Germanblogs – eine Frage der Zeit!

Als Konkurrenz zu etablierten Medien wollte man verstanden werden. Sogar eine eigene GmbH wurde gegründet. Es sollte wohl ein Zeichen der Ernsthaftigkeit sein. Im Mai 2006 war man gerade ein paar Wochen online. Ich interessierte mich für ein Themenblog im vermeintlich aufstrebenden Holtzbrinck-Projekt und erweckte auf der Gegenseite ebenfalls Interesse. Ich möge mich doch bitte entscheiden, ob ich gegen Bezahlung eine bestimmte Anzahl Beiträge im Monat schreiben wolle oder ohne Bezahlung wann und wieviel immer es mir beliebte. Ich wählte das Bezahlmodell. Nicht, weil es so attraktiv war, sondern weil ich zu Recht glaubte, dass mich Bloggen in fremden Landen auf Dauer nicht motivieren würde, mithin eine Verpflichtung, insbesondere eine vertragliche, sehr hilfreich wäre.

Zu Beginn meiner Tätigkeit war die Aktivität auf Germanblogs durchaus erheblich, wenn auch „Konkurrenz zu konventionellen Medien“ eher nicht zu erkennen war. Gegen Ende des Jahres dünnte sich der Autorenbestand maßgeblich aus. Neuveröffentlichungen fanden spärlich und immer seitens der üblichen Verdächtigen statt. Autoren wurden immer seltener mit Bezahlverträgen ausgestattet, bei manch bestehenden Vereinbarungen wurde sogar der Status von bezahlt auf unbezahlt geändert. Am Ende oder besser – aktuell – sind nur noch eine Handvoll Autoren mit Bezahlverträgen übrig geblieben. Ich schrieb es hin

Anfang 2007 wurden dann die Themenblogs TV und Gesundheit zwar formal aufrecht erhalten, substantiell jedoch in die neuen Domains Loovt und Piyobo umgezogen. Ich schrieb meine Gedanken dazu nieder… Offensichtlich ging es bereits zum damaligen Zeitpunkt um die Rettung eventuell profitabler Teile. Faktisch sehe ich jedoch auf Loovt aktuell außer AdSense nichts an Werbung, Piyobo ist gleich ganz offline. Man überarbeite die Website komplett. Na ja, vielleicht. Aber Zumachen ist schon sehr ungewöhnlich, wenn man Erfolg hat.

Auch die Autorenbetreuung liess von Beginn an Fragen offen. Da war zunächst die liebe Frau Brilling. Man konnte sie stets ansprechen, wurde aber nie angesprochen. Eine Entwicklung des Konzeptes fand nicht statt. Autoren konnten schreiben oder es lassen und mit der Reduzierung der Bezahlverträge ließen es auch immer mehr… Abstruse Blogs wurden eröffnet, um direkt nach den ersten verschwurbelten Texten zu verwaisen. Irgendwann wurde Frau Brilling aufgrund Mutterfreuden unpässlich und durch Frau Lutz ersetzt. Auch Frau Lutz war stets nett, freundlich und jederzeit ansprechbar. Mehrfach bot ich an, am Konzept mit zu arbeiten, da ich nicht den Eindruck hatte, es täte ansonsten jemand. Man hielt dies nicht für erforderlich, weil alles planmäßig liefe.

Seit kurzer Zeit ist auch Frau Lutz nicht mehr. Sie hat einen anderen Job in einer anderen Stadt angenommen. Viel Erfolg dabei, Frau Lutz. Meine skeptische Frage, wer denn nun künftig Ansprechpartner wäre, beantwortete sie mit dem Verweis auf die „Redaktion“, die aus mehreren Personen bestünde, weshalb es einen konkreten Ansprechpartner nicht mehr gäbe, sondern deren mehrere. Allerdings wurde mir nie irgendeine/n andere/n Mitarbeiter/in der sog. Redaktion bekannt.

Ob es nun tatsächlich diese Redaktion gibt oder auch nicht, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass es seit dem Ausscheiden der Frau Lutz keinen Newsletter, der ansonsten wöchentlich erschien, mehr gegeben hat. Weiterhin sind seither die „Tipps der Redaktion“ auf der Startseite nicht mehr verändert worden. Diese Top 5 der Germanblogs-Postings stammen aus der Zeit vom 23. bis zum 28. August. Heute schreiben wir immerhin den 15. September. Nichts Tippwürdiges geschrieben worden seither? Oder keiner zum Lesen und Tippgeben da? Ich tippe auf Letzteres.

So sieht also alles danach aus, dass sich Germanblogs in absehbarer Zeit verabschieden werden. Dabei hätte das nicht so sein müssen. Offenbar hat man bei Holtzbrinck/Boogie relativ früh die Lust daran verloren, hier eine wirklich erfolgversprechende Blogcommunity aufzubauen. Es gab weder eine tragfähige Konzeption, noch die Weiterentwicklung derselben. Im Grunde war den Betreibern letztlich egal, wer wann was schreibt. Hätte einer gerufen, er wolle einen Themenblog Ohrenschmalz eröffnen, man hätte es vermutlich getan. Klar, dass in einem derart unverlässlichen Medium keiner Geld für Werbung ausgeben will.

Und so haben die Germanblogs/Boogie-Profis eine sich nach unten drehende Spirale entworfen, deren Ende bald erreicht sein wird. Es sei denn, man erinnert sich an die ursprünglichen Ziele und nimmt konsequent das Geld in die Hand, das dafür erforderlich ist. Denn umsonst ist der Tod, und der kostet noch das Leben.

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