassische Rollenverteilung war wirklich schlecht gewählt, „einer bleibt bei den Kindern, Hund und Haus“ wäre richtiger gewesen aber nicht so provokant 😉

    Mir wurde heute berichtet Frau Hermann habe dem Kerner genau die Frage gestellt, warum seine Frau den zuhause bleibe, nach dem Motto „so schlimm kanns dann ja nicht sein“.

    Ein Kind braucht seine Eltern, beide geht meistens finanziell nicht, also bleibt Vater oder Mutter daheim und der Partner der mehr Geld nach Hause bringt geht los und verdient die Brötchen.

    Aber ich will mal weiter provozieren:

    Wenn die Frauen zu Hause blieben und sich um den Nachwuchs kümmerten, hätten wir Vollbeschäftigung und 18 Jahre später könnte die Gesellschaft auch noch die Früchte einer liebend-mütterlichen Erziehung GENIESSEN. Aber dank Emanzipation, oder besser, ihren Auswüchsen, verwirklichen sich Frauen durch ein Kind, dann durch einen Job und am Schluss durch nen echten Kerl weil der Ehemann ein Weichei geworden ist.

    Kinder werden mit Beruhigungsmitteln behandelt weil sie die Verwirklichung stören oder sie gehen gar in die Politik und richten ein ganzes Land zu Grunde. Dann gehts ab für das Verwirklichungsopfer Kind in eine Krippe, wie in Deinem Beispiel, 10-12 Stunden von den Eltern getrennt, Am Wochenende bricht die Verwirklichung dann ein weil das Kind wenn es einen Albtraum hat, den Namen der Kindergärtnerin ruft und nicht den von Mutter oder Vater.

    Zu Kerners Frau kann ich wohl nur soviel beitragen dass ich glaube zu wissen sie sei einmal eine Sportlerin gewesen, doch versorge nun die Kinder, eine gute hermannsche Hausfrau und Mutter also…

  5. Wenn die Kids dann in die Pubertät kommen, geht’s erst richtig los. Bandenbildung, Langeweile, totaler Werteverlust, weil keiner da ist, der den Kids engagiert Werte vermitteln könnte oder das auch nur will. Immer nur „Betreuer“ als Elternersatz. Betreuer, die Wert auf das „Vertrauensverhältnis“ legen und deshalb lieber Freunde statt Autoritätspersonen sein wollen. Kinder brauchen aber Grenzen und Werte und Stop-Zeichen. Das weiß sogar die Supernanny.

    Und im Übrigen hast Du natürlich vollkommen Recht!

  6. Rechtsradikal, antisemitisch, populistisch – das sind heute die Totschlägerphrasen, wenn man einer Diskussion aus dem weg gehen will. Man braucht nur zu warten, bis der andere sich verplappert (was bei dem Repertoir an „verbotenen Wörtern“ recht schnell passiert), schreit dann lauthals eines der oben genannten Worte und hat innerhalb von Minuten einen noch lauter schreienden Chor im Rücken, der meist vermutlich gar nicht genau weiß, worum es geht.

    Ich kann mich da an einen Bundeswehrgeneral erinnern, der vor ein paar Jahren wegen Antisemitismus angemacht wurde. Hab mir die Rede im Internet rausgesucht, und dann ging’s mir wie oben im Blog beschrieben: ich hab‘ nicht verstanden, was die Aufregung sollte. Allerdings wurde das damals gründlicher gemacht als mit der Herman: innerhalb von 2-3 Tagen hat das irgendwer hinbekommen, sämtliche Kopien der Rede aus dem Netz zu entfernen, worauf das Geschrei weiterging und der Typ rausgeschmissen wurde (man beachte die Ähnlichkeit der Vorfälle).

    Ist schon ziemlich armselig, wie unsere hochgelobte demokratische Kultur mit Leuten umgeht, die nicht haargenau auf der dogmatisch vorgeschriebenen Linie schwimmen.

  7. Ich habe mir bei youtube mal einen 6-minütigen Ausschnitt (der Vorspann zu Eva Hermanns Rauswurf aus der Kernersendung) angesehen und wurde eigentlich nur daran erinnert wieso ich normalerweise so gut wie kein Fernsehen gucke.

    Frau Hermann hat ja die Weisheit anscheinend nicht gerade mit Löffeln gefressen, so wie ihre Erklärungsversuche zu ihrer eigenen Position manchmal klingen. Und Zitate wie „Im Nationalsozialismus gab es viel Schlechtes, z.B. Adolf Hitler […]“ klingen doch nicht besonders tiefgängig oder inhaltsvoll.

    Aber auf der anderen Seite wird sie in der Sendung von 4 Figuren flankiert die anscheinend genauso unfähig sind über das Thema zu diskutieren.
    So sagt Frau Hermann beispielsweise, dass man schnell in Gefahr gerate wenn man sich dem Thema Nazizeit nährere. Stimmt. Von ihren Mitdiskutierern wurde das aber nur von belustigtem Kopfschütteln quittiert.
    Und als dann 2 Sätze später mal wieder dieses Thema von E.H. angeschnitten wird reißen alle entsetzt die Augen auf und Frau Schreinemakers kündigt plötzlich an so nicht mehr weiterdiskutieren zu können.

    Am liebsten wäre es denen anscheinend gewesen einfach den Experten über das Thema Nazis im Zusammenhang mit Familienpolitik reden zu lassen, den hatten sie schließlich extra in die Sendung eingeladen. Doch Eva wollte anscheinend nicht mit ihm reden und so musste er stumm im Publikum sitzen bleiben, der Arme.
    Hinter einem Experten kann man sich immer gut verstecken, der hat schließlich immer Recht. Die eigene Meinung konkret zu äußern hat sich in der Runde anscheinend keiner getraut. Als man dadurch in Verdacht geraten ein heimlicher Brauner zu sein.

    Mal davon abgesehen wie witzlos und unsinnig diese Diskussion speziell um Eva Hermanns Person und Ansichten ist, finde ich den Verlauf dieser 6 Minuten doch irgendwie sehr sinnbildlich für die Einstellung zu solchen Themen in Deutschlands Gesellschaft.
    Dass bei einem so anspruchsvollen Thema ausgerechnet in des Kernes Sendung etwas sinnvolles zu Stande kommt, hätte mich aber so oder so überrascht.

  8. Das Problem mit der NS-Geschichte ist wohl zum Einen,dass man sich nach der herrschenden Ideologie in eine Täter- oder Opferrolle hineinzusteigern hat und nichts neutral betrachten darf. Das kann aber schon deswegen nicht funktionieren, weil die Leute, die sich heute aufregen, die Zeit nicht mitgemacht haben und nur vom Hörensagen her argumentieren können. Die Nachkommen von Tätern, Opfern, Mitläufern und einfach nur so Betroffenen sind aber alle mehr oder weniger unter den gleichen Rahmenbedingungen aufgewachsen, so dass die ideologisch zu übernehmende Rolle zwangsweise einen etwas verlogenen Anstrich bekommt.

    Das zweite ist die Ideologie selbst, die ein ununterbrochenes 12-jähriges Terroregime darstellt, dass jeden einzelnen Bürger täglich jede Minute drangsaliert. Wenn man aber mal genau hinschaut, scheinen die meisten Leute damals zumindest bis zum Krieg ausgesprochen zufrieden und fröhlich gewesen zu sein, auch wenn man sich heute den Organisationsgrad der NS-Organisationen wohl auf’s Schärfste verbitten würde. Hitler musste jedenfalls nicht wie kommunistische Regime einen Zaun um sein Land bauen lassen, damit die Leute dableiben – im Gegenteil sind viele freiwillig gekommen.

    Jedenfalls verhindert die ideologische Zwangsbrille, hinter der man sich natürlich auch hervorragend verstecken und ungehindert und ohne eigene Qualifikation andere Leute anmachen darf, eine offene Diskussion. Dabei können diese Selbstegerechten eigenartigerweise mit einer ganzen Menge NS-Nachlass hervorragend leben. Es hat sich von denen noch keiner über die von den Nazis gesetzlich eingeführten Feiertage, aus den 30er-Jahren stammende und noch heute gültige Sozialgesetze, Konkordate, nach denen noch heute die katholische Kirche subventioniert wird und eine ganze Menge anderen noch heute gültigen Gesetzes- und Verwaltungskram aufgeregt.

  9. @Gilbert: Ich würde mich gar nicht inhaltlich mit der Fragestellung befassen wollen, was es eventuell an zustimmungsfähigen Dingen in der NS-Zeit gegeben haben könnte. Das führt nämlich die Diskussion fehl.

    Es geht einfach nur um die Frage, ob Frau Herman zurecht in die rechte Ecke gestellt wird. Und meine klare Meinung dazu ist: Nein, Sie wird zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt.

    Auch außerhalb der Diskussion zu betrachten ist die Frage, ob die Thesen der Frau Herman nun besonders intelligent sind. Auch dazu habe ich eine klare Meinung: Nein, die Thesen der Frau Herman sind außerordentlich halbgar.

    Man kann also mit einiger Berechtigung sagen, dass Frau Herman ziemlich viel Mist redet, wenn auch nicht in jedem Falle. Aber es gibt keinen Grund, Sie deswegen zu einer Eva Braun zu machen.

  10. Vollkommen d’accord, Peter. Es spricht aber Bände über die intellektuelle Qualität der „Guten“ in unserem Lande, wenn die offenbar nur mit dem Vorschlaghammer „rechtsradikal“ in der Lage sind, eine recht dünnschalige Nuss wie die Herman zu knacken. Kein Wunder, wenn die echten Rechten seit einiger Zeit auf der Überholspur angebraust kommen.

  11. @Gilbert: Eine unechte Rechte, noch dazu eine Frau, noch dazu eine Intellektuelle, ist eben einfacher zu verkloppen, als so eine Glatze mit Springerstiefeln, die einem sofort auf die Fresse haut.

  12. Sorry, meine natürlich „Dieter“ und nicht „Peter“. Mit meiner intellektuellen Qualität scheint es auch nicht weit her zu sein. 😉

  13. Jede Idee und Meinung von Homosexuellen, Feministinnen, Grünen, Linken,… darf in diesem Land frei geäußert werden.
    Andere Meinungen, welche nicht diesem Spektrum entspringen, werden unterdrückt, ggf. mit der Nazikeule „gemaulkorbt“.

    Die Dinge werden sich ändern, …müssen, denn dies ist keine Meinungsfreiheit.

    Dieter, Du hat den Link auf die MP3 der Rede von Frau Herman beim Forum Deutscher Katholiken in Fulda vergessen.
    Dort erläuterte Frau Herman ihre Gedanken, welche zwar kaum jemand kennt, aber dennoch eine Meinung darüber hat.

  14. Interessant dabei ist ja die völlig falsche Selbstwahrnehmung dieser vermeintlichen Demokraten. Die wehren sich ja beißend, tretend und diskriminierend gegen die Behauptung, dass sie die eigentlichen Intoleranten mit den eigentlichen inakzeptablen Aussagen sind.

    Wenn ich so einen Scheiß lese, wie, dass es gut sei, dass Frau Herman in dieser Weise gemaßregelt wird, weil dies zeige, dass die Abwehrreflexe der Demokratie funktionieren, bekomme ich gelinde gesagt das Kotzen.

  15. Du machst es einem aber auch nicht leicht Dieter …

    Dabei wollte ich nur sagen: jetzt muss ich Dir auch noch zustimmen! Und dann auch noch uneingeschränkt … das wir das noch erleben {können/dürfen/müssen/…}

  16. In der Tat bringt die eine Klärung, denn Frau Herman hat sich stets und ständig und immer wieder von rechtem Gedankengut distanziert und klargestellt, was man auch ihren ersten Aussagen entnehmen kann, nämlich, dass sie sagen wollte, dass Werte wie Familie DURCH den Nationalsozialismus abgeschafft und später dann auch nicht wieder installiert wurden. Leider hat sie dabei den 68ern auf die Füße getreten und die sind ja immer noch die herrschende Kaste, manch einer spricht gar von Meinungsdiktatoren.

  17. Weiterhin wurde mir zugetragen dass dort wohl geschickt mit den anderen Gästen „gespielt“ wurde. Die ganze Sendung stand Frau Herman im Mittelpunkt, sowas ist natürlich für eine Senta Berger und eine, zwangsbetroffene, Schreinemakers kein angenehmer Zustand. In den Damen kochte sicher ein gewisser Interviewzeit-Futterneid hoch und der entlud sich dann angeblich ja auch.

    Allerdings soll Frau Herman sich ein einziges Mal in die Enge treiben lassen haben, sie soll etwas wie „Hitler hat auch die Autobahnen gebaut und wir fahren heute drüber“ von sich gegeben haben und sich so der Lächerlichkeit preisgegeben haben. Die Sache mit den Autobahnen ist afaik eine Urban Legend, die waren wohl schon zum grossen Teil vorher da, nur der Adolf hat sich mit denen fotografieren lassen. Gleichzeitig soll der „Historiker“ wohl scheinbar ordentlich gebrieft gewesen sein um Eva Herman in eine bestimmte Ecke zu stellen.

    Der Klopper muss wohl tatsächlich Hermans Nachfrage bzgl den Familienverhältnissen von Michel aus Lönneberga, bzw Kerner gewesen sein. Das hatte der blonde Deutsche so gar nicht auf dem Radar gehabt…

  18. Na ja, gebaut hat der Adolf die Autobahnen schon, wobei der dafür erfundene und eingesetzte Reicharbeitsdienst einer der Hebel war, mit denen er die Arbeitslosen schneller als in anderen Ländern von der Straße bekam. Aber das ist insgesamt ein heißes Pflaster, denn die Einen haben’s vorbereitet und hatten entweder nicht die Zeit oder den Drive, das umzusetzen, und die Anderen haben’s tatsächlich gemacht (Autobahn + Vollarbeit). Wer bekommt also die Lorbeeren?

    Zu denken geben sollte einem eher, dass offenbar jeder Begriff, der durch irgendeinen dialektischen Kunstgriff in Zusammenhang mit der NS-Zeit gebracht wird, geeignet ist, eine völlig dahergezogenen Verleumdungskampagne einzuleiten. Was die Leute wirklich gesagt haben, ist völlig egal. Das Dumme an der Herman ist, dass sie eine Frau und deshalb nicht so leicht mit „frauenfeindlichen“ Argumenten plattzumachen ist wie der süddeutsche Bischof, der ja auch ganz was anderes gesagt hatte, als ihm untergeschoben wurde. Mal schauen, ob sie ihr noch eine Fotomontage unterschieben, auf der sie mit Tarnklamotten und Springerstiefeln zu sehen ist, so als letzten Beweis …

  19. In die Enge treiben lassen, ist falsch ausgedrückt. Kerner hat sinngemäß gesagt: „Aber Du musst doch zugeben, dass die Wortwahl aus NS-Zeiten stammt.“ Woraufhin Sie die Augen verdrehte und sowas sagte wie: „Ja meine Güte. Hitler hat auch die Autobahnen gebaut und heute fahren wir trotzdem noch drüber.“ Ich fand das eigentlich recht schlagfertig. Im Nachgang hat die Presse dann diese Aussage isoliert und zu „Herman lobt Hitlers Autobahnen“ gemacht.

  20. Lässt sich auch leicht missverstehen, wenn man nur den Satz ein klein wenig verdreht. Deswegen sollte man auch gar keine vermeintliche Aussage so leichtfertig glauben wenn sie nicht wirklich ein wörtliches Zitat ist.

    Zu den Autobahnen: Es war doch so, dass zwar nach der Machtergreifung der Nazis der Großteil der Autobahnen gebaut wurde, aber die Pläne lagen schon von deren Vorgängerregierung fertig in der Schublade. Sie wurden nur noch nicht ausgeführt und das zu veranlassen war auch schon der einzige Verdienst den die Nationalsozialisten jemals an den Autobahnen hatten.
    Selbstverständlich haben sie sich trotzdem damit profiliert so gut sie konnten. Propaganda für sich selbst eben. Und wenn man heutzutage immer noch diese Verbindung zwischen den Nazis und den Autobahnen herstellt, so fällt man nur immer noch genauso auf ihre Propaganda herein, wie es damals schon beabsichtigt worden war.

  21. @Thomas: das ist genau die ideologische Kacke, um die es hier geht. Zunächst wird es allgemein so gehandhabt, dass derjenige die Anerkennung erhält, der etwas umgesetzt hat, und nicht der, der nur eine Idee hatte. In Bezug auf die NS-Zeit ist es offenbar verboten, sonst gängige Konventionen zu befolgen.

    Außerdem wurde das nicht NUR so einfach veranlasst. Die Weimarer Republik wäre mit konventionellen Mitteln auf die nächsten 10 Jahre nicht in der Lage gewesen, da was größeres anzufassen, außerdem bestand auch gar keine verkehrstechnische Notwendigkeit dazu. Es wäre also allenfalls bei ein paar Prestige-Pilot-Projekten a la Magnetschwebebahn geblieben.

    Nach der Weltwirtschaftkrise war Deutschland zwar aus verschiedenen Gründen besser auf einen Neustart vorbereitet als andere, aber es fehlte der Initialimpuls (zum Vergleich: die USA haben sich praktisch erst mit dem Kriegsausbruch, als jeder, NS-Deutschland inklusive, Waffen und Technologie brauchte, aus dem Tal herauskatapultiert). Den brachte das NS-Regime mit dem RAD (und ein paar anderen relativ preiswerten Maßnahmen), der im Prinzip die Vorwegnahme der 1-Euro-Jobs darstellt. Hintergrund für das Autobahnprojekt war – und da ist die Quellenlage ziemlich eindeutig – ein längerfristiger Plan zur Volksmobilität a la USA. Aus ideologischen Gründen darf man natürlich heute auch nur ausschließlich von Kriegszielen sprechen (was eben allenfalls ein kleiner Teil der Wahrheit ist), und der Erfolg des Projekts war ideologisch natürlich auch nur durch „Abstauben“ bei der Wirtschaftsvorbereitung durch die Weimarer Republik möglich.

    Nach heutigen Maßstäben war das Ganze ein außerordentlicher Erfolg, den sich auch heute die „Macher“ ans Revers heften und nicht schüchtern auf den politischen Gegner als Ideengeber verweisen würden (heute werden ja schon viel banalere Ergebnisse, zu denen man keine Ideen und auch sonst nichts beigetragen hat, als „weltbewegende“ eigene Erfolge gefeiert). Natürlich haben die Nazis, wie überall sonst auch, Vorbereiter für ihre Projekte gehabt. Und sie haben es geschafft, wie ebenfalls allgemein üblich, mit ein paar zusätzlichen genuinen Ideen damit etwas erfolgreich umzusetzen. Wenn die Herman ihren Spruch über die Autobahnen losgelassen hat, mag sie das alles nicht verstanden haben, aber hat damit nicht so ohne weiteres Unrecht und wird deshalb schon gar nicht zu einem Nazi.

    Ich für meinen Teil halte mich an die Quellenlage, und wem die in einigen Teilen ideologisch nicht passt und wer dann meint, mich deshalb als Nazi anmachen zu müssen: bitte sehr, ich hab noch ein paar Echos in Reserve

  22. @Gilbert: Du brauchst nun auch keine Präventiv-Rundumschläge gegen ‚ideologische Kacke‘ oder ‚Nazi-Anmachen‘ zu verteilen.

    Dann kenne ich die Quellen eben nicht genau genug, die Rückschlüsse zulassen, inwieweit diese Pläne nun schon vorgearbeitet waren und wie deren Umsetzung durch die Weimarer Republik ausgesehen hätte.

    Im Großen und Ganzen hilft es tatsächlich nicht, jeden als Nazisypmathisanten zu verdächtigen, der versucht sich dem Thema zu nähern.
    Aber ein paar ungeschickt gewählte Sätze lassen (z.B.) Eva Hermann eben 1-2 Presseberichte später ganz schnell im falschen Licht dastehen. Obwohl diese sicher anders gemeint, und sogar ganz anders formuliert waren, als spätere Berichte darstellen wollen.
    Das macht es eben umso schwieriger, nüchtern darüber zu diskutieren.

  23. Sorry, wenn der letzte Satz falsch rüberkam. Ich wollte im ersten Teil eigentlich nur klar machen, wie schnell man auf die heutige Propaganda reinfallen kann, wenn man ein paar zunächst harmlose Statements wie „die Nazis haben ja nur schon fertige Pläne ausgeführt“ einfach übernimmt.

    Das Perverse ist eben, dass jeder durch ein paar „ungeschickte Sätze oder Formulierungen“ in die Situation kommen kann, als Nazi gebrandmarkt zu werden, da, wie du selbst schreibst, bewusst gefälscht und manipuliert wird und sich daran auch nichts ändert, wenn der Betroffene eine Klarstellung von sich gibt. In der Beziehung verhalten sich unsere Medien durchaus in echter goebbels’scher Tradition, wenn sie dem kleinen Hinkefuß und Frauenheld auch nicht gerade das Wasser reichen können.

  24. Wie gesagt, die Aussage mit den Autobahnen sollte bei weitem nicht die Bedeutung haben, die ihr jetzt überall zuteil wird. Frau Herman wollte das eher ins Lächerliche ziehen und wurde daraufhin selber ins Lächerliche gezogen.

    Übrigens: Bei Spreeblick gibt es sogar einen offenbar geistig Armen, der allen Ernstes Frau Hermans Plauderrhetorik linguistisch untersucht hat. Der merkt doch wohl auch nix mehr…

    Erschreckend, was diese Sache für Blüten treibt!

  25. So lesen Sie heute zu diesem Thema:

    http://www.stern.de/politik/de.....00274.html

    Dabei wird mal wieder gewohnt schwammig formuliert. So heißt es z.B.:
    „Auf die Frage, ob der Nationalsozialismus auch gute Seiten gehabt habe, wie etwa den Bau der Autobahnen oder die Förderung der Familie, antworteten 25 Prozent der Befragten mit „ja“.“

    Also ich wüsste nicht was ich bei einer solche Umfrage antworten sollte, sicher gab es im Dritten Reich Dinge (mindestens mal weit abseits der Politik) die gut waren, z.B. hielten die afroamerikanisch geprägten Musikrichtungen Einzug in Deutschland.

    Aber hier wird mal wieder alles über einen Kamm geschert, als ob man wenn man *irgendetwas* in dieser Zeit, sogar innerhalb Deutschlands, gut findet, automatisch Bezug auf die fremdenhassende Gesinnung der Nazis nehmen würde.

  26. Stimmt, hier wird abgeprüft, ob jeder Deutsche, speziell die, die die Gnade der späten Geburt ertragen müssen und nur vom Hörensagen her argumentieren müssen, auch brav und artig „alles war ohne Ausnahme einfach scheußlich“ sagen.

    Objektiv muss die Frage allerdings mit JA beantwortet werden. Gerade in den Fernsehmedien sind nämlich in der letzten Zeit größere Mengen an Privatfilmen aus der Zeit gezeigt worden, wobei man davon ausgehen kann, dass da nicht nur Pflichtclaqueure wie in Propagandafilmen am Werk waren. Wenn man heute wohl auch ziemlich verschroben sein muss, die damals gepflegte „Volksgemeinschaft“ gutheißen zu wollen, sieht man da allenthalben fröhliche, geschäftige, gepflegte und zufrieden aussehende Menschen. Zumindest für die muss die damalige Zeit also etwas Gutes gehabt haben.

    Heruntergebrochen auf das „JA“ hat man sich mit der Antwort allerdings wieder geoutet.

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