Eine interessante Erfahrung

Ich beabsichtige, dieses Fahrzeug zu verkaufen. Nachdem ich die Information auf einer Fete beiläufig habe fallen lassen, bekam ich direkt mehrere Angebote von Bekannten, die zwischen 5 und 6 TEUR boten. Im letzten Jahr hatte ich den Wagen schon einmal bewerten lassen. Danach sollte er zum damaligen Zeitpunkt einen Wert von 7.250 EUR haben. Klar, dass so ein Wagen nicht eben wertstabil ist. Dennoch kommt mir der Unterschied zu 5 – 6 so hoch vor, dass ich beschließe, nicht dem nächstbesten Bekannten eventuell Geld zu schenken, sondern zunächst einmal zu checken, was denn Otto Normalkunde so via mobile.de zu zahlen bereit ist.

Unter Verwendung der Schlüssel aus dem KFZ-Schein ist der Beetle in weniger als zehn Minuten online. Schnell noch ein paar Bilder aus Flickr dazu und warten. Das wird jetzt ein paar Tage dauern, denke ich und überlege noch, ob ich die verlängerte Laufzeit von 56 Tagen kostenpflichtig hinzubuchen soll, als mein Telefon zu klingeln beginnt. Der erste Interessent!

„Sie haben eben einen Beetle annonciert. Ist der noch zu haben?“ Erstaunt äußere ich, dass ich doch eben erst auf „Veröffentlichen“ und so, was der Interessent direkt als Anfängerfehler erkennt und das Feilschen beginnt. Nach kurzer Zeit bin ich des öden Hin und Her überdrüssig und erkläre dem Herrn ausländischer Herkunft, dass er mich mit seinen „Ich komme sofort mit Bargeld vorbei und dann haben Sie 6000 Euro auf der Hand“-Sprüchen absolut nicht hinter dem Ofen vorlocken kann. Er glaubt es anscheinend nachhaltig nicht. Ich muss das Gespräch recht abrupt beenden und stelle dabei fest, dass bereits ein halbes Dutzend weiterer Anrufe in meinem Handyprotokoll aufgezeichnet wurden, während ich noch den Migranten davon zu überzeugen suchte, dass ich kein Hartz4-Empfänger mit dringendem Finanzbedarf bin.

Auch der nächste Anrufer hat mit „Otto Normalkunde“ nichts gemein. Ein weiterer Migrant verkündet mir, er sei auf Beetle spezialisierter Händler, er verkaufe überhaupt nichts anderes und wisse von daher genau was Sache ist. Er bietet 7 TEUR. Der nächste Migrant bietet 7.200, ein weiterer 6.800, noch einer 7.500, dann wieder einer 6.500.

Danach tritt der erste „Otto Normalkunde“ auf den Plan. Kein Händler, sondern ein Mensch mit nachprüfbarer Adresse und aussprechbarem Namen bietet 7.250 Euro, meldet sich dann aber leider nach der dritten Mail ncht mehr. Weitere Migranten aus Ungarn, Russland, Frankreich, sowie eine erhebliche Zahl Türken versuchen mir das Fahrzeug mit „sofort bar“und „komme sofort vorbei“ aus dem Kreuz zu leiern. Alle liegen deutlich unter der Verhandlungsbasis von 8 TEUR.

Dann der Durchbruch: „Hallo, chier ijst Eugen. Ijch bjin Unternähmer und kann mjorgen ach Hamburg fliegän. Dann komm ijch vorbei und nähmä das Auto mjit. Ich gäbä Djir 8 TEUR. Ijst mjir egal, ijch wjill Auto unbedjingt chabän fur mjein Frau. Kannst Du mjir räsärvierän?“ Ich bin schwer verunsichert. Einerseits das beste Angebot, andererseits ein Moldavier ohne Nachnamen. Ich verlange eine vollständige Anschrift per Mail, erhalte jedoch lediglich Vor- und Nachnamen mit Angabe des Staates, in dem Eugen lebt (angeblich). Mal sehen, ob er nochmal anruft.

Weitere windige Gesellen bringen mein Handy zum Läuten. Ich gewinne den Eindruck, dass man sich am Ende wohl auf 7 TEUR einigen muss, um halberlei seriös abwickeln zu können. Am Abend meldet sich dann ein weiterer Privatkäufer, noch dazu aus der unmittelbaren regionalen Umgebung. Er erwartet Feilscherei und ist deutlich irritiert, als ich seinen Vorschlag, 7 TEUR zu zahlen, unumwunden akzeptiere. Jetzt ist er verunsichert und hält wiederum mich für unseriös. „Warum akzeptiert der so schnell?“, denkt er. Ich spüre das und versuche zu erklären, dass ich schon über ein Dutzend Gespräche hatte und so weiter. Ich kann ihn offenbar nicht überzeugen. Er zieht sich darauf zurück, nochmal mit seiner Frau sprechen zu müssen. Er werde gegebenenfalls wieder anrufen. Warten wir es ab…

Ab morgen feilsche ich wieder wie auf dem Basar. Wenn´s der Vertrauensbildung dient, bitte…

31 Gedanken zu „Eine interessante Erfahrung

  1. Deckt sich durchaus mit meinen Erfahrungen, auch wenn ich einen Wagen für 22 TEUR verkauft habe. Schon interessant wer da so alles anruft.

    Aber ich frage mich die ganze Zeit ernsthaft:
    Wer will den so eine schwule grüne Frauenschleuder?

  2. Eugen ist wieder auf den PLan getreten. Er will jetzt 8000 Euro aus Russland vorab per Western Union anweisen. Bin ja mal gespannt. Das wäre für mich natürlich eine recht risikofreie Sache. Bargeld vorab ist immer gut…

  3. Bei Western Union würde ich schon beim Namen stutzig werden, aber wenn Du die Kohle wirklich in der Hand hältst, soll’s recht sein.

    Würde mich auch interessieren warum sich so viele Käufer auf manche Autos stürzen und es bei anderen Wagen Probleme gibt. Der Preis scheint kein großer Faktor zu sein.
    Ich hätte meine Karre innerhalb drei Stunden fünfmal ungesehen (!) verkaufen können. Ich frage mich nur was passiert wäre, wenn dann bei Abholung über die kleinen Schrammen diskutiert wird. Den Ärger wollte ich vermeiden und habe es dem ersten Realbesichtiger verkauft. Gute Wahl.

  4. Oh oh, Western Union … da klingelt was bei mir, hab ich mal keine guten Dinge von gelesen. Genauer bekomme ich das jetzt nicht mehr zusammen und ich muss jetzt los, kann also nicht mal eemt nach googlen. Aber das soll nicht sicher sein.

  5. Ja, Western Union ist Mist. Aber nur, wenn Du der Käufer bist :mrgreen:

    Als Verkäufer, also als Geldempfänger gehst Du zur Western-Union-Zahlstelle (hier Postbank) und lässt Dir die Knete auf die Hand zählen.

    Aber Eugen hat mittlerweile auch wieder einen Rückzieher gemacht. Angeblich darf er nur 3500 Euro aus dem Osten per WU senden und da dachte er sich, er lässt es ganz. Aber ein Kumpel von ihm könnte morgen kommen und ein paar Hundert Euro anzahlen. Wieso nur ein paar Hundert? Na ja, der ist nur Fabrikarbeiter und verdient 1200 Euro netto im Monat. Da kann er dem Eugen nicht so viel vorstrecken…

  6. Man kann doch immer wieder was lernen.

    Aus diesem Gesichtspunkt würde ich mir wünschen Du schließt den Deal ab. Wäre sicherlich spannend was passiert. 😮

  7. Ich denke, ich werde den Eugen jetzt schießen, auch wenn er das höchste Angebot stellt. Der nächste liegt bei 7,5, was immerhin 1000 Mark weniger sind, kommt aber dafür aus Deutschland…

  8. @Chris

    Find ich jetzt echt nicht, ich unterstütze gerne (indirekt, weil ich ja nich innen Puff darf, weissu Madame 🙄 ) die Prostituierten in Südamerika und ich sage „Ja“ zur „Fickfreundschaft“ zwischen Unternehmen und Gewerkschaften 😎

  9. Eugen habe ich jetzt geschossen.

    Vorhin rief sein Fabrikarbeiterkumpel an und radebrechte (oder radebrach?) drauf los.
    Ich: „Ach, Sie rufen bestimmt wegen der Anzahlung für Eugen an?!“
    Er: „Von Anzahlug ijck wjeiss niggs. Ijch sjoll njur gjucken. Kjann ijch mjorgän kjommän?“
    Ich: „Sagen Sie Eugen, der Wagen ist schon verkauft. Tschüss.“

  10. Scheisse, bin ich jung, scheisse, bist Du alt 😈

    Ich hatte (vor?)gestern aber so nebenbei nen geilen (Scherz)Anruf, „BKA, Waller(s) (oder so), Guten Tag („klick“- hatter aufgelegt)

  11. Du entwickelst Dich zu einem ernst zu nehmenden Fun-Blog, lieber Dieter. Das Auto paßt ja nun gar zu dem Bild, das ich mir in den letzten Monaten, auch Dank Deiner „oberarmigen Winke“ gebildet habe. Wie paßt ein Dieter Schwarzenegger in so ein Auto? Never!
    Tipp: In Mannheim gibt es das MS Connexion (selbst googeln) – parke an einem Samstagabend doch einmal dort Dein Bonbon und Du wirst Dich vor, einander überbietenden Interssenten nicht retten dürfen. Vor möglichen Probefahrten ohne eine dritte Person würde ich allerdings abraten – viele dürften vielleicht eher auf die besagten Oberarme, als auf das Bonbon stehen. :mrgreen:

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