Das mobile Web wird attraktiver

Schon vor Jahren gab es internetfähige Handys. Manche klobig und belächelt, andere zwar schicker, aber dennoch erfolglos. Mittlerweile hat die Industrie wohl verstanden, dass WAP nicht akzeptiert wird, dass aber für den Desktop optimierte Websites den mobilen Nutzer auch nicht zu begeistern imstande sind. Es hat – wie immer – lange gedauert, aber nun scheint es tatsächlich loszugehen…


Das Erfolgsrezept sind spezielle Handyanwendungsschnittstellen für die komfortable Nutzung der normalen Onlinedienste. Der Motor dahinter mag auch ein Stück weit der Ausbau des UMTS-Netzes sein, denn schon der Abruf des GMail-Kontos per GPRS lässt Lust und Laune am mobilen Web schnell wieder schrumpfen. Per UMTS hingegen sind gewohnte Geschwindigkeiten an der Tagesordnung. Die Grenze zwischen PC und Handy verschwimmt.

Zurück zu den speziellen Anwendungsschnittstellen. Nachvollziehbarerweise ist es nicht sinnvoll, auf einem Handyscreen eine normale Website anzeigen zu lassen, auch wenn die CSS-Gurus vollmundig anderes verkünden. Sinnvoller ist es doch, eine speziell auf den Handybildschirm, sowie dessen Betriebssystem zugeschnittene Applikation zur Verfügung zu stellen, die dann ihrerseits wieder auf die Inhalte der „normalen“ Website zugreift. Immer mehr Anbieter gehen diesen Weg. Die großen Drei sind bereits dabei.

Google

Google bietet schon recht lange java-basierte Applikationen für die gängigen Handys, in erster Linie für, aber nicht für nur S60-basierte Geräte. GMail und GMaps sind auf diese Weise sehr komfortabel zu nutzen. Bei anderen Diensten, wie etwa dem Google Reader wurde das normale Webinterface bei Aufruf über einen Handybrowser entsprechend nutzbar gemacht. Eine Verzahnung der Dienste bietet Google nicht. Bis auf die Datentransferkosten, die der Handyprovider in Rechnung stellt, sind die Googledienste kostenfrei nutzbar. Unnötig zu erwähnen, dass die Googledienste auch auf meinem Handy bereits Wurzeln geschlagen haben, oder?

Yahoo

Ganz frisch am Markt ist das Angebot Yahoo!Go. Entsprechend modern kommt es daher. Y!Go bietet Schnittstellen zu nahezu allen Yahoo-Services in der Form einer einzigen homogenen Applikation. Per Daumentaste schaltet man durch die diversen Services, wie Mail, Maps, Nachrichten oder Flickr. Innovativ: Sobald man zu tippen beginnt, öffnet sich das Suchfenster, dessen Technologie Yahoo übrigens als oneSearch bezeichnet, weil man damit nicht nur Webinhalte, sondern auch Kontaktdaten, Mails etc. finden können soll. Wie bei Google sind die Dienste – bis auf die Handyprovidergebührern – kostenfrei nutzbar. Sobald mein Handyakku wieder startklar ist, werde ich Y!Go mal einen Versuch gönnen…

Microsoft

Wie man es vom Platzhirschen nicht anders kennt, kommt er zuletzt und mit gravierenden Einschränkungen. Erstaunlich indes, dass sich Bills Firma überhaupt dazu herablässt, eine andere Plattform als eine mit MS-Betriebssystem mit Applikationen zu beschicken. Microsoft ist eine Kooperation mit Nokia eingegangen. Nokia-Handys auf Basis des S60-OS können per sofort einige Windows-Live-Dienste ausführen, als da derzeit wären Email, Kontakte, Messenger und Blogs im jeweiligen MS-Flavour. Der Download ist ausschließlich bei Nokia an nicht prominenter Stelle vorgesehen.

Was die Kosten betrifft, so ist davon die Rede, dass in der Testphase eine kostenfreie Nutzung möglich ist, wobei man sich vorbehält, künftig einige Dienste in Abhängigkeit des jeweiligen Marktes kostenpflichtig werden zu lassen. Der Handyprovider kassiert natürlich wie immer ohnehin. Allein schon die Ankündigung einer eventuellen Kostenpflichtigkeit von im normalen Web kostenlosen Diensten wird mich dauerhaft davon abhalten, Windows Live auf mein Handy holen; abgesehen davon, dass die Dienste ohnehin Gähner sind. Wer will schon Hotmail oder einen Blog auf Live Spaces? Ich meine, wer über 20 will das…

[Screenshot: Yahoo! / Beitrag für digitallife.germanblogs.de]

2 Gedanken zu „Das mobile Web wird attraktiver

  1. Ich habe heute mal Y!Go ausprobiert. Ist ja ganz nett und für den mobilen Zugriff auf Flickr auch insofern gut zu gebrauchen, als man es eben nutzen kann, wenn man muss. Spaß macht das mobile Flickern mit dem Y!Go jedoch auch nicht.

    Die Emailfunktionalität klappte bei mir gleich gar nicht, angeblich wegen Verbindungsproblemen… Komisch indes, dass alle anderen Y!Go-Dienste, die ja die gleiche Verbindung nutzen, problemlos liefen.

    Mit dem Kartenwidget kann man auch navigieren, wenn man einen GPS-Empfänger hat oder per BT anschließt. Ob´s was taugt, werde ich bei Gelegenheit mal testen.

    Die Newsbereiche sind eher mau, da immer nur zwei Nachrichten auf den Screen passen und so ein schneller Infoüberblick nicht gewährleistet ist. Da lobe ich mir doch den mobilen Google Reader.

    Bislang hat mich Y!Go nicht in seinen Bann gezogen. Da hatte ich mir mehr von versprochen…

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