Hotel Valamar Club Tamaris

Die Valamar-Gruppe ist ein Konzern mit mindestens einem Dutzend Hotels allein in Istrien (Kroatien). Wenn ich es richtig beurteile, ist Valamar in den letzten Jahren vornehmlich dadurch so rasant gewachsen, dass sie bestehende Hotels aufgekauft und durchrenoviert hat. So jedenfalls ist es mit dem Hotel Tamaris gelaufen, das im letzten Winter auf einen zeitgemäßen Standard gehoben wurde und seither als Valamar Club Tamaris in der Landeskategorie „4 Sterne“ geführt wird.

Der Valamar -Komplex auf der Halbinsel Lanterna umfasst neben dem Club Tamaris auch noch einen Campingplatz, ein Feriendorf, eine Appartmentanlage, sowie zwei kleinere Hotelanlagen höchsten Landesstandards und gleicht so mit seiner Schrankenbewehrten Einfahrt und den Wachpatrouillen einem kroatischen Beverly Hills. Ich habe versucht, den Gesamtkomplex per Pedes zu erforschen, aber irgendwann abgebrochen, da ich den Eindruck hatte, ansonsten nicht vor Einbruch der Dunkelheit ins Hotel zurückgekehrt zu sein.

Alles in allem ist das Gelände in einem erstklassigen Zustand. An Pflegeaufwand wird sicherlich nicht gespart. Natürlich kann ich für die anderen Anlagenteile der Lanterna-Halbinsel dennoch keine werthaltigen Aussagen treffen. Was die Strandsituation betrifft, fällt dem Otto Normalurlauber schmerzlich auf, dass es in der Tat nicht ein Fitzelchen Sand gibt. Die feinsten Teilchen sind grobe Kiesel, wie man sie auch in Sauberkeitsstreifen rund um Einfamilienhäuser verwendet. Überall gibt es Leitern ins Meer, an manchen Stellen wurden sogar Sprungbretter, gar 3-Meter-Sprungtürme auf die Felsen geschraubt. Durch das Fehlen jeglicher Sandkörnchen ist das Meer kristallklar. Schwimmen macht Spaß, am Strand liegen ist eher was für Caveman.

Zurück zum Club Tamaris. Durch die nahezu vollständige Renovierung und die Umgestaltung des Poolbereiches wirkt das Hotel wie neu erbaut. In den Zimmern findet man moderne Farben, Flachbildschirme und – eine Seltenheit in der internationalen Hotellerie – gute Betten. Türöffnung und Strom gibt’s mit Chipkarten. Safes stehen in den geräumigen Schrankwänden zur Verfügung. Im Bad finden sich Grohe-Armaturen. Bucht man ein Zimmer mit Meerblick, erhält man auch Meerblick und nicht bloß die Ausrichtung des Balkons gen Wasser.

Die Außenanlagen wirken parkähnlich. Am Sportpool gibt es eine große Wasserrutsche für die Kids, ebenso wie eine Strömungsanlage und einige Whirlpool-Effekte. Hier findet sich auch die Showbühne, die allerdings wie ein Fremdkörper wirkt, weil sie aus Messebauteilen zusammen gestöpselt ist und sich nicht in das Gesamtkonzept integriert. Ein Wermutstropfen: Der Sportpool wird nicht beheizt. Im Hochsommer mag das kein Problem darstellen, Anfang Oktober kommen einem Temperaturen von gefühlten 15 Grad nicht eben entgegen. Zum Glück gibt es auch noch den sog. Relax-Pool. Dieser ist ähnlich groß, aber auf 22 Grad hochgeheizt. Wem auch das noch zu kalt ist, der hüpft in den Whirlpool mit Temperaturen von gefühlten 30 Grad.

Tennissportler kommen voll auf ihre Kosten. Es gibt rund 20 Plätze. Spezialanbieter veranstalten Tenniscamps mit regelrechten Turnieren. Weniger Tennisambitionierte gehen ins hauseigene Fitnessstudio und schwitzen sich auf diversen Cardiogeräten, darunter Laufbänder und Stepper die Seele aus dem Leib. Pumper finden Gewichte und einen Zugturm vor. Wer noch mehr schwitzen möchte, als dies vermittels Sport geht, sucht die Sauna auf. Darüber hinaus bieten vier Sportanimateure noch Kurse von Aerobic bis Walking feil.

Abendunterhaltung findet normalerweise in Form von Shows am Poolbereich statt. Während meines Aufenthaltes jedoch gab es nichts dergleichen. Stattdessen fand ab und an Livemusic unterschiedlicher Hammondorgelbediener statt. Na ja. Man ging halt früh zu Bett.

Kids können im Mini-Club geparkt werden. Teens finden in der Teen’s Corner ähnliche Bedingungen vor. Chatterteens surfen kostenpflichtig an Computern in der Internet-Ecke. Gäste mit WLAN-Notebooks surfen an zwei Hotspots kostenlos.

Der Speisesaal fasst locker 700 Gäste auf einen Schlag. Das Buffet hält diesem Ansturm stand. Speisenauswahl und -qualität schwanken stark. Ist die Gästezahl im Hotel hoch, gibt es keinerlei Grund zur Beschwerde. Ist die Gästezahl gering, überträgt sich dies direkt auf Speisenauswahl und -qualität. Keiner da, machen wir mal weniger und das auch nur zu Beginn der Öffnungszeit. Wer spät kommt, isst überdies noch kalt.

Die Gästestruktur schwankt genauso stark. Mal befinden sich gefühlte 99 Prozent Siebzigjährige, tags darauf genausoviele Russen und dann eine ähnliche Zahl österreichischer Tennisspieler im Hotel. Selbst englische Großfamilien (mit erstaunlich gutem Benehmen allerdings) begeistern sich für den Club Tamaris.

Mitte Oktober schließt das Hotel. Ich gehe davon aus, dass meine teils durchwachsenen Erlebnisse mit dem bevorstehenden Saisonende korrelieren. Ich beschränke mich im Fazit daher fairerweise auf folgende Aussage: Dem Hotel ist zuzutrauen, dass es in der Hauptsaison alle Katalogversprechungen zu halten imstande ist. Schwerwiegende strukturelle Mängel bestehen jedenfalls nicht.

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